Wie Ernesto Che Guevara die bürgerliche Geldwelt frappierte
Mit freundlicher Genehmigung durch den Redaktionsleiter der Zeitschrift RotFuchs, Dr. Klaus Steiniger
Ausgabe 126 +Extra:
Das Signum eines Revolutionärs
In diesem Jahr wäre Ernesto Che Guevara 81[¹] Jahre alt geworden.
Er wurde am 14. Juni 1928 in Rosario geboren und wuchs im Norden Argentiniens wohlbehütet als ältestes Kind von fünf Geschwistern in einer bürgerlich-linksliberalen Familie auf. Nur eines bereitete den Eltern große Sorge: Im Frühjahr 1931 erkrankte Ernesto schwer an Asthma. Das Leiden begleitete ihn ein Leben lang.
In seinen Jugendjahren unternahm er mehrere Reisen mit dem Fahr- und Motorrad, dem Schiff und der Eisenbahn, per Anhalter und zu Fuß durch Lateinamerika. Die Konfrontation mit sozialem Elend beeinflußte sein politisches Denken nachhaltig und brachte ihn zu der Überzeugung, daß nur der revolutionäre Kampf diese unwürdigen Verhältnisse überwinden könne. In sein Tagebuch schrieb er: "Dieses ziellose Streifen durch unser riesiges Amerika hat mich mehr verändert, als ich dachte."
Nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin brach er im Juli 1953 von Buenos Aires zu einer weiteren Tour quer durch den südamerikanischen Kontinent auf und gelangte über Zwischenstationen im Dezember nach Guatemala, wo er sich aktiv an der Verteidigung der revolutionären Regierung unter Jacobo Arbenz beteiligte. Nach dem durch die CIA inszenierten Putsch gegen den Präsidenten mußte er das Land verlassen und lernte 1955 den damals im mexikanischen Exil lebenden Fidel Castro und dessen Kampfgefährten aus der "Bewegung des 26. Juli" kennen. Hier wurde Ernesto zum Che, wie ihn seine neuen kubanischen Companeros nannten.
Ohne Zögern schloß er sich als Sanitätsleutnant der kubanischen Rebellenbewegung an und gehörte zu den 12 Überlebenden der ursprünglich 82 Teilnehmer zählenden "Granma"-Expedition, die in den Bergen der Sierra Maestra den Kampf gegen die Batista-Diktatur aufnahmen. Ende 1958 führte der von Fidel inzwischen zum Comandante Ernannte mit seiner Kolonne "Giro Redondo" die letzte, siegreiche Schlacht um Santa Clara. Während Batista noch in der Silvesternacht ins Exil floh, marschierten Che und sein Kampfgefährte Camilo Cienfuegos an der Spitze ihrer Kolonnen am 2. Januar 1959 im Triumphzug in Havanna ein.
Nach dem Sieg der Revolution wurde Guevara in Würdigung seiner Verdienste die kubanische Staatsbürgerschaft verliehen. Er arbeitete in den verschiedensten Regierungsfunktionen und schrieb Bücher über seine Erfahrungen im Partisanenkampf, seine ökonomischen Vorstellungen sowie die Rolle des neuen Menschen beim Aufbau des Sozialismus in Kuba. In einem Anfang Januar 1960 mit ihm geführten Interview antwortete Che: "Wie Sie alle wissen, bin ich gebürtiger Argentinier, von Beruf Arzt, zur Zeit jedoch in Ausübung meiner revolutionären Pflicht Präsident der Nationalbank Kubas." Seine Berufung zum "obersten Banker" Kubas erfolgte bereits am 26. November 1959. Zu seinen Aufgaben gehörte u. a. die Emission von Banknoten. Dabei hatte Che die Entwürfe für die sechs Geldscheine umfassende erste Nachrevolutionsausgabe maßgeblich beeinflußt. Bei der Motivwahl für die neue Geldscheinserie von 1961 hatte er mit den Abbildungen von Nationalhelden auf den Vorderseiten versucht, eine Tradition zu bewahren, andererseits mit Darstellungen zur jüngsten Revolutionsgeschichte auf den Rückseiten neue Wege zu beschreiten. Die bei der Staatlichen Wertpapierdruckerei in Prag hergestellten Scheine trugen auch die Signatur des Presidente del Banco. Sie bestand nur aus den drei Buchstaben: "Che". Die westliche Finanzwelt reagierte entsetzt, da der Bankchef mit seinem Spitznamen die Noten "entweiht" habe. Im Februar 1961 übernahm Che die Leitung des Industrieministeriums. Mit einer kubanischen Wirtschaftsdelegation besuchte er im Dezember 1960 auch die DDR. Von der Berliner Humboldt-Universität wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Anschließend fuhr er zu einer Konferenz lateinamerikanischer Studenten am Leipziger Herder-Institut. Bei dieser Gelegenheit lernte er Tamara Bunke kennen, die für ihn dolmetschte und später mit ihm in Bolivien den Tod finden sollte. Im April 1965 verließ Che unter falschem Namen Havanna zu einer geheimen Militärmission, die ihn nach Kongo, dem späteren Kinshasa, führen sollte. Danach versuchte er ab November 1966 seine revolutionären Vorstellungen an der Spitze einer Guerillagruppe in Bolivien zu verwirklichen. Er wurde verwundet gefangengenommen und am 9. Oktober 1967 von bolivanischen Rangers, die eine CIA-Ausbildung erfahren hatten, in der Dorfschule von La Higuera ohne Gerichtsurteil ermordet. Sein Tod machte Ernesto Che Guevara endgültig zu einer Legende.
Er hätte ein angenehmes, sorgenfreies Leben als Arzt oder Minister auf Kuba führen können, zog aber die Entbehrungen des Guerillakampfes vor, um seinen Traum von einem menschenwürdigeren Leben der Völker Lateinamerikas zu verwirklichen.
Dem Touristen begegnet Che im Verlauf seines Kuba-Aufenthalts nicht nur auf überdimensionalen Plakaten, sondern auch auf verschiedenen Geldscheinen. Bereits 1983 emittierte der Banco Nacional de Cuba zum Gedenken an ihn eine 3-Peso-Note. Die Vorderseite dieses karminroten Geldscheines zeigt sein oval gerahmtes Porträt und ihn auf der Rückseite bei der freiwilligen Arbeit in der Zuckerrohrernte. Ab 1990/91 erfolgte von der Nationalbank die Ausgabe einer weiteren Geldscheinserie mit verändertem Design und neuer Farbgebung. Auch auf späteren Emissionen erblickt man das Portrait Che Guevaras.
Die auf drei convertierbare Pesos (das entspricht 3 Dollar) lautenden Geldscheine, die ab 1994 herausgegeben wurden, zeigen auf der Vorderseite das in Santa Clara stehende Che-Denkmal. Auf einem Sockel erhebt sich die sieben Meter hohe Statue über einem Ensemble von steinernen Quadern mit der Inschrift: "Hasta la victoria siempre!" (Auf ewig bis zum Sieg!) Es wurde von dem bereits verstorbenen kubanischen Bildhauer José Ramon de Lazaro Bencomo (genannt Dellara) geschaffen. Im angrenzenden Mausoleum ruhen die 1997 in der Nähe des Flugfeldes von Vallegrande gefundenen und aus Bolivien nach Kuba übergeführten sterblichen Reste des Che und der meisten seiner Mitkämpfer, auch die von Tamara Bunke.
Hans-Volkmar Gaitzsch
© since 1998 by RotFuchs
[¹] Geändert: Redaktion Duckhome
7 Jahre hat es gedauert. Steven Soderbergh und seine Filmcrew haben hart gearbeitet und keine Mühen gescheut. Vor wenigen Tagen, am 11. Juni 2009, feierte Teil 1 »Revolución« des Werkes "Che" dann Premiere. Sehen Sie hier den Kinotrailer:
Alternativ Link: http://www.cinemaxx.de/FilmeundStars/Film/Che-Revolucion/17986/?TrailerId=16543
Che »Guerilla« - Kinostart 23. Juli 2009
Nach dem Sieg der Revolution wurde Guevara in Würdigung seiner Verdienste die kubanische Staatsbürgerschaft verliehen. Er arbeitete in den verschiedensten Regierungsfunktionen und schrieb Bücher über seine Erfahrungen im Partisanenkampf, seine ökonomischen Vorstellungen sowie die Rolle des neuen Menschen beim Aufbau des Sozialismus in Kuba. In einem Anfang Januar 1960 mit ihm geführten Interview antwortete Che: "Wie Sie alle wissen, bin ich gebürtiger Argentinier, von Beruf Arzt, zur Zeit jedoch in Ausübung meiner revolutionären Pflicht Präsident der Nationalbank Kubas." Seine Berufung zum "obersten Banker" Kubas erfolgte bereits am 26. November 1959. Zu seinen Aufgaben gehörte u. a. die Emission von Banknoten. Dabei hatte Che die Entwürfe für die sechs Geldscheine umfassende erste Nachrevolutionsausgabe maßgeblich beeinflußt. Bei der Motivwahl für die neue Geldscheinserie von 1961 hatte er mit den Abbildungen von Nationalhelden auf den Vorderseiten versucht, eine Tradition zu bewahren, andererseits mit Darstellungen zur jüngsten Revolutionsgeschichte auf den Rückseiten neue Wege zu beschreiten. Die bei der Staatlichen Wertpapierdruckerei in Prag hergestellten Scheine trugen auch die Signatur des Presidente del Banco. Sie bestand nur aus den drei Buchstaben: "Che". Die westliche Finanzwelt reagierte entsetzt, da der Bankchef mit seinem Spitznamen die Noten "entweiht" habe. Im Februar 1961 übernahm Che die Leitung des Industrieministeriums. Mit einer kubanischen Wirtschaftsdelegation besuchte er im Dezember 1960 auch die DDR. Von der Berliner Humboldt-Universität wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Anschließend fuhr er zu einer Konferenz lateinamerikanischer Studenten am Leipziger Herder-Institut. Bei dieser Gelegenheit lernte er Tamara Bunke kennen, die für ihn dolmetschte und später mit ihm in Bolivien den Tod finden sollte. Im April 1965 verließ Che unter falschem Namen Havanna zu einer geheimen Militärmission, die ihn nach Kongo, dem späteren Kinshasa, führen sollte. Danach versuchte er ab November 1966 seine revolutionären Vorstellungen an der Spitze einer Guerillagruppe in Bolivien zu verwirklichen. Er wurde verwundet gefangengenommen und am 9. Oktober 1967 von bolivanischen Rangers, die eine CIA-Ausbildung erfahren hatten, in der Dorfschule von La Higuera ohne Gerichtsurteil ermordet. Sein Tod machte Ernesto Che Guevara endgültig zu einer Legende.
Er hätte ein angenehmes, sorgenfreies Leben als Arzt oder Minister auf Kuba führen können, zog aber die Entbehrungen des Guerillakampfes vor, um seinen Traum von einem menschenwürdigeren Leben der Völker Lateinamerikas zu verwirklichen.
Dem Touristen begegnet Che im Verlauf seines Kuba-Aufenthalts nicht nur auf überdimensionalen Plakaten, sondern auch auf verschiedenen Geldscheinen. Bereits 1983 emittierte der Banco Nacional de Cuba zum Gedenken an ihn eine 3-Peso-Note. Die Vorderseite dieses karminroten Geldscheines zeigt sein oval gerahmtes Porträt und ihn auf der Rückseite bei der freiwilligen Arbeit in der Zuckerrohrernte. Ab 1990/91 erfolgte von der Nationalbank die Ausgabe einer weiteren Geldscheinserie mit verändertem Design und neuer Farbgebung. Auch auf späteren Emissionen erblickt man das Portrait Che Guevaras.
Die auf drei convertierbare Pesos (das entspricht 3 Dollar) lautenden Geldscheine, die ab 1994 herausgegeben wurden, zeigen auf der Vorderseite das in Santa Clara stehende Che-Denkmal. Auf einem Sockel erhebt sich die sieben Meter hohe Statue über einem Ensemble von steinernen Quadern mit der Inschrift: "Hasta la victoria siempre!" (Auf ewig bis zum Sieg!) Es wurde von dem bereits verstorbenen kubanischen Bildhauer José Ramon de Lazaro Bencomo (genannt Dellara) geschaffen. Im angrenzenden Mausoleum ruhen die 1997 in der Nähe des Flugfeldes von Vallegrande gefundenen und aus Bolivien nach Kuba übergeführten sterblichen Reste des Che und der meisten seiner Mitkämpfer, auch die von Tamara Bunke.
Hans-Volkmar Gaitzsch
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[¹] Geändert: Redaktion Duckhome
7 Jahre hat es gedauert. Steven Soderbergh und seine Filmcrew haben hart gearbeitet und keine Mühen gescheut. Vor wenigen Tagen, am 11. Juni 2009, feierte Teil 1 »Revolución« des Werkes "Che" dann Premiere. Sehen Sie hier den Kinotrailer:
Alternativ Link: http://www.cinemaxx.de/FilmeundStars/Film/Che-Revolucion/17986/?TrailerId=16543
Che »Guerilla« - Kinostart 23. Juli 2009
Tags für diesen Artikel: arbenz, batista, bewegung 26. juli, camilo cienfuegos, che, cia, ernesto che guevara, fidel castro, film, guatemala, guerilla, guerillakampf, kuba, revolución, rotfuchs, santa clara, steven soderbergh
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