< Bundestag: Polizei aus EU-Staaten soll Schusswaffengebrauch in Deutschland erlaubt werden | Afghanistan, Kirgisien, Demokratie und Deutschlands Engagement >
Weltwirtschaftskrise - Zahlen und Fakten
Die Preise für zehnjährige US-Schatzanleihen sind von 110 Dollar in den letzten 5 Monaten auf 94 Dollar zurückgefallen, was einen Einbruch von 14,5%. bedeutet. Gleichzeitig erklärt Russland seine Währungsreserven in Dollar auf unter 30 Prozent zurückfahren zu wollen. China äußert sich lieber gar nicht, versucht aber, wo es nur eben geht seine Dollar in Waren, Rohstoffe und die Absicherung von Rohstoffquellen durch Beteiligungen und Kredite zu tauschen.
Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass den Ratingagenturen keine Zeit mehr bleibt. Sie müssen England und die USA von AAA zurückstufen. Die Folgen für den Dollar und die Weltwirtschaft sind klar. Reagieren die Ratingagenturen nicht, läuft ihnen einfach der Markt weg und ihre Reputation sinkt erneut. Der ursprüngliche Vorwurf, dass die Ratingagenturen sehr stark am Zustandekommen der Hypothekenblase beteiligt waren, weil sie einfach den Tatsachen nicht ins Auge sehen wollten und weitgehend geschönte Ratings die Kunden in die Irre geführt haben, könnte sich bei weiterem Zögern zu einer Systemkrise für die Ratingagenturen auswachsen.
Gleichzeitig geht das Konsumklima in den USA zusammen mit den Umsätzen immer weiter zurück, was weder für eine Bodenbildung noch für einen baldigen Aufschwung spricht. Die us-amerikanischen Bürgermeister haben auf ihrer diesjährigen Jahressitzung bekannt gegeben, dass sie die Schere zwischen sinkenden Steuereinnahmen und steigenden Ausgaben für soziale Hilfen nicht mehr leisten können, ohne Personal aus funktionierenden Bereichen zu entlassen. Sie sind von Obama enttäuscht, der den Kommunen keine Hilfe zukommen lässt und damit ähnlich wie Angela Merkel agiert.
Währenddessen kämpft die USA um jeden Steuercent. Die Schweiz hatte versucht über ein Doppelbesteuerungsabkommen, die Kundendaten der UBS und anderer schweizer Banken vor dem US-Steuersystem zu retten. Allerdings will die USA nicht mitspielen. Wie es aussieht wird die UBS Mitte Juli vor einem Gericht in Florida dazu verurteilt werden, die Daten von 52.000 us-amerikanischen Kunden heraus zu geben.
Natürlich geht die UBS danach in Berufung und hofft nach einem jahrelangen Prozess dann irgendwie entwischen zu können. Allerdings könnte das ein tragischer Irrtum werden. Auch ohne einen leisen Wink des amerikanischen Justizministeriums könnten die Instanzen sehr schnell durchlaufen werden. Die Justiz in den USA hat die Nase von den Bankstern voll und beginnt immer schneller, immer drastischere Exempel zu statuieren. 255 Daten von Bankkunden kosteten die UBS 780 Millionen Dollar Geldstrafe. Bleibt es bei diesem Kurs könnten 52.000 Datensätze bis zu 1.590.588 Millionen Dollar kosten, was die UBS wohl nicht überleben würde.
Aber auch die Deutsche Bank und die Credit Suisse sind in diverse Verfahren verwickelt. Aktuell geht es in New York gerade um den Fall des Huntsman-Konzerns und eine milliardenschwere Klage weil die beiden Banken durch illegale Absprachen eine Übernahme des Konzerns durch die Beteiligungsgesellschaft Apollo Management LP verhindert haben sollen.
Aber selbst wenn sich einzelne Klagen als haltlos erweisen, werden genügend andere durchkommen. Es macht den Leuten in den USA auch keinen Spaß, dass immer häufiger die Deutsche Bank bei Hypotheken auf eine Zwangsräumung drängt, dann aber nichts mit den Immobilien anzufangen weiß, und sie dem Verfall preisgibt. Außerdem nützt es dem amerikanischen Bankensystem, wenn die bösen Bankster aus Übersee die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Wer wissen will, wie es um die Banken im europäischen Raum überhaupt steht, braucht nur eine einzige Zahl. Seit 1997 ist die Kreditvergabe der Banken um 7.924 Milliarden Euro gestiegen, während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 2.927 Milliarden anstieg. Lustigerweise wuchs dabei das Bilanzvolumen der Banken um 14.351 Millarden Euro. Die FTD kommentiert das zurecht mit einem "Autsch" und sagt wohl begründet "Im Kreditbereich werden die Fetzen fliegen, und im Kapitalmarktgeschäft dürften die auf historischen Korrelationen beruhenden Modellannahmen früher oder später wieder dermaßen durchgewirbelt werden, dass die Anleger jeden Tag mit Notkapitalerhöhungen rechnen sollten."
Es ist sicher davon auszugehen, dass einige Banken dieses Spiel nicht überleben werden. Commerzbank, Hypo Real Estate, aber auch die Deutsche Bank sind massiv gefährdet. Auch die UBS wird in diesem Bereich nochmals erheblich Federn lassen müssen. Sicher darf sich keine Bank und kein Anleger fühlen.
Eon, die prächtig verdienen, wollen rund zehn Prozent ihrer Belegschaft entlassen, obwohl sie prächtig verdienen. Sie möchten halt noch mehr und kennen in ihrer Gier kein Ende und keine Verantwortung. Wenn Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank für das Jahr 2010 mit 5 Millionen Arbeitslosen rechnet und der Herr Freiherr und Wirtschaftsministerdarsteller Guttenberg prompt mit 4,6 Millionen kontert, so reden bei aus dem Kinderarsch.
Tatsächlich haben wir zur Zeit schon rund 8 Millionen Arbeitslose, die nur durch statistische Tricks ausgeblendet werden. Ende 2010 werden die Zahlen auf 12 Millionen angeschwollen sein und auch die reale Statistik wird mindestens 6 Millionen Arbeitslose melden müssen. Diese Zahlen werden den Abschwung in der Binnenkonjunktur noch einmal deutlich antreiben.
Selbst Goldman Sachs fordert nun für Deutschland ein Wachstum der Reallöhne um den Binnenkonsum anzukurbeln. Tatsächlich passiert aber genau das Gegenteil. Bereits beschlossene Tariferhöhungen werden zurückgenommen, Arbeitszeit wird ohne Lohnausgleich gekürzt und Weihnachts- wie Urlaubsgeld entfallen. Das ist gut für das Großkapital aber schlecht für Deutschland. Der neoliberale Ungeist ist überall noch am wirken und wird sogar von den öffentlich rechtlichen Medien noch massive durch Medienauftritte gestützt.
Die Aktienkurse und ihre rasanten Gewinne werden von immer mehr Markteilnehmern kritisch beäugt. So langsam beginnt sich die Ansicht durchzusetzen, dass es sich um einen zyklischen Bullenmarkt innerhalb eines lang anhaltenden Bärenmarktes handelt, der ausschließlich von den großen Mengen an Liquidität gestützt wird, den die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben, die aber von den Banken nicht als Kredite an die Realwirtschaft weitergegeben werden, sondern erneut in den Casinos landen.
Während die Realwirtschaft noch auf der Intensivstation liegt, wird mit den Exchange Traded Funds (ETF) bereits die nächste Blase gefüttert.
Da viele Deutsche von einem Haus in Spanien träumen vielleicht noch ein kleiner Hinweis. Auch wenn von Seiten interessierter Kreise bereits die Botschaft ausgegeben wird, die stark gesunkenen Immobilienpreise seien bereits jetzt ein Kaufsignal. Dem ist nicht so. Die Immobilienpreise gerade in guten bis sehr guten Lagen mit bester Bausubstanz sind noch gar nicht auf dem Markt. Vieles was jetzt als "billig" apostrophiert wird, ist nicht einmal preiswert. Häufig handelt es sich um sogenannte Schrottimmobilien, die noch erheblichen Sanierungsaufwand haben, selbst wenn sie Neubauten sind. Warten können ist hier angesagt.
IIF-Präsident und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gab auf der Frühjahrstagung des Institute of International Finance (IIF) in Peking den Bullen und hätte so gerne die Wiederauferstehung der Finanzbranche gefeiert. Allerdings tat ihm sein Gastgeber China nicht den Gefallen mit in zartrosa Zukunftsträume zu verfallen. Statt dessen warnten Liu Mingkang, Chef der Bankenaufsicht, als auch Zhu Min von der Bank of China davor das aktuelle Geschehen in China überzubewerten. Nach ihrer Überzeugung ist bestenfalls ein Anfang gemacht und es wird noch sehr lange dauern bis die aktuelle Krise überwunden ist.
Diese Sichtweise ist auch richtig, weil das aktuelle Geschehen in China von den riesigen Konjunkturpaketen bestimmt wird, die sich aber vermutlich eben auch als Strohfeuer erweisen werden. Niemand hat zur Zeit eine Vorstellung davon, wieviel Geld notwendig wäre um den Binnenmarkt in China dauerhaft zu festigen. Auf jeden Fall geht das nur über höhere Löhne, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit einschränkt.
Nein, auch in China ist kein Aufschwung zu sehen, so gerne ihn auch bestimmte Kreise herbeireden wollen. Es gilt das gleiche wie in den USA und Europa. Wir haben leider noch keine Bodenbildung, weil weder die Kreditkartenschulden noch die Firmenpleiten und die damit verbundenen Platzer von Krediten und Hypotheken erledigt sind. Auch die weltweite Entlassungswelle ist noch am Anfang. Ein Boden kann sich erst bilden wenn diese Dinge geregelt sind.
De Ratingagentur Standard & Poor's meldet mit einem traurigen Rekord, dass 44 Unternehmen seit Jahresanfang bereits ihre Bonitätsnote verloren haben, und davon Anleihen und Kredite von fast 140 Milliarden Dollar betroffen sind. Das sind noch keine Totalverluste, aber diese Unternehmen wie Fiat, British Airways, Continental, Sotheby's und Macy's befinden sich auf einem gefährlichen Abwärtsweg, der schnell in den freien Fall übergehen kann.
Wir haben die Weltwirtschaftskrise noch lange nicht hinter uns. Wir befinden uns immer noch im ersten Drittel und es wird noch deutlich schlimmer werden. Es ist allerdings auch noch nichts endgültig verloren. Noch könnten die Bankster an die kurze Leine gelegt werden, die Heuschrecken lassen sich noch vertreiben und die Binnenwirtschaft kann gerettet werden. Dazu bedarf es allerdings einer mutigen Politik, die mit Merkel, Steinmeier oder Westerwelle nicht zu machen ist. Selbst die Grünen und die Linke sind für eine wirklichen Systemwechsel nicht zu gebrauchen.
Das wichtigste Ziel für die Bundestagswahl muss lauten, Schwarz / Gelb zu verhindern und das geht nur, wenn man die Linke wählt, auch wenn sie so gar nichts hat, was sie wählbar macht. Man kann sie aber gut als Knüppel gegen die Etablierten benutzen.
Tags für diesen Artikel: abschreibung, ackermann, aufschwung, banken, betrug, buchhaltung, konjunktur, profit, weltwirtschaftskrise
Artikel mit ähnlichen Themen:



















Auszug von duckhomeWeltwirtschaftskrise - Zahlen und Faktenvon Jochen HoffDie Preise für zehnjährige US-Schatzanleihen sind von 110 Dollar in den letzten 5 Monaten auf 94 Dollar zurückgefallen, was einen Einbruch von 14,5%. bedeutet. Gleichzeitig erklärt ...