In Berlin gibt es einfach keine Ruhe um die Theater und Opernhäuser. Nun ist es wieder einmal die Deutsche Oper, die jammernd nach dem Geld des Steuerzahlers
schreit.
Die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, hat die Politik wegen der „strukturellen Unterfinanzierung“ ihres Hauses um Hilfe gebeten. Die größte Berliner Oper habe ihre Etatplanung 2009 wegen außergewöhnlicher Sonderkosten außerhalb ihrer Verantwortung (wie Anpassung von Versorgungsbezügen) um 1,2 Millionen Euro senken müssen bei einem Etat von 37,8 Millionen Euro.
Wenn ein Geschäft nicht läuft, muss man es schließen. Die Deutsche Oper hatte im letzten Jahr 50.000 Zuschauer mehr als sonst und kannte die auf sie zukommenden Verpflichtungen genau. Sie hätte entweder rechtzeitig ihre Kosten verringern oder die Preise erhöhen müssen. Wenn beides nicht geht, bleibt nur die Schließung.
Warum auch nicht? Berlin hat drei Opernbühnen - und keine von ihnen kann leben. Es gibt also mehr Angebot als Nachfrage. Die Intendantin Kirsten Harms hat sich im Jahr 2008 sehr weit aus dem Fenster gelegt und im Endeffekt 800.000 Euro Schulden aufgetürmt. Wie immer in der Hoffnung, dass irgendwer schon einspringen wird. Natürlich wird das auch diesmal passieren. Müssen eben Schulen und Kindergärten auf Mittel verzichten.
Thilo Sarrazin wird sicher auch noch Geld aus den Ärmsten der Stadt herauspressen. Für solche Gemeinheiten ist er ja absoluter Spezialist. Aber all das ändert nichts daran, dass die Opernhäuser immer unwirtschaftlicher werden. Warum muss die Deutsche Oper eigentlich überhaupt mit 37,8 Millionen subventioniert werden? Private Bühnen haben kaum eine Chance, weil sich die Subventionierten in den Vordergrund drängen und dank ihrer Finanzkraft jede andere Initiative verhindern oder abwürgen.
Ist es wirklich Kulturförderung, wenn man eine Kultur der Vergangenheit künstlich immer wieder neu zu beleben versucht, die ein finanzielles Desaster ist. Wenn es einen Markt für Oper und Theater gibt, dann wird dieser Markt auch Oper und Theater bezahlen. Wenn es ihn aber nur dank riesiger Fördermittel gibt und er lediglich wenigen sogenannten "Kunstfreunden" als billige Abendunterhaltung dient, dann sind Opern und Theater überflüssig.
Es spricht nichts dagegen, einer privaten Initiative die Opernhäuser und Theater gegen eine vernünftige und kostendeckende Miete zur Verfügung zu stellen oder sie auch zu verkaufen. Das gleiche gilt für den jeweiligen Fundus. Aber die Veranstaltung von Oper, Theater oder Rummel ist keine staatliche Aufgabe. Egal was Frau Harms denkt.
Das gilt im übrigen auch für Museen, Schlösser und ähnliches. Wenn ein Staat so reich ist, dass er sich derartige Vergnügungen zusätzlich leisten kann, ist das in Ordnung. Das bettelarme Berlin kann es sich aber nicht leisten und sollte verkaufen, was zu verkaufen ist, um Schulden abzubauen und die wirklich wichtigen Leistungen für die Bürger erbringen zu können.
In diesem Zusammenhang ist der Aufbau des Stadtschlosses eine Dummheit ohnegleichen. Erichs Lampenladen ist weg, das muss reichen. Nun kann man das Grundstück verkaufen und so wieder einen Teil des herausgeworfenen Geldes zurückholen. Wirtschaftlicher wäre es gewesen, den Lampenladen zu sanieren, aber unter Sarrazin und Wowereit ist Wirtschaftlichkeit ein Fremdwort.
Natürlich muss die Party weitergehen. Aber sie sollte zumindest ohne die Deutsche Oper weitergehen. Sie nun mit Hilfe des Haushaltssicherungsgesetzes unter Kuratel zu stellen, ist keine Lösung. Eine Lösung kann nur eine Schließung sein. Auch dann werden die beiden anderen Häuser nicht leben können, aber die Zuschüsse an die Deutsche Oper entfallen wenigstens. Es ist höchste Zeit, der Narretei ein Ende zu machen.
Ganz abgesehen davon, was bringt es wirklich, ein Opernhaus zu schließen? Ich möchte mich dem Schließungswahn nicht anschließen. Das hat nämlich auch etwas mit innerstädtischer Strukturpolitik zu tun. Denn so wird auch verhindert, dass sich die weitere Stadtpolitik nur noch mehr auf die Mitte konzentriert. Genauso wie es absolut töricht ist, alle Museen aus Dahlem nach Mitte zu verlangern (man sollte auf dieses Humboldforum verzichten). Bewirkt doch auch diese Standortverlagerung, dass Dahlem, trotz Universität, einfach aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. Für eine ausgewogene Stadtpolitik ist soetwas nur schädlich.
Sobald klar wäre, dass der Staat nicht mehr zahlt, müssten nämlich Entscheidungen fallen und ich bin ziemlich sicher, dass es dann auch Mäzene geben wird.
Aber warum sollten die jetzt einspringen, wo der Staat doch leistet.
Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Frankfurt (um nur mal die größeren Städte zu nennen).
Alle werden aus Steuermitteln reichlich beschenkt und spielen zum großen Teil in fast leeren Häusern (außer vielleicht bei dem einen oder anderen Premiereabend).
Gerade in derartigen Ballungsräumen würde es sich doch anbieten, ein hervorragend ausgestattetes Schauspielhaus (eventuell mit mehreren Bühnen) zentral und mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung hinzustellen und alle anderen zu schließen.
Da könnte man sogar freien Eintritt anbieten und immer noch Millionen sparen.
Und mit den endlosen Verkaeufen oeffentlichen Eigentums sollte endlich Schluss sein.
Wenn Berlin die Steuern fuer Reiche und Superreiche soweit senkt, dass im Haushalt riesige Loecher klaffen - dann wuerdest du diese Loecher doch nicht schliessen wollen, indem du die Kulturausgaben herunterfaehrst und alles verkaufst was nicht niet- und nagelfest ist - oder doch?
Ich mag viele Museen, wenn auch keine Kunstmuseen. Trotzdem bin ich der Meinung, das viele davon überflüssig und durch Beutekunst oder Raub von Altertümern sich selbst ins Aus stellen.
Warum dafür eine öffentliche Förderung sinnvoll sein sollte erschließt sich mir nicht.
Warum Berlin drei Opernhäuser braucht, von denen keines lebensfähig ist, ist ebenfalls nicht zu erklären.
Übrig bliebe ein Bruchteil kultureller Angebote, die ihre Programme rein gewinnorientiert aufstellen. Für Experimente und künstlerisch-avantgardistischen Wildwuchs (was die Berliner Kulturlandschaft meiner Ansicht nach entscheidend prägt) gibt es so keine Basis.
Der Aufwand für Kultur beträgt in Berlin 1,8 Prozent des Landeshaushaltes. So viel sollte uns die "Party" wert sein. Die großen finanziellen Fehler werden an anderer Stelle gemacht.