Das bisschen Internet, sagten sich Burda, d ei Zeitungsverleger und Vodafone, das machen wir doch mit links. Und so öffneten sie Kisten mit ihren Weisheiten aus allter Zeit, schoben die Mottenkugeln beiseite und zerrten die zerfressenen Weisheiten hervor, die natürlich prompt rissen und dann auch noch falsch wieder zusammengesetzt wurden. Vodafone holte sich sogar echte Flachleute, die Herren von Scholz und Friends, die dem alten Ramsch sogar noch neue Farben und ein paar Buzzworte verpassten.
Glücklich standen sie nun all da. Burda wollte, das Google ihn für das bezahlt, was seine Leute aus den Agenturmeldungen und mittlerweile auch aus den Blogs abgeschrieben haben. Zusammen mit Zeitungsverlegern fordert er zusätzlich, dass keine Mehrwertsteuer mehr auf die Blättchen erhoben werden sollen, die ja sowieso keinen Wert, geschweige denn einen Mehrwert haben.
Da darf auf Windeln der volle Mehrwertsteuersatz gezahlt werden, weil die ja zumindest in gewissen Rahmen ganz dicht sind, während die Presse bestenfalls als undicht bezeichnet werden muss. Man könnte sie natürlich auch als gekaufte Propagandatruppe des Großkapitals bezeichnen. Aber das ist egal. Sie werden ihre Subvention bekommen und trotzdem sterben.
Am glücklichsten aber war Vodafone zusammen mit Scholzens Freunden. Die hatte sogar ein paar Netcitizens eingefangen, wie Sascha Lobo, die Schnutinger sowie Robert Basic und durfte diese nun live und in Farbe der staunenden Öffentlichkeit vorführen. Ach wie fein Deutschland bekanntester Blogger ist Sascha Lobo. Nun ja. Wenn wir Robert Basic und den unsäglichen Stefan Herre mal weglassen uns auch nicht um die hundert anderen Namen kümmern die vor dem ziemlich bedeutungslosen Lobo stehen.
Aber so sind sie die Bohème des Internets. Ein bisschen Trallala ein bisschen Hopsassa. Echt schräg diese Vögel und so wahnsinnig erfolgreich. Sie drehen sich ständig - natürlich nur um sich selbst und können kaum fallen weil sie sich so ängstlich aneinanderkrallen. Gemeinsam fällt die Schwäche eben weniger auf. Nein ich gönne ihnen das Geld. Ich stehe grinsend da und freue mich.
Neue Vodafone Werbung "Es ist Deine Zeit"
Dafür muss man viel Schmerzensgeld bekommen. Tatsächlich aber ist es auch ein Offenbarungseid einer Werbeagentur, die noch nicht einmal ahnt, wo ihre Zielgruppe sitzt. Denn anders als Lobo, nennen es die meisten Blogger nicht nur Arbeit, sondern es ist harte Arbeit. Wenn ich die Jungs von F!xmbr, den Spiegelfechter und viele andere um gute, oder sogar erstklassige Artikel ringen sehe, dann kann ich stolz auf eine solche Gemeinschaft sein.
Aber auch die vielen kleinen Blogs, die neben allerlei nettem Katzencontent nur wirklich selten einen großen Artikel bringen und die vielen Spezialblogs mit engen Themen, die machen glücklich. Die Selbstdarsteller, die auf Kosten anderer vorankommen wollen und immer nur den Tritt nach unten und das buckeln nach oben kennen, denen gönne ich ihre wichtige Rolle in dieser Kampagne.
Tatsächlich ist damit ein Kapitel glücklich beendet. Was bei Vodafone völlig falsch lief, hat die Klinik für mediale Prävention ausführlich beschrieben.
Herr Burda, die Zeitungsverleger und auch Vodafone haben alle das gleiche Problem. Sie haben kein Produkt. Die Totholzmedien sind doch schon veraltet bevor sie überhaupt gedruckt werden. Die Taktung für Nachrichten gibt der Twitterstrom mit seinen Geschwistern vor, dem die Nachrichtenagenturen mühsam folgen.
Natürlich suchen die Medien jetzt auch nach dem kostenlosen Bürgerreporter, der es ihnen erlaubt seine Inhalt für Geld zu verkaufen. Den gibt es aber nicht. Wer seine Arbeit in kostenlosen Bürgerjournalismus steckt, der will nicht das Burda und Co. daran verdienen. Damit haben die Medien außerhalb der Werbeeinnahmen keine Einkommensquellen und sind im Bereich Print bis auf wenige Nischenprodukte schon so gut wie tot.
Im Netz konkurrieren sie mit den kostenlosen Bürgerjournalisten, den Newstickern und den vielen Foren in denen Hilfestellung geleistet wird. Dieser Kampf ist nicht zu gewinnen. Dienste wie Google News die einem einen Überblick über die Medienlage nach eigenen Kritierien verschaffen, sind zur Zeit zwar noch zu langsam, aber die Zukunft der News. Über den Wettbewerb wird es da auch zu mehr Transparenz in der Gewichtung der Nachrichten kommen.
Vodafone hat wie andere Markenartikler das Problem, dass die Marke keine Originalität aufweist. Nicht die Schweizer haben es gemacht, sondern an jeder Ecke steht irgendein Hansel, der uns mit Telefon- und Internetverträgen zuschütten will. Gibt es da irgendeinen Unterschied. Nein. Und statt ein Produkt zu schaffen, dass die anderen nicht haben, wie z.B. die Rundumsorglos Flat für alles, macht man Werbung.
Wenn ein bunter Irokesenschnitt, der eigentlich eher ein Huronen oder Mohawk Schnitt heißen müsste, und ein wenig Tralala ein Produkt ausmachen sollen, dann ist das zu wenig. Die sogenannte Generation Upload, ist eben eher eine Generation Download, die knallhart Preise und Leistungen vergleicht und dazu noch das bisschen Computer wirklich versteht.
Johanna von Koczian - Das bisschen Haushalt
France Gall -Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte
Roger Whittaker - Ein bisschen Aroma ein bisschen Paloma
Alex C. ft. Y-Ass - Ein Bisschen Nymphoman
Die Sterne - Das bisschen besser
Curse - Ein ganz kleines Bisschen
Ein bisschen von allem. Ein bisschen verliebt oder ein bisschen schwanger sein. Ein Bisschen ist weniger als nichts. Ich wünsche meinen Lesern einen schönen und ruhigen Sonntag. Geben wir uns nicht mit ein bisschen zufrieden. Wir haben mehr verdient. Unsere Politiker wollen uns jetzt vor der Wahl auch von allem ein bisschen versprechen um uns dann nach der Wahl, das letzte Bisschen zu stehlen.
Wir sollten nicht so bescheiden sein. Jetzt ist es an der Zeit, einen gerechten Anteil für alle zu fordern. Einen Mindestlohn von 10,50 Euro. Ein Grundeinkommen von 1.176 Euro bei Weiterbildung, ehrenamtlicher Tätigkeit, Erziehung, Pflege oder Teilzeitarbeit. Die 35 Stundenwoche für alle. Die Gleichstellung von juristischen und natürlichen Personen auf Basis des EBITDA bei Sozialabgaben und Steuern, ohne Beitragsbemessungsgrenze. Kämpfen wir endlich mal für uns alle.
mediaclinique | ralf schwartz am
07/12/09 um 10:23
vodafone: Wenn der Blauäugige auf den Einäugigen trifft
Ich bin betroffen. Ein Unternehmen gibt sich sichtlich Mühe, sich selbst von einem Tag auf den anderen ein vollkommen neues, hippes, uploadiges Image zu geben und scheitert vollkommen. Und es gibt mir die Schuld. Also nicht mir selbst, sondern allen,... ...
Du schreibst, Vodafone habe "wie andere Markenartikler das Problem, dass die Marke keine Originalität aufweist".
Naja - immerhin hab' ich durch den ganzen Rummel nebenbei mitbekommen, dass Vodafone länger schon Arcor gekauft hat. Also die mit den Drückermethoden an der Haustür ("Guten Tag, wir kommen, um die Telefonanschlüsse umzustellen"... u.ä.) Aha.
BISHER war der Name Vodafone für mich neutral - nun erinnern mich Blogpostings daran, dass die ja zu den vorauseilend Gehorsamen bei Zensursula gehörten!
Vielleicht mach ich mich lächerlich, weil es entweder für meinen Zynismus oder meine Naivität spricht - aber ich find jetzt den Vodafone-Spot nicht SOOOO arg. Halt Internet, wie sich die Werbe-Heinis das vorstellen: schicke Leute, die viel Zeit für ihre Hobbies und keine Sorgen haben, entdecken JETZT, dass es ja viel mehr Spass macht, ihren Kram online zu stellen.
Gut, einen Originalitätspreis verdient der Spot nicht, und ich kann mir auch kein Zielpublikum vorstellen, welches nach dem Spot sagt: "Wow, dieses Vodafone MUSS ich haben!" Aber ein ISP hat nun mal langweilige Produkte - entweder ist man NOCH günstiger als alle anderen, oder man versucht sich als hip und gut gelaunt zu verkaufen. Letztlich gibt es wahrlich peinlicheres, was Tag & Nacht aus dem TV auf uns einprasselt.
Und was das Verkaufen der Bloggerseelen angeht: Wer auf Werbung setzt, ist eh verdächtig - ob es nun um Vodafone, spritfressende Autos oder neoliberale Presse geht... Hier wissen wir Privatblogger eben, warum wir unsere Domain selbst zahlen und kein Geld wollen. :)
Naja - immerhin hab' ich durch den ganzen Rummel nebenbei mitbekommen, dass Vodafone länger schon Arcor gekauft hat. Also die mit den Drückermethoden an der Haustür ("Guten Tag, wir kommen, um die Telefonanschlüsse umzustellen"... u.ä.) Aha.
BISHER war der Name Vodafone für mich neutral - nun erinnern mich Blogpostings daran, dass die ja zu den vorauseilend Gehorsamen bei Zensursula gehörten!
So langsam gewinnt Vodafone Gesicht...
Gut, einen Originalitätspreis verdient der Spot nicht, und ich kann mir auch kein Zielpublikum vorstellen, welches nach dem Spot sagt: "Wow, dieses Vodafone MUSS ich haben!" Aber ein ISP hat nun mal langweilige Produkte - entweder ist man NOCH günstiger als alle anderen, oder man versucht sich als hip und gut gelaunt zu verkaufen. Letztlich gibt es wahrlich peinlicheres, was Tag & Nacht aus dem TV auf uns einprasselt.
Und was das Verkaufen der Bloggerseelen angeht: Wer auf Werbung setzt, ist eh verdächtig - ob es nun um Vodafone, spritfressende Autos oder neoliberale Presse geht... Hier wissen wir Privatblogger eben, warum wir unsere Domain selbst zahlen und kein Geld wollen. :)