Die Lage um die
geplante Pipeline Nabucco wird immer schwieriger. Bisher bestand der Hauptnutzen, den die Türkei aus dem Nabucco-Projekt ziehen konnte, aus geringen Einnahmen für die Durchleitung, der EU-Mitgliedschaft und niedrigen Gaspreisen für die eigene Stromindustrie.
Die Türkei erzeugt mehr als 60 Prozent ihres Stroms aus Gas, und der Anteil wird noch steigen, wenn das neue Gaskraftwerk in Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste mit einer Leistung von 890 Megawatt Ende 2010 errichtet sein wird. Dummerweise will Aserbaidschan nun auch einen gerechten Gaspreis von 450 bis 500 US-Dollar je 1000 Kubikmeter, anstatt der bisherigen 120 US-Dollar.
Natürlich tut die Türkei so, als ob sie an neuen Preisverhandlungen interessiert sei, zögert diese aber heraus, weil sie die niedrigen Strompreise brauchen, um die eigenen Wirtschaft anzukurbeln. Die Türkei muss also von Nabucco Preisnachlässe für das in der Türkei verbrauchte Gas fordern, was wiederum in den anderen Durchleitungsländern ähnliche Forderungen wachrufen wird. Im Grunde genommen wird das Problem, das bereits die Ukraine verursacht, nur noch vervielfältigt.
Es gibt aber auch noch eine zweite überraschende Wende. Im Irak hat die Zentralregierung der kurdischen Bevölkerungsgruppe verboten, Gas in Richtung Nabucco zu leiten: Sie teilte lapidar mit, falls der Irak Gas an Nabucco liefern werde, würde dieses aus anderen Quellen stammen. Dies ist ein geschickter Schachzug, da die 8 Milliarden Dollar, die die Kurden aus diesem Geschäft erhalten hätten, nun fehlen und die Kurden weiter in Abhängigkeit gehalten werden können.
Tatsächlich ist das ganze natürlich Unfug. Es geht um den alten Streit zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden. Öl und Gas gibt es im wesentlichen nur auf schiitischem und kurdischem Gebiet. Allerdings sind die schiitischen Felder schon lange in Betrieb und einige sind wohl schon weit hinter ihrem Peak. Deshalb sind die USA ja auch so verzweifelt hinter dem Gas und Öl am Kaspischen Meer her.
Während den Bürgern der EU erzählt wird, dass es um eine sichere Gasversorgung für Europa gehe, geht es darum, die kaspischen Öl- und Gasreserven im wesentlichen für die USA zu reservieren. Das könnte den Verkäufern egal sein, aber ihnen droht, zwischen amerikanischen und russischen Kräften zerrieben zu werden. Im Grunde genommen ist klar, dass sie um faire Preise betrogen werden sollen.
Für die Türkei, den Irak und den Iran stellt sich aber noch ein ganz anderes Problem. Die Öl- und Gasfelder, um die es geht, liegen praktisch nur auf kurdischem Gebiet. Es würde den USA reichen, sich für ein freies Kurdistan stark zu machen und dessen Grenzen zu verteidigen. Die restlichen Teile des Irak und Iran könnten in eine Scheinselbständigkeit entlassen werden.
Allerdings wäre dann die Türkei als Durchleitungsland für Nabucco verloren. Es bliebe dann nur der Weg von Georgiens Küste durchs Schwarze Meer nach Bulgarien.
Nein natürlich nicht so. Er ist ein deutscher Politiker, dem ist sowohl Schuld wie auch Bewusstsein weitgehend fremd und Schuldbewusstsein sowieso. Für einen ständigen Sitzplatz im UN-Sicherheitsrat hat Fischer zusammen mit Schröder und Stru ...