Wenn Journalisten wie Jochen Stahnke über das Internet oder gar über Blogger schreiben, dann ist die Zielrichtung klar. Es wird
alles niedergemacht, wobei auch gerne mal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.
Stahnke schreibt über die re:publica'09 und tut so, als ob die dort vertretenen 1400 Hanseln das Internet oder gar ein Querschnitt durch die deutschen Blogger wären. Dem ist nicht so. Dort sind die Leute, die immer dort sind, wo sich getroffen wird, und die dann über ihre Treffen bloggen oder twittern. Worüber dann wieder gezwitschert und geblökt wird. - Tatsächlich haben die meisten der dort versammelten nur noch am Rande etwas mit Bloggen zu tun. Bloggen ist Arbeit, und es reicht ihnen, über Microblogging ihre Ansichten und Befindlichkeiten kurz kundzutun.
Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Twitter oder Identica sind Kommunikationswege, die schnell, kurz und bündig informieren können. Das wird Stahnke nicht verstehen, weil er ja nicht informieren will, sondern die Flächen zwischen der Werbung in seinem Blättchen ausfüllen muss und dabei schön darauf zu achten hat, dass er nur niemals Kritik an den Herrschenden übt und die neoliberalen Dumpfparolen schön verbreitet.
Natürlich hat das Microblogging auch einen Nachteil. Es ist wie beim alten CB-Funk. Je mehr Leute ein System benutzen, desto mehr Leute machen nur noch Krach. Anders als bei den Blogs, die man über RSS sehr gut sortieren und auswählen kann, läuft man bei Twitter immer wieder Gefahr sich seine Kanäle zu voll kippen zu lassen und in einer Flut von Unsinnigem zu ertrinken.
Lustig ist auch, dass Stahnke sich darüber aufregt, dass die Blogger nicht oder nur wenig über die Gipfel schreiben. Für Propaganda gibt es doch die FAZ, und dass bei der Gipfelei nichts herauskommen würde, war den meisten Bloggern schon vorher klar. Die Bankster und das Großkapital haben die Karre festgefahren und nun wird sie durch ungeheure Schuldenlasten völlig unrettbar versenkt. Niemand fragt mehr, was ein Obama oder eine Merkel retten könnten, die Bevölkerung wartet nur ab, wann die aufgeben.
Allerdings ist die Angst Stahnkes zu verstehen. In den USA machen immer mehr Zeitungen zu, und in San Francisco gibt es bald gar keine gedruckte Zeitung mehr, in Los Angeles erscheint sie nur noch von Dienstag bis Freitag. Stahnke meint, er könne den Wandel noch aufhalten. Er kann es nicht. Auch die FAZ wird bald mit dem Stellenabbau anfangen müssen. Die Werbeeinnahmen gehen überall zurück und Stahnke kann schon einmal anfangen zu zittern.
Vielleicht sollte er sich mal mit Don Alphonso treffen, der ja gerade mit seinem Blog bei der FAZ versucht, der sinkenden alten Fregatte noch etwas Auftrieb zu geben. Aber da er der einzige Lesenswerte in dem Blättchen ist, wenn wir mal von Niggemeier absehen, wird das wohl nicht viel helfen.
Aber wenigstens hat Stahnke Markus Beckedahl zweimal erwähnt und seinen Namen sogar richtig geschrieben. Er hat damit einen typischen Vertreter der re:publica-Truppe zitieren können, der es so doch wieder einmal geschafft hat, von den Printmedien wahrgenommen zu werden. Allerdings vergisst Beckedahl immer wieder, dass er nur für sich und nicht für die Blogger spricht. Aber das macht bei Stahnkes Auffassungsgabe auch nichts. Da haben sich die Richtigen gefunden.
Eine Bloggerkonferenz, Mehdorn, Abwrackprämie und zwei wichtige Gipfel inklusive Demonstrationen: Die deutsche Bloglandschaft blüht auf und verlässt den Dämmerzustand der Winterlethargie. Die (WLAN-lose) Re:publica 09 liest sich au... ...
Ich weiß gar nicht, worüber die Kritiker der re:publica sich aufre:gen. Da treffen sich ein paar Leute, die sich für Blogs und Tweets und so weiter interessieren, die nichts Böses tun, die sich nett mit Hilfe ihrer sozialtechnologischen Prothesen unterhalten,... ...