Ich hab es ja eher nicht so sehr mit dem Dr. Huber vom MEDIA-BLOG, aber manchmal trinkt ja auch ein blindes Huhn einen Korn. Lässt man mal den künstlich herbeigeführten Globalisierungzusammenhang weg, der ja nur mehr Traffic bringen soll und nichts mit dem Thema zu tun hat, bleibt eine diskussionsfähige Theorie:
Das gute Gefühl von Geborgenheit, “Seele”, Glaubwürdigkeit, Verbundenheit - das sind Attribute, die man dem Begriff “Heimat” zuschreibt. Und je mehr ich mich mit Blogs beschäftige, desto mehr glaube ich, daß Blogs eine Medienheimat in Zeiten der Globalisierung bieten.
Denn gerade durch die Globalisierung wird ein Gefühl der Entwurzelung geschaffen, das einen urmenschlichen Gegentrend auslöst. Denn der Mensch sucht in seinem Innersten nicht die entgrenzte, seelenlose, globalisierte Welt, sondern das genaue Gegenteil - einen Ort der Ruhe, einen Ort der Sicherheit und der Selbstbestimmung - Heimat eben.
Das mit der Globalisierung ist natürlich Blödsinn, da die Medienheimat eines Menschen an seiner Sprachgrenze endet. Aber selbst wenn diese durch Mehrsprachigkeit erweitert wird, ist sie niemals global. Hinzu kommt noch, das es in jeder Sprache einer gewissen Medienkompetenz bedarf und die sich oft nur auf sehr primitive Medien erstreckt.
Aber es gibt diese Entwurzelung im Medienbereich durchaus. Die verlässlichen Informationsquellen der Vergangenheit haben sich mehr und mehr zu einem Einheitsbrei gewandelt, der nur noch die partikularen Interessen von zehn Prozent der Bevölkerung vertritt und dem Rest reine Desinformation liefert.
Wer allerdings die deutsche und internationale Blogszene kennt, der stellt schnell fest, das die meisten Blogs eher reaktiv arbeiten. Sie nutzen zwar auch Presseverlautbarungen und, soweit zugänglich, Agenturmeldungen, sind aber zumeist nicht in der Lage auf Korrespondenten vor Ort zurückzugreifen und ihre Hauptquelle sind nach wie vor die traditionellen Medien.
Da die traditionellen Medien auf dem Onlinemarkt mitschwimmen wollen, ohne wirklich den Grund dafür angeben zu können, haben sie es den Bloggern, die von Hause aus über eine hohe Onlinekompetenz verfügen, sehr leicht gemacht auf ihre Inhalte zuzugreifen. Da Blogger die Werkezeuge einfach besser nutzen als traditionelle Journalisten, sind sie zumeist etwas schneller.
Im Prinzip ist aber das alles kein Grund dafür, den Informationen eines Blogs mehr zu trauen, als der Print-Ausgabe einer Zeitung. Während viele Zeitungen aber nur die vorgegebene "eigene" Hausmeinung und die Agenturmeldung miteinander verbinden, greifen Blogger auf mehrere Meldungen unterschiedlicher Medien und Blogs zu und versuchen die Meldungen auf ihren realen Inhalt zu untersuchen. Natürlich ist auch das subjektiv.
Aber da mit den Nachrichten zumeist auch die Quellen in verlinkter Form veröffentlicht werden und die Leser von Blogs in großem Umfang Stammleser sind, die den Tenor ihrer Autoren kennen, wirkt die Gesamtpräsentation ehrlicher und vertrauenserweckender als das, was die traditionellen Medien bringen. Es wirkt so. Es muss aber nicht zwingend ehrlicher sein. Die Wahl der Quellen die verlinkt werden, beeinflusst die Wirkung. Ich wähle deshalb gerne die Welt oder die FAZ um den Gegenpol zu meiner Meinung anzugeben. Aber auch das kann Show sein.
Da Blogs aber dazu gemacht sind auch untereinander zu verlinken, zu referenzieren und die Blogger nicht alle eine gleiche politische Linie verfolgen, ergibt sich eine Art Selbstkontrolle und in beschränktem Maße sogar eine gewisse Selbstreinigung. Das ganze sieht ziemlich vertrauenerweckend aus und ist es im Vergleich zu den klassischen Medien wohl auch, weil es sich selbst und alle anderen in Frage stellt.
Aber der Begriff Medienheimat geht mir dann doch zu weit. Nennen wir es eine weitere Medienbasis. Genau wie wir in den klassischen Medien bestimmten Autoren mehr Glauben schenken als anderen, gilt das auch in der Welt der Blogs und genau wie wir bei den als vertrauenwürdig eingestuften Autoren in den klassischen Medien besonders aufpassen, tun wir das in den Blogs auch. Da reichen oft Nuancen um eine Bewertung zu verändern.
Nein, es wird in der Breite des heutigen Informationsstroms keine Heimat mehr geben. Aber es gibt mehr oder weniger verlässliche Steine, auf denen wir scheinbar über das Wasser gehen können, sofern wir wissen wo die sicheren Steine sind. Geborgen können wir uns trotz allem nirgendwo fühlen.



















