Es gibt zur Zeit zwei völlig entgegengesetzte Sichtweisen. Die eine wird vertreten durch die Ewiggestrigen, die immer noch hoffen, mit den Lösungen von vorgestern die Probleme von übermorgen zu lösen, oder einfach ganz fest die Augen zumachen und beschwören, dass es irgendwie schon weitergehe, oder vielleicht doch nicht so schnell zu Ende sei. Viele von ihnen pfeifen dazu ein ängstlich Lied, ein Lied von Hoffnung und dem Licht am Ende des Tunnels. Wie die das Licht mit zugekniffenen Augen sehen können, erschließt sich mir nicht.
Die anderen stehen fasziniert vor der schiefen Ebene und sehen, wie sie sich immer steiler absenkt. Sie sehen mit Entsetzen, wie todkranke oder eigentlich schon tote Banken für gutes Geld über die nächsten Tage gerettet werden, hören, wie Politiker schon den Aufschwung gesehen haben wollen oder Börsenjournalisten Aufhellungen am Horizont entdecken.
Natürlich wird es dort heller. Das nennt man Gewitterleuchten.
Weltwirtschaftskrise - Aktueller Stand
Dabei sind die Fakten eigentlich klar. Die ersten Reeder fangen an, sich norwegische Fjorde und sonstige abgelegene Gebiete anzumieten, wo sie ihre Schiffe parken können, die schon in nächster Zeit, oder besser eigentlich schon jetzt nicht mehr gebraucht werden. Die Aufträge für Frachtschiffe, die bei den Werften überall in der Welt in Arbeit sind oder in den Auftragsbüchern stehen, sind vermutlich nicht mehr zu bezahlen.
Alle Welt wartet auf den Untergang der Schiffahrtfonds, der wohl kurz bevorsteht. Vermutlich werden die Werften nicht einmal mehr die im Bau befindlichen Schiffe alle vollenden dürfen, weil es einfach keinen Frachtmarkt mehr gibt, nachdem der Welthandel extrem zusammengebrochen ist. Vermutlich dürften alleine in diesem Sektor Schäden von mehreren hundert Milliarden Dollar entstehen.
Die Vermarkter von Gewerbeimmobilien freuen sich, dass in den USA, Ost- und Zentraleuropa, aber auch in Südeuropa viele Bauvorhaben aus Mangel an Mitteln und wegen des fehlenden Bedarfs bereits gestoppt wurden. Vermutlich werden die Baufirmen auf den Ruinen sitzenbleiben und die kleinen Subunternehmer und Handwerker ihr Geld nicht bekommen. Gerade die Stilllegung von Bauten ist in vielen Gegenden ein unumkehrbarer Schritt, weil die Witterung die bereits gefertigte Substanz sehr schnell zerstört.
Lustig ist, dass im Immobilienbereich einige schon wieder witternd die Nase in die Luft recken und davon sprechen, dass man vor den Investoren im Markt sein müsse, und allerlei tolle Ideen haben, die es zwar noch eine Zeitlang erlauben werden, die Besatzung an Bord zu behalten, aber bald gehen auch bei den Zukunftsgläubigsten die Lichter aus.
Das produzierende Gewerbe in Deutschland meldet Auftragseinbrüche bis zu 35 Prozent, und es gibt keine Erkenntnisse, dass es nicht mit dem gleichen Tempo weitergehen würde. Alle schauen jetzt auf die Situation am Arbeitsmarkt - und auch da ist nichts gutes zu erwarten. Ohne Aufträge gibt es Entlassungen, und das Kapital wird keinen Mitarbeiter mit durchziehen, wenn es dafür Gewinn in neue Spekulation stecken könnte.
Zu den Autodinosauriern ist nichts zu sagen. BMW hat das bestätigt, was alle geahnt haben. Es geht BMW hundsmiserabel - und das ist noch positiv ausgedrückt. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Daimler geht aber nicht, weil das im Endeffekt auf eine Kapitalverflechtung hinauslaufen müsste, die von der Familie Quandt nicht gewollt wird. Die Idee, sich statt dessen mit Opel zu verbünden, ist Quatsch, weil es für Opel keine realistischen Chancen gibt. Allerdings ginge so der Totaluntergang von BMW schneller.
Tatsächlich gibt es zwischen Audi und Daimler eigentlich schon lange keinen Platz mehr für BMW, wenn man von den typischen Dreier-Fahrern absieht. GM, Ford und Chrysler werden wohl in den USA gemeinschaftlich unter Chapter eleven gehen und dann versuchen, irgendwie eine lebensfähige Autofirma daraus zu schmieden. Aber auch das geht nur mit viel Staatsgeld. Es ist sogar denkbar, dass in den USA eine völlig neue Autoindustrie entsteht, die die alten Dinosaurier gar nicht mehr beachtet. VW könnte ein Teil dieser neuen Industrie sein.
Zum Thema Banken und deren seltsame Erholung gibt es heute morgen noch einen weiteren Artikel und zum Thema Aktienmärkte wurde am Sonntag schon ausführlich geschrieben. Bleibt also noch die spanische Einlagenversicherung, die nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo nicht genügend Geld hat, um die absehbaren Verpflichtungen dieses Jahres zu erfüllen. Damit ist sie nicht die einzige. Alle Einlagensicherungen arbeiten nach dem Prinzip Hoffnung - und die stirbt bekanntlich zuletzt.
Auch staatlichen Zusagen zu einer Garantie der Einlagen ist nicht zu trauen. Die Regierungen, die einen solchen Schwachsinn verkündet haben, werden diese Garantie bald wieder einholen müssen. Das ist wie mit den Versicherungen. Bei Sonnenschein reichen sie den Leuten einen Regenschirm, den sie aber sofort wieder zurückfordern, sobald es regnet. Damit der arme Schirm nicht nass wird. Tatsächlich sind solche Zusagen auch nicht bezahlbar.
Nach den eigenen Einschätzungen des US-Finanzministeriums beträgt das errechnete Defizit der USA in den ersten fünf Monaten die Kleinigkeit von 760 Milliarden Dollar. Das sind übrigens noch nicht Obamas Konjunkturpakete. Die sind noch gar nicht abgerufen. Deshalb lässt sich leicht ausrechnen, wieviel Geld den USA am Ende des Jahres fehlen wird. Es dürften wohl 3.000 Milliarden Dollar sein.
Gedeckt werden können diese Beträge nur durch US-Schatzbriefe. Dazu müssen aber auch die auslaufenden Schatzbriefe neu aufgelegt und verkauft werden. Dazu fällt einem nur ein Lied ein:
Wer soll das bezahlen? - Jupp Schmitz
Die Antwort ist einfach. Niemand kann das bezahlen. Bisher hat China die Papiere gekauft und damit Waren und Arbeit gegen Papier getauscht, anstatt Geld dafür zu bekommen. Nun bricht aber gerade die chinesische Wirtschaft samt Exporten zusammen. China hat einfach kein Geld, um US-Papiere zu kaufen. Dem Rest der Welt geht es nicht besser.
Selbst jenen, denen die Kapitalhilfen ihrer Heimatländer zugute kommen, dem internationalen Großkapital, können die Papiere nicht angedient werden, es sei denn, man würde horrende Zinsen bezahlen und damit die US-Wirtschaft abwürgen. Es bleibt also nur ein Ausweg: Die Papiere gehen direkt an die FED, die dafür einfach neues Geld erzeugt.
Das verwässert den Dollar. - Beim britischen Pfund ist die Situation die gleiche, und auch die EZB würde gerne, wenn sie denn dürfte. Natürlich kann man Schulden durch Inflation bezahlen. Aber die Geldentwertung, zusammen mit den Auswirkungen der Inflation, könnte genügend soziale Sprengkraft haben, um die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Deshalb lavieren alle vorsichtig weiter. Beamtenmikado. Wer sich als erster bewegt, hat verloren, oder besser, wer als erster die Wahrheit sagt, wird in ihr untergehen.
Aber die anderen gehen auch unter, und wer als erster unten ist, kann auch als erster wieder aufstehen. Aber das würde Mut bedeuten und Beharrlichkeit. Beides passt nicht zu neoliberalen Denkwelten.
Alle Welt wartet auf den Untergang der Schiffahrtfonds, der wohl kurz bevorsteht. Vermutlich werden die Werften nicht einmal mehr die im Bau befindlichen Schiffe alle vollenden dürfen, weil es einfach keinen Frachtmarkt mehr gibt, nachdem der Welthandel extrem zusammengebrochen ist. Vermutlich dürften alleine in diesem Sektor Schäden von mehreren hundert Milliarden Dollar entstehen.
Die Vermarkter von Gewerbeimmobilien freuen sich, dass in den USA, Ost- und Zentraleuropa, aber auch in Südeuropa viele Bauvorhaben aus Mangel an Mitteln und wegen des fehlenden Bedarfs bereits gestoppt wurden. Vermutlich werden die Baufirmen auf den Ruinen sitzenbleiben und die kleinen Subunternehmer und Handwerker ihr Geld nicht bekommen. Gerade die Stilllegung von Bauten ist in vielen Gegenden ein unumkehrbarer Schritt, weil die Witterung die bereits gefertigte Substanz sehr schnell zerstört.
Lustig ist, dass im Immobilienbereich einige schon wieder witternd die Nase in die Luft recken und davon sprechen, dass man vor den Investoren im Markt sein müsse, und allerlei tolle Ideen haben, die es zwar noch eine Zeitlang erlauben werden, die Besatzung an Bord zu behalten, aber bald gehen auch bei den Zukunftsgläubigsten die Lichter aus.
Das produzierende Gewerbe in Deutschland meldet Auftragseinbrüche bis zu 35 Prozent, und es gibt keine Erkenntnisse, dass es nicht mit dem gleichen Tempo weitergehen würde. Alle schauen jetzt auf die Situation am Arbeitsmarkt - und auch da ist nichts gutes zu erwarten. Ohne Aufträge gibt es Entlassungen, und das Kapital wird keinen Mitarbeiter mit durchziehen, wenn es dafür Gewinn in neue Spekulation stecken könnte.
Zu den Autodinosauriern ist nichts zu sagen. BMW hat das bestätigt, was alle geahnt haben. Es geht BMW hundsmiserabel - und das ist noch positiv ausgedrückt. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Daimler geht aber nicht, weil das im Endeffekt auf eine Kapitalverflechtung hinauslaufen müsste, die von der Familie Quandt nicht gewollt wird. Die Idee, sich statt dessen mit Opel zu verbünden, ist Quatsch, weil es für Opel keine realistischen Chancen gibt. Allerdings ginge so der Totaluntergang von BMW schneller.
Tatsächlich gibt es zwischen Audi und Daimler eigentlich schon lange keinen Platz mehr für BMW, wenn man von den typischen Dreier-Fahrern absieht. GM, Ford und Chrysler werden wohl in den USA gemeinschaftlich unter Chapter eleven gehen und dann versuchen, irgendwie eine lebensfähige Autofirma daraus zu schmieden. Aber auch das geht nur mit viel Staatsgeld. Es ist sogar denkbar, dass in den USA eine völlig neue Autoindustrie entsteht, die die alten Dinosaurier gar nicht mehr beachtet. VW könnte ein Teil dieser neuen Industrie sein.
Zum Thema Banken und deren seltsame Erholung gibt es heute morgen noch einen weiteren Artikel und zum Thema Aktienmärkte wurde am Sonntag schon ausführlich geschrieben. Bleibt also noch die spanische Einlagenversicherung, die nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo nicht genügend Geld hat, um die absehbaren Verpflichtungen dieses Jahres zu erfüllen. Damit ist sie nicht die einzige. Alle Einlagensicherungen arbeiten nach dem Prinzip Hoffnung - und die stirbt bekanntlich zuletzt.
Auch staatlichen Zusagen zu einer Garantie der Einlagen ist nicht zu trauen. Die Regierungen, die einen solchen Schwachsinn verkündet haben, werden diese Garantie bald wieder einholen müssen. Das ist wie mit den Versicherungen. Bei Sonnenschein reichen sie den Leuten einen Regenschirm, den sie aber sofort wieder zurückfordern, sobald es regnet. Damit der arme Schirm nicht nass wird. Tatsächlich sind solche Zusagen auch nicht bezahlbar.
Nach den eigenen Einschätzungen des US-Finanzministeriums beträgt das errechnete Defizit der USA in den ersten fünf Monaten die Kleinigkeit von 760 Milliarden Dollar. Das sind übrigens noch nicht Obamas Konjunkturpakete. Die sind noch gar nicht abgerufen. Deshalb lässt sich leicht ausrechnen, wieviel Geld den USA am Ende des Jahres fehlen wird. Es dürften wohl 3.000 Milliarden Dollar sein.
Gedeckt werden können diese Beträge nur durch US-Schatzbriefe. Dazu müssen aber auch die auslaufenden Schatzbriefe neu aufgelegt und verkauft werden. Dazu fällt einem nur ein Lied ein:
Wer soll das bezahlen? - Jupp Schmitz
Die Antwort ist einfach. Niemand kann das bezahlen. Bisher hat China die Papiere gekauft und damit Waren und Arbeit gegen Papier getauscht, anstatt Geld dafür zu bekommen. Nun bricht aber gerade die chinesische Wirtschaft samt Exporten zusammen. China hat einfach kein Geld, um US-Papiere zu kaufen. Dem Rest der Welt geht es nicht besser.
Selbst jenen, denen die Kapitalhilfen ihrer Heimatländer zugute kommen, dem internationalen Großkapital, können die Papiere nicht angedient werden, es sei denn, man würde horrende Zinsen bezahlen und damit die US-Wirtschaft abwürgen. Es bleibt also nur ein Ausweg: Die Papiere gehen direkt an die FED, die dafür einfach neues Geld erzeugt.
Das verwässert den Dollar. - Beim britischen Pfund ist die Situation die gleiche, und auch die EZB würde gerne, wenn sie denn dürfte. Natürlich kann man Schulden durch Inflation bezahlen. Aber die Geldentwertung, zusammen mit den Auswirkungen der Inflation, könnte genügend soziale Sprengkraft haben, um die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Deshalb lavieren alle vorsichtig weiter. Beamtenmikado. Wer sich als erster bewegt, hat verloren, oder besser, wer als erster die Wahrheit sagt, wird in ihr untergehen.
Aber die anderen gehen auch unter, und wer als erster unten ist, kann auch als erster wieder aufstehen. Aber das würde Mut bedeuten und Beharrlichkeit. Beides passt nicht zu neoliberalen Denkwelten.
Tags für diesen Artikel: abwrackprämie, banken, einlagensicherung, neoliberal, schiffahrt, spanien, usa, weltwirtschaftskrise, werften
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so viel, wie bei obigen Artikel, habe ich hier schon lange nicht mehr lachen können!
Und dies ist diesmal kein Zynismus, sondern leider Ernst gemeint!
Wie war das noch mit der Globalisierung?
Was hat attac nicht alles probiert, um diese politischen Idioten davor zu bewahren, damit nicht genau das passiert, was jetzt passiert?
Ich möchte es gar nicht mehr näher beschreiben oder beschreien! attac tat sein möglichstes, darauf hinzuweisen, wie unsicher der Weltmarkt wird, wenn erst einmal die Globalisierung zu 40% abgeschlossen ist.
Nun haben wir den Salat. Immobilienhaie verzocken der Oma ihr klein Häuschen und hinterher wills mal wieder keiner gewesen sein.
Die Abgründe, die sich da auftun, erinnern frapierend an 1923, als die Wirtschaftskrise einsetzte. Damals war es auch niemand - obwohl die ganze Welt wußte, daß die FED-Gründung primäre Ursache war (ok, ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, aber nachdem, was ich zu dem Thema bisher an alten Filmen bei google gesehen habe, drängt sich der Gedanke nahezu auf).
Fest steht, die Talfahrt hat bereits begonnen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die Politikergenies das absaufende Schiff verlassen. Wer den Fluchtmoment verpaßt ( Herr von und zu Guttenberg is ja schon wech ;)), wird unverweigerlich mit dem Rest des Volkes untergehen.
Jetzt sollte man mal drauf achten, ob Frau Klatten und Frau Quandt nicht zufälligerweise mit ihrem privaten Flieger in den Süden abdüsen, um sich von dem Streß zu erholen. Wenn diese beiden Damen das Land verlassen (wahrscheinlich mit Frau Mohn im Gepäck), kann man sicher sein, daß es übermorgen kracht!
MfG
Ps.: Sauguter Artikel, so gut werd' ich nie! ;)
Diese Wirtschaftskrise ist doch schon wieder so was von gewollt. Ich meine so blöd kann Frau Merkel doch nicht sein. Die muss doch einfach wissen, wenn das Volk nur noch so viel Geld hat um das Nötigste zu kaufen, nur noch das Nötigste produziert wird.
Seit Jahren sägt die Wirtschaft an den Löhnen in Amerika und in Deutschland. Wo keine Kaufkraft ist, wird auch nichts gekauft Frau Merkel!!
In Amerika ist es noch einen Deut schlimmer als in der BRD. Weil die Amis zu dem Lohndumping den Leuten billige Kredite gaben um ihre Kaufkraft zu halten.
Kann es wirklich sein Frau Merkel, dass sie für die in Deutschland lebenden Menschen so wenig übrig haben? Aber für die Banken haben sie 500 Milliarden?
Ich weiß nicht wer hier der Bock und wer der Gärtner ist.
Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.
Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne zu Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.
Rothschild 1863