Arcandors Absturz und die Folgen für Gewerbeimmobilien
Wir sind Karstadt! spöttelt Frank Meyer in seinem Blog und liefert eine sehr gute Analyse der aktuellen Situation. Dabei bedeutet Analyse allerdings nicht, dass man den Irrsinn auch verstehen muss. Es reicht staunend und kopfschüttelnd daneben zu stehen.
Besonders zum staunen bringt einen zur Zeit natürlich Arcandor, die schon so pleite sind, dass sie ihre Mieten nicht mehr bezahlen können. Das ist peinlich. Nicht so sehr für Arcandor deren Ruf längst ruiniert ist, sondern mehr für das Bankhaus Sal Oppenheim. Die hatten doch zusammen mit dem Finanzmagier Josef Esch fünf Objekte aus der Verkaufsorgie der Karstadt Immobilien in einen Fond übernommen und sind gleichzeitig größter Aktionär.
Wie es heißt haben Frau Schickedanz und auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff Anteile aus diesem Fond gekauft. Üble Gerüchte sprechen davon, dass die Mieten mit 42,6 Millionen Euro vielleicht ein wenig überhöht sein könnten und außerdem soll es eine kleine aber feine Nebenabsprache mit Esch gegeben haben, nach denen Karstadt als Dank für die überhöhten Mieten, an anderen Esch Geschäften beteiligt werden sollte.
Auf diese Beteiligung hat Middelhoff dann wohl verzichtet, weil er keine Lust hatte Esch zu verklagen. Das der Konzern damit auf rund 110 Millionen Euro verzichtete, fällt ja kaum ins Gewicht. Schließlich musste das Geld ja weg. Die restlichen Immobilien wurden für 4,5 Mrd. Euro an Highstreet verkauft. Dahinter stecken zu 51% Whitehall (Goldman Sachs) und ein Konsortium aus der Deutschen Bank Tochter Preef und Pirelli Real Estate. Die Mietverträge haben eine Laufzeit von 15 Jahren. Kostenpunkt: 280 Mio. Euro jährlich.
Auch wenn die Bundesjustizministerin Zypries die nordrhein-westfälische Landesjustizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter gebeten hat, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Middelhoff zu prüfen, braucht der sich keine Sorgen zu machen. Leute wie er werden von der bundesdeutschen Justiz nicht belangt. Die bekommen maximal ein Ordnungsgeld, wie für falsch parken und sind dann gleich wieder obenauf. (Huhu Josef Ackerman, hallo Herr Pierer, einen schönen Gruß Herr Zumwinkel.) Für solche Leute haben wir eine besondere Justiz. Nur wenn die Menschen aus Hunger stehlen, ist die Justiz sofort mit härtesten Strafen zur Stelle.
Allerdings wird die absehbare Arcandorpleite ganz andere Folgen haben. Nein Herr Eick, der aktuelle Nochvorstandsvorsitzende wird nicht wegen Konkursverschleppung in Haft genommen. Konkursverschleppung gab es ja auch bei der HRE nicht. Die gibt es nur dann, wenn so ein popeliger Kleinunternehmer mit 50 bis 100 Leuten noch gehofft hatte, dass ein Kunde zahlt, was aber dann nicht passierte und der Insolvenzantrag dann zu spät kam.
Nein die Arcandorpleite hat direkte Folgen auf die Gewerbeimmobilien. Selbst wenn Galeria Kaufhof 60 der insgesamt 90 Häuser übernimmt werden sie das nicht zu den bisherigen Mieten tun. Wer sieht, wie überall in den deutschen Innenstädten Verkaufsraum leer steht, oft in unmittelbarer Nähe zu großen Warenhäusern, wer weiß, dass Hertie, Woolworth, Sinn Leffers und wie sie alle heißen, große Lücken an Leerstand hinterlassen haben und noch hinterlassen werden, wer sich ausrechnet, wer die nächsten aus der Bekleidungsbranche sein werden, der weiß, dass die Vermieter bei den Mieten drastisch nachgeben müssen.
Arcandor selbst hatte für den Fall das Staatsbürgschaften gezahlt würden, ja selbst schon Mietminderungen in Höhe von 12 Prozent fest eingeplant. Ein neuer Mieter würde sicher zwischen 20 und 25 Nachlass bekommen. Highstreet und der Sal Oppenheimer Esch Fond haben gar keine andere Wahl. Sie können entweder drastisch verkürzte Miete akzeptieren oder versuchen für die Gebäude eine andere Nutzung zu finden.
Allerdings sind Warenhäuser nun einmal wie Warenhäuser gebaut und eignen sich selten für etwas anderes als ein Warenhaus zu sein. Man könnte eine Einkaufsmall daraus machen, aber die gibt es in den meisten Städten auch schon viel zu häufig und in vielen steht bereits eine Reihe von Geschäften leer oder wurde zu Winzmieten vergeben um ein großes Angebot vorweisen zu können. Natürlich könnte man auch noch Bürogebäude daraus mache. Aber die stehen auch dann schon seit langem leer, selbst wenn sie alle Fenster nach außen haben, was in Warenhäusern nur begrenzt möglich wäre.
Wenn aber die die Mieten für die großen Häuser sinken, dann tun es sehr schnell auch die für andere Ladenflächen und Praxen. Letztendlich trifft es praktisch alle Gewerbemieten. Dies wiederum bedeutet, dass einige Hypotheken und die damit verbundenen Pfandbriefe platzen werden. An anderer Stelle muss der Erhaltungsaufwand rigeros beschnitten werden, was dann auch sehr schnell neue Mietsenkungen nach sich zieht und den Wertverfall beschleunigt.
Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt ist bereits gefährlich am wackeln. Diese Geschichte könnte ihn zum umkippen bringen. Eine Reihe von Insolvenzen ist absehbar. Wer noch kann, sollte raus aus solchen Immobilienfonds, der Rest der bereits eingefroren ist, oder dessen Papiere nicht mehr gehandelt werden, der sollte sich gedanklich damit abfinden, dass seine Anlage wohl bis zu 50 Prozent an Wert verlieren wird, aber Ausdauer über Jahre vielleicht hilft. Irgendwann gibt es bestimmt wieder Geld. Zumindest wenn die Gebäude erhalten werden und gut gebaut sind.
Natürlich wird sich auch wieder die Frage der Werthaltigkeit der deutschen Pfandbriefe stellen. Sie wäre leicht zu beantworten, wenn die Pfandbriefbündel der Hypo Real Estate und anderer Verbriefer durch die Bafin auf ihre Werthaltigkeit geprüft würden. Besser jetzt ein harter Einschnitt durch Abschreibung, als eine endlose Verlängerung des Elends. Aber so viel Mut wird diese Regierung auch nach den Wahlen nicht haben. Auch Merkel und Westerwelle werden lieber die Symptome als die Krankheit bekämpfen.
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Bei Arcandor sind die Eigentümer, die Deutsche Bank und Goldman Sachs gefordert, sonst niemand.
Der Insolvenzverwalter wird schon feststellen, was man noch veräußern kann.
Fast alle Kaufhäuser haben mit dem Ausbleiben von Kunden zu kämpfen. Die vielmals beschworene "Lohnzurückhaltung" und der Markenfetischismus mit seinen Mondpreisen sind nur zwei Gründe.
Das sich mit einer Fusion der Kaufhausketten etwas am Problem Kaufhaus bessert steht in den Sternen und ist reine Spekulation. Mein subjektiver Eindruck ist, dass es bei der Konkurrenz nicht besser aussieht. Deren Kunden konnte ich auch an einer Hand abzählen.
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