Ja, Jochen, lass uns mal kurz über Deutschland reden. Warum nicht. Du Tarzan, ich Jane. Okay? Deutschland verschwendet seit langer Zeit eine große Ressource: die Frauen ab 50. Frauen ab der Lebensmitte verfügen über die größtmögliche Lebenserfahrung. Sie können Beruf, Haushalt, Familie, Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Schönheit, Kultur, Garten, und vieles mehr. Manche haben in diesem Alter immer noch einen Mann zu Hause, andere nicht. Ist den Frauen bis zu diesem Alter ihre Biographie gelungen, - in der Regel ist dafür ein eigenes Einkommen Voraussetzung und eine gehörige Portion Lebensmut - macht es meist keinen großen Unterschied mehr, ob sie verheiratet oder alleinstehend ist.
Diese Frauen werden dennoch ab den 40ern quasi unsichtbar. Sie verschwinden von sämtlichen Bühnen, den privaten und den öffentlichen. Das merkt niemand. Die Frauen selbst wohl auch nicht, weil sie in diesen Jahren mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Gleichzeitig legen die Männer nochmal richtig los, kaufen sich ein dickes Auto oder Motorrad, laufen jüngeren Frauen hinterher, und unternehmen neue Karriereversuche, kurz: sie wollen es nochmal richtig wissen. Wir kennen das alles. So kommt es, dass die Frauen verschwunden bleiben, während wir weiterhin von Männern hören und sehen, bis ins Greisenalter. Vorausgesetzt, sie verfügen über Geld oder über umwerfenden Charme. Denn ohne Geld oder Charme ist der alte Mann ein alter Mann. Nutzlos. (Die alte Frau hat da Vorteile, weil sie sich in der Regel noch nützlich machen kann. Da sind wir wieder bei den anfangs erwähnten lebenslang erworbenen Fähigkeiten).
Ich habe es satt, dass ich mich mit den Thesen von alten Männern befassen soll. Ich habe es total satt!!! Ich würde wahnsinnig gerne was von den alten Frauen hören. Mir fehlen weibliche Vorbilder.
Carl-Friedrich von Weizsäcker und die anderen. Erst basteln sie an der Bombe, dann erzählen sie uns bis an ihr Lebensende, wie schrecklich die Welt geworden ist und dass alles zugrunde gehen wird. Danke! Soll ich mir gleich den Strick nehmen? - Carl-Friedrich von Weizsäcker war wahrscheinlich nicht der schlimmste von dieser Sorte. Halten wir ihnen zugute: sie können es einfach nicht besser. Günstiger schneiden in der Regel die ab, deren Ehefrauen immer sichtbar waren und mitredeten: Helmut und Loki Schmidt, Ernst und Karola Bloch geben gute Beispiele ab.
Und was ist mit den klugen alten Frauen, die nicht zufällig mit prominenten Männern verheiratet waren bzw. sind? Sie bleiben verschwunden. Und das ist die Ressource, die in Deutschland verschwendet wird. Im Mai 2004 hatte ich mich in die Vorstellung verliebt, Gesine Schwan würde zur nächsten Bundespräsidentin gewählt werden. Diese Frau entsprach in vielerlei Hinsicht einem weiblichen Leit- und Vorbild. Und vor allen Dingen faszinierte mich ihr strahlendes Gesicht. Gesine Schwan schien mir eine glückliche Frau zu sein, zumindest eine glücksfähige. Und das sehe ich bis heute so. Wen haben wir dann gekriegt? IWF-Köhler. Und kurz darauf kam „Kohls Mädchen“ Angela Merkel. Na danke.
Am 23. Mai wird wieder gewählt, und wieder stellt sich Gesine Schwan zur Wahl. Und wieder denke ich, was für eine prächtige Präsidentin würde sie abgeben und welches Signal könnte sie aussenden. Eine Frau in den 60ern, mit einer interessanten und spannenden Biographie, zu deren Hauptthemen unsere Demokratie gehört, die sehr klug und sehr schön ist, und mit dieser Ausstrahlung! Und - wen werden wir wohl kriegen …
Zu den Frauen ab 50 kommen die Jungen, wenn sie Sorgen haben, und die Alten. Und die Männer, wenn sie Sorgen mit ihren oft jüngeren Frauen haben, und mit vielen anderen Sorgen. Eigentlich kommen alle, die mal ihren Kopf ein wenig anlehnen möchten. Diskretion vorausgesetzt. Die älteren Frauen wissen Rat in nahezu allen Lebenslagen. Ach, übrigens, dass ich es nicht vergesse: Frauen sind auch überdurchschnittlich erfolgreich in ihren ökonomischen Unternehmungen! Ich glaube nicht, dass viele bereit wären, die öffentlichen Bühnen der Politik und Wirtschaft zu betreten. Gesine Schwan, diese Ausnahmefrau, wäre ein echter Glücksfall! Für mich und für Deutschland.
Prima; ich kann der Frau Schwan auch sehr vieles abgewinnen - nur eines überhaupt nicht: ihre Parteimitgliedschaft. Eine Perle vor viele Säue geschmissen. Und Tatsache ist dem so. Intern munkeln sie schon, vorne herum wird gestrahlt. Eine Eigenart die man bisweilen gern den Frauen nachsagt: Hinterhältigkeit.
Mir tut diese Frau einfach immer mehr leid; mit jedem Tag den sie sich in der SPD aufhält. Echte Loyalität zu ihr und ihren Standpunkten findet man perteiintern nur wenig. Dabei sind es gerade diese Standpunkte die sie ausmachen; sie... Gesine Schwan.
Gern würd ich mit ihr zu Kaffe trinken. Sie strahlt Wärme aus. Wärme die den anderen schlicht fehlt.
Diese Frau hat etwas, was vielen aus der SPD, aber auch aus anderen Parteien gänzlich fehlt: Emphatie - die Fähigkeit einen Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen.
Im Grunde wäre sie fähig etwas neues in Deutschland auf den Weg zu bringen. Dazu müsste man sie aber lassen und das geschieht eben nicht. Stattdessen regen sich die SPD-Gemüter noch darüber auf und bezeichnen es als Panikmache. Und das ist es mitnichten!
Frau Schwan sollte eine Partei gründen deren Mitglieder ihre Moralvorstellungen tragen, unterstützen und umsetzen.
Menschlich gesehen zeichnet sich Gesine Schwan vielleicht aus gegenüber Vorgängern wie Horst Köhler oder Roman Herzog mit mehr Überblick und mehr Durchdringungsvermögen – alles unter dem Vorbehalt ihrer Partei-Parteimitgliedschaft. Ob wir trotzdem etwas von ihrer Präsidentschaft haben würden, würde allein davon abhängen, wie sie mit irgendwelchen Gesetzesvorlagen welcher Koalition auch immer umginge.
Frau Merkel ein kluge alte Frau? Erinnert man sich, nicht gerade freundlich, des Unwesens eines Medienkanzlers, dann ist die Meßlatte verdammt niedrig, einen Geschlechtervergleich zu wagen. Und doch, Herr Merkel, so es ihn überhaupt gibt, geht niemanden mit der gleichen Penetranz auf die Nerven, wie es die Frauen Hannelore, Hillu oder Doris taten. Das ist doch schon was!
Es war Frau Merkel, die den Geschichtsfälscher Öttinger abwatschte und es ist Frau Merkel, die dafür Sorge trägt - so zumindest der Eindruck -
daß die SPD-Minister sich halbwegs gesittet verhalten und weit entfernt sind vom Verbalfaschismus eines Clement.
Eigenständig und klug ohne Zweifel die beiden Sozialdemokratinnnen Kraft und Ypsilanti, wen wundert es, daß Herr Clement die Contenance verlor und bei Letzterer sich nicht entblödete, gemeinsame Sache mit dem Bedarfs-Rassisten Roland Koch zu machen. Es ist auch das Werk dieser beiden klugen Frauen, daß Herr Clement seinen Platz nicht mehr in der einstigen Arbeiterpartei sieht sondern dort wo er hin gehört, als Auslaufmodell auf dem Zeitarbeits-Strich. Frauen, wie die genannten sind es, die die Hoffnung nicht erlöschen lassen, daß zum einen die SPD wieder eine Arbeiterpartei wird und zum anderen das fortsetzt, was Willy Brandt begann, Willy Brandt, für den die Arbeiter bereit zum Generalstreik waren...
Das allerdings wird dauern. Die "geistig moralische Wende" eines Helmut Kohl, die schon unter Helmut Schmidt begann und vom Medienkanzler vollendet wurde, rückgängig zu machen, wird ein langwieriger Prozeß sein. Das Stehvermögen dazu ist u.a. auch Frau Gesine Schwan zu zutrauen.
Diese Abwesenheit von Frauen weltweit ist schlecht, und das gilt nicht nur für die hochentwickelten Ländern, sondern weltweit. Ohne sie sind nämlich die meisten drängenden Probleme der Zukunft gar nicht lösbar, denn sie sind weltweit die wahren Manager, die alles am Laufen halten, aber am wenigsten dafür entlohnt werden. Wir brauchen ihren Sinn fürs Wirtschaften, damit wir endlich eine Wirtschaft bekommen, die auch diese Bezeichnung verdient und wir brauchen sie als Familienplanerinen, damit jede Frau selbst darüber entscheiden kann, wieviele Kinder sie gebären will.
Hier zeigt sich aber welch kontraproduktive Geist uns letztlich aber bis heute steuert. Man lässt die Geschlechter immer wieder gezielt gegeneinander ausspielen, obwohl es offensichtlich ist, dass Geschlechterkämpfe langsam Schnee von gestern sind und der Gesellschaft inzwischen nur noch schaden. In naher Zukunft werden wir also nicht für mehr Freiheit und Demokratie kämpfen müssen, sondern auch gegen den Wettbewerbsungeist und für mehr Solidarität unter allen, auch unter den Geschlechtern, damit Männer und Frauen zum ersten mal in der Geschichte der modernen Zivilisation gemeinsam die Welt gestalten.
Die älteren Frauen verschwinden ja auch nicht, sie ziehen sich leider auch selbst zurück.Ich würde mich freuen wenn hier mehr Frauen schreiben würden. Egal welchen Alters.
Täte es nicht auch einfach mal eine einfache Köchin, Backwarenverkäuferin oder meinetwegen Kindergärtnerin...., Krankenschwester, Altenpflegerin?
Zählen solche Frauen für Deutschlands "Jebildete" nix?
Was soll denn nun an dieser "SPD"-Mitläuferin Frau Schwan so toll sein?
Wer h e u t e noch immer in der "SPD" oder einer dieser anderen neoliberalen Vereine Mitläufer/Mitglied ist kann einfach kein anständiger Mensch sein!
Und Leute, die trotz aller "Bedenken" bis zum "Ende" mitmachten- also charakterlose Mitläufer- gab es auch unter dem Führer bis zum 8/9 Mai 45 mehr als genug, trotz aller "Bedenken", "Vorbehalte"..., heimlichen "konspirativen Gemurmels hinter vorgehaltener Hand....
Nein: Solches Pack, solches Gesindel ist das Gift, das j e d e menschliche Gesellschaft vergiftet, ganz gleich ob Männer oder Frauen.
Natürlich können Frauen in der Politik große gute Dinge (mit)bewirken, siehe nur Rosa Luxemburg oder Margot Honecker, die beste Bildungsministerin, die es jemals auf deutschen Boden gab!
Aber d a s darf man ja sicherlich sogar in diesem Block kaum aussprechen bei der Begeisterung mancher Leute darüber, dass diese Dame vom "Volk" 1989 "davongejagt" wurde.... und wir nun diese unsägliche CDU-Tunte Schavan zu ertragen haben..., na ja, auch eine "Frau"....
Denn offensichtlich gelten für eine Bundespräsidentin andere Maßstäbe als für einen Bundespräsidenten. Bei ihm sind die Parteimitgliedschaft, die Grundeinstellung und die Wahrheit seiner Rede anscheinend geringer zu bewerten als bei einer Frau. Vom Alter, Kleidung, Körperbau und Frisur einmal ganz abgesehen. Das ist bei ihm völlig egal.
Diesen Eindruck gewinne ich jedenfalls, wenn ich mir die Kommentare hier so durchdenke.
Einen schönen Sonntag noch miteinander.
Und wie sie alle kommentieren - da bleibt kein Klischee aus. Allerdings, Ihre "Geschichte" ist auch ein Sammelsurium von Allerweltsplattheiten - sorry, aber wem soll das Ganze nützen?
Ich werde am 23. Mai 60 Jahre jung! Meine Erfahrungen der vergangenen fast 20 Jahre in dieser sogenannten Demokratie sind niederschmetternd.
Selbst in der Kommunalpolitik herrscht neben Einfalt auch Korruption!
Als ehrenamtliche Bürgermeisterin wurde ich weil ich den wirtschaftlichen Interessen eines Gemeindevertreters (sic!) im Wege stand, herausgemobbt. (Ist eine lange Geschichte, für hier zu lang)
Jetzt kandidiere ich wieder, allerdings völlig desillusioniert. In dieser Sch... Demokratie sind praktisch alle Möglichkeiten für Bürgermitbestimmung bereits unter Schröder-und Rot-Grün von Wirtschaftslobbyisten abgewürgt worden. Rot-Schwarz hat die Geschichte nur noch perfektioniert: Die Wirtschaft hat Vorrang. Ganz gleich ob damit nachhaltiger Schaden angezettelt wird - alles, was die beantragen wird genehmigt.
Aber, dies ist auch wieder eine sehr lange Geschichte. Lässt sich so kurz im Forum nicht behandeln.
Mein Fazit: Es muss endlich ein Volksaufstand her - und der möglichst europaweit! 500 Millionen könnten dieses Pack an Kapital-Haltern doch wohl zum Teufel jagen!
Aber das ist halt wieder so ein Traum einer "alten" Frau.
"wem soll das Ganze nützen"? Ich denke, es würde uns allen nützen, wenn die Kompetenzen der älteren Frauen (ab der Lebensmitte) Anerkennung und Achtung finden würden. Eine Bundespräsidentin, die ja übrigens überparteilich wirkt, noch dazu eine Persönlichkeit wie Gesine Schwan, mit ihrer ausgesprochen positiven Ausstrahlung, könnte für viele den Weg ebnen. Und auch jemand wie Ihnen Rückhalt geben, und sei es nur symbolisch. - Und bis dato ist es doch eine Tatsache, daß wir so gut wie keine älteren oder alte Frauen haben, die sich öffentlich äußern. Ältere und alte Männer gibt es hingegen reichlich! Das bedeutet, der männliche Blick auf die Welt ist allgegenwärtig, während der weibliche Blick kaum vorkommt. (Dieses Ungleichgewicht trifft übrigens auf die gesamte Geschichtsschreibung zu.) Partnerschaftliches Agieren verlangt aber eine Balance, das wissen wir Normalos doch eigentlich alle aus unseren Alltagserfahrungen. Das haben wir inzwischen auch gut eingeübt. Und für Politik und Wirtschaft, und die oberen Ebenen allgemein soll das nicht gelten?
Das Thema ist komplex, und das letzte Wort hierzu noch lange nicht gesprochen.
Auf ein weiteres - Luise