Der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, hat den Arbeitnehmern, und vor allem den aufmüpfigen Arbeitnehmern offen den Krieg erklärt. Natürlich hat er das nicht so formuliert, aber so wird es sich auswirken. Nachdem die Arbeitgeber beim Landesarbeitsgericht Berlin eine Richterin gefunden hatten, die nebenbei für Springer Vorträge darüber hält, wie man Arbeitnehmerrechte wegdrücken kann, soll nun jedem, der sich gewerkschaftlich organisiert oder gar Arbeitnehmerinteressen vertritt, aus dem Einzelhandel heraus gekündigt werden.
Die Kassiererin, die angeblich 1,30 in Pfandbons gestohlen haben soll, wurde nach 31 Jahren von Kaiser's Tengelmann mit Hilfe einer Richterin aus dem Unternehmen gemobbt, und dieser schöne Erfolg soll nun weiter ausgebaut werden, findet Hubertus Pellengahr. Der nächste Schritt sollte zwei Bäcker betreffen, von denen der eine, natürlich rein zufällig, ein Betriebsratsmitglied war. Betriebsräte sind Pellengahrs Verein schon lange ein Dorn im Auge.
Allerdings hat das Gericht dem guten Herrn Pellengahr einen Strich durch seine Milchmädchenrechnung gemacht. Dem Betriebsrat wurde schon formal falsch gekündigt, weil dazu eine Zustimmung des Betriebsrates nötig gewesen wäre, die gar nicht erst eingefordert wurde. Aber auch dem anderen Bäcker durfte nicht gekündigt werden und er muss weiterbeschäftigt werden. Das ist ein Hoffnungsschimmer, aber leider nur ein ganz kleiner.
Die Arbeitgeber um Pellengahr werden mit markigen Sprüchen, weiteren Urteilen, wie das der Berliner Richterin, und viel Propaganda bei Mohn/Bertelsmann und Springer schon für ein entsprechendes Meinungsklima sorgen. Dagegen hilft nur härtester Widerstand. Pellengahr hat die
Marschlinie vorgegeben.
Pellengahr sagte der Zeitung, in solchen Fällen kämpften nicht Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, sondern «die Ehrlichen gegen wenige Unehrliche». «Du darfst nicht stehlen. Das gilt», betonte der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels und fragte: «Wo soll man denn sonst die Grenze ziehen?» Sein Kollege Thomas Schäfer vom Einzelhandelverband Westfalen-Münsterland bekräftigte ebenfalls: «Ein Diebstahl reicht für eine fristlose Kündigung. Und das ist auch gut so.»
Sind die beiden Herren nicht niedlich. Die Ausforschung von Kunden und Mitarbeitern bei Lidl und anderswo. Wo soll man denn da die Grenzen ziehen. Die Beschäftigung von Menschen am Rande oder unter dem Existenzniveau in dauernder Abrufbereitschaft. Wo soll man denn da die Grenzen ziehen. Man muss die Grenzen der Vernunft walten lassen.
Untreue ist in jeder Größe eine schwere Belastung. Aber ist es wirklich Untreue, oder geht es vor allem darum, missliebige und kämpferische Arbeitnehmer unter faulen Vorwänden loszuwerden? In einer Weltwirtschaftskrise, die durch die Gier des Kapitals und den weltweiten verantwortungslosen Neoliberalismus ausgelöst wurde, müssten doch erst einmal die größten Fälle an Untreue verurteilt werden. Aber die Ackermänner, Pierer, Lidl und andere müssen sich ja nicht fürchten. An ihnen wird das Recht kein Exempel statuieren. Die werden geschont, die bekommen Rechtsgespräche, die nichts anderes als Gemauschel zugunsten der Reichen sind.
Für die Armen und abhängig Beschäftigten findet sich aber immer ein gewissenloser Richter oder eine
übereifrige Richterin, die nahe daran sind, Grenzen zu überschreiten, die nicht überschritten werden dürfen.
Die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen sich darüber im klaren sein, dass sie gleichermaßen Opfer einer solchen Entwicklung werden. Denn so, wie mit den Arbeitnehmern umgegangen wird, machen es solche Firmen auch mit ihren Lieferanten. Drücken, knebeln, ausbeuten und zum Schluss beim kleinsten Anlass wegwerfen. Die Arbeitgeberverbände helfen den KMU mit Sicherheit nicht, sie vertreten die Interessen der Großen.
Herr Pellengahr ist auch nicht für den Tante-Emma-Laden zuständig, sondern vertritt die Interessen der ganz Großen. Die sind aber nicht deckungsgleich mit denen der kleineren und mittleren Unternehmen. Gerade diese Unternehmen sollten sich fragen, ob sie nicht eigene Vertretungen brauchten, um Gehör zu finden und eine Chance zum Überleben zu bekommen. Bisher werden sie wie die Arbeitnehmer nur veralbert und gequält. Es macht keinen Sinn, dies ohne Gegenwehr hinzunehmen.
M.E. eher unwahrscheinlich ...
Jemand der permanent Lug und Betrug legalisieren will, kann so einer überhaupt noch wissen, was EHRLICHKEIT bedeutet?
Die Urteile gegen die „Kleinen“ sind in meinen Augen klare Propaganda-Urteile, damit dem kleinen Mann noch mehr Angst eingeflößt wird, damit er sich ruhig hält.(Es könnte ihn ja seinen Job und somit seinen Kopf kosten)