In der BRD angekommen?
Mit freundlicher Genehmigung durch den Redaktionsleiter der Zeitschrift RotFuchs, Dr. Klaus Steiniger
Ausgabe 137:
Ideologisch nackt und entwaffnet
Wenn die selbsternannten Eliten der BRD von früheren DDR-Bürgern verlangen, sie müßten endlich im Staat der Hundts und Ackermanns „ankommen“, dann ist das blanker Hohn. In Wirklichkeit meinen sie ja etwas ganz anderes: Die „Ostler“ sollten sich – ideologisch nackt und entwaffnet – zum als „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ mit „sozialer Marktwirtschaft“ verklärten kapitalistischen System bekennen. Das fordert man übrigens seit Jahr und Tag auch von all jenen im Westen, welche ebenfalls niemalsin dieser Gesellschaft brutalster Ausbeutung der meisten und schamlosester Bereicherung weniger angekommen sind.
Es wäre grotesk gewesen, Max Reimann oder Herbert Mies so etwas anzutragen! Worum geht es? Ohne Zweifel handelt es sich um den Kern der Dinge: die Klassenfrage. Sie eindeutig beantworten zu können, erfordert mehr als gesunden Menschenverstand. Der Kompaß, der aus dem Labyrinth herausführt, heißt Klassenbewußtsein.
Natürlich stellen wir uns der Realität, wider Willen Bürger der BRD geworden zu sein. Deren Staatsmacht aber haben wir aus gutem Grund stets als die politische Herrschaft unserer Klassenfeinde betrachtet. Wir halten uns indes an das geltende Recht, wobei wir wissen, daß auch dieses nur der zum Gesetz erhobene Wille der herrschenden Klasse der BRD ist. Da wir nicht zu den Träumern gehören, ziehen wir das Geflecht seiner oftmals gegen uns gerichteten Normen nüchtern ins Kalkül. Denn Staat und Recht der DDR, die objektiv auch den Interessen der Arbeitenden im Westen entsprachen, sind mit der Konterrevolution von 1989/90 untergegangen. Die nicht zuletzt durch eigene Schuld erlittene schwere Niederlage der sozialistischkommunistischen Kräfte Europas, vor allem aber die dabei verspielte historische Chance werden
uns noch lange zu schaffen machen.
Wir wenden uns gegen alle Versuche, das niemals zu einer wirklichen Verfassung gewordene Provisorium Grundgesetz noch weiter auszuhöhlen. Das Paradoxe der Situation besteht darin, daß jene, welche im bundesdeutschen Kapitalismus gar nicht politisch „ankommen“ wollen, angesichts der wachsenden Bedrohung der bürgerlichen Demokratie zu deren entschiedensten Verteidigern geworden sind.
Wir wären unredlich, würden wir behaupten, die Mehrheit der früheren DDR-Bürger und der überwältigende Teil der Alt-BRDler identifiziere sich nicht mit dem bestehenden System. Wir sehen uns vielmehr mit der Tatsache konfrontiert, daß eine Überzahl Ausgebeuteter in diesem Land derzeit kein Klassenbewußtsein besitzt. Ein dadurch blinder und tauber Proletarier aber wird zum Spielball sozialer und politischer Korrumpierbarkeit.
Auch ein anderer Faktor trägt zur Nichtentwicklung oder Verkümmerung von Bewußtheit bei:
Trotz aller Verelendungs- und Krisenzeichen lebt die Mehrheit der deutschen Lohnabhängigen noch immer auf dem Niveau der internationalen Arbeiteraristokratie. So werden zwar ökonomische Konflikte ausgetragen, ein politischer Generalangriff auf die Festen des Kapitals aber erscheint vorerst wenig wahrscheinlich. Es fehlt eine massengestützte revolutionäre Partei.
Wie verhält es sich nun mit dem „Ankommen“ der Ostdeutschen in der BRD? Auch in dieser Hinsicht darf man keine Illusionen haben: Es mangelt nicht an Angepaßten und Mantelwendern. In der aufgeschwemmten, inhaltlich immer mehr verwässerten Massenpartei der 2,3 Millionen SED-Mitglieder gab es dafür zunehmend einen Nährboden. Die glitzernde BRD-Scheinwelt mit ihrem Überangebot an Waren trug dazu bei, breite Bevölkerungsschichten der bürgerlichen Sichtweise zuzuführen. Die Wahlergebnisse seit dem März 1990 widerspiegeln das. Menschen ohne tiefere Wurzeln im Sozialismus, vor allem Jüngere, haben sich als manipulierbar erwiesen.
Dennoch blieben bei vielen wichtige Erkenntnisse bewahrt. So schrieb Jens Müller aus Nordhausen in „Neuland“:
Besonders Ältere haben inzwischen etliche Anfangsillusionen über Bord geworfen. Und viele von jenen, welche ideologisch fast schon in der BRD gestrandet waren, durchschauen unterdessen die hohlen Versprechungen. Sie zweifeln an früheren Überlegungen und manchen voreiligen Schlüssen.
Für uns Kommunisten, Sozialisten und andere Linksgesinnte aber gilt: Wir werden den Machthabern der BRD nicht ins Netz gehen, bleiben wir doch nach gewissenhafter Bilanzierung von Plus und Minus der Erfahrungen mit Sozialismus und Kapitalismus unverrückbar bei den fundamentalen Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin. Wie könnten wir da ausgerechnet bei Merkel, Westerwelle, Steinmeier oder Seehofer unser Heil suchen?
In der BRD angekommen?
Die Frage beantwortet sich für uns wohl von selbst.
Klaus Steiniger
© since 1998 by RotFuchs
uns noch lange zu schaffen machen.
Wir wenden uns gegen alle Versuche, das niemals zu einer wirklichen Verfassung gewordene Provisorium Grundgesetz noch weiter auszuhöhlen. Das Paradoxe der Situation besteht darin, daß jene, welche im bundesdeutschen Kapitalismus gar nicht politisch „ankommen“ wollen, angesichts der wachsenden Bedrohung der bürgerlichen Demokratie zu deren entschiedensten Verteidigern geworden sind.
Wir wären unredlich, würden wir behaupten, die Mehrheit der früheren DDR-Bürger und der überwältigende Teil der Alt-BRDler identifiziere sich nicht mit dem bestehenden System. Wir sehen uns vielmehr mit der Tatsache konfrontiert, daß eine Überzahl Ausgebeuteter in diesem Land derzeit kein Klassenbewußtsein besitzt. Ein dadurch blinder und tauber Proletarier aber wird zum Spielball sozialer und politischer Korrumpierbarkeit.
Auch ein anderer Faktor trägt zur Nichtentwicklung oder Verkümmerung von Bewußtheit bei:
Trotz aller Verelendungs- und Krisenzeichen lebt die Mehrheit der deutschen Lohnabhängigen noch immer auf dem Niveau der internationalen Arbeiteraristokratie. So werden zwar ökonomische Konflikte ausgetragen, ein politischer Generalangriff auf die Festen des Kapitals aber erscheint vorerst wenig wahrscheinlich. Es fehlt eine massengestützte revolutionäre Partei.
Wie verhält es sich nun mit dem „Ankommen“ der Ostdeutschen in der BRD? Auch in dieser Hinsicht darf man keine Illusionen haben: Es mangelt nicht an Angepaßten und Mantelwendern. In der aufgeschwemmten, inhaltlich immer mehr verwässerten Massenpartei der 2,3 Millionen SED-Mitglieder gab es dafür zunehmend einen Nährboden. Die glitzernde BRD-Scheinwelt mit ihrem Überangebot an Waren trug dazu bei, breite Bevölkerungsschichten der bürgerlichen Sichtweise zuzuführen. Die Wahlergebnisse seit dem März 1990 widerspiegeln das. Menschen ohne tiefere Wurzeln im Sozialismus, vor allem Jüngere, haben sich als manipulierbar erwiesen.
Dennoch blieben bei vielen wichtige Erkenntnisse bewahrt. So schrieb Jens Müller aus Nordhausen in „Neuland“:
„Hätte ich die DDR nicht bewußt erlebt, dann hätte ich mich besser mit dem Kapitalismus arrangieren können. Aber meine sozialen und politischen Sinne waren geschärft. Was wir in der DDR in Staatsbürgerkunde und ML über dieses wunderschöne kapitalistische System gelesen und gelernt haben, war völlig richtig.“
Besonders Ältere haben inzwischen etliche Anfangsillusionen über Bord geworfen. Und viele von jenen, welche ideologisch fast schon in der BRD gestrandet waren, durchschauen unterdessen die hohlen Versprechungen. Sie zweifeln an früheren Überlegungen und manchen voreiligen Schlüssen.
Für uns Kommunisten, Sozialisten und andere Linksgesinnte aber gilt: Wir werden den Machthabern der BRD nicht ins Netz gehen, bleiben wir doch nach gewissenhafter Bilanzierung von Plus und Minus der Erfahrungen mit Sozialismus und Kapitalismus unverrückbar bei den fundamentalen Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin. Wie könnten wir da ausgerechnet bei Merkel, Westerwelle, Steinmeier oder Seehofer unser Heil suchen?
In der BRD angekommen?
Die Frage beantwortet sich für uns wohl von selbst.
Klaus Steiniger
© since 1998 by RotFuchs
Tags für diesen Artikel: ackermann, bedrohung, brd, ddr, dr. klaus steiniger, europa, freiheitlich-demokratische grundordnung, grundgesetz, hundt, kapitalismus, konterrevolution, korrumpierbarkeit, marx, merkel, mies, reimann, rotfuchs, sed, soziale marktwirtschaft, sozialismus, staat
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Eine Begeisterung, die entweder nicht fähig oder auch gar nicht willens ist, Zusammenhänge zu erkennen zwischen dem heutigen ungenierten neoliberalen Wüten der schwarz-rot-golden übertünchten altbekannten deutschen Imperialisten(samt deren politischen und sonstigen Personal) und deren Eroberung und Zerstörung, Vernichtung der ehemaligen , ab Dezember 1990(Runder Tisch!) sich zügig demokratisierenden DDR!
Das bisherige eisige Schweigen zu diesen Artikel spricht jedenfalls für mich Bände....