Auf den ersten Blick mag diese "Erziehungsmaßnahme" eine "gutgemeinte" Idee sein. Über einen möglichen Mißbrauch dieses "Kartensystems" sollte man sich aber dennoch im Klaren sein. Dies gilt nicht nur für den Mißbrauch durch Lehrkräfte, sondern auch durch den Mißbrauch dieses Systems seitens der Schüler und Schülerinnen. Zum einen ist es der Lehrkraft jeder Zeit möglich eine Unterrichtsstörung selbst zu definieren, zum anderen können Schüler das Austeilen von Karten provozieren um einen bewussten Ausschluß vom Unterricht herbeizuführen. Beides wird beinahe täglich in deutschen Schulen festgestellt.
Schüler "quatschen" nicht nur Unterrichtsfernes während der Schulstunde, sondern sie helfen sich auch gegenseitig, was bei den Lehrkräften dann aber nicht als solches wahrgenommen, sondern als Störung empfunden wird. Es kommt mehrfach vor, dass Schüler für diese "Hilfe" mit "Gelben Karten" gemaßregelt werden. Auch werden "Rote Karten" schon mal vergeben, wenn ein 1. Klässler sein Sportzeug nicht mit in die Schule gebracht hat. Wobei man ganz klar fragen muss ob, auf Grund des Alters vom Schulkind, dafür die Eltern nicht vielleicht eher eine "Rote Karte" verdient hätten.
Im umgekehrten Fall provozieren ältere Schüler bisweilen den Unterricht verlassen zu können - aus welchen Gründen auch immer.
Sicherlich ist es wichtig, dass Lehrer und Lehrerinnen eine gewisse Diziplin im Unterricht durchsetzen. Die Wahl der Mittel und die korrekte Einschätzung diese Mittel auch gerecht und vor allem "gerechtfertigt" einzusetzen ist nicht einfach. Um Mißverstände aus dem Weg zu räumen bedarf es des Gespräches und dieses kann in den meisten Fällen nicht stattfinden, wenn es dem Schüler nicht gestattet ist dies zu tun. Beim Erhalt einer "Gelben Karte" wurde dem Schüler bereits ein Redeverbot auferlegt, so das es zu keiner sofortigen Klärung kommen kann.
Eine andere - weitaus förderlichere - Maßnahme wäre, die Schüler und Schülerinnen entsprechend zu motivieren am Unterricht regelkonform teilzunehmen. Dies kann zum Beispiel durch die Ankündigung der Minimierung von Hausaufgaben geschehen, oder aber durch die Vergabe von "Zusatzpunkten" die dann am Ende des Schuljahres in die Bewertung des "Sozialverhalten" einfließen. Schüler brauchen nicht nur Strafmaßnahmen, sondern insbesondere auch "Lob" und "Ansporn". Durch das Bestrafungssystem wird ihnen weiterhin der Spaß am Unterricht genommen. Das "Kartensystem" ist kontraproduktiv, schränkt einen vernünftigen Diskurs ein und beschneidet auch "soziale" Erungenschaften wie zb. das gegenseitige Helfen.
Zur Erinnerung, damals gab es das zweifelhafte Ehrenamt des Klassendenunzianten, ein vertrauenswürdiger Schüler stand in Abwesenheit des Lehrers an der Tafel und schrieb störende Klassenkameraden auf.
Das Schlimme, dieses Ehrenamt war beliebt, jeder, auch ich, hätte es im Lehrersinn ausgeführt.
Das Gute, es gab Schüler, darunter auch ich, die als nicht vertrauenswürdig, damit unfähig zur Denunziation, angesehen wurde.
Das Problem hast Du aber richtig erkannt. Eine Kommunikation zwischen den Generationen findet nicht mehr statt. Die rote und die gelbe Karte diente damals dem überwinden von Kommunikationsproblemen in internationalen Spielen auf windigen Spielfeldern. Somit ist das Kartensystem nur konsequent für die Schule und sollte schnellstmöglich eingeführt werden.
bereits mehrfach hat Duckhome das "Schulsystem" in Artikeln aufgegriffen und verurteilt. Was uns aber nicht davon abhält auch weiterhin über diverse Probleme in Schulen zu berichten.
Am Ende wird aber auch eine Berichterstattung darüber wenig hilfreich sein, wenn wir weiterhin unsere Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass sich jemand dieser Thematik annimmt.
Auch in diesem Jahr finden bundesweit Schulstreiks statt. Eine gute Gelegenheit sich mit unseren Kindern, aber auch mit vielen Lehrern, solidarisch zu zeigen.
Und gerade um dieses Mißverhältnis in seiner absoluten Bedeutung ging es mir.
Übrigens habe ich gegen Schulstreiks gar nichts einzuwenden, sie könnten bei ausreichender Solidarität aus anderen Gruppen der Gesellschaft sogar erfolgreich sein.
Denken wir nur an die Massenproteste von Schülern, Studenten und so vielen Unterstützern vor einigen Jahren in Frankreich, als das französische Zentralabitur abgeschafft werden sollte, und wie schnell damals dieser Präsident Chirac seinen MP zurückpfiff, einen Rückzieher machte!
Aber d a s war eben anderswo.......
Wenn sich zwei Schüler während der Schule treffen wollen, aber nicht wollen, das die Eltern das erfahren (vielleicht weil der eine Teil mosaischen Glaubens ist und der andere christlich oder gar muslimisch), bietet sich das Kartensystem gerade zu dafür an, ein Treffen zu provozieren!
Andererseits, und jetzt kann sich mein Zynismus vollends ausleben: Wer von euch kennt einen gerechten Lehrer aus seinen Schultagen? Und wer hängt dem Gedanken an, das es Jemals gerechte Lehrer gegeben hat?
Ich empfehle da meine Idee, die ich auch im Fußballsport endlich eingesetzt sehen möchte: Keine gelben oder roten Karten mehr! Wenn ein Spieler auf dem Feld Mist baut, Schrotgewehr raus und der SchiRi knallt ihn ab! Das ist kurz und schmerzlos und die sich vor ihrer Arbeit (per Krankenschein und angeblicher Verletzung) drückenden Sportler werden solange spielen, bis sie wortwörtlich auf dem Sportplatz sterben!
Das gleiche System in der Schule und man hat nur noch Kids, die absolut systemhörig sind - wie in "1984"! Also jeder Unruhestörer wird nach dem zweiten Stören abgeknallt! Dann gibt sich das Problem!
Und diese Maßnahme würde ich zuerst an den Gymnasien unseres Landes testen, wo die Elite ihren Unterricht nimmt. 2 Jahre auf Probe (natürlich auch in den Privatschulen zuerst, die behaupten, das bei ihnen so was nicht vor kommt). Dann wenden wir das System auch bei der Allgemeinheit an!
Ich gehe jede Wette ein, die Kinder unserer Schweine, sry, herrschenden Elite, begehen keinerlei Vergehen im Unterricht! Und wenn, dann nur diejenigen, deren Familien eigentlich aus der Unterschicht stammen und sich durch Betrug hochgearbeitet haben!
Dann wäre endlich das Problem gelöst! Vollständig!
- Sarkasmus & Zynismus off -
MfG
hast Du mal von Deschooling gelesen. Guck mal in der Wikipedia. Deschooling ist für mich als Vater das Schärfste, was mir je passiert ist. 100% Zensursula-Frei. Und ohne fußballerische Erziehungsmittel. :)
Vielleicht lohnt es sich mal damit zu befassen, anstatt immer diese beknackten Schulstreiks mit den Forderungen der Lehrergewerkschaft.
Also De-school-ing und De-ursula-ing.
http://www.youtube.com/watch?v=WlBiLNN1NhQ
so is dat nun mal.
ich hoffe, ich hab den sozialen frieden nich angerührt- zu fingsten!
ja, ja.
http://www.youtube.com/watch?v=u-8pUVkrzwo
ach...?