Weltwirtschaftskrise - Kreditkartenklemme und Angst vor der Bondblase
Wie bereits vorausgesagt, ist der Petrochemie-Riese LyondellBasell unter den Schutz von Chapter eleven in die Insolvenz gegangen. Das bringt ihm zunächst einmal 2,2 Milliarden zusätzlichen Kredit, dürfte aber bei dem steilen Nachfrageeinbruch und den immensen Schulden auch nur einen kurzfristigen Aufschub bedeuten. Gleicheitig zeigen die ständig steigenden Arbeitslosenzahlen, dass sich die Rezession verschärft.
In diesem Zusammenhang ist der Ausstieg des US-Milliardärs Leonard Blawatnik bei Air Berlin ein interessanter Hinweis. Blawatnik ist Eigentümer des weltweit drittgrößten Petrochemiekonzerns LyondellBasell. Noch im Mai 2008 galt er bei Air Berlin als langfristiger Investor, der Ruhe in die Besitzerrunde bringen sollte. Diese Ruhe ist nun vorbei. Es droht vielmehr neue Unruhe, zumal aktuell nicht bekannt ist, an wen er verkauft hat.
Zwar hat sich American Express in eine Bank verwandelt, was ihr Hilfe aus dem amerikanischen Bankenfond verschafft, aber in der Kreditkartenkrise wird das wohl auch nicht wirklich helfen. Nach den Hypotheken sind es nun die Kredite, die über Kreditkarten gewährt wurden, welche nach und nach in sich zusammenfallen. Arbeitslose werden wohl kaum Schulden zurückzahlen können, und auch die anderen Schuldner kämpfen mit sinkenden Einnahmen.
Offizielle Zahlen gehen von bis zu 9 Prozent Ausfällen aus, inoffizielle sprechen von 30 bis 40 Prozent. Das ist eine interne Bewertungsfrage. Man kann einen Kredit entweder als notleidend bezeichnen, wenn man die Karte einzieht, kann aber auch über 12 und mehr Monate so tun, als rechne man noch damit, das Geld einbringen zu können. Irgendwann allerdings wird man sich wohl der Wahrheit stellen müssen.
Alle hoffen jetzt auf den Staat, oder besser den Steuerzahler, der den ganzen Rausch bezahlen soll. Wäre man nicht so wütend dann könnten man lachen, wenn man bei CNN liest, dass der Herausgeber des «Hustler»-Pornomagazins, Larry Flynt, und der Chef der Firma «Girls Go Wild» den Kongress um Finanzspritzen von fünf Milliarden Dollar bitten wollen, weil die arme Pornoindustrie ja genauso von der Weltwirtschaftskrise betroffen sei.
Mohamed El-Erian, der Chief Investment Officer von Pimco fordert bereits öffentlich dazu auf, die Finger von US-Bonds zu lassen. Das ist ein bedeutendes Urteil, weil El-Erian mit seiner Firma, die übrigens eine Allianz-Tochter ist, zu den größten Investoren in Bonds zählt. Angesichts der amerikanischen Staatsverschuldung ist diese Warnung mehr als begründet.
Jeremy Grantham, Gründer und Chairman der in Boston ansässigen Vermögensverwaltungsgesellschaft GMO sieht für den S&P 500 ein Tief bei 600 Punkten, obwohl er amerikanische Aktien schon jetzt für unterbewertet hält. Das erinnert irgendwie an Kohls blühende Landschaften in der DDR. Grantham berücksichtigt nämlich nicht, dass die amerikanische Dienstleistungsgesellschaft nur aufgrund der Politik des billigen Geldes und der Schuldenmacherei funktionierte.
Auch und gerade in den USA wurde nicht in die industriellen Kerne sondern in eine Blase investiert. Die Situation der amerikanischen Autoindustrie ist typisch für weite Teile der amerikanischen Industrielandschaft. Keine Innovationen, keine wirklich neuen Produkte. Selbst Apple hatte nichts zur Macworld zu zeigen, das auch nur den Anspruch von Neuheit und Marktpotential gehabt hätte.
Auch auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gibt es nichts wirklich neues oder gar revolutionäres an amerikanischen Produkten. Die Hoffnung, dass Windows 7 die grausamsten Fehler von Vista ausmerze, ist eigentlich der amerikanische Höhepunkt.
Ansonsten gehen alle davon aus, dass die Hauspreise in den USA im laufenden Jahr noch einmal um 15-20 Prozent fallen werden. Bei Gewerbeimmobilien möchte sich niemand auf Zahlen festlegen, aber so annähernd 40 Prozent wird der Preisverfall wohl erreichen. Allerdings sind die USA da schon weit vorangeschritten.
In England steht die Immobilienblase noch immer stramm. Allen ist klar, dass sie platzen wird und platzen muss. Da hilft auch eine Zinssenkung der Bank von England auf einen historischen Tiefstand in ihrer 315-jährigen Geschichte nichts. Die Börsen zuckten nur müde mit den Achseln. Das Pfund befindet sich praktisch im freien Fall.
In Deutschland bleiben die Hypotheken immer noch gut verpackt in der Hypo Real Estate. Alle haben Angst, was bei einer Bewertung herauskommen könnte. Aber spätestens wenn die nächsten und übernächsten Zuschüsse nötig sind, wird man nach den Maden sehen müssen. Das wird nicht mehr lange dauern. Gleichzeitig verfallen die Preise für Gewerbeimmobilien rasant. Nur jemand mit Sonderinteressen wie Thilo Sarrazin versucht da, große Verkäufe zu starten. Der Markt ist praktisch ausgetrocknet.
Die deutschen Exporte brachen um saisonbereinigte 10,6 Prozent ein, was sich sehr schnell in weiteren Entlassungswellen äußern wird. Entlassen wird übrigens auch massiv in China. Dort werden die praktisch rechtlosen Arbeitssklaven der westlichen Industrie einfach in ihre Heimatdörfer zurückgeschickt. Das könnte einer der letzten Fehler der chinesischen Diktatur gewesen sein. Diese Leute werden nämlich nicht schweigen. Es wird eine breite Analyse der Situation geben, die am Ende das Regime hinwegfegt.
Die Gefahr besteht in Deutschland nicht. Im Zweifelsfall lügt die Statistik sich schon alles zurecht und die Systemmedien berichten treu und brav, was den Neoliberalen nützt. Allerdings gibt es auch in der heilen Medienwelt die ersten Risse, wie bei Lanu zu lesen ist.
Sie veröffentlicht einen offen Brief von den Betriebsräten München und Köln des Gruner+Jahr-Verlages an den Bertelsmannchef Hartmuit Orstrowski, mit dem dieser sich aber nicht einmal den Arsch abwischen wird, weil er über sein Vorvorzimmer gar nicht hinauskommt. Die neoliberale Famile Mohn hat bei Bertelsmann die Parole ausgegeben, dass an allen Ecken gespart werden soll, weil man ja nie genug haben kann.
Das ganze hat einen gewissen Witz, weil die Herren und Damen Journalisten und Redakteure nun am eigenen Leib erfahren, wie Neoliberale mit Menschen umgehen. Auch mit den Menschen, die stets brav deren Religion gepredigt haben und sich von Wahrheit und Realität nicht beeindrucken ließen. Da werden sie jetzt durchmüssen. Der Focus hat übrigens knapp 20 Prozent seines Anzeigenumsatzes verloren. Auch da werden Köpfe rollen. Bei Gruner+Jahr ist die Impulse-Chefredakteurin zurückgetreten. Aber sie wäre sonst eben gefeuert worden.
Nicht zurückgetreten wird bei der Commerzbank. Commerzbank-Chef Martin Blessing übernahm großmäulig die Dresdner Bank, überhob sich damit und hüpfte unter den Rettungsschirm, den Angela Merkel ja all den Abzockern aufgespannt hatte. Damit saniert sich die Allianz, und jetzt wird nochmal ein kräftiger Schluck aus der Pulle genommen: Der Bund garantiert eine 10-Milliarden-Anleihe. Holgi stellt auf NIGHTLINE eine nicht unberechtigte Verständnisfrage.
Ich finde, das hört sich so an, als würde die Regierung Steuergelder dazu verwenden, der Commerzbank eine Firmenübernahme zu ermöglichen, die der Commerzbank alleine zu riskant ist.
Werden hier die Risiken eines Unternehmens sozialisiert, dessen Gewinne privatisiert werden, oder habe ich irgendwas nicht verstanden oder übersehen?
Wie recht Holgi mit seiner fragenden Feststellung hatte wird deutlich, wenn man hört, dass die Commerzbank nun teilverstaatlicht wird. 25 Prozent plus eine Aktie übernimmt der Staat. Dafür gibt es dann weitere 10 Milliarden. Wahrscheinlich folgen schon nächste Woche oder nächsten Monat weitere Milliarden. Warum lässt man diese Banken nicht einfach sterben? Das ist doch Bankenquälerei! Sie werden nicht überleben, sie verbrennen nur Geld.
Blicken wir zum Schluss noch einmal in die USA, wo Obama schon quasi händeringend auf den Knien um sein Rettungspaket bettelt. Dummerweise kann Zeitenwende.ch mit einem Taschenrechner umgehen.
"Weitere Amerikaner werden ihre Jobs verlieren", erklärt Obama. "Weitere Familien werden ihre Ersparnisse verlieren. Weitere Träume werden verschoben oder verwehrt. Und unsere Nation wird tiefer in eine Krise sinken, die wir irgendwann vielleicht nicht mehr umkehren können."
...
"In diesem Moment kann nur die Regierung für die kurzfristige Ankurbelung sorgen, die notwendig ist, um uns aus dieser tiefen und schweren Rezession zu holen", sagt er den vorab verbreiteten Textauszügen zufolge.
Dazu ein bisschen Mathematik: 775'000'000'000 Dollar dividiert durch 3'000'000 Arbeitsplätze macht ... einen kleinen Moment bitte ... mein Taschenrechner schluckt nicht solch große Zahlen ... das macht 258'000 Dollar pro Arbeitsplatz. Hmmmmm.
Wäre es da nicht einfacher gewesen, 10 Millionen Amerikaner gegen einen Jahreslohn von 30'000 Dollar zwei Jahre lang mit Farbe, Besen und einem Lächeln auf dem Gesicht in die Großstädte zu schicken und die Gegend ein bisschen aufzufrischen. Okay, okay, ich weiß schon, so einfach ist das nicht ... und vor allem hätten die Grosskonzerne nichts davon ...
Ja, darum geht es in den USA wie in Europa. Den Großen geben und den Kleinen nehmen. Mal für den Aufschwung und dann gegen die Krise. Immer von unten nach oben verteilen. Die Aktienkurse sind wieder auf dem Weg nach Süden. Sicher wird man sie bald wieder einmal schönreden. Aber die Quartalsergebnisse im April werden deutlichmachen, dass die Aktien vielleicht billig im Vergleich zu alten Träumen sind, aber längst noch nicht den realen Wert abbilden.
Kluge Köpfe gehen schon heute von 5 Jahren Krise aus. Es wäre an der Zeit, die notwendigen politischen Änderungen jetzt vorzunehmen. In Hessen könnte ein Startsignal gesetzt werden. Koch verhindern ist die wichtigste Aufgabe, und das bedeutet im Klartext: mit Zahn- und Bauchschmerzen die Linke wählen. Nicht weil die Linke gut ist, sondern weil nur sie Koch verhindert. Jeder muss wählen gehen. Eine hohe Wahlbeteiligung schadet Koch ebenfalls.
Frankfurt ist das Zentrum der Bankster. Frankfurt könnte ein Signal für das Ende des Raubtierkapitalismus sein. Jämmerlicher als dieser neoliberale Quatsch hat noch kein Wirtschaftssystem so vollständig versagt. Da war der real existierende Sozialismus ja noch richtiggehend wirtschaftskompetent.
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blog von mattin am
01/09/09 um 08:12
Weltwirtschaftskrise - Kreditkartenklemme und Angst vor der Bondblase
Auszug von duckhomeWeltwirtschaftskrise - Kreditkartenklemme und Angst vor der Bondblasevon Jochen HoffWie bereits vorausgesagt, ist der Petrochemie-Riese LyondellBasell unter den Schutz von Chapter eleven in die Insolvenz gegangen. Das bringt ihm zunächs ...
Auszug von duckhomeWeltwirtschaftskrise - Kreditkartenklemme und Angst vor der Bondblasevon Jochen HoffWie bereits vorausgesagt, ist der Petrochemie-Riese LyondellBasell unter den Schutz von Chapter eleven in die Insolvenz gegangen. Das bringt ihm zunächs ...























Ging nicht, war wohl zu billig.
belef