China ist kein Monolith. Auch wenn über 90 Prozent der Bevölkerung zu den
Han-Chinesen zählen, muss klar sein, das auch die Han selbst aus unterschiedlichen Entwicklungslinien mit zum Teil eigenen Sprachen stammen und die Han selbst, da sehr genau unterscheiden. Die anderen 55 Völker die in China leben, erscheinen angesichts der Übermacht der Han-Chinesen bedeutungslos.
Zumindest die Uiguren in der Provinz Xinjiang und die Tibeter sind es auf ihrem Territorium aber nicht. Beide verfügen nämlich zumindest theoretisch noch über ein eigenes Gebiet, auf dem sie Unabhängigkeit von China fordern könnten. Die chinesische Regierung versucht das zu unterlaufen, indem sie mit gutbezahlten Jobs immer mehr Han-Chinesen in diesen Gebieten ansiedelt um zum Schluss auch dort die Bevölkerungsmehrheit zu stellen.
Diese Taktik ist übrigens nicht neu. Immer wieder wurde durch große Auswanderungswellen, neuer Lebensraum erschlossen und die autochthone Bevölkerung wurde verdrängt oder assimiliert. Natürlich unterstützt die chinesische Regierung dieses schon fast traditionell zu nennende Vorgehensweise um sich in Uigurien und Tibet die Bodenschätze zu sichern, die ganz China dringend braucht.
Selbstverständlich kommt es bei dieser Vorgehensweise zu gewollten und ungewollten Benachteiligungen von Uiguren oder Tibetern und es gibt schon lange, eine Unruhe in den jeweiligen Bevölkerungsgruppen. Diese Unruhe aber allein separatistischen Bemühungen zuzuschreiben ist einfach falsch. Sehr oft geht es um Kleinigkeiten, wie die Benachteiligung bei Jobs, oder unverständlichen Gerichtsurteilen, aber auch nur um alltäglichen Streit zwischen zwei Bevölkerungsgruppen.
Anders als das typisch deutsche Fernsehbild des stoischen Chinesen, geht es in Wirklichkeit häufig eher mit einem typisch spanischen Temperament zur Sache. Dazu kommt, das die Uiguren als Muslime auch noch heftige religiöse Probleme im chinesischen System haben, das jeder Form von Glauben ablehnend gegenüber steht.
Wenn man einen Vergleich der Situation suchen will, dann bietet sich Nordirland an. Jenes katholische Land, das von englischen protestantischen Einwanderern zu Lasten der irischen katholischen Bevölkerung übernommen wurde und in dem, dem irischen Bevölkerungsteil praktisch jede Lebensmöglichkeit genommen wurde.
So wie in Nordirland vor allem die Auslandsiren aus den USA den Krieg mit immer neuem Geld immer wieder anfachten und die englische Besatzungsmacht immer härter zurückschlug, spielt in Uigurien der sogenannte uigurische Weltkongress mit seiner in den USA lebenden Führerin Rebiya Kadeer eine treibende Rolle. In Tibet ist es bekannterweise der Dalai Lama und die Exiltibeter.
Natürlich ergreift die chinesische Regierung immer gerne die Gelegenheit den jeweiligen Auslandsorganisationen die Schuld für die Aufstände zuzuweisen und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese sich auch gerne in Konflikte einmischen, um ihr Süppchen zu kochen. Sie sind alleine aber nie stark genug, um wirklich etwas bewirken zu können.
Deshalb muss man die
Aktivitäten der USA gegenüber China im Auge behalten. Der Einsatz eines Terrorkommandos in
Kirigisien war ja nur der vorläufige Abschluss einer Reihe von weitgehend gut inszenierten Aufständen, wie in Birma oder Tibet.
Um es klar zu sagen. Selbstverständlich gibt es in China Leute die bestimmte Gebiete von China abtrennen wollen und dafür einen wenn auch begrenzten Freiheitskampf führen. Genauso selbstverständlich reagiert die chinesische Regierung völlig falsch. Sie erklärt alles was ihr nicht in den Kram passt zu Terrorismus.
Aber auch in Deutschland wird mittels des Terrorarguments ja auch immer wieder jede freiheitliche Regung unterdrückt. Versammlungsverbote,
brutalste Polizeieinsätze und fragwürdigste Gerichtsurteile sind auch hier an der Tagesordnung. Schäuble und seine Helfershelfer werden nicht müde jeden Tag die Gebetsmühle Terrorismus ständig zu drehen, obwohl das Ding schon völlig ausgeleiert ist.
Soweit man es sich zur Zeit zusammenreimen kann, war die Grundlage der aktuellen Auseinandersetzung, das ein Han-Chinese in der Spielzeugfabrik in Shaoguan an der chinesischen Südküste, das Gerücht verbreitet hatte, sechs Uiguren hätten zwei han-chinesische Mädchen vergewaltigt. Daraufhin war es zu einer Massenschlägerei gekommen, bei der über 100 Arbeiter verletzt und mindestens zwei Uiguren getötet wurden.
Als Reaktion auf diese Tat ist dann in Uigurien in der Stadt Urumqi eine Demonstration erfolgt, deren ursprüngliches Ziel es war, das die Getöteten nach Hause überführt werden und ihre Angehörigen eine staatliche Entschädigung bekommen sollten. Zudem wurde verlangt, dass die chinesische Justiz die Schuldigen ermitteln müsste.
Selbstverständlich wurde auch in diesem Fall von interessierter Seite das Süppchen des freien Ostturkestans, als Heimstatt der Uiguren gekocht. Die wirklich sehr dumme Provinzregierung tat das, was schon in Tibet falsch gewesen sie ist. Sie differenzierte nicht zwischen den berechtigten Interessen und dem formalen Separatismus.
Anstatt dem Ganzen mit einfachem Nachgeben in den Hauptforderungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, zog sie die Terroristenkarte und prügelte die erste Demonstration nieder. Prompt weitet sich das ganze zu einem echten Aufruhr aus, der dann mühsam niedergeknüppelt werde musste.
Logischerweise wird es nun weitere Protestwellen geben Uiguren gegen China und die Han-Chinesen. Die Han-Chinesen für China und gegen die Uiguren und so weiter und so fort. Selbstverständlich werden die Medien ihre Geschichten bekommen und ein weiterer Unruheherd wird am kochen gehalten.
Über uigurische Gebiet, sollte China eigentlich mit Öl und Gas aus dem Gebiet rund um das kaspische Meer versorgt werden. Jenes Gas das auch die USA für sich reklamieren und das sie über die Nabucco Pipeline abtransportieren wollten. Da ist ein Aufstand in Uigurien doch von richtig praktischem Wert. China, das gleichzeitig der größte Geldgeber der USA ist, wird geschwächt und der Krieg um Gas am kaspischen Meer kann fortgesetzt werden.
Wie in Birma, Tibet und an sonstigen Problempunkten auf der Erde geht es nicht um die Interessen der Menschen. Es geht darum imperiale und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen und dabei nimmt man die Toten als Kollateralschaden leichten Herzens in Kauf.
Die Geschichte zeigt aber auch noch etwas anderes. Unter Chinas Arbeitern gibt es einen unbarmherzigen Kampf um die Arbeitsplätze, bei dem es kaum noch Grenzen gibt. Schlägereien der Arbeitnehmer untereinander nehmen überall zu.
Während hier bereits von einigen "Wahrsagern" von einem Aufschwung in China gesprochen wird, erleben die Chinesen ständig neue Schließungen von Fabriken und der ach so tolle Inlandskonsum, wandelt lediglich Geld in Ware um, der ein höherer Wertbestand, als den bedruckten Scheinen aus Peking zugetraut wird. Dieser Konsum ist allerdings bald zu Ende, wenn das Geld alle ist und kein neues mehr nachkommt.
Große Zahlen an Arbeitslosen ohne jede Hoffnung könnten sehr schnell zu Chinas Zerfall führen. Die ersten Risse sind bereits sichtbar. Aber das gilt zur Zeit wohl für die meisten Staaten der Erde.