Menschen, vom Protest zum 'Widerstand' zu führen, war für Ulrike ernsthaftestes Ziel linker Politik. [¹]
Von Anja Röhl am 15.09.2007 auf KomInform
Auszug:
Warum werden in den Zeiten des sozialen Massenelends, in den Zeiten neuer Kriege um Rohstoffe, in den Zeiten staatlich geschönter Massenmorde im Irak und in Afganistan gerade die Taten der RAFler derart verteufelt, daß schon das Sprechen über sie, das Nachdenken über sie, der Wille, ihnen Achtung entgegenzubringen, als Verbrechen gilt?
Tabuisiert wird die Einstellung der RAFler, die eine andere, gerechtere Welt nicht nur wollten, sondern bereit waren, dafür auch konsequent einzutreten, daß sie unbestechlich waren, als man ihnen sonst was versprach, daß sie kämpften, als man versuchte, sie zu brechen, daß sie standhielten, als man sie mürbe zu machen versuchte. Das macht Menschen, die am Boden liegen, Mut. Man denke nur: Acht Millionen Arbeitslose, die sich plötzlich trauen, ihre eigene Gesellschaft aufzubauen.
Anja Röhl, Tochter von Klaus Rainer Röhl aus erster Ehe. Ihre Geschwister sind die Zwillinge Regine und Bettina Röhl, die Kinder Ulrike Meinhofs. Als diese auf die Welt kamen, war Anja sieben Jahre alt.
Degenhardt: Ich habe den bewaffneten Kampf hier, in der Bundesrepublik, immer für falsch gehalten. Aber es ging mir darum zu verstehen, wie in dieser Umbruchsituation damals Genossen und Genossinnen zu einer ganz anderen Analyse kommen konnten. Ich nehme diese Auseinandersetzung auf meiner neuen Platte in dem Lied "Botschaft an eine Enkelin" auf, da wird dann auch deutlich, daß es viele Gemeinsamkeiten in der Einschätzung der Lage gibt: Die Bestienhaftigkeit des Imperialismus, das Wissen darum, daß er bekämpft werden muß und nicht durch Reformen seine Qualität ändert. Das muß heute, wo sich so viele schnell und hastig distanzieren, erinnert werden. Und wenn unsere Urenkel dereinst einen erfolgreichen Kampf führen werden, würde ich mich freuen, wenn es den einen oder anderen "Ulrike-Meinhof-Platz" gäbe
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