Ein Gastbeitrag von Mirage.
Wie wurde Matthias Küntzel vor kurzem in der Süddeutsche Zeitung zitiert? „Es werden keine muslimischen Gräber geschändet“.
Ob seine ebenfalls zitierte Kollegin Gudrun Eussner, diesen Satz widerspruchslos zustimmt? Denn auch wenn ihr geliebtes Roussillon in Südfrankreich etwa 1000 km von Notre-Dame-de-Lorette bei Arras im hohen Norden entfernt liegt, sie kann nicht leugnen, dass muslimische Gräber ebenso wie jüdische geschändet werden.
Notre-Dame-de-Lorette? War da nicht schon etwas ? Genau! Im
April dieses Jahres machte das kleine Ort mit seinem Soldatenfriedhof aus dem 1. WK europaweit Schlagzeilen, als 148 muslimische Gräber mit rassistischen Sprüchen, Hakenkreuzen, Schweineköpfen und Beschimpfungen an die Justizministerin Rachida Dati geschändet wurden. Ein Jahr vorher, also 2007, waren schon etwa 50 Gräber beschmiert worden.

Und nun in der
Nacht zum Opferfest sind es 500 laut Präfektur, 427 laut Staatsanwaltschaft der insgesamt ca. 575 muslimischen Gräber, die geschändet wurden, sowie etwa 20 jüdischen Gräber.
Über die Täter gibt es natürlich bisher nur Mutmaßungen. Aber sehr wahrscheinlich kommen sie wieder aus der Neo-Nazi-Szene wie bei den vorigen Fällen. Schließlich soll einer der Täter vom letzten April auch einer der verurteilten Täter aus dem 1. Fall sein. Kaum wurde er frühzeitig entlassen, machte er so zu sagen weiter. Und die Täter vom letzten April, die die Tat leugnen, sind bis zum Prozess unter Auflagen auf freiem Fuß. Denn die Mühlen der Justiz mahlen äußerst langsam in Frankreich!
Wie in solchen Fällen üblich krochen gestern und heute die Politiker mit entsprechenden Mienen und Statements der Empörung und der Entrüstung aus ihren Löchern um,
„diese Schandtat zu verurteilen“. Richtige Krokodilstränen vor allem seitens der Regierung und des Staatspräsidenten. Das Kommuniqué des Elysée-Palasts war in meinen Augen noch nicht einmal das Papier wert, auf dem es geschrieben wurde. Denn, wer schickte letztes Jahr während des Wahlkampfes unaufgefordert einen Unterstützungsbrief an Charlie Hebdo während des Karikatur-Prozesses, wer sprach am 5. Februar 2007 im Fernsehen von den Muslimen, die ihre Schafe in der Badewanne schächten? Wenn nicht ein gewisser Nicolas Sarkozy! Aber was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, Hauptsache ich konnte mit den Stimmen des Front National gewählt werden!
A propos Front National,
Jean-Marie Le Pen durfte natürlich bei diesem Statement-Karussell nicht fehlen:
„Die Schändung von muslimischen Gräbern auf dem Soldatenfriedhof von Notre-Dame-de-Lorette ist in zweierlei Hinsicht widerlich (...) Jedoch ist das medial-politische Konzert, das man nur zum Gehör bekommt, wenn es um muslimische oder jüdische Gräber geht, wiederum anstößig. 2007 wurden 5 jüdische Friedhöfe geschändet, 9 muslimische und 130 christliche. Diese letzteren bei einer absoluten Gleichgültigkeit. Für den Front National kann der Respekt der Toten nicht geteilt werden.“
Womöglich hat er das offen ausgedrückt, was andere sich (noch) nicht trauen laut zu sagen. Denn der Ton wurde heute gegeben, wenn auch verschleiert. Sowohl
Libération als auch
Le Figaro brachten einen Artikel mit dem Titel „Jeden 3. Tag wird ein Friedhof geschändet“. Trotz pseudo-wissenschaftlicher Aufmachung mit Zahlen und Statistiken ist m.E. die Message ganz klar: Was regt Ihr Euch denn auf, dass in der Nacht zum Opferfest 500 muslimischen Gräber geschändet wurden? So etwas ist doch Gang und Gebe!
Nur dass es zwischen Hakenkreuzen und rassistischen Sprüchen auf muslimischen und jüdischen Gräbern und zerdepperten christlichen oder auch atheistischen Gräbern einen klitzekleinen aber entscheidenden Unterschied gibt. Oder etwa nicht?
Wie hieß es doch so schön in einem Beitrag vor einiger Zeit? Braun scheint sehr wohl in der Mitte angekommen zu sein!
Zu Frankreich: warum sollte es dort anders sein als hier in D.? Im November waren doch muslimische Gräber in Hamburg dran: http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/6337/1293465/polizei_hamburg