Wie sie die DDR erfinden
Mit freundlicher Genehmigung durch den Redaktionsleiter der Zeitschrift RotFuchs, Dr. Klaus Steiniger, am 25. Mai 2009
Ausgabe 132 Extra:
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt
Am 25. Juli 2008 stellte der „Forschungsverbund SED-Staat“ der Freien Universität Berlin sein Buch „Soziales Paradies oder Stasi-Staat?“ vor. Teilergebnisse einer ihm zugrunde liegenden „Untersuchung“ waren schon im November 2007 veröffentlicht worden und hatten bei einigen Politikern für Wirbel gesorgt. Angeblich bewirken „unzuverlässige Erinnerungen“ der Eltern und „schwere Versäumnisse der Schulen“ eine „DDR-Verklärung unbedarfter Jugendlicher“. Den für die Klitterung der SED-Geschichte zuständigen Autoren Monika Deutz-Schroeder und Prof. Dr. Klaus Schroeder ist unbegreiflich, daß Ostdeutsche die DDR heute anders beurteilen, als von offizieller BRD-Seite erwünscht. Selbst zwei Drittel der befragten Westdeutschen (!) lehnten es ab, die DDR als Diktatur zu bezeichnen.
Auch Gruselkabinettsverwalter Hubertus Knabe beklagt „zunehmende Unwissenheit über die SED-Diktatur“.
Brandenburgs Polizeiminister Schönbohm warnt vor einer „systematischen Verherrlichung der DDR“. Merkels sogenannter Ostbeauftragter Tiefensee fordert, „die Fakten über Unterdrückung, Mauer-Tote, Stasi Spitzel, Folter-Knäste und den Konkurs der DDR-Wirtschaft“ stärker im Geschichtsunterricht zu behandeln. Herr Köhler, Bundespräsident, erzählt Schülern, die er im Schloß Bellevue empfängt, Lebensglück habe es für DDR-Bürger „nicht wegen, sondern trotz des SEDRegimes“ gegeben. Da fragt man sich doch unwillkürlich, ob von BRD-Seite noch immer nicht genug getan worden ist, um die DDR zu verunglimpfen.
Geht man in Berlin die Prenzlauer Allee in Richtung Alex hinunter, so findet man das eingerüstete und zugehängte Gebäude Torstraße 1. Als „Kreditkaufhaus Jonass“ wurde es einst erbaut. Im Zuge der „Arisierung“ – sprich Raub jüdischen Eigentums – machten es die Faschisten zum Hauptquartier ihrer „Reichsjugendführung“.
Ab 1946 „Haus der Einheit“, war es dann Sitz des Parteivorstandes der zur SED vereinten Arbeiterparteien, später wurde hier das Institut für Marxismus-Leninismus angesiedelt. Jetzt will eine britisch-deutsche Investorengruppe aus dem Gebäude einen Klub für Medien- und Geschäftsleute machen. Vor dem Haus steht eine Tafel, auf der es verleumderisch heißt:
Die „Bevölkerung der DDR“ habe sich mit dem „Aufstand vom 17. Juni 1953“ zur Wehr gesetzt. Namen von aus politischen Gründen zum Tode Verurteilten können aus gutem Grund nicht genannt werden:
Es gibt sie nämlich nicht!
Leute wie Burianek wurden wegen krimineller Taten gerichtet, und was den „Volksaufstand“ – den ersten
Versuch einer Konterrevolution in der DDR – betrifft: Ich habe in der Nacht vom 16. zum 17. Juni 1953 neben Karl Namokel, der eine Zeitlang den Zentralrat der FDJ leitete, in der Menschenkette gestanden, die untergehakt und dicht an dicht das Haus der Einheit nicht gegen „das Volk der DDR“, sondern gegen brutale Rowdies aus Westberlin verteidigte und ihnen den Zugang verwehrte.
Geht man die Prenzlauer Allee in Richtung Spitze hinauf, so kommt man zu den gelben Backsteinbauten an der Fröbelstraße. Nachdem Pfarrer Eppelmann von der „Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ dort ein „Denkzeichen zur Erinnerung an die Opfer des NKWD und des MfS“ enthüllt und eine Monstershow zur Geschichte der Häuser eröffnet hatte, beschlossen die Pankower Bezirksverordneten, daraus eine Dauerausstellung zu machen.
1889 als Hospital und Siechenheim errichtet, dann Obdachlosenasyl „Die Palme“ und anschließend Sitz einer
Gesundheitsbehörde der Nazis, diente der Komplex nach 1945 der sowjetischen Kommandantur und dem Bezirksamt Prenzlauer Berg, später der Berliner Verwaltung des MfS sowie dem Rat des Stadtbezirks.
Die Ausstellung erfindet einen Folterkeller des NKWD. Tausende „Dissidenten“ seien hier gequält worden. Auf einer Tafel ist von dem seinerzeit 20jährigen Fritz Naujoks die Rede. Er habe in einem Jugendklub ein Spottlied auf Stalin gesungen und sei daraufhin zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im Jahre 2000 habe ihn ein Moskauer Gericht rehabilitiert.
Heute ist das ganze Haus 3 mit einem schwarzen Acrylband umschlungen; darauf kann man Dutzende Fragen lesen, die der Phantasie von Frau Karla Sachse entsprungen sind. Ein paar Proben: „Wer verschwand im Keller? Wann weinten die Männer? Wieviel Nägel ragten aus der Pritsche? Wo stand der Kübel? Wie kalt war die Wand? Was fühlte der geschorene Kopf?“ Die Fragen seien ihr „beim Lesen der Verhörprotokolle“ so eingefallen. ... Aus der Zeit, in der das MfS der Hausherr war, wird in der Ausstellung u. a. der Fall eines Mannes geschildert, der für den Westberliner „Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen“ spioniert hatte. Er wurde verurteilt, dann aber von der BRD freigekauft.
Über die vier Jahrzehnte währende Tätigkeit des Rates des Stadtbezirks Prenzlauer Berg berichten sogenannte Arbeitsbiographien. Wir lesen von einer Mitarbeiterin des Wohnungsamtes, die die „Verlogenheit
in den Parteiversammlungen“ nicht mehr ertragen konnte, aus der SED austrat und zu einem „Aufhebungsvertrag im gegenseitigen Einverständnis“ gezwungen worden sei. ... Schließlich wird noch von der Konstituierung des „Runden Tisches“ im Dezember 1989 berichtet.
Kein Wort fällt über die aufopferungsvolle Arbeit Hunderttausender, die nach der Befreiung vom Faschismus den Schutt aus den Straßen und den Unrat aus den Köpfen räumten, das kommunale Leben wieder in Gang brachten, Hunger, Kälte und Wohnungsnot trotzten, Schulen und Krankenhäuser, Handel und Handwerk arbeitsfähig machten! Kein Wort über Änne Saefkow, die – von der Sowjetarmee aus dem KZ Ravensbrück befreit – erst als Bezirksrätin in Pankow, dann als Bürgermeisterin in Prenzlauer Berg den schweren Anfang bewältigen mußte! Keine Silbe liest man über die Umgestaltung des Stadtbezirks, über die Verwandlung eines Viertels der Mietskasernen aus der Gründerzeit und des Zille-Milieus auf den Hinterhöfen in einen florierenden Teil der DDR-Hauptstadt mit Industriebetrieben, modernen Volks-Schwimmhallen, Einkaufsstätten, Kindereinrichtungen, großen Neubaukomplexen, dem Thälmann-Park, dem Planetarium, den modernisierten Wohnvierteln um den Arnimplatz. Und das alles während der 20jährigen Bürgermeister-Ära des einstigen Baumaschinisten Harry Gnilka.
Denkzeichen, Mahnmale und Ausstellungen zur Verächtlichmachung der DDR gibt es inzwischen zuhauf – vom „Stein des Anstoßes“ auf dem Friedhof der Sozialisten, von entsprechenden Filmen, Fernsehspielen und verlogenen „Dokumentationen“ ganz abgesehen. In der Bernauer Straße informiert ein „Open-Air- Spektakel“ über die geplante Erweiterung der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ zu einem „zentralen Ort der Erinnerung“. Teilfertigstellung bis zum 9. November 2009, Endtermin 13. August 2011. Eine „Erinnerungslandschaft“ mit Dokumentationszentrum, Informationspavillon, Veranstaltungsräumen, Turm und Aussichtsplattform, Toten-Gedenken in einer Kapelle, Hörfunksendungen per Knopfdruck - Antikommunismus aufs Modernste. Goebbels würde blaß vor Neid! „Hier werden Erfolg und Scheitern der Versuche, der Diktatur durch Flucht in den Westen zu entkommen oder Fluchthilfe zu leisten, dokumentiert“, heißt es im Knabe-Birthler-Jargon.
Skrupellos wird die Lüge kolportiert, die DDR-Grenzsoldaten wären täglich verpflichtet worden, Grenzverletzer „zu vernichten“. Aus in aller Welt üblichen Schußwaffen-Gebrauchsbestimmungen wird der „Schießbefehl“ ...
Durch die „Stasi-Opfer-Gedenkstätte“ in Hohenschönhausens Genslerstraße werden jährlich über 200 000 Besucher geschleppt – Wähler, die auf Einladung von Bundestagsabgeordneten aller Parteien für ein paar Tage kostenlos nach Berlin reisen und dabei ein Pflichtprogramm zu absolvieren haben, Schulklassen, Studenten, Azubis. Gehirnwäsche und ideologische Abrichtung vulgärster Art. Jetzt baut man im Rahmen eines „Architektur-Wettbewerbs“ das Etablissement für 16 Millionen Euro um. All das sind nur Versatzstücke aus der „Gedenkstätten-Förderkonzeption“ der auf Antikommunismus eingeschworenen Bundesregierung. Die Erinnerung an die „beiden deutschen Diktaturen“ – also die Gleichsetzung der sozialistischen DDR mit dem Kriegs- und Mordregime des Hitlerfaschismus – sei „nationale Aufgabe“, geifert Kultur-Staatsminister Neumann (CDU). Aus seinem Budget gehen Millionen Euro an die Brunnenvergifter der „Bundesstiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur“. Das Berliner Alternative Geschichtsforum erklärte, der Titel des Konzepts „Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen“ sollte eher lauten: Geschichtsbild verordnen, kalten Krieg verschärfen, Gräben vertiefen.
Die Absicht ist unverkennbar: Die Erinnerung an den einzigen Staat in der deutschen Geschichte, der keine Kriege führte, seinen Bürgern soziale Geborgenheit von Kindesbeinen bis ins hohe Alter garantierte, Bildung und Gesundheitsfürsorge für alle bereit hielt, soll ausgelöscht werden, um den täglichen Mord unter bundesdeutscher Beteiligung am Hindukusch und anderswo sowie die zunehmende innere Repression, um Ausbeutung und Verelendung von Millionen zu legitimieren.
Vom Klassenfeind, seinen Parteien und seinen Medien etwas anderes zu erwarten als Gift, wäre indes höchst naiv. Die Bourgeoisie wird uns nie verzeihen, daß wir im Osten des Landes über vier Jahrzehnte seine Macht gebrochen, die Kapitalisten enteignet und eine ausbeutungsfreie Gesellschaft aufgebaut haben.
Was aber veranlaßt um Himmels Willen auch Politiker der PDL, Lügen des Gegners, seine Karikatur der DDR-Wirklichkeit, ihren angeblich verordneten Antifaschismus, ihren vermeintlichen wirtschaftlichen Ruin und ihr „stalinistisches Gesellschaftsmodell“ zu bedienen? Anläßlich einer Ehrung des großen deutschen Arbeiterführers Ernst Thälmann sprach Lothar Bisky von dessen „Beitrag zur Stalinisierung der KPD“. Etwas Besseres ist ihm wohl nicht eingefallen. Der Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei, Klaus Lederer, verhinderte, daß ein Papier von PDL-Genossen, die den „Sozialismus des vergangenen Jahrhunderts“ als historisch legitim betrachten, in den Basisorganisationen auch nur zur Diskussion gestellt wurde. Statt dessen werden ein „Konzept der politischen Bildung“ für die Mitglieder erarbeitet, eine Geschichtskommission
gebildet und ein „Lesematerial zur Geschichtsdebatte“ herausgegeben, in dem man erneut den „antistalinistischen Grundkonsens“ beschwört. „Die Geschichte hat“ – so Lederer – „ihr Urteil über den real existierenden Sozialismus gesprochen. Er hat den ‚Kampf der beiden Weltsysteme’ verloren ...“ Das müsse der Ausgangspunkt aller Betrachtungen sein.
Als ob es China, Vietnam, Kuba und den grandiosen Vormarsch der antiimperialistischen Kräfte in Lateinamerika nicht gäbe! Wieso „hat“ die Geschichte ihr Wort bereits gesprochen? Ist der Sozialismus für den Landesvorsitzenden nur noch Vergangenheit? Und noch dazu eine insgesamt „stalinistische“, mithin – nach dieser Diktion – eine verbrecherische? Soll der Sozialismus als Ziel unseres Kampfes schon vor der neuen Programmdiskussion in der PDL aufgegeben werden?
Was hat es eigentlich mit dem Kampfbegriff „Stalinismus“ auf sich? Diese Wortschöpfung wurde inzwischen zum Lieblingsslogan aller Antikommunisten, die damit natürlich nicht so sehr Stalin, sondern den wissenschaftlichen Sozialismus in seiner Gesamtheit und vor allem den Leninismus treffen wollen. In den Augen der „Antistalinisten“ war die Errichtung und Verteidigung einer ausbeutungsfreien sozialistischen Gesellschaft das eigentliche Verbrechen, das gegeißelt werden muß. Dieses Zerrbild der Realität soll die DDR gewesen sein? Da muß ich wohl in einem anderen Land gelebt haben!
Ohne Zweifel wurden Erfolge erzielt und Fehler begangen, darunter auch ernste und schwerwiegende, die wir nicht bagatellisieren dürfen und wollen. Das gleiche gilt für Unzulänglichkeiten und Defizite – und zwar für solche, die wir auch beim besten Willen nicht hätten verhindern können, sowie andere, die selbstverschuldet waren. Aber nicht solcher Fehler wegen hetzt die Meute bürgerlicher Politiker und Medienmacher gegen uns.
Sie richtet das Feuer auf Sozialisten und Kommunisten, weil sie mit gutem Grund befürchtet, daß unsere Sache eben nicht der Vergangenheit angehört, daß Kinder und Enkelkinder von ihren Eltern und Großeltern erfahren, wie im Sozialismus alles wirklich gewesen ist.
Die DDR, deren 60. Gründungstag wir im Oktober 2009 begehen werden, war kein Paradies, aber schon lange keine „Stasi-Hölle“, wie die Kurzformel des Gegners lautet. Sie war ein Staat des Friedens, der Arbeit und des Volkes. Sie war und bleibt das Beste, was die deutsche Geschichte bisher hervorgebracht hat. Deshalb besorgen wir nicht das Geschäft ihrer Feinde. Wenn wir uns ehrlichen Herzens zur Deutschen Demokratischen Republik bekennen, meinen wir nicht die Vergangenheit, sondern ihre in die Zukunft weisende Botschaft.
Dr. Ernst Heinz
Unser Autor war viele Jahre 1. Sekretär der Kreisleitung Prenzlauer Berg und später Sekretär der Bezirksleitung Berlin der SED. Heute ist er Mitglied der Linkspartei und Vorsitzender der RF-Regionalgruppe
Berlin.
© since 1998 by RotFuchs
Ab 1946 „Haus der Einheit“, war es dann Sitz des Parteivorstandes der zur SED vereinten Arbeiterparteien, später wurde hier das Institut für Marxismus-Leninismus angesiedelt. Jetzt will eine britisch-deutsche Investorengruppe aus dem Gebäude einen Klub für Medien- und Geschäftsleute machen. Vor dem Haus steht eine Tafel, auf der es verleumderisch heißt:
„Hier wurden die Übernahme des Stalinschen Parteimodells für die SED vorangetrieben, ‚Säuberungen’ zur innerparteilichen Disziplinierung geplant und politisch begründete Todesurteile gegen Regimegegner angeordnet.“
Die „Bevölkerung der DDR“ habe sich mit dem „Aufstand vom 17. Juni 1953“ zur Wehr gesetzt. Namen von aus politischen Gründen zum Tode Verurteilten können aus gutem Grund nicht genannt werden:
Es gibt sie nämlich nicht!
Leute wie Burianek wurden wegen krimineller Taten gerichtet, und was den „Volksaufstand“ – den ersten
Versuch einer Konterrevolution in der DDR – betrifft: Ich habe in der Nacht vom 16. zum 17. Juni 1953 neben Karl Namokel, der eine Zeitlang den Zentralrat der FDJ leitete, in der Menschenkette gestanden, die untergehakt und dicht an dicht das Haus der Einheit nicht gegen „das Volk der DDR“, sondern gegen brutale Rowdies aus Westberlin verteidigte und ihnen den Zugang verwehrte.
Geht man die Prenzlauer Allee in Richtung Spitze hinauf, so kommt man zu den gelben Backsteinbauten an der Fröbelstraße. Nachdem Pfarrer Eppelmann von der „Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ dort ein „Denkzeichen zur Erinnerung an die Opfer des NKWD und des MfS“ enthüllt und eine Monstershow zur Geschichte der Häuser eröffnet hatte, beschlossen die Pankower Bezirksverordneten, daraus eine Dauerausstellung zu machen.
1889 als Hospital und Siechenheim errichtet, dann Obdachlosenasyl „Die Palme“ und anschließend Sitz einer
Gesundheitsbehörde der Nazis, diente der Komplex nach 1945 der sowjetischen Kommandantur und dem Bezirksamt Prenzlauer Berg, später der Berliner Verwaltung des MfS sowie dem Rat des Stadtbezirks.
Die Ausstellung erfindet einen Folterkeller des NKWD. Tausende „Dissidenten“ seien hier gequält worden. Auf einer Tafel ist von dem seinerzeit 20jährigen Fritz Naujoks die Rede. Er habe in einem Jugendklub ein Spottlied auf Stalin gesungen und sei daraufhin zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im Jahre 2000 habe ihn ein Moskauer Gericht rehabilitiert.
Heute ist das ganze Haus 3 mit einem schwarzen Acrylband umschlungen; darauf kann man Dutzende Fragen lesen, die der Phantasie von Frau Karla Sachse entsprungen sind. Ein paar Proben: „Wer verschwand im Keller? Wann weinten die Männer? Wieviel Nägel ragten aus der Pritsche? Wo stand der Kübel? Wie kalt war die Wand? Was fühlte der geschorene Kopf?“ Die Fragen seien ihr „beim Lesen der Verhörprotokolle“ so eingefallen. ... Aus der Zeit, in der das MfS der Hausherr war, wird in der Ausstellung u. a. der Fall eines Mannes geschildert, der für den Westberliner „Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen“ spioniert hatte. Er wurde verurteilt, dann aber von der BRD freigekauft.
Über die vier Jahrzehnte währende Tätigkeit des Rates des Stadtbezirks Prenzlauer Berg berichten sogenannte Arbeitsbiographien. Wir lesen von einer Mitarbeiterin des Wohnungsamtes, die die „Verlogenheit
in den Parteiversammlungen“ nicht mehr ertragen konnte, aus der SED austrat und zu einem „Aufhebungsvertrag im gegenseitigen Einverständnis“ gezwungen worden sei. ... Schließlich wird noch von der Konstituierung des „Runden Tisches“ im Dezember 1989 berichtet.
Kein Wort fällt über die aufopferungsvolle Arbeit Hunderttausender, die nach der Befreiung vom Faschismus den Schutt aus den Straßen und den Unrat aus den Köpfen räumten, das kommunale Leben wieder in Gang brachten, Hunger, Kälte und Wohnungsnot trotzten, Schulen und Krankenhäuser, Handel und Handwerk arbeitsfähig machten! Kein Wort über Änne Saefkow, die – von der Sowjetarmee aus dem KZ Ravensbrück befreit – erst als Bezirksrätin in Pankow, dann als Bürgermeisterin in Prenzlauer Berg den schweren Anfang bewältigen mußte! Keine Silbe liest man über die Umgestaltung des Stadtbezirks, über die Verwandlung eines Viertels der Mietskasernen aus der Gründerzeit und des Zille-Milieus auf den Hinterhöfen in einen florierenden Teil der DDR-Hauptstadt mit Industriebetrieben, modernen Volks-Schwimmhallen, Einkaufsstätten, Kindereinrichtungen, großen Neubaukomplexen, dem Thälmann-Park, dem Planetarium, den modernisierten Wohnvierteln um den Arnimplatz. Und das alles während der 20jährigen Bürgermeister-Ära des einstigen Baumaschinisten Harry Gnilka.
Denkzeichen, Mahnmale und Ausstellungen zur Verächtlichmachung der DDR gibt es inzwischen zuhauf – vom „Stein des Anstoßes“ auf dem Friedhof der Sozialisten, von entsprechenden Filmen, Fernsehspielen und verlogenen „Dokumentationen“ ganz abgesehen. In der Bernauer Straße informiert ein „Open-Air- Spektakel“ über die geplante Erweiterung der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ zu einem „zentralen Ort der Erinnerung“. Teilfertigstellung bis zum 9. November 2009, Endtermin 13. August 2011. Eine „Erinnerungslandschaft“ mit Dokumentationszentrum, Informationspavillon, Veranstaltungsräumen, Turm und Aussichtsplattform, Toten-Gedenken in einer Kapelle, Hörfunksendungen per Knopfdruck - Antikommunismus aufs Modernste. Goebbels würde blaß vor Neid! „Hier werden Erfolg und Scheitern der Versuche, der Diktatur durch Flucht in den Westen zu entkommen oder Fluchthilfe zu leisten, dokumentiert“, heißt es im Knabe-Birthler-Jargon.
Skrupellos wird die Lüge kolportiert, die DDR-Grenzsoldaten wären täglich verpflichtet worden, Grenzverletzer „zu vernichten“. Aus in aller Welt üblichen Schußwaffen-Gebrauchsbestimmungen wird der „Schießbefehl“ ...
Durch die „Stasi-Opfer-Gedenkstätte“ in Hohenschönhausens Genslerstraße werden jährlich über 200 000 Besucher geschleppt – Wähler, die auf Einladung von Bundestagsabgeordneten aller Parteien für ein paar Tage kostenlos nach Berlin reisen und dabei ein Pflichtprogramm zu absolvieren haben, Schulklassen, Studenten, Azubis. Gehirnwäsche und ideologische Abrichtung vulgärster Art. Jetzt baut man im Rahmen eines „Architektur-Wettbewerbs“ das Etablissement für 16 Millionen Euro um. All das sind nur Versatzstücke aus der „Gedenkstätten-Förderkonzeption“ der auf Antikommunismus eingeschworenen Bundesregierung. Die Erinnerung an die „beiden deutschen Diktaturen“ – also die Gleichsetzung der sozialistischen DDR mit dem Kriegs- und Mordregime des Hitlerfaschismus – sei „nationale Aufgabe“, geifert Kultur-Staatsminister Neumann (CDU). Aus seinem Budget gehen Millionen Euro an die Brunnenvergifter der „Bundesstiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur“. Das Berliner Alternative Geschichtsforum erklärte, der Titel des Konzepts „Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen“ sollte eher lauten: Geschichtsbild verordnen, kalten Krieg verschärfen, Gräben vertiefen.
Die Absicht ist unverkennbar: Die Erinnerung an den einzigen Staat in der deutschen Geschichte, der keine Kriege führte, seinen Bürgern soziale Geborgenheit von Kindesbeinen bis ins hohe Alter garantierte, Bildung und Gesundheitsfürsorge für alle bereit hielt, soll ausgelöscht werden, um den täglichen Mord unter bundesdeutscher Beteiligung am Hindukusch und anderswo sowie die zunehmende innere Repression, um Ausbeutung und Verelendung von Millionen zu legitimieren.
Vom Klassenfeind, seinen Parteien und seinen Medien etwas anderes zu erwarten als Gift, wäre indes höchst naiv. Die Bourgeoisie wird uns nie verzeihen, daß wir im Osten des Landes über vier Jahrzehnte seine Macht gebrochen, die Kapitalisten enteignet und eine ausbeutungsfreie Gesellschaft aufgebaut haben.
Was aber veranlaßt um Himmels Willen auch Politiker der PDL, Lügen des Gegners, seine Karikatur der DDR-Wirklichkeit, ihren angeblich verordneten Antifaschismus, ihren vermeintlichen wirtschaftlichen Ruin und ihr „stalinistisches Gesellschaftsmodell“ zu bedienen? Anläßlich einer Ehrung des großen deutschen Arbeiterführers Ernst Thälmann sprach Lothar Bisky von dessen „Beitrag zur Stalinisierung der KPD“. Etwas Besseres ist ihm wohl nicht eingefallen. Der Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei, Klaus Lederer, verhinderte, daß ein Papier von PDL-Genossen, die den „Sozialismus des vergangenen Jahrhunderts“ als historisch legitim betrachten, in den Basisorganisationen auch nur zur Diskussion gestellt wurde. Statt dessen werden ein „Konzept der politischen Bildung“ für die Mitglieder erarbeitet, eine Geschichtskommission
gebildet und ein „Lesematerial zur Geschichtsdebatte“ herausgegeben, in dem man erneut den „antistalinistischen Grundkonsens“ beschwört. „Die Geschichte hat“ – so Lederer – „ihr Urteil über den real existierenden Sozialismus gesprochen. Er hat den ‚Kampf der beiden Weltsysteme’ verloren ...“ Das müsse der Ausgangspunkt aller Betrachtungen sein.
Als ob es China, Vietnam, Kuba und den grandiosen Vormarsch der antiimperialistischen Kräfte in Lateinamerika nicht gäbe! Wieso „hat“ die Geschichte ihr Wort bereits gesprochen? Ist der Sozialismus für den Landesvorsitzenden nur noch Vergangenheit? Und noch dazu eine insgesamt „stalinistische“, mithin – nach dieser Diktion – eine verbrecherische? Soll der Sozialismus als Ziel unseres Kampfes schon vor der neuen Programmdiskussion in der PDL aufgegeben werden?
Was hat es eigentlich mit dem Kampfbegriff „Stalinismus“ auf sich? Diese Wortschöpfung wurde inzwischen zum Lieblingsslogan aller Antikommunisten, die damit natürlich nicht so sehr Stalin, sondern den wissenschaftlichen Sozialismus in seiner Gesamtheit und vor allem den Leninismus treffen wollen. In den Augen der „Antistalinisten“ war die Errichtung und Verteidigung einer ausbeutungsfreien sozialistischen Gesellschaft das eigentliche Verbrechen, das gegeißelt werden muß. Dieses Zerrbild der Realität soll die DDR gewesen sein? Da muß ich wohl in einem anderen Land gelebt haben!
Ohne Zweifel wurden Erfolge erzielt und Fehler begangen, darunter auch ernste und schwerwiegende, die wir nicht bagatellisieren dürfen und wollen. Das gleiche gilt für Unzulänglichkeiten und Defizite – und zwar für solche, die wir auch beim besten Willen nicht hätten verhindern können, sowie andere, die selbstverschuldet waren. Aber nicht solcher Fehler wegen hetzt die Meute bürgerlicher Politiker und Medienmacher gegen uns.
Sie richtet das Feuer auf Sozialisten und Kommunisten, weil sie mit gutem Grund befürchtet, daß unsere Sache eben nicht der Vergangenheit angehört, daß Kinder und Enkelkinder von ihren Eltern und Großeltern erfahren, wie im Sozialismus alles wirklich gewesen ist.
Die DDR, deren 60. Gründungstag wir im Oktober 2009 begehen werden, war kein Paradies, aber schon lange keine „Stasi-Hölle“, wie die Kurzformel des Gegners lautet. Sie war ein Staat des Friedens, der Arbeit und des Volkes. Sie war und bleibt das Beste, was die deutsche Geschichte bisher hervorgebracht hat. Deshalb besorgen wir nicht das Geschäft ihrer Feinde. Wenn wir uns ehrlichen Herzens zur Deutschen Demokratischen Republik bekennen, meinen wir nicht die Vergangenheit, sondern ihre in die Zukunft weisende Botschaft.
Dr. Ernst Heinz
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Unser Autor war viele Jahre 1. Sekretär der Kreisleitung Prenzlauer Berg und später Sekretär der Bezirksleitung Berlin der SED. Heute ist er Mitglied der Linkspartei und Vorsitzender der RF-Regionalgruppe
Berlin.
© since 1998 by RotFuchs
Tags für diesen Artikel: birthler, ddr, goebbels, kapitalismus, knabe, kommunismus, osten, pds, rotfuchs, sozialismus, stalinismus, thälmann, westen
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SaarBreaker am
05/26/09 um 10:19
Wie sie die DDR erfinden
Mit freundlicher Genehmigung durch den Redaktionsleiter der Zeitschrift RotFuchs, Dr. Klaus Steiniger, am 25. Mai 2009 Ausgabe 132 Extra: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt Am 25. Juli 2008 stellte der „Forschungsverbund SED-Staat“ der Freien... ...
Mit freundlicher Genehmigung durch den Redaktionsleiter der Zeitschrift RotFuchs, Dr. Klaus Steiniger, am 25. Mai 2009 Ausgabe 132 Extra: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt Am 25. Juli 2008 stellte der „Forschungsverbund SED-Staat“ der Freien... ...



















gerne hinweise. Und ich kenne dieses Gefühl auch nicht, daß Menschen sich nicht gebraucht oder überflüssig vorkamen.
Behalten wir diese großen Unterschiede dankbar und anerkennend im Gedächnis.
Aber solange ehem. Republikflüchtlinge jene mit einem positiven Bezug zur DDR umkrempeln wollen, sie zu Betrügern wie einem Ricardo Fonseca schicken,
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0707/none/0127/index.html
der mit Hartz-IV-Opfern Gedenkstätten an DDR-Opposition aufbauen hat lassen, öffentliche Gelder privat veruntreut, wird es weiter Steine des Anstoßes geben. Ich habe selbst in meinem Artikel über M. Gorbatschow darauf hingeweisen, wie dieser neulich sagte, alle Beteiligten an dem, was 89 abgelaufen ist, waren informiert, haben davon profitiert. Manche Fragen erübrigen sich von selbst.
Aber eines ist sicher: Alle diese üblen Lügen, Verdrehungen, Halbwahrheiten, Verunglimpfungen, die heute über diesen einstigen zweiten deutschen Staat,seine Gesellschaft, welche sich als sozialistisch verstand bzw. als solche ausgegeben wurde, dienen in keinster Weise auch nur ansatzweise einer Aufklärung über diesen Staat,seinen Ursprüngen, seinen Zielen, seinen Resultaten. Sie dienen aber um so mehr dazu, den heutigen Ausbeuter(Klassen)staat samt seinen politischen und wirtschaftlichen "Eliten"mit allen seinen in Paragraphen gegossenen Unrecht zu verteidigen, zu beschönigen.., quasi "heilig" zu sprechen.
Wer heute noch die einstige DDR ohne Sinn, Wissen und Verstand "verurteilt" tut im Grunde damit nichts anderes als den heutigen "Eliten" genüßlich die dreckigen stinkenden (Ausbeuter)Ärsche abzuschmatzen!
Und was noch "schöneres" können sie sich wünschen, gerade in diesen Zeiten?
Und was haben wir uns damals (in der Wendezeit) aufgeregt über die Privilegien derer in Wandlitz. Und heute, die Privilegien der heutigen Politiker, Manager u.s.w. das ist sowas von Normal, das wird einfach geschluckt - das ist halt so!
Und das diese Leute (also die sogenannten "Leistungsträger") die DDR (schon der Schwachsinn "ehemalige DDR" - redet jemand von "ehemaligen Römischen Reich" oder vom "ehemaligen Preußen"?) verteufeln ist doch klar - wäre ja noch schöner, wenn in der DDR igendetwas gut gewesen wäre. Es kann nicht sein was nicht sein darf!
Der obige Artikel gießt Wasser auf die Mühlen derer die wirklich die Macht haben und deren Devise heißt "Teile und herrsche".
"Dem Deutschen Volke" steht auf dem Reichstag. Heute, über 60 Jahre nach dem Krieg, muß man das Wort "Volk" so schreiben: "Folg". "Folg" sind jene, die folgen. Die meisten sind immer noch in ihrer einstigen Dressur verfangen, und die viele haben keine Meinung mehr, die folgen nur der Konsumpflicht und der Werbung. Aus diesem Dilemma kann man sich nur mit seinem Folg lösen, jenen, die endlich die Manipulation hinter sich lassen und nicht mehr die alten Machtspiele mitmachen.
Bessert euch!
Gruß, EO
Die größte Fraktion im Bundestag stellten über Jahre die NS-Täter und Mittäter, in der Wirtschaft hatten sich die Wehrwirtschaftsführer wieder etabliert, im Gesundheitswesen war es nicht hinderlich als begeisterter Anhänger der Rassenkunde und der "Euthanasie sich im NS-Staat hervorgetan zu haben, in den Schulen der Adenauer-Republik verplapperten sich immer wiede Lehrer, die von "Volksschädlingen" schwafelten und die wenigen Antifaschisten sahen sich wieder mit den gleichen Staatsanwälten und Richtern konfrontiert, die sie einst in's KZ geschickt hatten.
Die überlebenden Widerstandskämpfer, die u.a. den Schwur von Buchenwald ernst nahmen, eine verschwindend kleine Minderheit in Deutschland, die sich daran machten, die NS-Täter zur Rechenschaft zu ziehen, die waren es, die der DDR ihre moralische Legitimation gaben.
Es war nicht das deutsche Volk, welches Nazi-Deutschland zerschlug, das waren die Allierten und den höchsten Blutzoll dabei leistete Rote Armee. Kein einziger deutscher Offizier, kein einziger der Menschenschinder mußte seine Landsleute fürchten und kein einziger Nazi endete wie in Italien Mussoline und seinesgleichen und die Täter, die in Nürnberg dem Galgen entgingen wurden schon nach kurzer Zeit wieder aus der Haft entlassen.
Die DDR war eine Diktatur und der Antifaschismus "verordnet" - ohne Zweifel. Was aber war die BRD? "Die Allierten legten den (Bundes)Deutschen die Demokratie als Strafe auf" (Hans-Magnus Enzensberger), so wurde es empfunden und die Strafe nur widerwillig angenommen.
Man kann guten Gewissen die Aussage machen, nicht trotz sondern wegen der NSDAP-Mitgliedschaft, nicht trotz sondern wegen der SS-Mitgliedschaft und nicht trotz sondern wegen der Mitgliedschaft im "Freundeskreis Heinrich Himmler" wurden in der BRD Karrieren gemacht.
Einzig und allein der Biologie ist zu verdanken, daß mit dem Ablebens Filbingers der letzte Nazi-Täter aus dem öffentlichen Leben verschwand. Filbinger, dessen Stimme dem jetzigen Bundespräsidenten willkommen war - die Größe, sich die Stimme des "furchtbaren Juristen" zu verbeten, hatte Horst Köhler nicht.
Den "Vätern der BRD" und denen, die sich auf sie berufen glaube ich kein einziges Wort. Kein einziges Wort dem dicken Kohl, der sich nicht scheute den Nazi-Schriftsteller Ziesel mit nach Israel zu nehmen, der dort von der "Späten Geburt" schwafelte und, der den amerikanischen Präsidenten nötigte der SS in Bitburg seine Referenz zu erweisen. Der dicke Kohl, der ausdrücklich sich als Nachfolger, als "Enkel" Adenauers sah, Adenauers, dessen Kabinett und Partei von NS-Größen durchsetzt war.
Da war der 17 Juni. Dazu sagte Wolf Biermann, als er noch klüger war und nicht zum wüsten Antikommunisten mutierte: "Dieser Aufstand hatte einen gefährlichen Januskopf, schon ein demokratischer Arbeiteraufstand und noch eine faschistische Erhebung". Und weiter fuhr er fort: "Wäre ich in Berlin gewesen, ich hätte, mit Tränen in den Augen, die Mütze gezogen und die sowjetischen Panzer begrüßt".
Diese Mischung aus berechtigtem Zorn und noch vorhandenen Faschismus, verbunden mit den Provokationen westlicher Geheimdienste, wurde hervorragend von Stephan Heym in seinem Buch "7 Tage im Juni" beschrieben.
Diesem 17. Juni widmet Victor Klemperer in seinem Tagebuch "Schon wieder sitze ich zwischen allen Stühlen" nur wenige Zeilen, die allerdings sprechen von einem ihm sattsam bekannten Pöbel, das verbunden mit der Angst, daß dieses wieder die Juden trifft.
Die beiden deutschen Völkchen waren sich ähnlicher als heute zugegeben wird.
Berichtete Heinz Eggert tränenreich von seinen schrecklichen Erlebnissen in der Psychiatrie, in der er mit einer schizophrenen Psychose einsaß, so stellte sich schnell heraus, daß der Standart bundesdeutscher Krankenhäuser nicht anders war (ist?).
In gleicher Weise das "Ersäufen von Frühchen" in bereitgestellten Eimern in den DDR-Kreissälen, auch hier bundesdeutsch nichts anderes.
Für richtigen Wirbel sorgten dann die "aufgedeckten" Mißstände in den Jugendwerkhöfen, jetzt meldeten sich nämlich die Opfer der kirchlichen Kinderheim im Westen zu Wort. Ausführlich berichtet der Spiegel-Autor Peter Wensierski in seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn" darüber. Auf Drängen der Opfer hat sich mittlerweile der Petitions-Ausschuß des Bundestages beschäftigt und dem zuständigen Ministerium empfohlen, einen Entschädigungsfont einzurichten. Zuständig ist die sattsam bekannte Zensursula, die aber mauert. Warum wohl?
Es war ein tollkühnes Experiment der Antifaschisten, den antifaschistischen Staat aufzubauen. Aufzubauen, nachdem die Errichtung eines "Demokratischen, neutralen und einigen Deutschlands" an den Intrigen Adenauers scheiterte, die "Finnlandisierung". Diese Verunglimpfung Finnlands wird dort den Deutschen immer noch übel genommen.
Das Experiment ging gründlich schief. Es mißlang, weil dem antifaschistischen Staat, nicht anders als dem mit "der zur Strafe auferlegten Demokratie" die Demokraten fehlten, der Antifaschismus "verordnet" bleiben mußte. Es wurden der Fehler viele gemacht, vermeidbare und unvermeidbare. Vermeidbar sicher der Rassismus. Was im Westen die Türken waren, das im Osten die "Fidschis" oder die "Polacken, die die Läden leerkaufen". Ob nun die sozialen Errungenschaften einer Diktatur von Relevanz sind, das mag bezweifelt werden. Platz für demokratische Experimente war wenig vorhanden, der Warschauer Pakt immer tödlich bedroht, das wird schnell vergessen.
Daß aber eine durchgeknallte Kunstgewerblerin, die in ihrer Stasi-Akte allerlei Fieses vorfand sich nicht entblödete, von "Einem Auschwitz in den Seelen" zu faseln und niemand aus der Heulsusengemeinschaft in der Birthler-Behörde ihr den Stinkefinger zeigt, das offenbart die ganze Lüge des neuen Groß-Deutschlands.
Sehr geehrter Herr Schulte-Vogelheim,
ich stimme Ihnen zu, das es den DDR-Regierenden von ihrer moralischem Einstellung her sicher ernst war mit dem Antifaschismus. Ich bin aber auch der Meinung, das es in den Gründungsjahren der SED viele rotlackierte Faschisten gegeben haben muss. Die können sich 1946 bei SED-Gründung nicht alle in Luft aufgelöst haben. Also mit dem staatlich verordneten Antifaschismus á la DDR ist das auch eine sehr bedenkliche Sache.
http://www.antifa-nazis-ddr.de/n/10019451.012.php
Ich bin ein Kind dieser DDR, 1950 gebohren.
Mein Vater wurde 1953 wegen Steuerhinterziehung angeklagt und eingesperrt.
Beweise waren Kaufverträge ohne Unterschriften wonach er eben tausende von Mark illegal und unversteuert eingenommen habe !
Tatsache war, dass man sein Fuhrunternehmen zur Errichtung des VEB Kraftverkehr in unserer Heimatstadt brauchte !
Ich selbst wurde wegen versuchter Republikflucht im Alter von 16 Jahren mit Knebelkette vor Gericht gezerrt und erhielt 1 Jahr und 3 Monate ohne Bewährung.Die saß ich bis zur letzten Stunde ab.
Der Staatsanwalt hielt bei der Verhandlung (es waren Schulklassen zugegen) mein mitgeführtes Taschenmesser in die Höhe, lief damit vor den Schülern theatralisch auf und ab und sprach dramatisch:"Diese Waffe führte der Angeklagte bei sich, um einen Grenzposten der DDR oder einen Wachhund der Grenztruppen lautlos zu töten !"
Auf meiner Reise durch verschiedene Zuchthäuser der DDR lernte ich viele gleichaltrige und auch ältere Menschen kennen, denen ähnliches widerfahren war.
Ich verachte diese dafür verantwortlichen DDR-Oberen und deren Helfer von ganzem Herzen und möchte nie wieder in einer DDR leben müssen !