Daran ist grundsätzlich auch nichts verkehrt. Der Zionismus gehört mit zu den schwärmerischen Bewegungen, die einen hohen ethischen Anspruch an sich selbst und ein mystisch verklärtes, für damalige Bedingungen aber unerreichbares Ziel hatten. Gute Bewegungen, denen die ganze Welt viel verdankt.
Tatsächlich gab es durch die zionistische Bewegung immer wieder ein paar Leute, die zumindest für ein paar Jahre nach Palästina gingen, wenige blieben auch für immer da. Sie brachten Geld ins Land, kauften Land und wurden von den dort lebenden Palästinensern mit lächelnder Verwunderung betrachtet. Niemand von denen wäre nämlich auf die Idee gekommen, die fetten Weiden Europas mit der kargen Ödnis Palästinas zu tauschen. Der Zionismus war völlig unproblematisch und wäre es ohne die Nazis auch immer geblieben.
Erst der Holocaust machte grausam deutlich, dass es in Europa und der Welt keine Sicherheit für die Juden geben würde. Irgendein Irrer konnte jederzeit überall aufstehen und das Ganze von vorne beginnen. Deshalb wollten alle nur weg, und es gab nur ein Zie:. Israel, das gelobte Land. In diesem Land lebten allerdings die Palästinenser. Es passierte was passieren musste, das Gerede vom angeblich
leeren Palästina ist längst als Mythos entlarvt. Aber ohne den Holocaust, den die Deutschen zu verantworten haben, hätte es das nachfolgende Leid nie gegeben. Die Zionisten wären heute noch eine Art Volkstanztruppe auf jüdische Art.
Der nächste klassische Punkt ist die unendliche jüdische Finanzkraft, die die ganze Welt beherrscht, und immer wieder fällt dabei der Name der
Familie Rothschild. All die Leute, die auf diesem Zug argumentieren, vergessen dabei aber immer tunlichst, den Namen der
Familie Fugger zu erwähnen, deren Reichtum den der Medici in Venedig bei weitem überstrahlte.
Egal, was an schönem und schlechtem über beide Familien berichtet wird, muss man die Grundlage ihres Geschäftes verstehen. Beide hatten weit verstreute Niederlassungen an vielen Orten der Welt, und ihr Problem bestand darin, das Geld von den Niederlassungen an die Stammsitze zu bekommen oder Geld an Niederlassungen auszuzahlen. Bargeldtransporte waren damals noch unbeliebter als heute, deshalb kam man schnell darauf, anderen, die Geld transportieren mussten, Papiere gegen Geld auszuhändigen, die diese an den jeweiligen Niederlassungen oder am Stammsitz wieder gegen Geld tauschen konnten. Es musste also viel weniger Geld bedient werden, und zudem war dieser Service gewinnbringend.
Addiert man dazu, dass die katholische Kirche nur den Juden das Verleihen von Geld gegen Zinsen erlaubte und daran genau wie die jeweiligen Fürsten mit Stempelsteuern prächtig verdiente, wird schnell klar, wie der Hase lief. Die Juden nahmen Wucherzinsen, auch wenn der Großteil gar nicht bei ihnen verblieb. Der Keim einer Stimmung war gelegt, die sich immer wieder in geradezu von der Kirche und dem Staat erwünschten Pogromen äußerte.
Tatsächlich waren die Rothschilds nur gewiefte Kaufleute. Schnell, entscheidungsfreudig und bereit, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, und sie hatten eine Nase für die aktuellen Entwicklungen. Vor allem aber hatten sie mit Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel einen Großkunden, dessen Vater schon ein schönes Stück Vermögen mit dem Verkauf hessischer Soldaten an die Engländer gemacht hatte. Nicht unbedingt zum Vorteil der Soldaten, die in Amerika für England verbluteten, aber sicher gut für die Vermögensverwalter seines Sohnes.
Tatsächlich gab es in der jüdischen Einwohnerschaft Europas eine ähnliche Verteilung von Armut und Reichtum wie bei allen anderen. Diese wurde lediglich dadurch abgemildert, dass die städtischen Juden schon früh für eine bessere Ausbildung ihrer Kinder gesorgt hatten, was aber durch den "Geburtsmakel" Jude zu sein, meist egalisiert wurde.
Ein weiterer Punkt, der auch die armen Juden nicht ganz so tief fallen ließ, war die offene Bereitschaft reicher Juden, ihre ärmeren Glaubensgenossen zu unterstützen. Dadurch entstand sogar eine eigene Klasse von Juden, die nur von solchen Gaben lebte. Diese Gaben sind dann wohl auch später einem Herrn Hitler in Wien zugute gekommen, der sie auf seine Art zurückgab.
Die krasse Überbewertung jüdischer Finanzkraft war ein Argumentationsmittel der Nazis, der von denen gerne mit dem Begriff des Zionismus zusammengebracht wurde. Allerdings waren die reichen Juden nicht zionistisch. Die wollten auch keine Auswanderungswelle, weil sie ihre Leute ja vor Ort brauchten und die Gefahr sahen, dass gerade die Starken und Mutigen gehen würden. Der Zusammenhang ist also aus der Geschichte her völliger Blödsinn.
Was ist also mit dieser weltweiten zionistisch-jüdischen Verschwörung? Sie ist Blödsinn! Geld findet immer wieder zum Geld. Leute die viel Geld besitzen, haben ein gemeinsames Interesse. Sie wollen dieses Geld gegen die Armen verteidigen und möglichst noch mehr Geld in ihren Tresoren horten. Da brauchte es keine Verschwörung, keine Absprache, die dazu führt, dass vom Kapital immer wieder Gesetze gegen die Menschen gemacht werden.
Natürlich ist dabei auch jüdisches Kapital, ohne jede Frage. Denn die Tatsache, Jude zu sein, macht einen Menschen leider nicht besser. Da ist es wie bei den Christen und Muslimen. Es ist nicht die Religion oder die Herkunft, die den Menschen macht, sondern der Mensch, der seine Religion oder Herkunft adelt.
Wo aber bleibt bei alledem dann das Judentum, und was ist mit Israel? Die Sache mit dem Judentum ist schnell geklärt. Wie bei jeder anderen Religion gibt es die unterschiedlichsten Strömungen. Vom Totalfundamentalisten, mit dem nicht zu reden ist, bis zum mehr als liberalen Anhänger, der die Regeln seiner Religion fast vollständig abgestreift hat.
Nach Tausenden von Pogromen und 6 Millionen Opfern des Holocaust lösen sich die Juden allerdings schwerer vom Judentum, als es zum Beispiel die Christen tun. Vielleicht liegt es auch daran, dass die offizielle Lehre des Judentums nicht ganz so verlogen ist wie die der katholischen Kirche. Den Juden wurden die Ratzinger erspart. Dadurch kämpfen auch viele Juden, die innerlich längst gekündigt haben, weltweit für Israel, wie es auch viele Nichtjuden tun, die das Entsetzen über den Holocaust einfach nicht abschütteln können.
Genau darin aber liegt das Problem. Der Staat Israel ist heute in einer Phase, in der er sich seiner Geschichte stellen muss, genau wie es die Palästinenser tun müssen. Diese beiden Geschichten sind an vielen Punkten nicht besonders ehrenhaft. Wie denn auch, bei der Ausgangslage. Am Anfang waren beide unschuldig, weil sie beide zu Opfern des Holocaust wurden. Wann aber ist diese Phase abgeschlossen, ab wann muss sich Israel ohne Rabatt den Fragen der Welt stellen?
Ich werde den Teufel tun, hierzu eine Antwort zu geben. Aber es muss möglich sein, auch wieder einmal kontrovers und mit angreifbaren Meinungen über Israel diskutieren zu können. Nein, ich glaube nicht an eine zionistisch-jüdische Verschwörung, aber dass vom internationalen Großkapital, den USA und den Kriegstreibern in Israel ein böses Spiel getrieben wird, ist doch wohl offensichtlich.
Israel ist 60 Jahre alt. Nun ist es an der Zeit, dass die friedlichen Kräfte in Israel und in der Welt etwas tun, was das Existenzrecht Israels für alle Zeiten absichert und gleichzeitig einen lebensfähigen palästinensischen Staat schafft. Je mehr Palästinenser und Israel zu verteidigen haben, desto weniger werden sie bereit sein, Krieg zu führen.
Wenn man anfangen will, etwas zu tun, muss am Anfang eine Diskussion erfolgen. Wie wir aber seit George Orwell wissen, ist es unheimlich leicht, eine Diskussion zu unterbinden, indem man Worte und Wortpaare einfach nicht mehr zulässt. Das Ende ist dann betretenes Schweigen, und es geht alles weiter wie bisher. Dieses Schweigen nützt nur dem Krieg.
Deine Bemühung dieses Thema aufzugreifen in allen Ehren.
Aber die Geschichte Israels und Palästinas und des Zionismus ist derart komplex, dass Du damit der Sache nicht gerecht werden kannst, besonders wenn Du das auch noch mit Verschwörungstheorie in Zusammenhang bringst.
Leute wie Uri Avnery, Gideo Levy und Amira Haas u.a. versuchen teilweise seit Jahrtehnten Licht in das Dunkel zu bringen.
Ich glaube man muss bei diesen Authoren ansetzen, die aufgrund ihrer direkten Erfahrung vor Ort subsztanziell etwas zu sagen haben. Ich kann daher jedem nur empfehlen sich regelmäßig die Übersetzungen von Ellen Rohlfs zu besorgen.
Wenn von Mitgliedern des jüdischen Staates selbst, Mitgliedern, die sowohl in der IDF als auch im Knesset tätig waren, der Zionismus als politisch rassistische Doktrin gebrandmarkt wird und dies ebenso von UNO, dann kann man schlecht aus der Entfernung behaupten der Zionismus sei wenig mehr als eine " schwärmerische Bewegung" mit einem mythisch verklärten Ziel.
Wie gesagt ich empfehle dringend sich mit diesen Authoren zu beschäftigen.
Es geht darum Worte verwenden zu dürfen ohne sich dafür gleich in die Schmuddelecke stellen zu müssen.
Worte benützen zu dürfen ist eine Sache.
Nur sind Worte selten wertneutral.
Man kann das Wort z.b. Nationalsozialismus nicht verwenden ohne dessen geschichtliche Greueltaten in Erinnerung zu rufen.
Bei Stalinismus fallen mir auch sofort die Gulags ein und selbst rein geographische Namen, wie Tibet sind untrennbar mit Ereignissen verbunden, die allerdings von verschiedenen Betrachtungswinkeln gänzlich unterschiedlich bewertet werden.
Es geht also nicht um Worte, sondern um die Psychologie des Benutzers, dessen Mindset, Werte, Assoziation und Affekt.
Im Grunde verhindern natürlich Schubladenbegriffe jede objektive und rationale Auseinandersetzung, weil sie Assoziationsbahnen triggern, die in stereotyper Weise automatisch zu vordefinierten Gefühlsreaktionen führen.
Verfolgt man diesen Gedankenweg weiter, stellt sich schnell die Frage: Cui bono?
Das führt zu der Frage wer und welche Institutionen in den letzten Jahrzehnten solcherart stereotype Begifflichkeiten in Bildung und Medien transportiert haben?
da haben sie noch die Finanzierung von WK I und die Gegenleistung in der Balfour-Deklaraton vergessen als Voraussetzung für das Versailer Diktat.
mfg zdago
Nunja, niemandem ist so nicht ganz richtig.
Glaubst du wirklich, ein palästinensischer Staat würde die radikalen Kräfte der Region befrieden ? Ist es nicht auch so, dass allein die Tatsache eines "Judenstaates" im Herzen der arabisch-moslemischen Welt, für "die Reinen" unerträglich ist ? So dass jene den Dschihad fortführen, bis die "Nachkommen der Affen und Schweine" niedergerungen sind ?
Selbiges gilt natürlich auch für verbrämte jüdische Siedler andersrum.
Der religiöse Hass ist die Pest der Region.
Tatsächlich sind die Fundamentalisten aber in der absoluten Minderheit. Eigentlich überall. Dummerweise übertönen sie die Mehrheit im Problemfall immer sehr laut.
Ihre Stimmen gehen unter, wenn die Bürger im wesentlichen zufrieden sind und auf eine noch bessere Zukunft hoffen können.
Und anscheinend gehören Sie auch zu den Leuten, die n u r von Israel (und der Welt) verlangen, etwas zu tun, um Frieden zu schaffen und einen palästinensischen Staat zu ermöglichen. Das wird gebetsmühlenartig von fast allen wiederholt,und weil niemand wahrnimmt, dass die Palästinenser selber ihren Staat verhindern, deswegen bleibt die Situation auch, wie sie ist.
Ich erwarte weder von Israel noch von den Palästinensern eine Lösung. Dazu sind die Gräben einfach zu tief. Die Lösung muss von außen kommen und wird viel Geld kosten.
Die Gebietsfrage lasse ich dabei bewusst erst einmal aussen vor, weil die sich vermutlich am leichtesten lösen lässt.
Zuerst brauchen Palästina und Israel eine Infrastruktur, die völlig unabhängig voneinander ist und vollständig von Europa finanziert werden sollte.
Dann sollte eine gemeinsame Gesellschaft zwischen Palästinensern, Israelis und der EU gebildet werden, die an geeigneten Standorten thermische Solarkraftwerke errichtet um Strom für Europa zu erzeugen und gleichzeitig durch Meerwasserentsalzung dabei hilft die Wüste zum blühen zu bringen und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Vorfinanziert durch die EU und mit festen Verträgen, das der Strom nach Europa geht, der nicht im Land verbraucht wird.
Bei diesem Geschäft hätte Europa ein sehr hohes Interesse am Frieden, Isralis und Palästinenser könnten nur gemeinsam prosperieren und jeder Angriff auf derartige Anlagen oder Infrastruktur wäre ein Angriff auf sich selbst.
Nein das wäre kein Frieden. Aber ein Waffenstillstand auf hohem Niveau.
Natürlich ist das nicht so einfach, aber es ist auch nicht unmöglich.
Ein derartiges Solarprojekt gibt es ja schon, [url=http://www.desertec.org/de/index.html ]TREC[/url]initiert vom Club of Rome (der ja auch VTs mäßig gut besetzt ist...und über dessen Struktur als "elitärer Think Tank" man sicher sachlich diskutieren kann...)Es gibt auf der website des Projekts auch ein Forum in welchem kontrovers dikutiert und Kritik geübt werden kann ;-)
Bislang wurden die Palästinenser leider ihrem Schicksal weitestgehend übelassen. Spenden gibt es zwar, aber keinen gerechten Friedensplan der die notwendigen Konsequenzen auch und vor allem von der Seite Israels fordert. Die Situation ist heute so prekär wie nie.(beschrieben hier Das gelobte Land
Mir fiel aber auf, dass mitlerweile die Berichterstattung selbst in den Mainstream Medien doch offener wird. Es wurde sogar kurz die Free Gaza Bootsaktion in der Tagesschau thematisiert. In jedemfall bewirkt das Engagement der Friedensaktivisten etwas. Es nehmen im übrigen auch Parlamentarier an den Aktionen teil. Die Progressiven sind sowohl "unten" als auch "oben" zu finden. Das dürfen wir auch nicht vergessen.
Läßt man das so laufen, wird sich diese Debatte in immer kleinere Teilbereiche zersplittern und analog der Situation in Pälastina/Israel mit den härtesten Bandagen um das kleinste Fitzelchen Land gekämpft werden.
(Alleine für diese Aussage werden mich die Palästinenser hassen)
Kritisiere ich die Methoden der Landnahme Israels ziehe ich mir den Zorn der Zionisten und "Antifaschisten" zu.
Ich kann also im Grunde machen, was ich will, es wird nicht gelingen beiden Seiten auch nur im Geringsten gerecht zu werden.
Noch viel weniger gerecht werden natürlich Lösungen, die entweder hier oder anderswo erdacht und ersonnen werden, auch wenn sie mit guter Absicht geschehen.
Dass sich Israel in eine auch nur andeutungsweise Abhänigkeit von Europa begeben würde ist wirklich völlig ausgeschlossen. Eher fällt die Gebetsmauer um und es regnet Manna in Palästina.
Um überhaupt diese Situation dort beurteilen zu können müssen schon einige Vorbedingungen erfüllt sein, deren Kombination nur bei sehr wenigen Menschen weltweit anzunehmen ist.
Wer kann schon von sich behaupten, ers sei ein intimer Kenner der Geschichte Palästinas, des jüdichen Volkes, seiner Sprache, der arabischen Kultur und Mentalität, sowie auch aller politischen Ereignise die nach der Gründung Israels stattgefunden haben.
Ich glaube dies wird doch wohl keiner , der hier geschrieben hat wagen von sich zu behaupten, oder?
Wenn ja, eine Neuauflage von Camp David und der Friedensnobelpreis( nachdem Kissinger den bekommen hat, nur noch zum Arschabwischen gut- aber das hat nichts damit zu tun, dass Kissinger Jude ist) ist ihm sicher.
Nur Europa wäre stark genug die USA am zündeln zu hindern.
Aber du hast Recht die Diskussion zerfasert immer. Trotzdem gibt es grundsätzlich viel Zustimmung und je öfter diskutiert wird, desto schneller bilden sich Denkmuster die Akzeptanz finden und weiter ausgebaut werden können.
Das ist Arbeit, aber es geht doch um ein lohnendes Ziel - um den Frieden.
belef
Zweitens, die hier so heftig beworbene Zwei-Staaten-Lösung ist bereits von der Geschichte überrollt. Das ist auch so etwas was modernes. Nicht modern ist nämlich bisher das Judentum, das eben (noch?) keine universellen Werte entwickelt hat, es bleibt immer alles auf den Stamm/Clan begrenzt. Die "Palästinenser" wollen deswegen seit 60 Jahren keinen eigenen Staat haben, weil sie es seit Jahrhunderten gewöhnt sind, in multikulturellen Staaten zu leben.
Drittens, wenn man schon vom Zionismus an sich spricht, muss man auch von den christlichen Zionisten sprechen, dem ganzen evagelikalen Komplex aus den USA. Das sind nämlich die tatsächlichen Kriegstreiber, für die das Geschehen in Palästina nur die Fortsetzung historischer Ressentiments gegenüber dem Islam und messianischer Wahn ist.