Der Begriff Bohème bezeichnet eine Subkultur von intellektuellen Randgruppen – in denjenigen industriellen oder sich industrialisierenden Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts, die ausreichend individualistischen Spielraum gewähren und symbolische Aggressionen zulassen – mit vorwiegend schriftstellerischer, bildkünstlerischer und musikalischer Aktivität oder Ambition und mit betont un- oder gegenbürgerlichen Einstellungen und Verhaltensweisen. Bedeutende und unbedeutende, berühmte, berüchtigte und unberühmte Autoren und Künstler zählen dazu: die Boheme ist keine ästhetisch-kritische, sondern eine sozialgeschichtliche Kategorie (Helmut Kreuzer: Boheme: V).
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Diese Art zu leben ist vor allem verbreitet in Künstlerkreisen, wie z. B. bei Malern, Dichtern und Literaten, aber auch bei Studenten. Bürgerliche Töchter und Söhne verweigerten sich oft den Normen und Gepflogenheiten ihres Elternhauses und ihrer Klasse und lebten das Leben eines Bohémiens, das häufig als authentischer, eigenständiger, ursprünglicher und weniger entfremdet erlebt wurde.
Der traurige Kampf des Sascha Lobo um ein wenig Aufmerksamkeit
Jemand, der sich selbst einer "digitalen Bohème" zuordnet, muss im Deutschland der Pflichterfüllung schon ein wenig Mut mitbringen - oder sucht einfach nur eine gute Ausrede dafür, dass er nichts bewegen will. Beginnen wir doch einfach mal mit dem Begriff Bohème.
Warum nur fällt mir in diesem Zusammenhang immer der gute alte Degenhardt ein.
Franz-Josef Degenhardt - Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Das mag daran liegen, dass ich selbst noch aus dieser Zeit komme, im Club lief Dutschke auf Film, der Höhepunkt waren die Touren nach Berlin, wo Politik wirklich stattfand, während wir nur Rote Punkt Aktionen machten. Das ist lange her. Ich war praktisch ein Kind. Ich spielte gerne mit den Schmuddelkindern und mein Haarkamm war die Gitarre.
Gut ich bin fast 20 Jahre älter als Sascha Lobo. Aber waren die Zeiten jemals anders als sie heute sind. Eigentlich nicht. Zumindest nicht für diejenigen die gerade erst anfangen, ihre Welt zu begreifen. Die schauen immer mit großen und ehrlichen Kinderaugen auf das, was die Erwachsenen so als normal und richtig ansehen, in Wirklichkeit aber meist Lug und Betrug ist. Die Kinder sollen und müssen sich ereifern, ihr gerechter Zorn ist das, was die Welt nach vorne bringt.
Irgendwann wird das Kind älter. Firmen werden gegründet und man muss sich in dem, was man tun und sagen kann, auf das Wesentliche konzentrieren. Zum Teil aus Selbstschutz, zum Teil weil man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. Anders als Don Alphonso, der dieser typischen Berliner Bohème gar nichts abgewinnen kann, bin ich der Ansicht, das jeder nach seiner Fasson selig werden soll.
Es ist mir egal, wenn dort Ansichten vertreten werden, die mir zuwider sind. Es stört mich höchstens, wenn die Jungs und Mädels so tun, als wären sie die deutsche Bloglandschaft, oder gar die Sprecher dieser Landschaft. Wenn sie sich gar zu arg daneben benehmen, gibt es von mir einen Ordnungsruf, und die Sache ist für mich erledigt.
Normalerweise würde ich mich also gar nicht für Sascha Lobo interessieren. Wir leben in unterschiedlichen Welten. Für mich ist bloggen Arbeit, weil es viel Arbeit macht, einigermaßen sauber recherchiert und mit dem nötigen Hintergrundwissen das Tagesgeschehen zu begleiten. Saschas Riesenmaschine und der andere Kram sind bei mir schon lange aus dem Feed geflogen, und das wenige, das ich über Links sehe, ist plumpe Selbstbeweihräucherung eines alternden Verlierers ohne neues Konzept.
Dass auch Adnation nicht funktioniert, muss gar nicht sein Fehler sein, aber wer ständig nur vergeigt, sollte etwas leiser treten. Wenn dann aber auch noch solcher Bockmist wie das Interview in der taz dazukommt, dann wird es Zeit, mal etwas deutlicher zu werden.
Natürlich ist die Randale am 1. Mai pubertärer Scheiß. Gar keine Frage. Aus der Sicht eines alten, abgeklärten Mannes. Wer aber selber einen Irokesen - den ich übrigens witzig finde - braucht, um sein Selbstgefühl zu stabilisieren, der sollte dann wenigstens so fair sein und die Pubertierenden einmal etwas näher betrachten.
Es sind die Kinder, für deren Zukunft Sascha Lobo und seine Generation eben nicht gekämpft haben. Sascha und seine Freunde lehnen sich in ihrem Lebensstil zurück und gackern zwar ständig, aber ohne ein Ei zu legen. Natürlich zünden sie auch keine Autos oder Mülltonnen an. Wahrscheinlich aber nur, weil sie kein Feuerzeug bedienen können.
Zum Glück ist die Berliner Polizei schlauer geworden und lässt es heutzutage ruhiger angehen, während früher die Stimmung am ersten Mai bewusst angeheizt wurde, damit aus der Randale abgeleitet werden konnte, dass die Randalierer ja nur zerstören wollten. Ein bekanntes politisches Verfahren, um den Gegner zu teilen und die einzelnen Teile leichter besiegen zu können.
Die Geschehnisse um den 1. Mai sollten auch die Ansprüche der Arbeitnehmer zurückdrängen. Ihnen sollte das angelastet werden, was durch Polizeiterror und jugendliche Idioten angerichtet wurde. Deshalb ist es besonders ärgerlich, wenn jemand wie Lobo davon spricht, mit seiner "digitalen Bohème" auf die Straße gehen zu wollen.
Mal davon abgesehen, dass es schwer werden würde, auch nur drei von diesen Hanseln auf eine gemeinsame Uhrzeit festzulegen und vermutlich nur einer die Uhr lesen kann, haben die doch alle eigene Interessen, die weit über den Gemeinschaftsinteressen stehen. Sie halten sich doch für die Spitze einer Bewegung und merken nicht, dass sie bestenfalls von ihren eigenen Abgasen nach vorne getrieben werden.
Wenn Lobo davon spricht was er sich wünscht, dann möchte man Lachen, aber es ist viel zu traurig.
Da gehen Leute dafür auf die Straße, dass die Sozialsysteme so geändert werden, dass auch kleine Selbstständige und Freiberufler mit einbezogen werden. Zum Beispiel dafür, dass das Rentensystem steuerfinanziert werden soll. Ich bin ein großer Fan des Umverteilungsprinzips. Aber wie es im Moment geregelt ist, ist es ungerecht, weil es auf einem Gesellschaftsstatus der 50er- und 60er-Jahre aufbaut.
Da labert jemand aus einem Kinderhintern. Kleine Selbstständige und Freiberufler müssen sich lediglich selbst in einer BGB-Gesellschaft einstellen und von ihrem Einkommen die Sozialversicherung bezahlen, dann sind sie drin. Gar kein Problem. Aber das würde Kontinuität bedeuten und eine ständige Zahlungsverpflichtung, die nun gar nicht Bohème ist.
Das gleiche gilt für all seine anderen Vorstellungen. Er möchte für sich die Freiheit und die anderen sollen zahlen. Es ist das alte Lied. Die Gewerkschaften bezeichnet er zu Recht als verkrustet, aber schreibt nicht dagegen und arbeitet auch nicht in der Gewerkschaft an einer Veränderung. Das ganze Interview zeigt, dass Sascha Lobo nicht bereit ist, irgendwo verantwortlich mitzuarbeiten. Er will ein Kind bleiben, nein, eher ein unerzogenes Kind, das ständig mit dem Fuß auftritt.
Das ist sein gutes Recht, dann soll er aber doch bitte die Finger von der Politik lassen. Denn davon versteht er genauso wenig wie von Arbeit oder Verantwortung.
Danke an Lanu für die hübsche Ente.
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Schade, selbst habe ich kein Abo, aber, wer eins hat,findet in der jw tolle Artikel darüber:
"Avantgarde des Sozialraubs" Th. Wagner, 7.5.07 ist einer davon.
Und ja, der Autor hat ganz und gar Recht, mit allem, was er über diese Trolle schreibt, denn auch aus der Tendenz in der jw. ist abzuleiten, daß die dig. Bohéme seit dmalas auf dem absteigenden Ast und dabei ist, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, aus der sie ursprünglich kam.
Gott-sei-Dank hat er auch nicht sich so häufig ins TV-Bild drängen können, wie andere Unterhaltungs-Nervensägen, die einem das Schauen eh immer mehr verleiden.
Nebenbei: auch die 'richtigen' Punker in X-Berg sind dem Sascha ziemlich ähnlich: man dichtete ihnen in der Vergangenheit lediglich an, ausländischen MitbürgerInnen aufgeschlossen und vorurteilsfrei gegenüber zu treten.
Jemanden eine "Hure" zu nennen ist ein relativ gewagtes Unterfangen für einen, der auf seiner Website unter der Überschrift "interessante Links" einzig auf die Seite eines Telefonsexanbieters verlinkt.
Der gehört also zur "digitalen Bohème". Da freut es mich aber, dass ich nicht dazu gehöre.
Einen schönen Maifeiertag noch
vor 2-3 Jahren hatte sich mal, s. o., die jw ziemlich (rechtschaffen) echauffiert über die 2, der '2. Vorsitzende' der digitalen Bohéme war damals ein Holm Friebe, der hauptberuflich in der jungleworld und eben das unsinnige, globalisierungsbefürwortende Buch '9 to 5 we call it work'mit Hrn. Lobo schrieb.
Youtube war damals so richtig neu, und so fand ich einen Filmausschnitt einer ADR- oder ZDF-Sendung darin mit jenem Iroträger im komischen Anzug. fg
http://www.stupidedia.org/stupi/Sascha_Lobo
B.