Arcandor, das heißt Karstadt/Quelle und Thomas Cook. Es ist schick, wie ansonsten unfähige Manager immer neue Namen finden, damit sich niemand ihre Pleitefirmen merken kann. Bei Karstadt/Quelle, daran erinnern sich noch viele, wurden die Mitarbeiter entlassen, die Häuser verkauft und einige zurückgemietet, aber vor allem die Löhne gedrückt. Alles zum Erhalt der Arbeitsplätze.
Lohndumping statt unternehmerische Ideen.
Madeleine Schickedanz und ihrer Familie setzten auf Thomas Middelhoff als Vorsitzender des Aufsichtsrates der KarstadtQuelle AG – und das war ein Fehlgriff. Middelhoff hatte bei Mohn/Bertelsmann ja nie etwas über effiziente Unternehmensführung oder gar strategische Planung gelernt, sondern konnte dort immer aus dem Vollen schöpfen und hatte zusätzlich die Politik im Rücken, die geradezu abhängig von der Bertelsmannstiftung und der Familie Mohn ist.
Bei Arcandor hätte er den großen Wurf wagen müssen, hat sich aber in einem unüberschaubaren Klein-Klein verloren. Da dies aber im Grunde genommen seit Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts das Problem des Unternehmen war, kann es nicht Middelhoff alleine angelastet werden. Die Schickedanz-Truppe trägt wohl die Hauptschuld, weil sie nicht in der Lage war, selbst mit neuen Ideen zu kommen, und sich auch nicht konsequent auf alte Stärken wie Eigenproduktion besinnen wollte.
Ein Konzern, der mit einem typischen "Rein in die Kartoffeln / Raus aus den Kartoffeln" alle naselang den Kurs wechselt, kann nie an ein Ziel kommen und schon gar nicht profitabel sein. Aber das ist die Vergangenheit, die sich nicht mehr ändern lässt und die einen großen Anteil der Arcandor-Aktien in die Taschen von Sal. Oppenheim spülte, die den neuen Chef Karl-Gerhard Eick, gleich
durch Berlin schleichen ließ, um neues Geld zu suchen.
Als Geldabholer ist Eick geradezu prädestiniert, weiß er doch als ehemaliger Finanzchef der Telekom, wo man drücken muss, um die richtigen Ergebnisse zu bekommen. Er sprach von 53.000 Beschäftigten, von 20.000 deutschen Lieferanten und davon, dass sie bisher noch nicht pleite seien und der Staat doch bitteschön mal eine Milliarde in seinen offenen Hut werfen solle, er würde das Geld schon ausgeben. Von der verschobenen Verkündigung der Bilanz sprach er lieber nicht. Verständlicherweise.
"Mit dem Hute in der Hand, kommst du durchs ganze Land." Damit war früher gemeint, dass ein höflicher Mensch, der jeden mit dem gezogenen Hut freundlich begrüßte, problemlos überallhin reisen konnte und stets ein gerngesehener Gast sei. Heute kommt man, mit dem Hute bettelnd, zumindest zu Pöstchen und, wenn man bei der Bundesregierung bettelt, auch zu Geld. Was ist denn schon so eine Milliarde. Das ist doch heute nichts mehr.
Unwillkürlich fragt man sich, was des Pudels Kern ist. Der ist ganz einfach zu finden.
Deshalb muss Eick auch tapfer sagen, dass er nicht zerschlagen wolle, was ihm aber nur unter großen Schwierigkeiten gelingt. Er hat wohl noch nicht so ganz begriffen, was seine Rolle ist. Er soll vom Staat eine knappe Milliarde Euro erbitten, mit der dann die Verbindlichkeiten gegenüber Sal. Oppenheim getilgt werden. Dann darf er noch ein wenig weiterspielen und wird nach der nächsten Finanzierungsrunde im Juni den Laden wohl einem Konkursverwalter übergeben.
Sal. Oppenheim schreibt die Anlagen in Arcandoraktien ab, und auch die bezahlt der deutsche Steuerzahler - genau wie die verdampfte Milliarde. Der deutsche Michel bezahlt also zweimal.
Außerdem wäre eine solche Subvention auch im höchsten Grade unfair, gegenüber all den Handelsunternehmen, die keine bekommen. Das gilt auch für die Metro-Gruppe, die sicher kein sympathisches Unternehmen ist. Frau Schickedanz und die Herren von Sal. Oppenheim sind immer gegen die Subvention der Schwachen und gönnen den Armen nichts. Diesmal sollten die Deutschen schlau sein und ihnen auch nichts gönnen.
Nach einer Arcandor-Pleite wird irgendjemand den Scherbenhaufen aufsammeln und etwas besseres daraus machen. Die jetzigen Inhaber von Arcandor würden auch mit mehreren Milliarden nichts daraus machen. Sie können es einfach nicht. Also lasst Arcandor sterben.
In den USA gelten bereits die Lebensversicherer Allstate, Ameriprise Financial, Hartford Financial Services Group Inc., Lincoln National Corp., Principal Financial und Prudential Financial Inc. als sichere Kandidaten für ein Bailout du ...