… nach Berlin fährt, dann hat das was zu bedeuten! Diesmal also nicht die Bäuerinnen aus der Milchviehwirtschaft, sondern Sonnleitner und seine Traktor-fahrenden Agrar-industriellen „Bauern“. Aber lassen wir jetzt mal die gewissen Unterschiede beiseite, Hauptsache, die Kanzlerin ist nun gesprächswillig. Nächsten Freitag hat sie zu einem Milch-Gespräch eingeladen. Und was wird da verhandelt?
Und schon sind wir nämlich wieder bei den Unterschieden. Der Bauernverband will die Dieselsteuer für Bauern verbilligen, zinsgünstige Kredite bereitstellen, und andere finanzielle Hilfen herbeischaffen. Also finanzielle Verbesserungen über Steuersenkung und Akquisition von Staatsgeldern, wie es andere Wirtschaftszweige während der Krise auch für sich beanspruchen. Ansonsten schimpft man furchtbar auf die Preistreiberei des Handels. Der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter will die Milchquoten neu verhandeln und damit den Milchpreis wieder in den Griff bekommen. Unabhängig von der derzeitigen Wirtschaftskrise.
Das sind zwei ganz unterschiedliche Ansätze. Wer das verstehen will, muß sich mit dem Entstehen des Milchpreises befassen. Und das ist auch nicht ganz unkompliziert. Ich versuche es mal. (Aber wohlgemerkt bitte, - ich bin keine Expertin!)
Alles dreht sich um die Produktionsmenge und die Verbrauchsmenge. Wir hatten schon Zeiten der Überproduktion von Milch („Milchseen“ und „Butterberge“) und wir hatten auch schon Mangel. Ein Überschuss an Milch kann auch dadurch entstehen, dass sich der Verbrauch verändert (momentan geht er zurück) oder auch durch Ex- und Importe. Und neuerdings auch noch durch sogenannte Milch-Ersatz-Produkte, hergestellt mit billigeren pflanzlichen Fetten. (Man glaubt es kaum).
Der Marktpreis hängt natürlich stark davon ab, ob es zu viel oder zu wenig Milch gibt. Ganz nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft. Zwischen Erzeuger und Endverbraucher haben wir die Molkereien und den Handel, beide haben große Macht und üben entsprechenden Druck aus. Aber dennoch ist der Milchpreis niemals ein reiner Marktpreis, da wir im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion ein enormes Subventionsgeschehen haben, das sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend auf die EU-Ebene verlagert hat. Das heißt, dass wir schon immer staatliche Eingriffe bzw. Regulation haben.
Die Milchquote wurde als Regulationsinstrument eingeführt und erfüllt bis heute ihren Zweck. Für die bäuerliche Landwirtschaft ist sie existenziell. Die ganz großen Erzeugerbetriebe, die wir als Agraridustrie bezeichnen, legen allerdings Wert auf eine Erhöhung bzw. Abschaffung der Quote, um ihren Spielraum für Mehrabsatz erweitern zu können. Und mit ihnen der Bauernverband. Und tatsächlich wird die sogenannte Milchquote seit 2008 schrittweise angehoben, bis sie schließlich völlig aufgehoben wird. Und das kann man nicht anders als neoliberales Denken und Wirtschaften bezeichnen! (Wie andere Vorschläge und Maßnahmen des Bauernverbandes auch).
Wie ordne ich, als politisch denkender Mensch, das jetzt ein? Und ich, als „Esserin“?
Die Milchquote, also eine Steuerung der produzierten Menge, scheint mir plausibel und entspricht der Idee einer bedarfsgerechten Produktion, die ich ganz allgemein als sinnvoll erachte. Nicht das Anbeten ständigen Wachstums, was der reinen neoliberalen Lehre entspricht, und bei der Produktion von Lebensmitteln besonders dämlich erscheint! Und auch das grenzenlose Hin- und Her-Transportieren von Lebensmitteln scheint mir nur in äußerst übersichtlichen Dimensionen sinnvoll zu sein. Das heißt, dass der Export überschüssiger Lebensmittel auch nur sehr begrenzt eine Lösung darstellen kann. Tun wir das Angemessene. Das ist es, was ich mir für zukünftiges Wirtschaften wünsche. Die bäuerliche Landwirtschaft braucht Regelung und Subvention im europäischen Rahmen, in unser aller Interesse. Und auch im Sinne von Umwelt- und Tierschutz.
Als „Esserin“ wünsche ich mir gesunde Lebensmittel, nach allen Regeln der Kunst. Und das scheinen mir die Betriebe der bäuerlichen Landwirtschaft am ehesten zu gewährleisten. Ich will keine industriell hergestellte „Nahrungsmittel“. (Die Bäuerin, die ich vor dem Kanzleramt sprach, wies mich extra nochmal auf diesen Unterschied hin. „Wir“, sagte sie, „produzieren Lebensmittel, nicht Nahrungsmittel“.) Aber ich will mich jetzt nicht aufspielen und die Großbetriebe in Grund und Boden (!) stampfen und ich will auch nicht zu Verhältnissen zurück, wo die Leute sich auf kleinsten Höfen krumm gearbeitet haben, ohne am technischen Fortschritt teilhaben zu können. Mir bedeuten gesunde Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen sehr viel. Ich brauche keinen Edelfraß und auch keine Schnäppchen! Bio für alle, das wäre optimal.
Alles in allem scheint mir eine Regulierung der Menge und auch ein regulierter Preis für landwirtschaftliche Erzeugnisse sinnvoll. Das käme den landwirtschaftlichen Betrieben entgegen, und zwar den kleinen und den großen, und uns „Essern“. Keinesfalls wollen wir Verhältnisse, wie sie die
Biermösl Blosn in den 80ern in ihrer neugedichteten Bayern-Hymne beschrieben (was ihnen damals ziemlich viel Ärger mit dem bayerischen Staat eingehandelt hat …)
Gott mit dir, du Land der Baywa,
deutscher Dünger aus Phosphat.
Über deinen weiten Fluren
liegt Chemie von fruah bis spaat.
Und so wachsen deine Rüben,
so ernährest du die Sau.
Herrgott, bleib dahoam im Himmi,
mir hom Nitrophoska blau.
(Erklärungen: Baywa ist der bayerische Agrochemie-Dealer, fruah bis spaat heißt früh bis spät, dahoam im Himmi heißt daheim im Himmel, Nitrophoska ist ein Nitrat-Phosphat-Kalium-Dünger)
Und für Interessierte hier noch der Originaltext. So sollte es eigentlich sein, gell, Herr Seehofer und Herr Sonnleitner.
Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
seines Himmels, weiß und blau!
ich danke dir dass du dich des Themas hier immer wieder annimmst. Auf dem Save our Seeds Blog kann man heute folgendes darüber lesen:
Merkels Sorge um die Milch riecht nach Diesel
best wishes und weiter so!
wenn ich sehe dass die milch 49 cent der liter kosrtet da kann ich nur den kopf schütteln. ein liter benzin kostet das dreifache. und dann dieser rummel wenn die mlchpreise mal sinken. da tun die medien und regierungstrottel so, als ob der mensch davon jetzt mal so richtig finanziell entlastet würde. absolut lächerlich. dass die kühe nur scheisse fressen bei dem preis ist ja wohl klar. von mir aus kann der liter mich doppelt so teuer sein, das würde auch wirklich niemendem wehtun, denn wer trinkt schon literweise milch?
Wenn wir nicht hinreichend Kohle hätten, könnten wir deshalb nicht einfach auf Wasser umsteigen (die Kinder schonmal gar nicht) und würden dann wohl auch auf die "Billig"-Milch im Supermarkt zurückgreifen. Übrigens - die 49 Cent sind, wenn ich richtig informiert bin, für die fettreduzierte Wassermilch mit 1,5%. Das fett gibts dann gleich daneben als billige Butter.