Bisher war es ja so, dass Mohn/Bertelsmann über die Arvato AG schon einen wesentlichen Teil der Daten der Bürger fest in ihren Krallen hatte. Wer bei
"Wer gehört zu wem" nachblättert, erhält folgende, erschreckende Liste:
- Abacus Deutschland
Die Versandhandelsallianz bietet einen Adresspool mit B-to-C-Adressen. Mehr als 200 Versandhändler in Deutschland und kooperieren weltweit mit Datenallianzen in Großbritannien, Frankreich, USA und Kanada. Das Geschäftsmodell ist jedoch durch Änderungen im Datenschutz bedroht.
- Adress Research (Lösungen zur Anschriftenermittlung)
- arvato direct services (Direkt-Marketing-Dienstleister)
- arvato logistics services (Distribution)
- arvato mobile (ehemals handy.de)
- arvato systems (IT Dienstleistungen)
- arvato teleservice (After Sales Dienstleister im Mobilfunk)
- AS healthcare (Distribution von Arzneimitteln)
- CrossMarketing arvato services GmbH (Crossmedia-Kampagnen)
- Deutsche Post Adress GmbH (Umzugsdatenbank)
- Deutscher Supplement Verlag GmbH (Programmmagazine)
- empolis (Content und Knowledge Management-Lösungen)
- eValuate (Lösungen für Mitarbeiter- und Kundenbefragungen)
- GGP Media (Hersteller von Schwarz/weiß-Büchern)
- InmediaONE] (Direktvertrieb)
- medienfabrik (Agentur für integrierte Kommunikation)
- Mohn Media Kalender & Promotion Service (Kalender)
- Mohn Media · Mohndruck (Printdienstleistungen)
- PRINOVIS Ltd. & Co. KG (siehe separates Profil)
- Sonopress (Produktion)
- Topac Multimedia Print (Print- und Verpackungsprodukte)
- VAW-arvato (Technische Dokumentation)
- Vereinigte Verlagsauslieferung (Verlagsauslieferung)
- webmiles GmbH (Bonussystem)
Das, was da in Arvato gebündelt ist, sieht vielleicht unscheinbar aus, ist aber mit weltweit 60.000 Mitarbeitern ein mächtiger Koloss. Ein Koloss, der sich wesentlich um eine Katalogisierung der Menschen kümmert. Ausgehend vom Adressverlag, der Erstellung und Auslieferung von Medien, über die Umzugsdatenbank der Deutschen Post ist Mohn überall dabei.
Unter dem Namen
AZ-Direct wird sogar das Adressmaterial der Kunden übernommen und von einem aktiven Datamining gesprochen.
Dieses Datamining will Mohn/Bertelsmann jetzt wohl noch ausbauen. Sie planen, sich mit 30 Prozent an dem Bonussystem Payback zu beteiligen. Eine Stellung, die ihnen ermöglichen würde, die Daten von Payback mit ihren bisher eingeheimsten Daten in Verbindung zu bringen und so zielgerichteter werben zu können. Denn die Daten der Kunden sind der einzige Wert, den Payback und ähnliche Systeme haben.
Die Firmen, die Systeme wie Payback akzeptieren, wollen ihre Kunden wiedererkennen und deren Kaufverhalten analysieren. Bekommt Mohn/Bertelsmann die Daten, geht es vor allem darum, die eigenen Datenbanken mit dem Kaufverhalten zu füttern und damit gegenüber Wettbewerbern wie GHP und "schlott gruppe" wesentliche wirtschaftliche Vorteile zu gewinnen.
Wenn man dabei bedenkt, dass
Mohn/Bertelsmann in Würzburg bereits große Teile der Stadtverwaltung übernommen hat, dann wird es spannend. Wenn ein Hartz-IV-Empfänger über seine Payback Karte etwas kauft, das nicht im Rahmen des Hartz-IV-Entwurfes für ein würdeloses Leben steht, dann kann Mohn/Bertelsmann sozusagen amtlich tätig werden und die Überwacher ausschicken oder gar gleich kürzen.
Wenn sich jemand auf eine neue Stelle bewirbt, kann Mohn/Bertelsmann viel über gesunde Ernährung, Alkohlgenuss und Zigarettenkonsum sagen. Natürlich geht das auch, wenn ein Unternehmen Leute entlassen will. Bertelsmann hat die Daten. Besonders schön wird das bei der Versorgung der Bundeswehr. Mohn/Bertelsmann wird ja über VAW-Arvato die Logistik der Bundeswehr übernehmen und sicherlich auch eine eigene Marketenderei eröffnen. Da wissen die schon vorher, was die einzelnen Soldaten brauchen, und können sie um so kräftiger beim Preis über das Ohr hauen.
Mohn/Bertelsmann bestimmt die Politik, hat alle Daten, die Medien und wird auch die Verwaltungen erobern. Es droht eine Mohn/Bertelsmann Diktatur. Mohn/Bertelsmann ist eine Bedrohung für die Demokratie und die Freiheit. Es wird im übrigen nichts nützen, die Daten bei Payback löschen zu lassen. Es gibt nur einen Weg. Man darf keine Bonussysteme verwenden und sollte immer bar bezahlen. Daten, die nicht bekannt sind, können nämlich auch nicht verraten werden.
Das wird nicht reichen, Mohn/Bertelsmann zu stoppen, aber es macht ihnen das Leben schwerer. Ansonsten brauchen wir eine neue Politik, die derartige unmoralische Geschäfte verbietet. Mit Merkel und Steinbrück ist das nicht zu machen. Die wissen nicht einmal, was Moral ist.
Ich habe meine Auflistung über das Bertelsmann-Imperium (http://konsumpf.de/?p=463) gleich mal entsprechend ergänzt.
http://www.kannnichtsein.com/tv/tv
Als auch im Printmedien-Bereich:
http://www.kannnichtsein.com/printmedien/printmedien-2
Es ist schier unmöglich tatsächlich genau festzustellen wer am Ende die einflussreichsten Fäden in der Hand hält, aber die prozentualen Beteiligungsverhältnisse sind trotzdem sehr aufschlussreich...