Er ist zurückgetreten - oder vielmehr: er wurde zurückgetreten. Dass er weg musste, war ja schon seit längerem überhaupt gar keine Frage mehr. Die SPD hatte sich inklusive Herrn Tiefensee, der bisher jeden Mehdorn-Schwachsinn bejubelte, schon längst zurückgezogen. Für die Genossen war alles besser, als mit Mehdorn unterzugehen, auch wenn dem einen oder anderen nun heftig die Muffe geht, weil man ja lange zusammen mit Mehdorn gegen Deutschland und für sich selbst gehandelt hat. Da lauern bestimmt noch ein paar Skandale.
Aber auch Angela Merkel, die Außenkanzlerin, und die CDU/CSU scheinen einige Altlasten mit Herrn Mehdorn zu teilen, und es müssen schon größere Leichenberge sein, wenn "Uns Angela" und ihr Kanzleramtsminister Thomas de Maizière sich so lange an Mehdorn geklammert haben und ihm immer wieder, auch völlig ungefragt, ihr Vertrauen aussprachen. Da könnte sich noch ganz schnell aus Thomas de Maizière Thomas la Misère herausbilden und Angelas bereits wackelnder Kanzlerthron könnte schnell fallen. Neben Wulff ist ja jetzt auch der von und zu Guttendingsbums in den Ring gesprungen. Viele Kandidaten sind der Angela ihr Tod.
Die Ostseezeitung fragte sich schon besorgt in ihrer gestrigen Ausgabe, ob sich die Kanzlerin durch ihr zu langes Zögern nicht selbst in die Gefahr gebracht habe, mit in den Mehdorn-Sumpf aus Überwachung, Verletzung des Fernmeldegeheimnisses und jener Seilschaften zu geraten, die manches undurchsichtige Geschäft, politisch und im Aufsichtsrat abgesegnet haben. Diese Gefahr ist nicht vorbei.
Mehdorn hält sich für unschuldig. Jetzt beginnt das Rennen um seine Abfindung. 1,945 Milllonen bekam er letztes Jahr an Gehalt. Sein Vertrag wäre noch bis 2011 gelaufen. 3 Jahre, das wären 6 Millionen. Nun wird sich zeigen, wie tief die Regierung in Mehdorns Machenschaften verstrickt ist und welche Leichen sie gemeinsam im Keller haben. Eine Abfindung über 10 Millionen (spekuliert wird auf 20 Millionen plus eine Auszahlung der Pension) dürfte einen neuen Fall Zumwinkel provozieren - jede andere Lösung bietet die Gefahr, dass Mehdorn redet.
Angela Merkel hat auch ein weiteres Problem. Vorschlagsrecht für den neuen Bahnchef hat die SPD. Die Partei, mit der sie nach der Bundestagswahl nichts mehr zu tun haben will. Mehdorn selbst hat ihr aber kaum Möglichkeiten gelassen, da er davon ausgeht, dass noch vor der Sommerpause eine Nachfolger gefunden wird. Vielleicht hätte Angela Merkel es sonst gewagt, auch den neuen Bahnchef bis nach der Bundestagswahl auszusitzen.
Tatsächlich geht es nicht nur um Mehdorn. Bei der Bahn werden noch viel mehr Köpfe rollen müssen - und das wird dann Stück für Stück die Wahrheit ans Licht bringen. Die Leute von der Bahn, die gute Geschichten zu erzählen haben, sollten sich aber darüber im klaren sein, dass die Geschichten nach der Bundestagswahl nichts mehr wert sind. Dann ist egal, was wer getan hat. Dann haben wir ganz schnell die Diktatur, in der es nur noch eine Wahrheit gibt.
Natürlich wird er seine "gerechte" Abfindung erhalten. Spätestens wenn er sich wie alle anderen vor einem postrevolutionären Gericht verantworten muss! Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg!
Die Frage stellt sich nur:
Wird vielleicht das Guttenbergdingsbums neben dem Bundeswirtschaftsminister (der so sinnvoll ist wie ein Kropf) nun noch nebenbei Bahnchef?
Die Wahrscheinlichkeit besteht, immerhin will die Union doch unbedingt die Bahn verzocken.
Was die Abfindung angeht: Mit 20 Mio + Pension greifst du zu kurz. Mehdorn hat aus der Bahn einen Weltkonzern gemacht. Da wären 5% vom jetzigen Firmenwert (nur Schiene) Minimum, daß er erhalten dürfte. Immerhin braucht er danach schwarze Sheriffs, daß er sich noch normal auf die Straße trauen kann - und diese Leute wollen auch bezahlt werden!
MfG