Angeregt durch das aktuelle Beispiel Craig Ewerts aus Großbritannien, möchte ich hier gerne eine Debatte anstoßen, weil es mich interessiert, welche Meinung hier so vertreten wird.
Worum es genau ging?
Am Mittwochabend hatte der britische Sender Sky Real Lives in der Dokumentation «Recht zu Sterben» die letzten Stunden und das Sterben des todkranken früheren Universitätsprofessors Craig Ewert gezeigt. Ewert litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit, die zu einer Lähmung des Körpers und dann zum Tod geführt hätte. Als sich der Verlauf der Krankheit beschleunigte, entschied sich der 59-Jährige zu einem begleiteten Selbstmord in einer Klinik der umstrittenen Sterbehilfe-Organisation Dignitas. Gefilmt wurden seine letzten Stunden von Oscar-Preisträger John Zaritsky.
Hier ein Fernsehbeitrag dazu:
Hier zur Schweizer Hilfsorganisation DIGNITAS - Menschenwürdig leben, menschenwürdig sterben.
Kritische Meinungen werden bereits im Artikel aufgeführt, wie z.B.:
Wenn dargestellt werde, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg für Todkranke sei, werde das unverantwortliche Konsequenzen für labile Menschen haben.
oder
«Wenn das Sterben öffentlich inszeniert wird, verliert der Sterbende seine Würde. Auch eine TV-Dokumentation muss da ihre Grenzen finden, wo die Individualität des Sterbens beginnt», sagte Ärztekammer-Präsident Hoppe weiter. Angehörige und Ärzte könnten dafür sorgen, dass Menschen in Würde sterben können. Zuwendung und Linderung von Schmerzen könnten Hospize und die Palliativmedizin leisten.
Wir protestieren auf das Schärfste gegen einen solch menschenverachtenden Umgang mit einem der intimsten Momente des Menschen
Ist es aber wirklich menschenverachtend und pietätlos, was Ewert getan hat? Mein Eindruck war nicht, dass er dazu gezwungen worden wäre.
Und was ist, wenn man nicht in einem Hospiz über längere Zeit vor sich hin vegetieren möchte (drastisch ausgedrückt: verrecken möchte), darf ein Mensch, der im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, dazu GEZWUNGEN werden, auszuharren, bis er eventuell elendiglich stirbt (z.B. erstickt durch Atemlähmung)?
Ist sowas nicht pietätlos?
Gut, man könnte jetzt kritisieren, dass sowas nicht ins TV gehöre, und dieses Thema ist zweifelsohne ein Tabuthema, aber muss es nicht einfach mal einen mutigen Vorreiter geben, der beginnt, ein solches Tabu zu brechen?
Und würde die Legalisierung des begleiteten Selbstmordes wirklich dazu führen, dass labile Menschen einfach mal so ihrem Leben ein Ende bereiten? Wenn ich es in dem Fernsehbeitrag richtig verstanden habe, muss ja nachgewiesen werden, dass der "Kandidat" an einer unheilbaren Krankheit leidet. Also mal so eben Selbstmordbegehen kann man es ja auch nicht nennen ...
Ich hoffe auf möglichst viele interessante Kommentare und eine lebhafte Diskussion.
Hervorragender Beitrag, mit dem Du mir das Wort aus dem Mund genommen hast. Bei solchen Inszenierungen wird mir immer ganz anders: Ich denke, daß es um solche Extremfälle nicht geht, sondern es soll die Hemmschwelle für solche Ein- oder Übergriffe generell gesenkt werden: die Oma, die kein künstliches Hüftgelenk bekommt, der einsame Depressive, das behinderte Kind (was sagst Du zu diesem Mädchen, das mit 13 Jahren kein neues Herz will?) Wie Du bereits angedeutet hast, geht es nicht um die Extremfälle, es geht darum, generell Akzeptanz zu bekommen.
Ich habe als Kind miterlebt, wie meine Mutter langsam und über Jahre hinweg verreckt (entschuldigt bitte die Wortwahl, aber es gibt einfach keine passendere Bezeichnung, die nicht gleichzeitig verharmlosend wirkt) ist, würde man so etwas bei einem Haustier zulassen würde sich alle Welt über diese Tierquälerei aufregen.
Natürlich ist Tötung auf Verlangen eine Gratwanderung und die Grenze zur Euthanasie ist nicht weit, ich würde aber niemanden zum weiterleben zwingen wollen, der das nicht will, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, selbst sein Leben zu beenden.
Und nur in solchen Fällen befürworte ich Tötung auf Verlangen, wer physisch noch in der Lage ist, sich selbst zu töten, aber einfach nicht die psychische Kraft zum Suizid aufbringt muss selbst zusehen, wie er klar kommt.
Eine legalisierte Tötung auf Verlangen darf nicht zum Erfüllungsgehilfen für suizidgefährdete Menschen werden.
#3.1
Annegret Nagel
am
12/11/08 um 11:51
[Antwort]
Heute gab es einen Beitrag dazu in der ARD in der Sendung Panorama: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2008/panoramakusch100.html (Roger Kusch). Dort schien es ziemlich deutlich um Menschen zu gehen, die einfach keine Lust mehr zum Leben hatten oder einfach Angst davor, bettlägerig zu werden.
Solche Leute brauchen sicherlich etwas anderes als jemanden, der ihnen einen Giftcocktail reicht.
Und der Knüller: kurz vor Ende verlässt Herr Kusch den Sterbenden und geht aus dem Zimmer....soviel zum Thema "SterbeBEGLEITUNG"
Wie auf Absprache kam heute in Panorama dieser Beitrag über Roger Kusch. Ich finde, daß der sehr gut zeigt, worum es solchen Leuten eigentlich geht. @Grainger: es gibt Möglichkeiten, für schwerkranke Menschen, dass sie garnicht erst in eine solche Lage kommen: wer sich erst einmal orientieren will, ist, so glaube ich, mit dieser Wikipedia-Kategorie ganz gut bedient. Besonders empfehle ich die Unterkategorie Schmerztherapie; vielleicht wird dann so ein bißchen klar, dass es selbst für Fälle, die wir als Extremfälle betrachten würden, Möglichkeiten gibt, an die wir heute noch nicht denken, und an denen auch kein Forschunginteresse besteht. Komisch nicht? an solchen Themen wie "Lasst uns die Sterbehilfe legalisieren" besteht Interesse, daran, was Palliativmedizin kann, nicht. Dieses Thema ist viel zu ernst, um mit Berichten der Kategorie Mann beisst Hund - , des Synonyms für Radauberichte. Wer von den Journalisten, die sich für solche Berichte hergeben, würde denn über die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin schreiben? Wer kennt den blauen Ratgeber "Palliativmedizin"der Deutschen Krebshilfe, wer weiss, dass es mittlerweile universitäre Zentren gibt, die Möglichkeiten erforschen, solche Schcksale wie das Deiner Mutter zu vermeiden, und sich solche Sätze zur Leitlinie machen:
QUOTE:
Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur friedlich sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.
Das ist ein Zitat von Cicely Saunders.; sowohl der deutsche als auch der englische Wikipedia-Eintrag lohnen sich. hier und hiersind weitere Informationen. Ich bin sicher, wer die liest, sieht die ganze Diskussion in einem anderen Licht.
Ich bin über Palliativmedizin zumindest rudimentär informiert. Meine Mutter starb bereits 1969 (ich bin nicht mehr so ganz jung ;)), da steckten Krebsforschung, Schmerztherapie, usw. bestenfalls noch in den Kinderschuhen.
Natürlich gibt es heute ganz andere Möglichkeiten, trotzdem gibt es nach wie vor auch Schmerzen, die die Grenzen des Erträglichen überschreiten.
Ein Hospiz wäre für mich keine Alternative, ich habe für mich persönlich beschlossen, im Falle eines Falles selbst einen Schlußstrich zu ziehen, solange ich dazu noch in der Lage bin.
Religiöse Bedenken habe ich als überzeugter Atheist deswegen nicht, moralische oder ethische schon gar nicht, da dies eine Entscheidung ist, die überwiegend nur mich selbst betrifft.
Das ist natürlich alles nur graue Theorie, während ich gemütlich und gesund vor meinem PC sitze läßt sich so etwas selbstverständlich leicht schreiben, wenn ich wirklich vor solche einer Entscheidung stünde, würde ich die Situation vielleicht doch anders beurteilen und mich mit aller Kraft an mein Leben klammern.
Wer weiß das schon mit absoluter Sicherheit?
Ich halte das zwar für unwahrscheinlich (ich sehe mich als einen eher unemotionalen Verstandesmenschen), aber nicht für unmöglich.
Das ist natürlich alles nur graue Theorie, während ich gemütlich und gesund vor meinem PC sitze läßt sich so etwas selbstverständlich leicht schreiben, wenn ich wirklich vor solche einer Entscheidung stünde, würde ich die Situation vielleicht doch anders beurteilen und mich mit aller Kraft an mein Leben klammern.
Genau so ist das. Ich habe ein Beispiel dafür: wenn man die Leute vor die Wahl stellt: verstümmelnde/entstellende Operation, laufen einige erst mal davon, aber schlußendlich sagt kaum einer, ich sterbe lieber. Oder Patienten mit einer Halsquerschnittlähmung - so einen hatte ich als Patienten. Der war zwar mit seiner Situation todunglücklich, aber leben wollte er trotzdem. Mich stört die Art und Weise, wie die Diskussion geführt wird. Es ist für die Patienten einer Palliativklinik - was bedeutet, Du kannst ein Leben führen, daß trotz Deiner Erkrankung noch einen Rest Lebensqualität hat - durchaus möglich, von Schmerzen weitestgehend befreit zu werden, ohne daß man ihnen das Hirn vernebelt - nur mal so als Beispiel. Das kostet natürlich Geld. Und da sind solche Sendungen doch nützlich: die Leute werden nach der Sterbespritze rufen - dann kosten sie nichts mehr. Und guck Dir mal den Panorama-Beitrag an...
Jetzt habe ich doch mal bei Youtube geschaut, und fünf Videos der Patienten des Dr. Kusch gefunden: ich denke nicht, dass die Patienten damit einverstanden waren, nach ihrem Tod mit vollem Namen bei Youtube verewigt zu werden - wer die Videos flaggen will, bitte: 1, 2, 3 und 5. Mich macht sowas auch krank.
Die Patienten in den Videos sind physisch bestimmt nicht kränker als dieser Mann, der seinen Kampf gegen den Nierenkrebs auf Youtube gestellt hat.
Mich macht diese gesamte Diskussion krank. Wir leben in einer heuichelnden Gesellschaft, in der das Leben eines Menschen nicht, aber auch gar nichts wert ist.
Das wird uns von Politik und Gesellschaft so vorgelebt. Einem menschenleben einen gewissen Wert verkeihen zu weollen, ist naiver Illusionismus.
Auch vom medizinischen Aspekt ist die Haltung, Leben ausschließlich nur zu verlängern aber nicht beenden zu wollen, die pure Heuchelei zugunsten der Pharmakonzerne, die letztlich mit ihren fragwürdigen Medikamenten den größten Nutzen von der Verlängerung des Lebens hat, und das weit über die natürlichen Grenzen des Lebensalters hinaus.
Sicher hat ein Mensch das Recht sein Sterben öffentlich zu machen und es gibt auch nicht moralisch verwerfliches daran, eben dies im TV zu zeigen. Wie alltäglich das Sterben ist, und wie nah der Tod am Leben liegt, sehen wir schließlich jeden Tag in den Nachrichten.
Zur Thematik erschien 2004 bei telepolis eine Meldung "Fetisch Lebensverlängerung" - http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19010/1.html -
Seit dem ich das gelesen habe, läßt mich das Gefühl nicht mehr los, daß wir darauf vorbereitet werde sollen, ab irgendeinem Alter freiwillig abzutreten o. ä. Und in letzter Zeit wird mir auch viel zu viel diskutiert zu dieser Problematik, heuchlerisch, widerlich. Diese Gesellschaft ist krank, einfach krank. ich habe auch nur noch wenig Hoffnung auf Heilung.
Und in letzter Zeit wird mir auch viel zu viel diskutiert zu dieser Problematik, heuchlerisch, widerlich.
Ihr habt mit Euren Äusserungen und diesem und diesemLink den Nagel auf den Kopf getroffen. Dazu gehört dann noch die Rührsory über die 13-jährige, die sterben will: Guckst du . Mir kann niemand erzählen, daß eine 13-jährige keinen Lebenswillen hat. Nein, man zeigt solche Extremfälle, um genau das in die Diskussion zu bringen:
QUOTE:
Sozialverträgliches Frühableben.
Da wird ein Prinzip nach dem anderen aufgeweicht. Dann kommen die Mißfelders mit ihrem Vorstoß zur Behandlungsrestriktion für alte Menschen...
Es hat mal jemand gesagt, daß man eine Gesellschaft danach beurteilen solle, wie sie mit ihren Kindern und ihren Alten umgeht. Ich denke, das Urteil faäält eindeutig aus.
PS: hat niemand was zu den Videos von Herrn Kusch zu sagen?
Zu den Videos von Herrn Kusch? Da verschlägt es mir die Sprache.
Ebenso, wenn ich mir seine Webseiten ansehe.
Und in mir kommt bei diesen Diskussionen der Verdacht auf, das Geld, was der Herr Kusch verdient, das könnten wir doch viel besser in der Staatskasse gebrauchen. Irgendwann läuft das alles darauf hinaus.
Kennt jemand noch den Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1973, "Jahr 2022… die überleben wollen"?
(siehe Wikipedia). Ich werde das Gefühl nicht los, mit dem Film habe ich einen Blick in unsere Zukunft getan.
Kennt jemand noch den Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1973, "Jahr 2022… die überleben wollen"?
Ja, Soylent Green und so...
Was mich persönlich an den Videos so aufregt: die Leute waren *gesund*. Was den Mann mit der MS betrifft: ich kenne zwei Kollegen, die leben ihr Leben damit...
Ich zitiere Ewerts mal sinngemäß, wie ich es gestern erst in einem Artikel gelesen habe:
"Ohne moderne Medizin wäre ich schon längst gestorben. Im Grunde spielen die Ärzte ja auch Gott, wenn man es so sieht. Wenn ich aber sterben möchte, wirft man mir genau das vor."
Dazu würde ich gern den Vordenker Timothy Leary in die Diskussion bringen:
"Tims Ziel war es immer, den Status Quo und die Autoritäten zu hinterfragen. Er war sich bewußt, daß sein Tod große Medienaufmerksamkeit erzeugen würde. Also widmete er sich die letzten zwei Jahre seines Lebens dem Tabu des 'selbstbewußten Sterbens'. Er war der Meinung, daß die Umstände, in denen ein Mensch stirbt, von diesem weitmöglichst selbst bestimmt werden sollten. Ja, dies sei eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Er verfügte testamentarisch, daß sein Körper auf keinen Fall länger als 36 Stunden in der Fabrikatmosphäre eines Krankenhauses verbringen dürfe. Er wollte nicht anonym im Kreis von Fremden sterben, sondern gab frühzeitig die Losung aus: "Do it with friends! Do it with friends! Do it with friends!"
Mengele im Fernsehen.
Natürlich ist Tötung auf Verlangen eine Gratwanderung und die Grenze zur Euthanasie ist nicht weit, ich würde aber niemanden zum weiterleben zwingen wollen, der das nicht will, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, selbst sein Leben zu beenden.
Und nur in solchen Fällen befürworte ich Tötung auf Verlangen, wer physisch noch in der Lage ist, sich selbst zu töten, aber einfach nicht die psychische Kraft zum Suizid aufbringt muss selbst zusehen, wie er klar kommt.
Eine legalisierte Tötung auf Verlangen darf nicht zum Erfüllungsgehilfen für suizidgefährdete Menschen werden.
Solche Leute brauchen sicherlich etwas anderes als jemanden, der ihnen einen Giftcocktail reicht.
Und der Knüller: kurz vor Ende verlässt Herr Kusch den Sterbenden und geht aus dem Zimmer....soviel zum Thema "SterbeBEGLEITUNG"
Widerlich!
Das ist ein Zitat von Cicely Saunders.; sowohl der deutsche als auch der englische Wikipedia-Eintrag lohnen sich. hier und hiersind weitere Informationen. Ich bin sicher, wer die liest, sieht die ganze Diskussion in einem anderen Licht.
Ich bin über Palliativmedizin zumindest rudimentär informiert. Meine Mutter starb bereits 1969 (ich bin nicht mehr so ganz jung ;)), da steckten Krebsforschung, Schmerztherapie, usw. bestenfalls noch in den Kinderschuhen.
Natürlich gibt es heute ganz andere Möglichkeiten, trotzdem gibt es nach wie vor auch Schmerzen, die die Grenzen des Erträglichen überschreiten.
Ein Hospiz wäre für mich keine Alternative, ich habe für mich persönlich beschlossen, im Falle eines Falles selbst einen Schlußstrich zu ziehen, solange ich dazu noch in der Lage bin.
Religiöse Bedenken habe ich als überzeugter Atheist deswegen nicht, moralische oder ethische schon gar nicht, da dies eine Entscheidung ist, die überwiegend nur mich selbst betrifft.
Das ist natürlich alles nur graue Theorie, während ich gemütlich und gesund vor meinem PC sitze läßt sich so etwas selbstverständlich leicht schreiben, wenn ich wirklich vor solche einer Entscheidung stünde, würde ich die Situation vielleicht doch anders beurteilen und mich mit aller Kraft an mein Leben klammern.
Wer weiß das schon mit absoluter Sicherheit?
Ich halte das zwar für unwahrscheinlich (ich sehe mich als einen eher unemotionalen Verstandesmenschen), aber nicht für unmöglich.
Die Patienten in den Videos sind physisch bestimmt nicht kränker als dieser Mann, der seinen Kampf gegen den Nierenkrebs auf Youtube gestellt hat.
Das wird uns von Politik und Gesellschaft so vorgelebt. Einem menschenleben einen gewissen Wert verkeihen zu weollen, ist naiver Illusionismus.
Auch vom medizinischen Aspekt ist die Haltung, Leben ausschließlich nur zu verlängern aber nicht beenden zu wollen, die pure Heuchelei zugunsten der Pharmakonzerne, die letztlich mit ihren fragwürdigen Medikamenten den größten Nutzen von der Verlängerung des Lebens hat, und das weit über die natürlichen Grenzen des Lebensalters hinaus.
Sicher hat ein Mensch das Recht sein Sterben öffentlich zu machen und es gibt auch nicht moralisch verwerfliches daran, eben dies im TV zu zeigen. Wie alltäglich das Sterben ist, und wie nah der Tod am Leben liegt, sehen wir schließlich jeden Tag in den Nachrichten.
Seit dem ich das gelesen habe, läßt mich das Gefühl nicht mehr los, daß wir darauf vorbereitet werde sollen, ab irgendeinem Alter freiwillig abzutreten o. ä. Und in letzter Zeit wird mir auch viel zu viel diskutiert zu dieser Problematik, heuchlerisch, widerlich. Diese Gesellschaft ist krank, einfach krank. ich habe auch nur noch wenig Hoffnung auf Heilung.
Wer erinnert sich noch an die Diskussion ueber 'sozialvertraegliches Fruehableben'?
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialvertr%C3%A4gliches_Fr%C3%BChableben
Es hat mal jemand gesagt, daß man eine Gesellschaft danach beurteilen solle, wie sie mit ihren Kindern und ihren Alten umgeht. Ich denke, das Urteil faäält eindeutig aus.
PS: hat niemand was zu den Videos von Herrn Kusch zu sagen?
Ebenso, wenn ich mir seine Webseiten ansehe.
Und in mir kommt bei diesen Diskussionen der Verdacht auf, das Geld, was der Herr Kusch verdient, das könnten wir doch viel besser in der Staatskasse gebrauchen. Irgendwann läuft das alles darauf hinaus.
Kennt jemand noch den Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1973, "Jahr 2022… die überleben wollen"?
(siehe Wikipedia). Ich werde das Gefühl nicht los, mit dem Film habe ich einen Blick in unsere Zukunft getan.
Was mich persönlich an den Videos so aufregt: die Leute waren *gesund*. Was den Mann mit der MS betrifft: ich kenne zwei Kollegen, die leben ihr Leben damit...
"Ohne moderne Medizin wäre ich schon längst gestorben. Im Grunde spielen die Ärzte ja auch Gott, wenn man es so sieht. Wenn ich aber sterben möchte, wirft man mir genau das vor."
Doch denke ich, urteilen kann man in diesen Fragen nur, wenn man selbst in solch einer Situation ist, oder war.
Wer kann schon voraussagen, wie er sich dann fühlt, was man dann fühlt?
"Tims Ziel war es immer, den Status Quo und die Autoritäten zu hinterfragen. Er war sich bewußt, daß sein Tod große Medienaufmerksamkeit erzeugen würde. Also widmete er sich die letzten zwei Jahre seines Lebens dem Tabu des 'selbstbewußten Sterbens'. Er war der Meinung, daß die Umstände, in denen ein Mensch stirbt, von diesem weitmöglichst selbst bestimmt werden sollten. Ja, dies sei eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Er verfügte testamentarisch, daß sein Körper auf keinen Fall länger als 36 Stunden in der Fabrikatmosphäre eines Krankenhauses verbringen dürfe. Er wollte nicht anonym im Kreis von Fremden sterben, sondern gab frühzeitig die Losung aus: "Do it with friends! Do it with friends! Do it with friends!"
(Quelle: http://www.gruenekraft.com/permalink:rk19.html)
Ich glaube, er wußte, was er tat.
http://tammox.blogspot.com/2008/12/rgernisse.html