Während ein paar Herren von den Totholzmedien, dem Gebühren- Werbe- oder Bezahlfernsehen sowie eine selbsternannte Twitter-Bohème die Blogs für tot erklären wollen, zeigt sich gerade heute wieder einmal, wie sehr sich Blogs und freie Texte im Netz gegenseitig beeinflussen und weiterhelfen. Der
opablog beklagt, dass es keine einigermaßen umfassende Reflexion des Krisenprozesses in seiner Gesamtheit gebe.
Man kann ihm rechtgeben und erläuternd feststellen, dass ja alle Beobachter das Geschehen eben nicht von außen betrachten und wissenschaftlich sezieren können, sondern selbst Teil des Geschehens seien. Damit sind alle Beobachtungen nur persönliche Schnitte, die sich aus der eigenen Position in der Krise ergeben und die man nicht unbedingt zu einer Kausalkette zusammenführen kann.
Weissgarnix beschäftigte sich zeitgleich mit einem
Artikel von Robert Skidelsky, der den Ökonomen Verrat vorwirft. Nein, selbstverständlich sind die Ökonomen, Volkswirtschaftler und ähnliches Gesindel keine Verräter. Sie schreiben nur das, was das Großkapital hören und sehen will.
Volkswirtschaft ist eben keine Wissenschaft, sondern eine Religion, und ihr Fundament ist die Lüge. Aber Robert Skidelsky fasst vereinfacht auch noch einmal den Auslöser der Krise in einer lesbaren Form zusammen:
Betrachten wir nun die jüngsten Finanzinnovationen. Auf dem Rücken der neuen Computer- und Telekommunikationstechnologie entstand ein riesiger Markt für derivative Finanzinstrumente. Collateralized Debt Obligations (CDOs, überwiegend an Hypotheken geknüpft) machten eine neue Bevölkerung aufstrebender Eigenheimbesitzer angeblich kreditwürdig, indem sie die ausgebenden Banken in die Lage versetzen, „minderwertige“ Schulden an andere Investoren zu verkaufen.
Vor der Verbriefung waren es in der Regel die Banken, die die Hypotheken hielten; nun konnten sie diese aus ihren Büchern tilgen. Freilich landeten die aus der Bilanz der einen Bank gelöschten verbrieften Kreditforderungen zumeist in den Büchern anderer Banken. Hieraus ergab sich ein wunderbares System zur Streuung der Risken einzelner Banken, das freilich nur deshalb funktionierte, weil das Ausfallsrisiko aller Banken, die später als „toxisch“ bezeichnete Schuldverschreibungen hielten, erhöht wurde. Da all diese Derivate auf denselben Vermögenswerten basierten, steckten, falls mit diesen Vermögenswerten etwas schief gehen sollte, alle Schuldtitel haltenden Banken in derselben Tinte.
Ermöglicht wurde die Verbreitung von Derivaten durch die Leichtigkeit, mit der sich das Schuldvolumen für eine bestehende Menge Realvermögens ausweiten ließ. Diese Skalierbarkeit wurde noch verstärkt durch Verwendung von Credit Default Swaps (CDS), die als vorgebliche Versicherung gegen Kreditausfälle angeboten wurden. Da für jeden Kreditnehmer eine unbegrenzte Anzahl von CDS verkauft werden konnte, konnte das Angebot an Swaps sehr viel schneller wachsen als das der Schuldverschreibungen.
Die CDS vergrößerten das Ausmaß der Blase, indem sie die Geschwindigkeit, mit der das Geld zirkulierte, enorm erhöhten. Der CDO-Markt wuchs in den Jahren 2000 bis 2006 von 275 Milliarden auf 4,7 Billionen Dollar; der CDS-Markt dagegen viermal so schnell, nämlich von 920 Milliarden in 2001 auf 62 Billionen Ende 2007.
Mittels der CDS fanden Derivate ihren Weg in die Portfolios von Banken überall auf der Welt. Die Abhängigkeit der Gesamtstruktur von kontinuierlich steigenden Häuserpreisen aber wurde selten explizit gemacht: Bei einem bröckelnden Häusermarkt würden sich diese papiernen Sicherheitsversprechen zu – in den Worten von Warren Buffett – „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ entwickeln.
Wie er weiter richtig referiert, wurde das ganze nur möglich, weil China bereit war, zu sparen und mit diesen Ersparnissen US-Schuldanleihen zu kaufen, anstatt zu konsumieren oder Rohstoffe und Gold zu bunkern. Dieser Markt ist für die USA nun praktisch trockengefallen. Die FED muss die Schuldverschreibungen selber fressen, was natürlich nur eine begrenzte Zeit klappt, da ja so die Geldmenge noch schneller steigt und irgendwann der Dollar kollabiert.
Heute versuchen die Chinesen, ihre Währungsreserven aus dem Dollar in Rohstoffe oder Beteiligungen umzuwandeln. Sie machen das sehr geschickt und hoffen, dass ihnen Zeit genug bleibt, den Dollar loszuwerden, ohne allzu große Verluste zu erleiden.
Schuld an der Krise ist aber nur eine Sache: die maßlose Gier. Märkte regulieren sich nicht von selbst. Sie weiten die Regeln so weit aus, bis sie zusammenbrechen. Schon die Märkte im Mittelalter haben gezeigt, dass ein rigides Marktrecht zu prosperierender Wirtschaft und letztendlich zu sinkender Kriminalität geführt haben.
Die Selbstregulierungskraft der Märkte ist annähernd gleich Null. Es geht nicht um Effizienz und Langlebigkeit, sondern um kurzfristige Erfolge. Das Denken in Quartalen hat dazu geführt, dass so gut wie keine langfristigen Planungshorizonte mehr angedacht werden. Die Veröffentlichung von Quartalszahlen führte dazu, dass vermeintliche Erfolge belohnt wurden, die sich langfristig als Flop erwiesen.
Die aktuellen Modelle der Volkswirtschaftler können insgesamt ihrem Anspruch nicht zum kleinsten Teil gerecht werden. Deshalb eignen sie sich alle nur für die Abfalltonne. Sie sind für die Gesellschaft nicht relevant und sollten deshalb weder an Universitäten unterrichtet noch mit staatlicher Förderung irgendwo benutzt werden.
Manager dürfen sehr gut bezahlt werden, dagegen spricht überhaupt nichts. Bonizahlungen hingegen, die nichts anderes als eine Aufforderung zum schnellen Glücksspiel sind, darf es nicht geben. Das gleiche gilt für Firmenzerschlagung und -ausschlachtung. Es braucht eine neue, faire und harte Wirtschaftsordnung - und es eilt sehr.
Der treffendste: Autos kaufen keine Autos.
Das war vor hundert Jahren bekannt und der Sinn dahinter schon viel länger.
Dieser Religion „Ökonomie“ wissenschaftliche beizukommen wurde und wird ebenfalls versucht.
Tatsächlich birgt dies die einzige Chance für die Menschheit, auch wenn sich etliche Priester dieser Ökonomie mit Macht dagegenstemmen, und noch heute Kreuzzüge zu führen sich nicht zu schade sind.
Einzig in der Überproduktion mit all ihren Folgen findet sich die Ursache für die Krise. Der verarmende Proletarier war nicht in der Lage, die ach so günstig produzierten Waren auch zu konsumieren. Die von Produktion ausgegliederten gleich gar nicht. Der Irrwitz des Systems und sein zentraler Widerspruch.
Dies zu ignorieren, fanden sich dann Blitzgescheite und pervertierten den Kredit. Was dann die Kugel ins rollen brachte.
Autos kaufen keine Autos. So banal ist der Grund der Krise. Und er ist gesetzmäßig, zyklisch und verlässlich.
Sehr wohl gibt es eine Lösung. Sogar eine wissenschaftliche.
Sozialismus.
Aber einmal mehr wappnet sich der untergehende Kapitalismus mit faschistischen Attitüden. Hartz IV mit Sippenhaftung und angeordneter Willkür sei da genannt, Überwachungsstaat sei da genannt, Boom im Rüstungssektor sei da genannt, aktive Kriegsbeteiligung sei da genannt, gleichgeschaltene Presse sei da genannt.
Horst Köhler hat recht, wenn er sagt, diese Krise birgt eine Chance. Sie wird sich noch etwas ziehen und vielleicht zerschlagen die Menschen der Krise Ursache tatsächlich und begreifen diese Chance.
Leider vergessen die Menschen eben nicht noch während des Lesens einer gewissen Zeitung, was da tagtäglich mal mehr mal weniger subtil so verlautbart wird. Zwischenzeitlich gilt als Allgemeinwissen, was dort immer wieder so an Lügen über die Opfer der Gier und politische Alternativen zu lesen steht. Und dies mindert die Wahrscheinlichkeit des vorigen Absatzes.
Aber wie gesagt, diese Krise und der intervenierende Staat bergen da noch einige Überraschungen.
Die wissenschaftliche Antwort aber, auf die Planloswirtschaft des Status quo, ist definitiv der nächste Schritt der Menschheit, die nächste und logische Stufe der Gesellschaftsordnungen.
Wenn sich die Menschen nicht vorher ausrotten. Was für die Natur ja eigentlich zu hoffen gilt.
das eigentliche problem ist doch der ZINS, der nur positiv ist und deshalb die geldvermögen so unglaublich anwachsen!
diese geldvermögen, die durch die so genannte globalisierung erleichtert, mehrmals täglich über den globus wandern suchen nach anlagemöglichkeiten und diese neuen "finanzprodukte" kamen doch gerade recht!
unser geldsystem MUSS ca. alle 60/70 jahre crashen. es geht garnicht anders.
@Alexander
Kann dir in Allem nur zustimmen, nicht weil ich es aus einer ideologischen Brille sehe sondern aus einem nicht verlernten menschlichen Standpunkt.
die vielen hintergründe werden doch in den mainstream-medien nur sehr dürftig erklärt. allenfalls wirtschafts-zeitungen bringen etwas mehr tiefgang.
jeder, der etwas mehr hinter die kulissen sehen will, z.b. wie funktioniert unser geldsystem, was ist geld überhaupt, wäre ohne das internet und die vielen blogs und sites völlig aufgeschmissen!!!
vielen dank dafür!!! :-)
Wer hat die Gesetze gemacht?
Sind sie demokratisch legitimiert?
Sind sie Naturgegeben?
Wenn etwas einem Gesetz untergeordnet ist suggeriert es uns Ordnung und Sicherheit. Die Gesetze des freien Marktes sind ein Hirngespinst. Die Marktgesetze werden von den mächtigen zu ihrem Vorteil gestaltet. Dazu haben sie ihre Helfer in den Regierungen und in den Medien.
Wenn von den gekauften Medien gegen Blogs geschrieben wird, ist es eigentlich eine Ehre, denn sie können aus Sicht der mächtigen nicht mehr ignoriert werden. Sie stellen jetzt eine Informationskonkurrenz dar. Der Leser will die Realität und keine Sprechblasen.
Die Realität kommt in den Chefetagen nicht vor. Sie ist auch nicht erwünscht.
"Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten."
Sir Arthur Charles Clarke (1917 - 2008)
Die Religion, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden, war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns "wahnsinnig genug" für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.
Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.
Die "heilige katholische Kirche" degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte "Königreich des Vaters" (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches "Himmelreich" der Toten, nur um selbst eine "Moral" verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.
Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.
Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze "moderne Zivilisation" auszulöschen; es reicht schon aus, wenn wir weiterhin an den "lieben Gott" (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und Zinsgeld (Geld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) verwenden.
Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der Auferstehung noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).