Es gab mal eine Zeit, da viele Menschen hier glaubten, es sei eine gute Idee, die Energieversorgung, die seit je her in einer, der staatlichen Hand, gelegen hatte, zum Objekt des freien Wettbewerbes zu machen. Kein Wunder, hatten doch im Vorfeld dieser Privatisierung die medialen Kofferträger, uns, den Vertretern der Plebs, diese ihre Entscheidung, diesen Schritt, mit wohlklingenden Versprechungen wie größere Effizienz, Transparenz und noch vageren Andeutungen schmackhaft machen wollen, und dies getan. Schlagworte wie Umgestaltung und Transparenz waren ja ehedem seit gut 5 Jahren in aller Munde, und Michail Gorbatschov muß wohl um den Zauber dieser Worte gewußt, ihn zumindest erahnt haben.
9.000 Arbeitsplätze bei e-on futsch

Entscheidend für diesen Schritt der Privatisierung von etwas so Elementarem, wie der Energieversorgung, der nicht nur in der 'wieder vereinigten' BRD, sondern im ganzen Geltungsbereich der EU erfolgte, deren Umbau in dieser Zeit mit Siebenmeilenstiefeln vorangetrieben wurde, waren entsprechende Festlegungen und Vereinbarungen, die in Brüssel und Straßbourg gefällt und getroffen wurden.
Schon damals krähte es aus Bonn und Frankfurt am Main, man müsse unbedingt eine europäische Währung als Gegenpol zu den damaligen Leitwährungen, US$, Britischem Pfund und Japanischem Yen, schaffen. Klar war auch schon, daß das Zentrum der neu zu schaffenden EU-Hochfinanz in FfM zu liegen habe, das ja mit seinen glitzernden Bürogebäuden sowieso etwas wie Klein-Manhattan aussah. Hierin fällt etwa auch die Geburtsstunde, oder wenigstens das Erstarken der Antideutschen Bewegung. Wo? Klar, in der 'wieder vereinigten' BRD, und völlig autark. So schien es wenigstens. Der Administrator eines anderen Blogs, Daniel Neun, förderte vor gut 1,5 Jahren unter Zuhilfenahme des R-Archives, eine andere Darstellung zu Tage, die irgendwie plausibel klingt, auf jeden Fall erklärt, warum es die heute immernoch gibt, sie so aktiv sind. Henry Ford, hier eher bekannt für sein Bonmot, welchem zufolge ein Auto jede Farbe haben könne, so lange es schwarz sei, war ein erklärter Antisemit, lieferte Hitler mit seinem Buch "Das ***entum, Wurzel allen Übels" eine Steilvorlage, aus der in der angelsächsichen Version von Hitlers "Mein Kampf" rege zitiert wird, ja sogar das Vorwort stammt.
In den Neunzigern versprachen die einen, die Privatisierer nämlich, mit einer unabhängigen Währung sei man, die Volkswirtschaften in Europa, in der Lage, Verwerfungen im weiteren Sinne, also auch ernst zu nehmenden Krisen, wie man gerade eine in Asien hatte, zu trotzen. Damals wurde kolportiert, Japanische Unternehmensvorstände übergäben untereinander oder auch entsprechenden Bauministern und -referenten Bestechungsgelder in zuvor vergoldeten Orangen, um Aufträge zu bekommen, oder sonst eine Absprache zu besiegeln, echauffierte sich ungeheuer darüber.
Eine Gruppe Menschen war sicher nicht darunter, sondern kam vor lauter Lachen über so viel rechtschaffene Entrüstung wider asiatisches Geschaftsgebahren, die Korruptionsvorwürfe wider manche Asiaten, die ganze Nacht über nicht in den Schlaf: die ManagerInnen und Kassenwarte der Siemens AG.
In dieser spannungsgeladenen Zeit erstarkten die Antideutschen, und es schien damals, wenigstens heran Wachsenden, auf eine lustige Art provokant, was die so forderten, und, wie sie es begründeten. Die deutsche Absicht, die Europäische Zentralbank nach Frankfurt statt London zu verlegen, oder, feiern zu wollen, wenn den Serbischen Streitkräften der Abschuß eines Bundeswehr-Tornados gelingen würde. Beides, nicht die defätistische Feier, sondern die Initiative für die Bank am Rhein, wie auch die Beteiligung der Bundeswehr an Kriegshandlungen, an Aggressionen gegen ein anderes europäisches Land und seine Bevölkerung, die schon einmal fürchterliche Kriegs- und Revangehandlungen deutscher Militärverbände erdulden, Opfer beklagen mußte, wurde mit der spöttischen Wiederholung des Spruches: "Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen." kommentiert. Ich war dann nie auf so einer Feier. Noch heute gehe ich eher zu unpolitischen Feiern.
Doch zurück zu e-on und der Privatisierung der Daseinsvorsorge:
Wer als heran Wachsender in der Zeit vor der Privatisierung mal mit seinem Geld nicht hinlangte, nicht genügend davon auf dem Girokonto beließ, so neben einer Mahngebühr an die Bewag noch jene an die Bank für eine nicht gedeckte Lastschrift entrichten mußte, oder wenigstens so jemanden kannte, dem es so ergangen war, schaute sehnsüchtig auf jene Zeit, für welche die Verheißungen gelten sollten, wollte kritische Stimmen dazu garnicht hören. Der Autor dieser Zeilen war einer der ersten, die einen Energielieferungsvertrag mit einem so neu geschaffenen Versorger abschlossen, und, weil mit der Erlangung der Hochschulreife und der zwischemenschlichen Beziehungen hinlänglich ausgelastet, eher unkritisch. Bestärkt wurde er in dieser Haltung durch einen von einem Nachbarn dargebotenen Kaffee mit flockiger Milch darin, und der Erzählung Desselben von herablassenden Beamten in der Entstörstelle, die, mit einem kessen Spruch auf den Lippen, von so jemand nur noch Bargeld akzeptieren, der gleich den anderen armen Wichten zunächst lange warten muß, es entrichten zu dürfen.
Daß die ganze Angelegenheit, die Absicht, mit der Versorgung der (eigenen) Bevölkerung mit Energie Profit erwirtschaften zu wollen, im Grunde ethisch verwerflich ist, von niederen ethischen Standards und Kurzsichtigkeit zeugt, schien nicht so wichtig, da derlei, niedere ethischen Standards und Kurzsichtigkeit, weit verbreitet waren, sind.
Auch so Kleinigkeiten, wie der Umstand, daß die Eigentumsfrage des Inventars, wie später bei der Bundesbahn, schwierig, wenn überhaupt halbwegs fair oder auch nur gütig zu klären sein würde, wurden erst mal verdrängt oder im Geheimen geregelt, wie der Verkauf der Wasserwerke in Berlin.
Auf Verdrängung von Ethanol folgt ein Kater, auf die Verdrängung von elementaren Einsichten auch, und so ist mindestens einer dieser dynamischen, neuen Stromanbieter längst wieder von der Bildfläche verschwunden, weil er die Durchleitungsgebühr an den neuen Eigentümer des Netzes nicht entrichten konnte. Klar ist auch für die kapitalistische Gesellschaftsordnung ein anderes 'K'. Das von der Konsolidierung, der Gesund-Schrumpfung nämlich.
Zum mit Nachvollziehen: man gesteht einer Entwicklung, die Ursache bestimmter Entscheidungen (oder Marktgesetze) ist, eine pathologische Entwicklung zu oder sie sich dafür ein, hält sie für gegeben wie das Wetter, und sagt: "Gott sei Dank!" oder "Das war auch mal wieder fällig!", wenn etwas zusammen bricht. Ob das die von Entlassung bedrohten e-on-MitarbeiterInnen auch so sehen?
Aber, es gibt auch positives zu vemelden, nicht alle bei e-on haben heute und demnächst Katerstimmung, so etwa e-on Vorstandschef Wulf Bernotat.

"Bösen Menschen geht es immer gut." sagt ein altes Sprichwort, und diesem Herrn gehts wirklich gut, weiß er doch, daß mittelfristig der für Energie zu entrichtende Preis ansteigen wird, hat entsprechend vorgesorgt, schickt gleich nach, daß der von Angela Merkel erst vor der Europawahl wieder eingeforderte Klimaschutz nicht umsonst zu haben sei, hält den Stromtarif in der BRD für niedrig, während der Leser nebenan erfährt, daß eben jener Tarif um ein Viertel zu hoch ist. Zum Vergleich: die Märchensteuer beträgt bis jetzt fast ein Fünftel.
Doch ob so wenig Material hätte selbst Herr Bernotat schnell ausgelacht, daher schickte er Journalisten hinterher, aus seiner Sicht seien € 1,30, Äquivalent für ein halbes, gezapftes Bier, nicht zu viel für den Komfort, daß Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschine und Stereoanlage den ganzen Tag laufen und das Licht nicht ausgehe. So viel zahle seine Tochter pro Tag in ihrer 2-Zimmer-Wohnung. Soll er selbst zu Worte kommen:
"Sie können natürlich auch bei Kerzenschein ein ganzes Bier trinken, oder mehrere Dosen auf einer Parkbank, das ist doch nicht unser Bier. Daß man dabei sogar noch in den Genuss kostenloser Straßenbeleuchtung kommt, wird ja auch als Selbstverständlichkeit angesehen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin Vorstandsvorsitzender der Caritas."
Vielen Dank an die Titanic! Als vor ein paar Jahren in der Region Siegerland ob eines vorgezogenen Wintereinbruches im Oktober die privatisierten Überleitungsmasten den privatisierten Strom lange nicht durch die gebrochenen Leitungen leiteten, weil sie unter der Last des Schnees umgeknickt waren, überhaupt in Europa und natürlich auch in den USA und Kanada, wo die Energieversorgung privatisiert worden war, immer wieder mal ein Energienetz zusammenbrach, mußte man endlich einräumen, daß die Kritiker der Windenergieerzeugung doch ernsthafte, nicht für immer zu verdrängende Bedenken gegen eine allzugroße Ausweitung dieser Form der Energiegewinnung haben, ferner die Privatisierung der Energieversorgung wohl keine so gute Idee war.
Nun, wenn ein Kind in einen Brunnnen gefallen ist, kann man es rausholen, doch ist es dann meist leblos und aufgedunsen. Culpa patris aquis submersus - die Erwähnung der gleichnamigen Geschichte von Theodor Storm paßt hier, wie sonst nirgends.
Kurz: man hat eine Lokomotive angeschoben, sie in zügige Fahrt gebracht, ganz so, als hätten Marx und Engels nicht in ihrem Manifest geschrieben, daß, wenn so eine Entwicklung erst mal so richtig in Gang kommt, ganze soziale Klassen unter deren Räder kommen.
Dessen ungeachtet vermeldete heute die Welt neben beschaulichen und ärgerlich stimmenden Vergleichen, daß einer der durch die Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge entstandenen Quasimonopolisten in Europa demnächst 9.000 MitabreiterInnen entlassen will. Dabei ist die EU, wie wir sie haben, ein gar lustiges Ding, könnte man meinen, oder wenigstens die Spitzen solcher Stromanbieter wie RWE oder e-on. Von letzt Genannten weiß ich es nicht explizit, vom anderen dafür: Fördergelder, großzügige Fördergelder, die denen für die diversen Bankenrettungsschirme kaum in der Höhe nachstehen, haben die Energieriesen seither für Teilgebiete ihres Tuns auch noch erhalten.
Die Angestellten von Hertie gehen heute mit ihren Vorgesetzten auf die Straße, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Als vor 2-3 Jahren GDBA und Transnet auch gemeinsam mit ihren Vorsitzenden und anderen für eine baldige Privatisierung der Bundesbahn eintraten, wirkte die Forderung von Oskar Lafontaine nach der Zulassung politischer Streiks wie etwas, das zur falschen Zeit gefordert wurde. Ob der praktischen Durchführung einer solchen Forderung damals ist das Thema leider ganz schnell wieder in Vergessenheit geraten. Schade.




















Zum Besten von uns allen?
Was ich mit meiner Hände Arbeit tun kann werd ich tun mich in die finanzielle Lage zu bringen, mir diese Episode der Geschichte anzukucken.
Ich denke, diese ganzen Blasen und Lügengebäude gehen krachen. Dieser herzlose Materialismus, der alles pervertiert kann nur scheitern, denn Leben funktioniert nur durch das Prinzip Leben.
Nimm eine Flechte- das ist ein Mischwesen aus Alge und Pilz- die leben zusammen zum gegenseitigen Nutzen.
Ich bin nicht lateinfest- aber "Privatisieren" hat doch von der lateinischen radix her mit Raub zu tun?
Eigentlich ist dieser Neoliberalismus schon Geschichte!(1933)
Und welcher Idiot verkauft schon seine Infrastruktur (Leber,Blutgefäße,Herz und Nieren) auf Pump an der Börse?
lg.silv.