Es war auf dem Rückflug von Ruanda. Kurt Beck langweilte sich, wie meistens, wenn er nicht gerade in Kameras grinsen und Worthülsen verbreiten musste und auch nicht essen durfte. Er hasste diese ganze sinnlose Hin- und Herreiserei sowieso. Sollten die Leute doch alle zu ihm in sein Ländchen kommen, wenn sie was von ihm wollten.
Obwohl es streng verboten war, hatte ein Mitglied seines Betreuerstabes, ein Handbuch und ein paar Plakatentwürfe in Becks Reichweite liegen lassen. Gelangweilt nahm er die Zettel in die Hand. Er las den Satz "Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert" und schlimmer noch "Bremer Entwurf", "Ein neues Grundsatzprogramm der Sozialdemkratischen Partei Deutschlands" und direkt da neben, prangte das ihm vertraute Parteizeichen mit den Buchstaben SPD.
Es dauerte ein paar Minuten bis ihm die Tragweite seiner Entdeckung bewusst geworden war. Erst zaghaft und stotternd, dann immer lauter und fordernder skandierte er. "SPD ist Sozialdemokratische Partei Deutschlands" und wiederholte sich ein paar Hundert Mal. Erst als ein gewisser Erschöpfungszustand eingetreten war, wagten sich seine Betreuer wieder in seine Nähe.
Mit schwacher Stimme, aber glücklichen Augen, unter schweißnasser Stirn hauchte er: "Wir sind Sozialdemokraten. Wir sind nicht nur die drei Buchstaben SPD. Wir sind Sozialdemokraten. Daraus muss sich doch irgendwas machen lassen? Vielleicht sogar für die Umfragen?", Dann sank er erschöpft in sich zusammen.
Einige hatten schon mit dem Müntefering und dem heillosen Durcheinander telefoniert. Eigentlich hatte man Beck ja nicht sagen wollen, das er Sozialdemokrat sei. Man weiß ja nie was so ein Land-Ei aus solch einer Erkenntnis macht. Aber nun war es zu spät. Man musste sich zumindest teilweise auf das unwürdige Spiel einlassen. So schnell würde der Beck das nicht vergessen.
Man musste ihm dieses Spielzeug lassen, nachdem er schon nicht auf den Gipfel gedurft hatte. Dabei hätte er doch so gerne auf einem Gipfel gestanden, der direkt am Meer war. Also wurde eilig eine mit Ketten und hinter schweren Panzertüren gesicherte Mottenkiste wieder geöffnet. Als sie aufklappte raunte es leise, Marx, Schumacher, Wehner, Brandt. Aber man entnahm ihr, gekonnt und durch Mund- Nasen und Ohrenschoner geschützt, ein paar Versatzstücke.
Die wurden mit hochgiftigen Chemikalen gereinigt, unter Luftentzug bestrahlt und dann endlich für weitgehend sicher erklärt.
Dann setzte man ein paar alte, eigentlich schon abgehalfterte Redenschreiber daran, aus diesen Versatzstücken, die aus einer glorreichen, aber glücklicherweise sehr vergangenen Vergangenheit stammten, eine weichgewaschene, seidige Rede zu weben. Sie sollte die die neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Auftraggeber der SPD nicht entsetzen, musste aber dem Beck das trügerische Gefühl vermitteln, etwas Gutes zu sagen.
Der Beck war auch gleich ganz begeistert. Gleich mehrfach durfte er sein
Sprüchlein vortragen und schien so glücklich, wie seit langem nicht mehr. Immer wenn er glaubte, das ihn niemand kontrollierte sagte er zu sich selbst: "Ich bin ein Sozialdemokrat. Ist das nicht schön. Ich bin in der gleichen Partei wie Willy Brandt.". Manchmal untermauerte er diesen Satz auch mit ein Paar Tanzschritten.
Seine Betreuer grinsten sich an. Sie wussten das würde vergehen. Aber es war gut das der Kurt Beck mal wieder glücklich war. Da würde er sicher nicht lesen, was dieser freche
Klaus Ernst davon erzählte, das er und die Linke, die SPD nach links verschieben würden. Das durfte der Beck nie hören. Der wäre imstande und käme noch auf weitere dumme Ideen. So von einer linken Mehrheit und solchem Übelkram.
Aber der Müntefering winkte ab: "So lange halten die Stimmungen beim Kurt doch gar nicht an und mit wem soll er das denn noch machen. Die Sozialdemokraten aus der SPD sind doch schon auf dem
Abmarsch. Die stören uns bald nicht mehr. Dann können wir noch viel besser für die Mohn/Bertelsmann, die INSM und die Herrschaften vom Großkapital arbeiten. Wir werden die CDU rechts überholen und wenn es sein muss, die Nazis auch noch. Wiefelspütz. Wiefelspütz. Wir brauchen schärfere Gesetze gegen diese verdammten Sozis. Ruf den Schäuble an. Sofort!"
http://www.stoibaer.de/ruf-den-schaeuble-an-sofort.html