So regelmäßig wie die Hypo Real Estate Deutschland mit neuen Horrormeldungen überschattet und neues Geld braucht, so wie es die UBS in der Schweiz tut und wie es bei englischen Banken schon Gewohnheit ist, kommt auch die AIG und schreit nach neuem Geld. Diesmal braucht sie fürs erste wohl 60 Milliarden Dollar, aber das ist nur für die nächsten paar Wochen. Spätestens nach 12 Wochen braucht sie den nächsten Schluck.
Natürlich sollte man die AIG sterben lassen. Das würde auch jeder vernunftbegabte Mensch tun. Die von der AIG versicherten Kredite beziehen sich auf angeblich Wertpapiere, die nichts anderes als Luftnummern, Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen oder schlicht und ergreifend nur zum Zwecke der Abzocke erfunden wurden. Dem ganzen Kreditvolumen stehen keine Produkte oder Dienstleistungen gegenüber.
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AIG - der lange Tod der Kreditversicherer und Banken
Natürlich greift der Lehman-Brothers-Schock immer noch. Aber es gibt auch andere Erklärungen, warum die AIG nicht sterben darf. Wenn die von ihr versicherten Kredite hochgehen, explodiert das gesamte amerikanische Finanzsystem und mit ihm ein großer Teil des weltweiten Finanzsystems. - Es müsste endlich reiner Tisch gemacht werden und anständige Bilanzen geben.
Natürlich ist die AIG von der amerikanischen Regierung auch immer staatstragend benutzt worden. Sie hat, ähnlich wie die früheren deutschen Hermesbürgschaften, Kredite abgesichert, die wirtschaftlich oft nicht tragbar waren, aber politisch motivierte Geschäfte oder Geschäfte in Krisenregionen erlaubten. Das war zum einen als direkte Wirtschaftsförderung für amerikanische Unternehmen zu verstehen, diente aber auch dubiosen Waffengeschäften und steht vermutlich auch im Zusammenhang mit CIA-Drogengeschäften rund um die Welt.
Ähnlich wie der deutschen Bundesregierung, die unbedingt Klarheit über die Hypo Real Estate verhindern muss, um nicht zugeben zu müssen, dass der deutsche Pfandbrief wohl nur noch ein Witz ist, ergeht es den USA mit der AIG und den Großbanken. Egal wie todkrank sie sind, sie dürfen nicht sterben, damit die Machenschaften der Bush-Regierung und des Großkapitals nicht offenbar werden.
Dabei wäre der Tod der Versicherer und Banken eine notwendige Voraussetzung, um endlich all das viele, durch die Akzeptanz von Schulden entstandene Geld wieder loszuwerden. Denn Geld entsteht immer dann, wenn eine Bank einen Kredit gibt. Banken können somit Geld schaffen, auch wenn dafür eigentlich Regeln existieren.
Normalerweise müsste eine Bank ein Interesse an der Bonität des Schuldners haben, um den Kredit zurückgezahlt zu bekommen. Das ist aber schon seit langem nicht mehr der Fall. Kredite werden durch Kreditversicherungen abgesichert. Dann werden Kredite und die Versicherungen von Krediten zu neuen "Wertpapieren" gebündelt, die ihrerseits wiederum mit Krediten gekauft werden. Häufig gibt es dann auch noch Derivate auf Schulden, die ihrerseits neue Schulden erzeugen.
Solange alle so tun konnten, als ob hinter den Schulden tatsächlich Werte standen, war alles in Ordnung. Aber jedem, der Josef Ackermanns Renditeforderung von 25 Prozent und mehr gehört hatte, musste klar sein, dass dies nicht gut gehen konnte. Wie sollte aus einer Hypothek mit 6,5 Prozent ein Gewinn von mehr als 25 Prozent erwirtschaftet werden? Das ging nur in Form eines Schneeballsystems, also durch Betrug, oder, wenn man höflich sein will, durch die Hoffnung auf ein ewig andauerndes Wachstum.
Dass es kein ewiges Wachstum gibt, müsste jeder Volkswirtschaftler wissen, wenn Volkswirtschaft eine Wissenschaft wäre und nicht eine Religion - was sie tatsächlich ist. Der Gedanke war einfach. Nehmt denen unten alles und lasst sie Schulden machen, bis sie gefangen sind und wir oben alles abgegriffen haben. Der dahinterstehende Grundgedanke der neoliberalen Idee war der, dass jeder der Abzocker hoffte, die anderen Abzocker auch noch überwinden zu können, um dann alleine als Gewinner dazustehen.
Natürlich war das blöd. Aber Duckhome vertritt ja schon lange die Ansicht, dass Neoliberalismus blöd ist und wird ständig bestätigt. Auf jeden Fall existiert jetzt auf der Welt viel mehr Geld, als es Waren oder Dienstleistungen dafür gibt, und dieses Geld hat mit der Subprime-Krise der amerikanischen Hypotheken seine erste Bemessungsgrundlage verloren. Denn natürlich war der Betrüger auch noch dumm genug, an den eigenen Betrug zu glauben.
Wer nicht glauben will, wie irre die Bankster wirklich sind, möge sich bitte durch folgende Slideshow des Wallstreet Journal klicken und sich das dazu gehörige Drama an Gier und Verantwortungslosigkeit entweder beim Wallstreet Journal auf englisch oder bei egghat's blog auf deutsch durchlesen. 103.000 Dollar Hypothek auf eine Schrottbude, die zum Schluss 15.000 Dollar gebracht hat.
Aber bevor alle wieder auf die Amis schimpfen. Das gab es in Deutschland auch. Weissgarnix vermag ein gar hübsches Lied darüber zu singen.
[...] Dieses Modell wurde anscheinend ab 2005 in Deutschland von der GMAC-RFC Bank GmbH (General Motors Acceptance Corporation - Residential Funding Corporation) kopiert. Die Finanztochter des amerikanischen Autokonzerns General Motors bot eine vollständige Fremdfinanzierungen bis zu 110 Prozent des Kaufpreises ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 1 500 Euro an. Die mögliche Kreditsumme war beim Neunfachen des Jahresnettogehalts gedeckelt. Auf dieseWeise schloss GMAC in Deutschland über 10.000 Kreditverträge ab. Dadurch entstand ein Subprime-Markt in der Größenordnung von zwei Mrd. Euro.
Dieses Beispiel ist wirklich nur ein Beispiel. Andere haben es nur nicht so offen zugegeben. Gerade bei Gewerbeimmobilien wurde mit Einnahmen gerechnet, die einfach nicht zu erzielen sind, und überall wurden Immobilienwerte erheblich geschönt. Gesehen haben wir davon in Deutschland bisher nur die Spitze des Eisbergs bei den Banken und Versicherungen.
Noch werden einfach nicht einbringbare Mieten in den Forderungen der Immobilienverwalter gehalten, aber irgendwann reichen die Mittel nicht mehr aus, um die Hypotheken zu tilgen, und neue Hypotheken sind nicht mehr in Sicht. Dann wird auch die deutsche Immobilienbranche Farbe bekennen müssen und die Krise hier richtig losgehen. Zur Zeit werden einfach Bauvorhaben gestreckt und die Mittel zur Hypothekenabdeckung verwandt, was rechtlich zumindest zweifelhaft ist.
Wenn wir also an wenigen Beispielen schon beweisen können, dass eine Rettung nicht zu erwarten und vor allem nicht zu bezahlen ist, wäre es besser, Banken und Kreditversicherer sofort pleite gehen zu lassen. In der Folge würden die Insolvenzverwalter versuchen, die Kredite und Hypotheken zu Geld zu machen. Mit einer gesetzlichen Auflage, dass sie dies nicht gebündelt, sondern nur einzeln dürfen, bekämen die Schuldner die Chance, ihre eigenen Kredite billig zurückzukaufen. So könnten für selbstgenutzten Wohn- oder Gewerberaum durchaus Staatshilfen in Anspruch genommen werden.
Es entstünde wieder ein Immobilienmarkt, und nur die Leute, die das ganz große Spiel wollten, würden das meiste ihres Geldes verlieren. Aber dieses Geld war eh nur Buchgeld. Es hat, da ihm nie ein Gegenwert an Leistung gegenüberstand, auch nie wirklich existiert. Sie sind einem Traum hinterhergelaufen.
Egal, ob die Nationalstaaten nun den Mut finden, Banken und Kreditversicherungen sterben zu lassen, sie werden auf jeden Fall sterben - oder die jeweiligen Währungen erst noch mit in den Untergang reißen und dann sterben. Es ist nicht unrealistisch, dass Dollar und Pfund nur noch 20-30 Prozent ihres Nominalwertes wert sind, wenn ihnen ein Gegenwert zugeordnet werden muss. Auch der Euro dürfte so um die Hälfte überbewertet sein. Die kleineren Währungen wie Schweizer Franken, Forinth, aber auch die asiatischen Währungen stehen noch schlechter da. Selbst der Rubel ist schon mehr Täuschung als Wert.
Es geht also schon gar nicht mehr um die Frage, ob die Banken und Kreditversicherer sterben, sondern nur wann - und wie viele andere sie vorher noch ins Unglück reißen. Deshalb besser ein schnelles Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
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