
Es tut sich was im Königreich Marokko, besonders seitdem Muhammad Vl. König ist.
Er scheint westlich orientiert, zeigt sich in der Öffentlichkeit als "moderner" Monarch beim Jetski-Fahren, seine Frau ist unverschleiert, hat studiert.
Jetzt habe ich einen
Artikel gefunden, in dem vom Alltag im Familiengericht in Tanger berichtet wird.
Eine Leseprobe:
In der Sache Chadija gegen Hisham Benjelloun (*)", ruft der Enddreißiger mit dem schütteren schwarzen Haar und der durchdringenden, autoritären Stimme in den Saal. Chadija löst sich zögerlich aus der Menge und tritt aus der vierten Bankreihe zum Richtertisch. Hisham, ihr Noch-Ehemann, ist nicht erschienen. Richter Fadli verkündet: "Die Ehe wird mit sofortiger Wirkung geschieden, das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter wird der Mutter übertragen, die während der Ehe angehäuften Güter werden geteilt." Akte geschlossen, nächster Fall.
Ein scheues Lächeln huscht über das Gesicht der Frau mit dem blond gefärbten Haar, das sie offen trägt. Ihre schlanken Beine stecken in engen Jeans, darüber fällt eine gemusterte, dreiviertellange Lederjacke. Man sieht ihr den Triumph an, den sie über die Gesetzmäßigkeiten einer patriarchalischen Gesellschaft errungen hat: Nicht nur konnte sie die Scheidung erwirken, es gelang ihr obendrein noch, das Sorgerecht für ihre Tochter durchzusetzen. Weder das eine noch das andere wäre vor fünf Jahren denkbar gewesen.
Auch wenn vieles in diesem wunderschönen Land noch im Argen liegt, möchte ich eine solche Entwicklung doch als "erfreulichen Schritt in die richtige Richtung" bezeichnen, denn besonders dieser Ausspruch des Königs:
Wie kann", so fragte der Monarch vor vier Jahren sein Parlament, "eine Gesellschaft auf Fortschritt und Wohlstand hoffen, wenn die Hälfte von ihr, die Frauen, Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Marginalisierung wird?"
erhält meine volle Zustimmung.
Bildquelle: sejours.ma