Immer weiter dreht sich das Rad und zieht alles in den Strudel der Krise. Von der ganz großen Weltpolitik, zu den kleineren Politikebenen, weiter zu Finanzen, Industrie, Landwirtschaft und Handel. Jetzt sind wir gerade bei Arcandor und seinen Konzernteilen.
Ich kaufe fast alles bei Karstadt. Erstens ist eine Karstadt-Filiale von mir aus fußläufig zu erreichen, zweitens finde ich es praktisch, alles unter einem Dach vorzufinden, drittens finde ich die Qualität gut. Aber am meisten schätze ich den Rat der Verkäuferinnen. Ob Winterjacke für eine Frau in den verschwitzten Wechseljahren, ob BH für die 17-jährige Nichte oder für mich, die Tante, - ob man das sauteure Herthatrikot oder den x-ten Füller für den Sohn braucht. Die Karstadtverkäuferin weiß immer das passende. (Kürzlich hätte ich beinahe versehentlich Füllertinte mit Rosenduft für meinen 14-jährigen Sohn gekauft! Was es alles gibt.)
An dieser Stelle mal ein ausdrückliches Danke an die vielen Frauen (und die wenigen Männer), die uns auf diese Weise bei unseren Einkäufen zur Seite stehen!
Es funktioniert. Und könnte immer so weiter gehen. Wenn bloß die Herren da oben nicht wären. Würden sie ihre Arbeit gut machen, die Konzernleiter, wäre ja alles okay. Große Gemeinschaften brauchen Leitung. Das war in archaischen Sippen so, egal ob matriarchalisch oder patriarchalisch organisiert, und das ist bis heute so. In ganz frühen Zeiten haben sich die Gemeinschaften ihre Besten als Anführer gewählt. Ebenso machen es heute noch Elefantenherden, glaube ich. Nur die Menschen heute lassen sich täuschen, und dulden Angeber, Abzocker und sonstige Idioten als Leithammel. In der Politik und in den Konzernen. Und das ist unser Problem.
Wo man hinsieht, - überall haben einzelne Versager oder Kriminelle ganze Produktions- und Lebensgemeinschaften in die Scheiße geritten. Da setzt einem echt der Verstand aus.
Jede Bäuerin und jeder Bauer auf jedem Dorf wußte (und weiß es hoffentlich heute noch), wie man gemeinsam arbeitet und gemeinsam lebt. Schlicht und ergreifend. Im kleinen familiären und betrieblichen Zusammenhang, wie auch im öffentlichen dörflichen Leben. Es gibt Regeln, an die man sich hält. Und es gibt Solidarität in Form von Nachbarschaftshilfe und dergleichen. Und man weiß, wie man Meinungsverschiedenheiten klärt. Zusammenhalt und Rivalität mit den Nachbardörfern müssen ausbalanciert werden, auch das weiß jeder. Gemeinschaftliches Leben und Arbeiten organisieren, das können auch die Städter in ihren Wohnvierteln, und ebenso die Mitarbeiter der großen und der kleinen Firmen.
Wenn da nicht überall diese Anzugträger wären. Die Manager, die Chefs und die Vorstände. Abgesehen von denen, die verantwortungsbewußt ihre Arbeit machen, muß man sich mal fragen, was Typen, wie dieser Middelhoff, Ex-Arcandor-Chef, eigentlich wollen. Macht? Davon alleine kann man noch nicht abbeißen. Erfolg scheint es ja nur sehr nebensächlich zu sein, sonst wären sie erfolgreicher. Schnelles Geld einsacken, sicher – aber dann könnten sie ja schnellstmöglich aufhören und auf ihre Insel gehen. Sie machen aber immer weiter. Warum? Bleibt noch die hohe Stellung in der Rangordnung, Prestige und damit die Lizenz zum Partyfeiern. Ist es das? Das geile Gefühl ein Star zu sein? Und von Groupies angehimmelt zu werden? Und aus Konkurrenten Neider gemacht zu haben? Die Neurose als Leitbild??? Und wir dulden das? Gehts noch?
Schröder und Fischer haben es gewusst, dass das Spiel bald aus ist. Der eine hat sich in Richtung Russland umorientiert, der andere nach USA. Und beide sind sie brav verheiratet, jeweils mit Frau und Kind. So wurde es dann noch eine richtige Familie. Interessantes Krisenmanagement!
Und uns, die lieben Untertanen, - äh, Stimmvieh, oder wie könnten wir uns treffend bezeichnen – Ratten, die das Schiff nicht verlassen können - uns jedenfalls haben sie hier mit der ganzen Bescherung hocken lassen. Wir können nun sehen, wie wir die Titanic wieder zum Schwimmen bekommen. Vorher müssen wir aber noch ein paar Möchtegern-Kapitäne von Bord schubsen. Wo die Rettungsboote sind? Sollen sie doch ihre ehemaligen Partygäste fragen. Vielleicht ist ja jemand darunter, der in der Stunde der Not in Freundschaft zu ihnen hält. Das waren alles falsche Freunde? Heul nicht. Schwimm. Und stör die anderen nicht bei der Arbeit.
"In ganz frühen Zeiten haben sich die Gemeinschaften ihre Besten als Anführer gewählt. Ebenso machen es heute noch Elefantenherden, glaube ich."
Yo! Es gilt aber auch, daß lediglich die Spezies Mensch unter den Säugetieren Widersprüche als solche erfassen, und ergo mit ihnen leben kann.
Gerhard und Joseph waren 3 bzw. 4 x verheiratet, haben jetzt die 4. oder 5. Frau, haben etliche Kinder, weshalb der Spiegel seinerzeit unkte, wenn ein Flugzeug oder Heli mit den beiden an Bord abstürtze, werde es für die BRD richtig teuer, weil die Ex-Frauen und -kinder ordentlich Anspruch auf Alimente hätten, die bei Großverdienern auch richtig groß ausfallen ;-)