< Die Milliarde gönnt der Josef sich | Was war schlimm an Nazi-Deutschland und worunter leidet die Welt noch heute? >
Teamarbeit versus Gemeinschaftshandeln?
Es ist nicht abzustreiten, dass das Wort "Teamarbeit" durchaus als Pendant von "Gemeinschaftshandeln" zu sehen ist.
Was versteht man unter "Teamarbeit" und kann man es vom Wort "Gemeinschaftshandeln" trennen?
Sportgemeinschaften, Religionsgemeinschaften, aber auch Gewerkschaften oder Klassengemeinschaften gehören zur Grundlage gemeinschaftlicher Sozialität. Diese sind klar vom politischen Gemeinschaftshandeln zu trennen. Beim politischen Gemeinschaftshandeln geht es um zu begrenzende Gebiete ohne das absolute Ziel.
Hier stellen wir fest: soziales Gemeinschaftshandeln hat lediglich das Ziel, in einem Team selbiges als solches zu festigen. Offenheit, aufeinander zugehen, anderen Hilfestellung bieten, aber auch das Akzeptieren von Mehrheiten und Toleranz sind die Grundbausteine für ein funktionierendes Team.
Miteinander statt gegeneinander.
"Teamarbeit" und "Gemeinschaftshandeln" sind folglich nicht trennbar. Ihre Subkategorisierungen allerdings sind dies sehr wohl.
Ein Dorf, eine Gemeinde als solches, stellt eine Art Gemeinschaft dar, obgleich die einzelnen BürgerInnen in ihr kaum gemeinschaftlich handeln. Dies regelt zumeist eine Gemeindeordnung, welche von Zeit zu Zeit angepasst, ausgebaut oder reduziert wird. Hierfür gibt es den Gemeinderat. Er soll die Gemeinschaft, das Dorf mit seinen BürgerInnen, vertreten und in ihrem Sinne handeln, wenngleich nicht immer alle Einwohner damit einverstanden sind, sondern in deren Gemeinschaft nur vereinzelte Gruppen, die betroffen von den Änderungen sind. Es wird also zu Gunsten einzelner Gruppen entschieden. Die eigentliche Bevölkerung hat auf die Entscheidungen keinen Einfluss.
Es handelt sich hier um politisches Gemeinschaftshandeln, welches soziale Entscheidungen betreffen kann, aber nicht muss.
Max Weber schreibt:
Das »Gemeinschaftshandeln« ist nicht die Regel, sondern die, sei es auch typisch, wiederkehrende Ausnahme.»
[..]
Innerhalb der ländlichen Eigenwirtschaft der Frühzeit ist das »Dorf«, eine Gruppe dicht zusammengesiedelter Hausgemeinschaften, der typische Nachbarschaftsverband. Die Nachbarschaft kann aber auch über die sonst festen Grenzen anderer, z.B. politischer Bildungen hin wirksam werden. Nachbarschaft bedeutet praktisch, zumal bei unentwickelter Verkehrstechnik, Aufeinanderangewiesensein in der Not. Der Nachbar ist der typische Nothelfer, und »Nachbarschaft« daher Trägerin der »Brüderlichkeit« in einem freilich durchaus nüchternen und unpathetischen, vorwiegend wirtschaftsethischen Sinne des Wortes. In der Form gegenseitiger Aushilfe nämlich in Fällen der Unzulänglichkeit der Mittel der eigenen Hausgemeinschaft [werden im Rahmen der Nachbarschaft] durch »Bittleihe«, d.h. unentgeltliche Leihe von Gebrauchsgütern, [und] zinsloses Darlehen von Verbrauchsgütern, [sowie durch] unentgeltliche »Bittarbeit«, d.h. Arbeitsaushilfe im Fall besonders dringlichen Bedarfs, [Hilfsleistungen] in ihrer Mitte geboren aus dem urwüchsigen Grundprinzip der ganz unsentimentalen Volksethik der ganzen Welt heraus: »Wie du mir, so ich dir« (was der römische Name »mutuum« für das zinslose Darlehen hübsch andeutet). Denn jeder kann in die Lage kommen, der Nothilfe des andern zu bedürfen. Wo ein Entgelt gewährt wird, besteht es – wie bei der »Bittarbeit«, in typischer Form bei der überall auf den Dörfern, z.B. auch noch unseres Ostens, verbreiteten Hausbaubeihilfe der Dorfnachbarn – im Regalieren der Bittarbeiter. Wo ein Tausch stattfindet, gilt der Satz: »Unter Brüdern feilscht man nicht«, der das rationale »Marktprinzip« für die Preisbestimmung ausschaltet.[..]
Nachbarschaft pflegt in ihrem Umfang nur dann feste Grenzen zu erhalten, wenn eine »geschlossene« Vergesellschaftung stattfindet, und dies geschieht regelmäßig dann, wenn eine Nachbarschaft zur »Wirtschaftsgemeinschaft« oder die Wirtschaft der Beteiligten regulierenden Gemeinschaft vergesellschaftet wird. Das erfolgt in der uns generell bekannten typischen Art aus ökonomischen Gründen, wenn z.B. die Ausbeutung von Weide und Wald, weil sie knapp werden, »genossenschaftlich« und das heißt: monopolistisch reguliert wird.
Und genau hier greift der Gemeinderat, als Monopolist, ein. Er bestimmt die Gesellschaft, indem er Gruppen bevorzugt oder benachteiligt. Im Größeren können wir das auch in der Bundespolitik erkennen.
Brot für die Armen
Wir schreiben das Jahr 1846.
Zu diesem Zeitpunkt herrschte große Not in deutschen Landen. Kurzerhand entschloss sich ein Herr Friedrich Wilhelm Raiffeisen, für die Hungernden Brot backen zu lassen. Als Amtsbürgermeister in Weyerbusch hatte er kurz nach seinem Amtsantritt schon 3 Schulen errichten lassen, zudem betrieb er zur besseren Erschließung der Region den Bau einer Straße von Weyerbusch über Flammersfeld, Rengsdorf und Heddesdorf zum Rhein, später auch bis Hamm (Sieg). Er sorgte für die Aufforstung der Wälder und den Bau der Westerwaldbahn. Sein Lebenswerk setzte er während seiner Amtszeit in Flammersfeld fort: Raiffeisen erkannte das Leiden der Landbevölkerung, die durch Missernten oft auf Wucherer angewiesen waren. So gründete er den Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte, bei dem die Bauern Geld ansparen, aber auch zum Ankauf von Vieh und Gerät günstig leihen konnten. So half er der Landwirtschaft und verhinderte endlich die Verelendung der bäuerlichen Bevölkerung. Auch schuf er "Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Not der ländlichen Bevölkerung, sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter" und sprach 1866 Empfehlungen zur Gründung solcher Vereine aus (siehe PDF).
Er war überzeugter evangelischer Christ. Die Motivation für sein sozialpolitisches Handeln war sein in der Bibel gegründeter Glaube. Er schrieb:
„Wir betonen (...) ausdrücklich die christliche Nächstenliebe, welche in der Gottesliebe und in der Christenpflicht wurzelt, daraus ihre Nahrung zieht und, je mehr geübt, um so kräftiger, um so nachhaltiger wird.“
Der sozialistische Volksgedanke Raiffeisens war nichts anderes als die Gründung und der versuchte Zusammenschluss zur Teamarbeit, zum Gemeinschaftshandeln für das leidende Bürgertum (Volk). Friedrich Wilhelm Raiffeisen war ein deutscher Sozialreformer. Erkennend, was den Menschen hilft, aus ihrer Armut zu gelangen.
Wiederkehrende Ausnahmen
Die Volksgemeinschaft ist weder Mythos, noch heutige Realität. Das sagt Max Weber aus, wenn er schreibt: "Gemeinschaftshandeln ist nicht die Regel, sondern die, sei es auch typisch, wiederkehrende Ausnahme."
Eine weitere Ausnahme wäre im Nationalsozialismus zu finden, die allerdings, wie wir wissen, einen bösen Ausgang nahm und lediglich als Gemeinschaft zum Schein zu sehen ist. Die Grundidee, und genau diese beschreiben wir, ist aber das Maß aller Dinge. Wenngleich auch in diesem Punkt der Diktator der 30er Jahre eine ganz andere Intention gehabt hatte, müssen wir darauf verweisen, dass es uns lediglich um den - auch von Friedrich Wilhelm Raiffeisen genutzten - Gedanken geht, dem Leser nahezubringen, was "Teamarbeit" und "Gemeinschaftshandeln" meinen.
Natürlich benutzte auch der Nationalsozialismus die "Gemeinschaft" als Basis für den Kampf gegen Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit. Er schaffte aus Millionen von Bürgern ein Volk. Als Treibmittel für die Volksbindung diente die Ausgrenzung anderer, also der Rassismus. Binnen weniger Jahre sank die Zahl der Nichtbeschäftigten von ca. 6,5 Millionen auf etwa 1/2 Millionen, wobei die sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vollständig aus Schulden bezahlt wurden. Die persönlich spürbare wirtschaftliche, aber auch die familiäre Situation verbesserte sich kontinuierlich - parallel zu den steigenden Staatsschulden, deren Auswirkungen für den Einzelnen aber nicht messbar waren.
Man verwob sozialistische und christliche Strukturen mit dem Nationalgedanken und hatte den größtmöglichen Erfolg seiner Zeit. Allerdings war dieser Gedanke gar nicht auf Langfristigkeit ausgelegt. Es ging nur darum, kurzfristig das Volk ruhigzustellen um dann in die vom Kapital geforderten Kriege einzusteigen, die auch die Staatsschulden wieder glätten sollten.
Auch in der heutigen Politik haben wir bisweilen sozialistische Ansätze, denen sich keine Politik entziehen kann. Weder der Politik von gestern, noch der Politik von morgen, doch heute nennt man es Sozialdemokratie. Durch Erreichen der politischen Mitte wurde gleichzeitig ein Wechsel eingeläutet. Ein Wechsel, der sich immer mehr als ein altbekanntes Problem offenbart: Kapitalismus. Jenes System, welches keinerlei Gemeinschaftshandeln mehr kennt. Jenes System, in dem der Reiche reicher wird und der Arme ärmer.
Innerhalb dieses Systems wird Gemeinschaft verteufelt, weil Solidarität Stärke bedeutet und nur der Schwache sich leicht ausbeuten lässt. Gleichgültig, ob es um die Volkssolidarität aus der alten DDR, um freie Genossenschaften, weitgehend energieautarke Gemeinden oder private Kommunikationsnetze geht: Jede Form der Gemeinschaft ist unerwünscht, weil sie dem Ziel der Ausbeutung entgegensteht.
Die Regierenden haben Erfolg, weil wir es nicht schaffen, Eins zu sein.
Tags für diesen Artikel: arbeit und brot, armut, gemeinde, gemeinschaft, gemeinschaftshandeln, genossenschaft, kapitalismus, kommunismus, max weber, nationalsozialismus, raiffeisen, reichtum, sozialismus, team, teamarbeit, volksgemeinschaft, wortdefinition
Artikel mit ähnlichen Themen:



















Als Atheist ist das vom Christentum gepachtete Weihnachtsfest für mich trotzdem ein Grund zum feiern. Nicht umsonst nennt man es bei uns im Erzgebirge auch das Lichtlfest. Das Licht in der Dunkelheit, ins Fenster gestellte Kerzen sollten dem Wanderer in einer Zeit als Deutschland noch von tiefen Wäldern bedeckt war den Weg weisen zum sicheren Unterschlupf für die Nacht, später dann dem Bergmann als lebenswichtige Orientierungshilfe untertage.
Wahrlich, so ist auch dieser Blog ein kleines Licht in dieser düsteren Zeit. ^^
Ich wünsche Alles erdenklich Gute...
Heiko am 23.12.2008 12:49
Wahrlich, so ist auch dieser Blog ein kleines Licht in dieser düsteren Zeit. ^^
Dem schließe ich mich gerne an :-).