Das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam, berichtet auf seiner Website über die erstaunliche Fähigkeit der Körner des wilden Weizens, sich mit Hilfe der Luftfeuchtigkeit und ihrer Grannen in die Erde zu bohren.
Die Grannen des Wilden Weizens sind Steuer und Motor in einem: Sie steuern ein reifes Korn mit der Spitze abwärts zu Boden, indem sie die Saat im Fallen richtig ausbalancieren. Steckt das Korn dann in der Erde, verwandeln es die beiden Borsten in einen Bohrer und treiben das Korn in die Krume. Die Kraft dazu gibt ihnen alleine die Luft, die an den natürlichen Standorten des Wilden Weizens tagsüber trocken und nachts feucht ist. Der Weizen, den Landwirte anbauen, beherrscht den Trick dagegen nicht mehr.
Während des trockenen Tags krümmen sich die beiden Grannen nach außen, in der feuchten Nacht biegen sie sich dagegen zueinander. Denn die Kappe der Granne - die Seite also, die sie ihrer Partnergranne zuwenden - reagiert anders auf Feuchtigkeit als ihre Außenseite. Das liegt an der Konstruktion ihrer Zellulosefasern, die Biologen Fibrillen nennen: In der Kappe sind die Zellulosefibrillen ausschließlich parallel zur Granne angeordnet. Im unteren Teil des Grannenrückens sind sie dagegen beliebig orientiert. Das macht die Kappe nicht nur zehnmal steifer als den Rücken. Die Anordnung macht die Granne auch zu einer einfachen Bohrmaschine. Wird es nämlich feucht, schwellen alle Fibrillen nur in ihrer Breite an. Das heißt aber: Die Grannenkappe quillt nur seitlich auf, da dort alle Fasern in Längsrichtung verlaufen. Der Grannenrücken streckt sich dagegen, da einige seiner Fasern auch senkrecht zu der Borste liegen. Und mit ihm richtet sich die ganze Granne auf.
Das verblüffende an dieser Erkenntnis ist, das es sich um etwas offensichtliches handelt. Wer hat sich als Kind nicht gefragt, wie die verschieden Samen in den Boden kommen. Zumindest wenn er oder sie auf dem Land groß geworden sind.
Noch viel spannender hört sich allerdings der Ausblick von Prof. Dr. Peter Fratzl (Direktor, Abteilung Biomaterialien) in die Zukunft an:
"Wir haben nach dem Mechanismus der Grannen bereits einfache Maschinen und Muskeln gebaut, die Veränderungen der Luftfeuchtigkeit in Bewegung umsetzen", sagt Fratzl. Er sieht darin auch einen möglichen Beitrag, erneuerbare Energien zu nutzen: "Mich fasziniert die Möglichkeit, die Energie der Sonne auf diese Weise in Bewegung umzusetzen."
Auch diese Erkenntnisse werden sicherlich nicht alle unsere Energieprobleme für die Zukunft lösen, aber sie sind ein weiterer Ansatz, in einer langen Kette von Forschungsergebnissen, die wir nur nützen müssten. Genau da aber liegt unser Problem. Feige Banken, satte Energieunternehmen, lustlose, entscheidungsschwache, innovationsfeindliche Industrieführer und eine unfähige Politik bremsen uns immer dann aus, wenn aus Forschungsergebnissen und Ideen neue Produkte entstehen könnten.
Wir sollten endlich anfangen Innovation und deren Umsetzung zu fördern, anstatt Spekulation.






















