Nach Griechenland und Spanien wurde jetzt auch Portugal von den Ratingagenturen abgestraft. Geringes oder gar sinkendes Wirtschaftswachstum und die Notwendigkeit, viel Geld zur Absicherung von Banken und Versicherungen in die Hand zu nehmen, verschlechtern die Lage weiter. In Griechenland sind mittlerweile nach der städtischen Bevölkerung auch die Bauern auf den Barrikaden und sperren wichtige Fernverbindungsstraßen. Auch dort ist die Regierung akut gefährdet.
In den USA ist Obama gefordert, gleich zu Beginn seiner Amtszeit weitere 30 Milliarden Dollar in Freddie Mac zu stecken, und Fannie Mae wird sich wohl auch bald wieder melden. Dabei bleiben die Immobilienpreise im Sinkflug, und langsam zeigt sich, dass ein großer Teil der Kreditkartenschulden nicht beglichen werden wird. Dies wird die Kreditkartenunternehmen und ihre Versicherer erneut vor große, wenn nicht gar unlösbare Probleme stellen.
Gleichzeitig geht die Entlassungswelle weiter. Selbst Microsoft setzt 5.000 Leute auf die Straße, und das dürfte in der IT-Branche erst der Anfang sein. Die Arbeitsplätze brechen überall auf der Welt in breitester Front weg, weil die Unternehmen lieber die Scheinerträge durch Lohnsummensenkung vorzeigen, als über neue Produkte auch neue Märkte zu erschließen. Das ist der alte neoliberale und völlig falsche Denkansatz, der sich aus dem Verlust von Humankapital einen Gewinn schönrechnet.
Mit jedem Entlassenen gehen Fähigkeiten aus dem Unternehmen, die wahrscheinlich nirgendwo anders so gebraucht werden und am Ende dem Unternehmen fehlen. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Entlassungen ist nicht zu beziffern, weil man die Fehlentscheidungen, die aus Unwissen nach solchen Entlassungen passieren, gar nicht erfasst.
Nach Bernard Madoffs geplatztem Schneeballsystem, jagt das FBI im Moment gerade aktuell den Hedge-Fonds-Manager Arthur G. Nadel, der aber, als 76-jähriger Opa, immer noch pfiffiger ist als das FBI und ihm dauernd entkommt. Nadel hat nur 50 Millionen Dollar verspielt. Aber während Madoff 50 Milliarden Dollar verspielte und nun bis zu seinem Prozess unbehelligt in seiner Wohnung bleiben darf, wird Nadel wohl derjenige sein, an dem ein Exempel statuiert werden soll. Vielleicht bekommen sie aber auch einen anderen der aktuell 14 Fälle von Schneeballsystemen schneller.
Es muss ein kleiner Schuldiger her, der sich kaum verteidigen kann, damit die großen Schuldigen dann mit einer leichten Verwarnung davonkommen können. Justiz, wie wir sie in Deutschland täglich erleben. Heute kommt das Zumwinkel-Urteil. Mit Sicherheit auf Bewährung. Kennt man doch
von vielen anderen Fällen, und das wird in Deutschland ja auch offen zugegeben.
Überhaupt - Deutschland. Nachdem nun lange genug betont wurde, dass es keine Bad Bank geben werde, wird es jetzt ganz viele Bad Banks geben. Jede Bank darf ihre eigene Bad Bank machen und die bekommt dann Geld von der Bankenrettung, dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) als Garantie. Damit sind die Banken saniert, behalten die Gewinne und haben die Verluste sozialisiert. Bärenstarke Idee. Und das schafft Arbeitsplätze. Auch die Bad Bank braucht ja Vorstand und Aufsichtsrat.
Der ganze widerwärtige Gedanke der Sozialisierung der Verluste wird zwar immer noch mit warmen Worten und schönen Umschreibungen verschleiert, aber tatsächlich bereitet die Bundesregierung genau das vor. Sie spricht von 248 Milliarden, hat aber schon selbst den Betrag von über 1.000 Milliarden Euro erwähnt. Eine Billion Euro - daran werden noch die Urenkel unserer Urenkel zu zahlen haben. Aber: das Großkapital ist gerettet.
Wer weiß, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX bei 13 liegt, der weiß auch, dass deutsche Aktien immer noch bei weitem überbewertet sind. Die Kurse werden weiter fallen, auch wenn sie dann immer wieder zu einer Erholung ansetzen. Da im Bankensystem fast unendlich liquide Mittel vorhanden sind, können immer wieder Gimpelfallen aufgebaut werden, mit denen die Banken toxische und fast toxische Papiere an dumme Anleger auslagern könne. Das begrenzt die Verluste der Banken und wird vom Steuerzahler subventioniert.
Allerdings haben die Bürger gemerkt, dass es nicht wie bisher weitergehen wird. Die Lebensversicherer melden einen starken Rückgang bei den Neuverträgen. Dies ist logisch. Die Zinsen sinken und damit die Erträge aus den Anleihen, die die Versicherer so gerne zeichnen. Da auch Aktienkurse und Immobilienfonds im freien Fall sind, ist abzusehen, dass die Versicherer ihre Garantieerträge bald nicht mehr bringen können und einige Schwierigkeiten bekommen werden, auch nur die eingezahlten Beträge wieder auszuzahlen.
Noch schlimmer ist die aktuelle Situation bei den Pensionskassen. Bei den Dax-Unternehmen dürften nach Berechnungen der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (RTP) nur noch zwei Drittel der Pensionszusagen gedeckt sein. In den USA sind es wohl schon weniger als die Hälfte, wie auch bei den M-Dax-Unternehmen. Eigentlich müssten sofort Nachschüsse erfolgen, aber solange der Gesetzgeber es zulässt, dass nicht nachgeschossen wird, wird auch nichts geschehen. Bei Konkurs eines solchen Unternehmens wird dann der Staat, also der Steuerzahler, einspringen müssen.
Der Staat wird sich entscheiden müssen, ob er jetzt einhaltbare Regeln einführt oder lieber das System weiter zerfallen lässt, bis nichts Verwertbares mehr übrig bleibt. So wie Frau Merkel bisher agierte, dürfte sich der Zerfall noch beschleunigen. Sie kann es nicht, Steinmeier und Steinbrück können es erst recht nicht. Oder vielleicht wollen sie auch alle nicht, weil sie so mehr Geld verdienen.
Also kann man davon ausgehen das sie es nicht besser wissen, sonst würden sie doch eher versuchen das zu retten was sie haben.
Der Pöbel hat doch sowieso nicht mehr viel zu verlieren und wenn das nur einigen mehr klar wird, dann krachts... wie in Island (womit der Bezug wieder hergestellt wäre ;) )
Von was der Rest leben soll ... das ist hier die Frage