Mit etwas Glück gibt es demnächst auch noch ein
wohldesigntes und williges Frauchen dazu, das allen Anforderungen und Geschmacksrichtungen gerecht wird. Vielleicht als Meerjungfrau, Nixe oder Katzenmädchen. Es scheint fast alles möglich zu sein.
Auf jeden Fall ist zunächst einmal die Familie Edgar und Nina Otto, aus Boca Raton im US-Staat Florida glücklich. Sie konnte für 155.000 Dollar den Labrador-Welpen "Lancelot Encore" in Empfang nehmen. Nun sind Labrador-Hunde auch in den USA äußerst beliebt, aber 155.000 Dollar würde selbst dort niemand für einen Welpen zahlen. Dieser Welpe war es seinen stolzen Besitzern jedoch wert. Er ist ein Klon ihres Hundes Lancelot, der im Januar 2008 starb.
Die kalifornische Firma BioArts International hatte recht medienwirksam im Juli 2008 eine Versteigerung durchgeführt, bei der unter anderem auch die Ottos ein Recht auf einen Klon ersteigerten. Zwar war ihr Hund Lancelot damals schon lange tot, aber sie hatten sein Genmaterial, in der Hoffnung auf solche eine Gelegenheit, einfrieren lassen. Das ist menschlich verständlich. Ich persönlich würde ein Vielfaches davon ausgeben, um einen bestimmten Hund wieder zum Leben zu erwecken.
Wie mögen das erst Eltern empfinden, die ein geliebtes Kind verloren haben. Wenn man sich die Zeitspanne vom Gewinn im Juli bis zur Einpflanzung im Oktober ansieht, dann wird klar, wie professionell das Ganze schon ist. August und September sind nicht viel, und außerdem muss ja eine Leihmutter in entsprechender Größe läufig sein, damit die Geschichte funktionieren kann.
Davon ausgehend, dass jemand, der 155.000 Dollar für einen Welpen bezahlt, auch die 100 Dollar für einen Gentest ausgibt, dürfte es sich um gentechnisch weitestgehend identische Hunde handeln und ein Betrug nicht vorliegen. Auch wenn der koreanische Tierarzt Hwang Woo Suk, dessen Team den Klonprozess durchgeführt hat, als nicht besonders vertrauenswürdig gilt, weil er zumindest auf wissenschaftlich nicht haltbare Art und Weise argumentiert hat, ist hier nicht von Betrug auszugehen.
Auch im Bereich des Klonens von Menschen gibt es
Neuigkeiten.
Nun melden gleich zwei Gruppen Erfolge: Eine in China um Yanwei Wang (Shandong) hat fünf Embryos geklont und sie bis zu Blastozysten heranreifen lassen, in diesem Stadium kann man ES entnehmen und daraus Zellkulturen ziehen, das haben die Chinesen nicht getan. (Cloning and Stem Cells, 11) – In den USA ist Mario Lanza (Advanced Cell Technology, Los Angeles) einen Schritt weitergegangen: Auch er hat Menschen geklont, aber er hat zusätzlich versucht, auch Mensch/Tier-Mischungen herzustellen. Zum Klonen braucht man eine Eizelle – und DNA aus einer ausgewachsenen Zelle –, aber Eizellen von Menschen sind rar. Deshalb versuchen es manche Forscher mit Eizellen von Tieren und DNA von Menschen. In Großbritannien sind solche Mischwesen legal; sie haben große Debatten ausgelöst, ethische.
Die interessieren Lanza wenig, er wollte die technische Machbarkeit prüfen. Und meldet Fehlanzeige: Bei seinen Mixtur-Versuchen – Mensch/Kaninchen, Mensch/Rind – werden ausgerechnet die Gene herabreguliert, die in normalen (gezeugten) Embryos aktiviert werden. Nur in Mensch/Mensch-Mixturen – also: Klonen – werden die richtigen Gene aktiv, exakt so wie in normalen Embryos. Also könnten sich die Klone auch entwickeln: „Ihre DNA entspricht der eines normalen Embryos“, erklärt Lanza, „das erhebt die Frage nach ,reproduktivem‘ Klonen.“ (Cloning and Stem Cells, 11)
Die von Lanza geschilderten herabregulierten Gene bei Chimären werden allerdings von anderen Forschern nicht bestätigt, die allerdings auch etwas andere Wege gegangen sind. Wichtig ist, das auch Lanza das Klonen für möglich hält und meint, dass sich die Frage nach reproduktivem Klonen einfach stelle. Was möglich ist, wird gemacht. Wer für sich selbst das ewige Leben will, könnte das reproduktive Klonen für sich wählen.
Dabei wird der Klon nur gezüchtet, um ihm fertige Organe oder Rückenmark zu entnehmen. Mit einem ständigen Vorrat solcher Klone könnte das eigene Leben vermutlich weit verlängert werden, aber es ergäbe sich das Problem der Entsorgung der Klone und es müsste immer einer bereit sein, um auch auf Unfälle reagieren zu können.
Natürlich würden auch reproduktive Klone aus Gefühlsgründen geschaffen, wie der Labrador vom Anfang des Textes. Die andere Form nennt man therapeutisches Klonen. Dabei geht es vor allem darum, aus den Embryos embryonale Stammzellen (ES) zu gewinnen und diese entsprechend gesteuert zu Transplantaten weiterzuentwickeln. Dem gleichen Zweck soll auch das Sammeln von Blut aus der Nabelschnur dienen.
Hier zeigt sich jetzt aber, dass ein eigentlich schon verworfener Weg doch noch zum Erfolg führen könnte. Es geht um
sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (ipS-Zellen).
In ipS-Zellen setzen Mediziner große Hoffnungen. Die induzierten Stammzellen haben dieselben Fähigkeiten wie die begehrten embryonalen. Aus den Multitalenten lässt sich jedes Körpergewebe züchten, das möglicherweise einmal zur Behandlung von Parkinson, Herzinfarkt oder Diabetes dienen könnte. Darüber hinaus besitzen sie einen entscheidenden Vorteil: Da sie aus Körperzellen des Patienten gewonnen werden, haben sie alle das Patientenerbgut und werden vom Körper nicht abgestoßen. Das ist bei embryonalen Stammzellen nur über das stark umstrittene und in Deutschland verbotene therapeutische Klonen von Embryonen möglich. Weil ipS-Zellen ohne Zerstörung eines Embryos erzeugt werden, gelten sie als ethisch unbedenklich.
Zunächst waren 4 Gensequenzen notwendig, von denen zwei die Gefahr eines Karzinoms boten, um ipS-Zellen zu programmieren, dann kam man mit zwei und nur einem Karzinomgen aus. Jetzt geht es mit einem ohne erhöhte Tumorgefahr. Vermutlich kann bald ganz auf die Einschleusung von Genen verzichtet werden, die immer ein Risiko bedeuten.
Die Entwicklung scheint schneller zu gehen als noch vor wenigen Monaten gedacht. Das ist auf der einen Seite gut so. Auf der anderen Seite steigert es die Mißbrauchsgefahren. Egal ob es um Chimären, Klone, die nur ein Transplantationslager, Klone die geliebte Menschen und Tiere ersetzen sollen, oder um Transplantation geht. Wir brauchen Regeln. Dies ist ein Markt, der sich nicht selbst regeln kann, weil Geld, Gefühle und Machtmissbrauch hier nahe bei einander liegen.
Würde dieser Markt sich selbst überlassen, wie es der Markt der Finanzwirtschaft war, würde es noch dramatischere Folgen geben. Sklavenwesen wären nur ein Aspekt. Es würde auch wahrscheinlich Vernichtungskämpfe gegen normale Menschen geben, weil die ja weder für Arbeit, Krieg noch Lust gebraucht würden. Es lauert dort an der Grenze ein riesiges Potential, aber eine noch viel größere Gefahr.
»In naher Zukunft. Eher als Du denkst.«
Vielleicht könnte man sich davon inspirieren lassen und ein Kommentar-Klon-Plugin für diverse Weblogsoftware entwickeln. Das würde dann folgendermaßen funktionieren:
Jeder Kommentar, dessen kritische Aussage dem Moderator nicht paßt, wird kurzerhand geklont und anschließend durch einen Optimierungsprozeß an die jeweilige politische Gesinnung angepaßt. Das gilt natürlich nur für Mainstreamtaugliche Blogs. Sonst müßte man die Artikel ebenfalls klonen und optimieren. ;-)
Wäre das nicht schön? So hätte Jeder von uns eine einwandfreie Reputation und die gestreßten Personalfuzzis könnten endlich damit aufhören, nach Störflecken im Internet zu schnüf... äh zu suchen.
Jaja, ich weiß, wir sind alle kleine Mimösen. Das zeigt dieser ständige Zwang, sich vor anderen, wildfremden Menschen permanent rechtfertigen zu müssen.
Sofern mein Ungestüm zu Mißverständnissen geführt hat, bitte ich die Anwesenden um Verzeihung. Zuweilen vollführe ich Gedankensprünge, deren Sinn oder Unsinn sich nicht Jedermann erschließt. Aber wer mich genauer kennt, weiß, daß das nicht böse gemeint ist oder sich auf eine bestimmte Person bezieht.
Falls doch werde ich der Fairness halber jene Person beim Namen nennen, damit gegen meine »unverschämten« Äußerungen entsprechend vorgegangen werden kann (IP-Sperre, Löschen des Kommentars, Unterlassungsklage, Rufmord, usw.).
Im Web wird eben jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, weil oftmals andere Bezugspunkte fehlen.
Off-topic-Nachtrag-Ende
So, ab hier bin ich ganz brav und sachlich. ;-)
Zum Thema »Gentechnik« kann ich eine ganz gute Lektüre empfehlen, als da wären:
Darüber hinaus kann der interessierte Leser bei Bedarf die Zeitschrift »Gen-ethische Informationsdienst (GID)« des Gen-ethischen Netzwerks abonnieren, um über aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich informiert zu bleiben.
Schönen Tag noch!