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Pharmafirma hilft, Obdachlosen zu helfen
Manchmal machen die, die eigentlich zu kritisieren sind, ganz gute Sachen, die man dann nicht so einfach mit einem "Ach, die ..." abtun kann. So hat sich die Firma MSD für die Arbeit von Dr. Jenny De la Torre Castro engagiert.
Über Pharmafirmen gibt es nur eine Meinung: die Produkte unangemessen teuer, weniger auf den Menschen als auf den Profit ausgerichtet, ihre Forschungsansätze wie Monstranzen vor sich her tragend und damit werbend, kommerziell uninteressante Krankheiten nicht beachtend. Doch viele Firmen stellen auch gute und brauchbare Fortbildungen bereit: jedeR Arzt/Ärztin benötigt nämlich seit 2001 pro Jahr 50 Fortbildungspunkte - eine der wenigen Reformen, die Schmidtulla verfügt hat, die ich wirklich gut finde. Hat man 150 zusammen, so bekommt man eine Urkunde - ich selber bastele gerade an meiner dritten -: im Niedergelassenenbereich ist das die mittlerweile unabdingbare Voraussetzung, um seine Arbeit abrechnen zu dürfen.
Und es ist durchaus nicht so, dass diese Weiterbildungen nur diejenigen Themen beinhalten, mit denen das Unternehmen seine eigenen Produkte befördern will und diese dann als "Goldrandlösung" für die Therapie benannt werden. So betreibt die Fima MSD (Merck), Sharp and Dohme das Fachportal "Univadis" mit einem Newsletter, einem Nachrichtenportal, online lösbaren Tests, die einem dann Punkte bringen, sowie regelmäßigen Online-Fortbildungen, zu denen man sich per E-Mail zusätzlich einladen lassen kann. Letzten Sommer gab es mal eine Fortbildung zum Thema "Ethnomedizin" - in diesem Bereich engagiert sich die Firma ebenfalls -, dort kann man die guten Taten mit dem Firmeninteresse verbinden: MSD hat besonders moderne Antidiabetika im Angebot, und Diabetes ist eine Erkrankung, die unter Migranten häufiger vorkommt als unter der einheimischen Bevölkerung.
Heute gab es eine ganz besondere Fortbildung: Frau Dr. Jenny De la Torre Castro war von der Firma eingeladen worden, um über die Besonderheiten der Versorgung obdachloser Erwachsener und Kinder zu berichten.
Dr. Jenny De la Torre Castro?
Nun, wenn man - wie ich im Sommer vor drei Monaten - in Berlin Mitte arbeitet, wohnt und einkauft, dem laufen in und vor ein und demselben Supermarkt nicht nur die No Angels über den Weg, sondern man bekommt so langsam einen Blick für die verschiedenen Ausprägungen von Not. Vor besagtem Supermarkt stand immer ein Mann, der die dortige Obdachlosenzeitung "strassenfeger" verkaufte. Wir kamen so des öfteren ins Gespräch; nachdem er ein paar Tage nicht da war und dann wieder auf seinem Stammplatz stand, erzählte er mir, er sei bei "Frau Dr. de La Torre" gewesen, und sie habe ihm wie immer weitergeholfen. An der vorherigen Praxis - ein paar Räumen am Ostbahnhof - war ich früher schon öfter mal vorbeigelaufen.
Die Absicht war es, in dieser Fortbildung nicht nur Frau De la Torre und ihr Projekt bekannt zu machen, sondern auch, die Kollegen über die Besonderheiten der Probleme und Versorgung Obdachloser aufzuklären, damit die wissen, dass solche Patienten in manchen Punkten anders zu behandeln sind. Einiges habe ich mitgeschrieben, denn meine Absicht ist es, das Projekt bekannt zu machen und dafür zu werben. Zwar ist Frau Dr. De la Torre Castro schon bekannt, hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag und das Bundesverdienstkreuz, doch davon alleine bezahlen sich ihre Unkosten nicht.
Sie sagte, dass, bedingt durch einen Schicksalsschlag wie Arbeitslosigkeit, Scheidung, Alkoholprobleme etc. jedeR in die Obdachlosigkeit rutschen kann. Die Leute versuchen lange Zeit, ihre Selbstachtung zu bewahren, doch irgendwann geben sie (sich) auf. Wobei für die meisten dann auch die Leute suspekt sind, die versuchen, sich zu engagieren. Das habe ich selber deutlich zu spüren bekommen, als ich als Notärztin mal in einer Geschäftspassage einen bewusstlosen alten Mann versorgt habe: das umstehende Volk kommentierte lauthals, ich solle das doch sein lassen, der sei doch völlig besoffen. Nun, er hatte einen Blutzuckerabfall gefährlichen Ausmasses. Als ich dieses Interview 1997 gemacht habe, kam auch zeitweise unter den braven Bürgern eine sehr aggressive Stimmung auf. Solche Menschen sieht man halt nicht gerne und vertreibt sie mit Platzverweisen und ähnlichem. Wie man sowas "bürokratisch" regelt, habe ich im Interview beschrieben.
Obdachlose haben eine Menge Erkrankungen, die man in der täglichen Praxis eben nicht sieht, und das ist durch ihre Situation bedingt: "auf der Strasse" kann man sich eben nicht jeden Tag duschen und die Sachen wechseln, außerdem sind die Menschen schlecht(er) ernährt; Socken, die an den Füssen festgewachsen sind, und Madenbefall in den Wunden sieht man nicht so selten. An Erkrankungen, die bei Obdachlosen häufig sind und zum Teil durch die Lebenssituation auf der Straße entweder überhaupt erst bedingt oder verstärkt werden, zählt Frau Dr. De la Torre auf:
Impetigo (Schleppe) - Krätze - Läuse - schwere Verlaufsformen von Mykosen (Pilzinfektionen) - (Spritzen-)Abszesse - Schnittwunden, besonders nach Selbstverletzungen - Beinödeme und Durchblutungsstörungen - Krampfadern, besonders mit offenen Beinen - Ekzem - Erysipel (Rotlauf) und viele andere.
Der Arzt kann keine Rezepte ausstellen, denn 70% haben keine Krankenversicherung. 70% haben mit Alkohol- und/oder Drogenproblemen zu kämpfen, sie können anderen nicht mehr vertrauen, sind einsam, verwahrlost und haben Angst.
Wie muss die Behandlung aussehen?
Sie muss kostenlos und unbürokratisch sein, Verbandsstoffe und Medikamente müssen vor Ort sein, da es nicht möglich ist, Rezepte auszustellen. Außerden muss sie eine ganze Menge mehr umfassen, als das, was ein Arzt sonst so macht: die Patienten benötigen sehr oft neue Bekleidung, müssen duschen und in adäquaten Einrichtungen untergebracht werden - wobei "adäquat" nicht heisst, in einer Massenunterkunft ohne Betreuung abgelegt zu werden.
Als wesentlich für die Behandlung bezeichnet Frau Dr. De la Torre:
Vertrauen (zurück)gewinnen, respektvollen Umgang pflegen (Wobei es ganz offensichtlich schon erwähnenswert ist, dass man die Patienten nicht duzt!). Man muss das Selbstbestimmungsrecht gewährleisten. Weiter sind wichtig: Prävention, Nachbetreuung und individuelle Hilfsangebote. Im Wikipedia-Eintrag steht:
Jenny De la Torre definiert Obdachlosigkeit als "Soziale Krankheit", eine Einschätzung, die in Fachkreisen nicht übernommen wird, da der Begriff Krankheit die gesellschaftliche Verursachung von Wohnungslosigkeit ausblendet.
Die Präsentation der Firma als Weiterbildung und nicht als seifige "Spendengala" oder so gefiel mir deswegen so gut, weil die Erkenntnisse von Frau Dr. De la Torre als Weiterbildungsinhalt daherkamen und nicht als Appell zur Weihnachtszeit. Aus meiner Sicht ist ihre Arbeit auch gesamtgesellschaftlich wichtig - und deswegen auch zu recht gemeinnützig. Wer mehr wissen will, kann sich hier weiter informieren. - Und spenden.
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fehlt da vielleicht ein link?
Jetzt nicht mehr. Danke!
Wenn der Teufel in der Kirche eine Kerze anzündet, dann raunen die Blindgläugigen oh schaut ein Heiliger.
Ich kann Euch zuschmeißen mit Fakten über das geldgierige mafiöse Pharmagesocks, dass ihr Euch anschließend für diesen bescheuerten Artikel in die Ecke knallt und heult.
Auch Obdachlosigkeit ist in der Kausalkette von der Pharmaindustrie mitverantwortet, oder glaubt Ihr etwa neuerdings an den Weihnachtsmann?
Ok einen geb ich Euch gleich mit:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/649184?inPopup=true
Wer einmal zu der Kaste der Chipkartenlosen in Deutschland gehörte, der weiß was Wirken von Frau Dr. De La Torre bedeutet.
Wer weiß wie wenig diese Gesellschaft bereit ist, das Grundrecht auf Überleben für ihre Gestrandeten zu gewähren, der ist froh über Jeden der doch etwas tut.
Wer nicht auf Medikamente angewiesen ist und eine Krankenversicherung hat, der kann leicht mit all den Fakten selig sein. Den Anderen bleibt manchmal nur der Pakt mit dem Teufel.
Die Pharmaindustrie hinterläßt eine Spur von 16.000 Medikamenten-Toten pro Jahr, sorry da kann ich leider nichts Gutes mehr finden, hier geht es nur ums Geld.
Wer Medikamente braucht, sollte auf jedenfall mal seine indizierten Scheuklappen ablegen und nach Alternativen schauen die es reichlich gibt.
Das immer mehr Leute auf der "Strasse leben", liegt auch mit an der Pharmaindustrie wenn man in der Lage ist Zusammenhänge(Krankenkassenbeiträge,Lohnnebenkosten, etc.pp) zu erkennen.
Wer nichts im Grundsatz ändern will, wird auch nicht an den Gegebenheiten ändern können.
Ich darf Jörg Fuhrmann zitieren:
Wer nicht auf Medikamente angewiesen ist und eine Krankenversicherung hat, der kann leicht mit all den Fakten selig sein.
De la Torre's Patienten sind hier und heute krank. Bis die Revolution durchgezogen wurde, sind die tot.
Was kann man denn da ändern was dem Sinne einer Änderung entspreche?
Was hier im "Kleinen" gemacht wird ist keine Änderung der ursächlichen Probleme und sondern erinnert eher an einen Wohltätigkeitsball.
Der Kontrast zwischen Wohltätigkeit vs. sozialer Sicherung/Gerechtigkeit wird größer und langfristig manifestiert sich aber eine Unterschicht-Gesellschaft, abgekoppelt vom Rest der Bevölkerung.
http://www.jungewelt.de/2008/11-15/012.php
Tatsächlich hat sich mit den Tafeln und "la Torres" ein Almosensystem etabliert, das zwar von den Ehrenamtlichen gut gemeint ist, aber schwerwiegende gesellschaftliche Folgen mit sich bringt. Das neoliberale "Jeder ist seines Glückes Schmied" hat die Vorstellung gesamtgesellschaftlicher Solidarität schon fast völlig verdrängt, und während man selbst die paar Euro Hartz IV kaum noch jemandem gönnt, erwartet man Dankbarkeit von jenen, die sich vom Müll der Mehrheitsgesellschaft ernähren müssen. Die Widersprüche sind endlos, und es ist dringend geboten diese öffentlich zu verbreiten und zu diskutieren. Weder die Tafeln noch die Caritas arbeiten für die Armen. Sie arbeiten für die Steuersenkungen der bessergestellten Mittelschicht, die kein Geld mehr für den Pöpel abdrücken will.
Also wenn Du Dir diese Frage stellen mußt, bin ich nicht mehr Ansprechpartner. .....weiter so oder so