
Saddleback Church: hört sich das nicht an wie Lagerfeuer, Weiten der Prärie, Elche und
Sarah Palin?
Nun, es ist wie es ist:
85 Prozent der Amerikaner geben in Umfragen an, ihr Glaube sei wichtig für sie. Rund 70 Prozent wollen einen Präsidenten, der das ähnlich sieht. Bei der letzten Wahl haben Evangelikale fast jeden vierten US-Wähler gestellt - und vier von fünf haben für George W. Bush gestimmt.
Man sollte sich allerdings davor hüten, "
Evangelikal" reflexartig negativ zu konnotieren: Die Pilgerväter waren in ihrer religiösen Ausrichtung sicherlich den Evangelikalen vergleichbar, und Evangelikale (viele auch gleichzeitig Republikaner) trieben die Abschaffung der Sklaverei voran. Und auch Obama schien schon im Wahlkampf "Evangelikal" nicht unbedingt nur mit "rechts" und "konservativ gleichzusetzen. Im oben verlinkten Beitrag hieß es auch:
Obamas Team will sich besonders um die Stimmen der sonst so republikanerfreundlichen Evangelikalen bemühen. Sein Lager sieht sich von Umfragen beflügelt, laut denen gerade junge Evangelikale aufgeschlossener geworden sind für klassische Themen der Linken - Klimaschutz, Armutsbekämpfung, HIV, globale Armut, Hilfe für Genozidopfer im Sudan.
Leider ist auch dieser Begriff durch George Bush &Co. oder die Führungsspitze von Blackwater höchst negativ besetzt. Wikipedia schreibt:
Das relativ junge Wort evangelikal ist heute ein feststehender Ausdruck für ein protestantisches Christentum geworden, das in seinem Selbstverständnis auf besondere Weise bibeltreu sei und sich daher von Liberalismus, Säkularismus, aber meist auch von liturgisch orientierten evangelischen wie nichtevangelischen Kirchen abgrenzt. Die Bezeichnung evangelical wurde in den Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert zunehmend verwendet, um Christen zu bezeichnen, die in der Tradition des Great Awakenings stehen. Nur in wenigen Fällen identifizieren sie sich selbst mit dem Begriff des christlichen Fundamentalismus; von anderen werden sie jedoch öfter so bezeichnet.
Es empfiehlt sich jedoch, sich den einzelnen Evangelikalen immer genau anzuschauen.
Wer ist Rick Warren?
Das prominente pro-Demokratische Blog
Daily Kos nennt Warren einen
Homophoben. (Die Kombination seines Namens mit dem Begriff "Homophob" bei google ergibt, nicht zuletzt wegen der aktuellen Entscheidung, 17.300 its).
Um dieses Zitat geht es:
Warren dodged Waldman's question about whether he supported civil unions or domestic partnerships, answering instead, "I support full equal rights for everyone in America," adding that he only opposes a "redefinition" of marriage. He went on to say he's opposed to gay marriage the same way he is opposed to a brother and sister marrying (that would be incest), a man marrying a child (that would be statutory rape), or someone having multiple spouses (that would be polygamy). Pressed by Waldman, Warren said he considered those crimes equivalent to gay marriage.


Kurz gesagt, er verglich Homosexuelle, die heiraten wollen mit Kinderschändern, Bigamisten und Inzesttätern. Für ihn ist das Recht, so etwas zu sagen, ausdrücklich eine Frage der Meinungsfreiheit (Prop8) - das kommt einem sofort bekannt vor. Seine Lehren hat
Rick Warren in dem Buch "
The Purpose Driven Life" zusammengefasst, eine deutschsprachige Besprechung aus evangelikaler Perspektive findet sich
hier. Das Buch und weitere mediale Angebote gibt es seit 2003 auch
in deutscher Sprache. Es ist eine Fortsetzung seines 1995 erschienenen Buches "
The Purpose Driven Church" - bereits dieses Buch wurde in 30 Sprachen übersetzt, natürlich auch
in Deutsch. Wo mir ehrlich gesagt, die Haare zu Berge stehen: mittlerweile hat er auch das erfolgreiche
12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker und anderer anonymer Gruppen für seine Zwecke "
adaptiert".
Seine Lebenshilfe: Festigen im Glauben - seinem Glauben. Dass dies dem 12-Schritte-Programm widerspricht und somit Etikettenschwindel ist, wird jedem klar, der sich mit dem Programm beschäftigt.
Die fünf Grundbausteine von "
Purpose Driven" sind:
Worship - Ministry - Mission - Fellowship - Discipleship
Wer sich die Erklärungen zumindest zu den letzten dreien anschaut - Go and make disciples, baptize them, teach them to obey - braucht sich doch über die angeblichen Pläne der pöhsen Musels nicht mehr aufzuregen - wenn Massenveranstaltungen, "Missionierungstools" und Multimediaoffensiven keine Zeichen für "Landnahme" sind - was dann?
Gegen den Begriff "homophob" hat er
übrigens protestiert:
Pastor Rick protests that he's not a homophobe because he's given money to people with AIDS. He has gay friends and has even eaten dinner in "gay homes".
Rick Warren wird auch mit der aggressiven Anti-Abtreibungsbewegung "
Pro-Life" in Verbindung gebracht und steht auch sonst nicht
in dem Ruf, sich für die Emanzipation von Frauen und Homosexuellen einzusetzen.
Für weitere Informationen:
• Hier ist ein Interview mit ihm
• ein Artikel aus "The Nation" aus 2005
• ein Artikel aus "The Nation" vom 17.12. 2008