(„Frauen vor Flusslandschaft“ ist der Titel eines meiner Lieblingsbücher von Heinricht Böll, übrigens sein letztes.)
Beinahe hätte ich mich während der letzten Tage im Koordinatensystem, das man gemeinhin als „die Politik“ anerkennt, verheddert. Aber wo Politik drauf steht, muß noch lange keine drin sein. Sondern Profilierungsspiel oder andere Wichtigtuerei? Gerettet hat mich dann eine Versammlung, auf der es um was Wirkliches ging, und wie ich meine, auch um Politisches. Ich nehme sie hier zu meinem Ausgangspunkt und will damit durchaus, und sei es nur für mich, ein Zeichen setzen!
Ich war auf einer Versammlung, wo es um schulische Dinge ging. Einer der wenigen Bereiche also, der traditionell offen von Frauen dominiert wird, und so war es auch hier. Ein Übermaß an weiblichen Energien will ausgehalten werden! Oder etwas weniger nobel: ist kaum auszuhalten! Immer wieder verblüffend, wie dominant Frauen sein können. Wo haben sie das bloß gelernt – rhetorische Frage, ja klar, - es ist die Art Dominanz, die man im Untergrund lernt. Die Männer stets vorne auf der Bühne, aber hinter, unter und neben der Bühne stehen sie alle und herrschen was das Zeug hält. Nee, im Matriarchat möchte ich auch nicht leben!
< Die Irrungen und Wirrungen des Josef Ratzinger | HRE - Wie Ackermann und Blessing Deutschland abzockten >
Menschen vor Flusslandschaft
Ich konnte schon in der Schulzeit sowohl mit Mädchen als auch mit Jungs befreundet sein und das hat sich bis ins Erwachsenenleben hinein erhalten. Aus langjährigen Freundschaften, auch mit Männern, hat sich für mich ein Befreiungskonzept entwickelt, mit der gebührenden politischen Dimension. Ich baue nämlich auf den Dialog zwischen Mann und Frau. Ich glaube, dass sich darauf der Boden für friedliches und konstruktives Leben entwickeln kann und muss. Auch und nicht zuletzt deswegen, weil solide Freundschaften das Terrain des Emotionalen und Sexuellen befreien helfen und damit verminte Felder wieder begehbar machen. Manche Verknüpfungen müssen einfach gelockert werden. „Umgang mit Männern“ ist für Frauen sehr wichtig und umgekehrt natürlich. Kommt es zu ausreichend Begegnungen und läuft der Dialog, ist es nicht mehr so wichtig, wer denn nun in wen (un- oder) glücklich verliebt ist, ins Bett geht oder sonst was zwischenmenschliches anstellt, vom Kinder kriegen bis zum Skat spielen.
Freundschaftliche Beziehungen zu Männern pflege ich in privaten, ebenso wie in geschäftlichen und politischen Bereichen. Ich glaube, das bekommt allen Beteiligten sehr gut. Übrigens auch den Kindern. Nichts ist für Kinder gedeihlicher als eine Umgebung, wo Frauen und Männer (Väter und Mütter) in Freundschaft und Frieden miteinander verkehren. (Und wer nachts bei Mutti oder Papi im Bett liegt, geht die kleinen Rotznasen nichts an, wie ich manchmal sage.) Manchmal habe ich Krisen. Manchmal habe ich von den Männern genug und bin froh, wenn ich mich bei meinen Freundinnen erholen kann. Und machmal gehen mir die Frauen auf die Nerven, dann verkrümel ich mich eine Weile zu den Männern und schaue, was sie gerade so treiben.
Natürlich braucht es für diese Form des Miteinanderlebens selbstbewußte Frauen und Männer. Die Männer müssen es aushalten können, dass die Frau mal „die Hosen an hat“ und ihr den Vortritt lassen. Ebenso sollten sie auch in der Lage sein, sie in ihrer Lebenslage ernstzunehmen, bzw. den ganzen reproduktiven Lebensbereich als wichtig zu begreifen. (Ab ins Praktikum!). Nebenbei, um nichts anderes geht es ja, wenn wir allmählich anerkennen lernen, dass künstlerische, wissenschaftliche, politische, eherenamtliche und etliche andere nicht bezahlte Tätigkeiten in ihrer Gesamtheit vielmehr gesellschaftliche Relevanz besitzen als die alleinige Lohnarbeit. (Wenn bloß die Gewerkschaften endlich mal ihren Horizont erweitern würden …) Und die Frauen? Die Frauen sollten aufhören, mit den üblichen weiblichen Tricks und Mätzchen zu hantieren, mit denen sie hauptsächlich die Männern zu instrumentalisieren versuchen, sondern sich endlich mal selber ernst nehmen. Es gibt genug, die das können. Also rauf auf die Bühne! - Ja, da ist es manchmal ziemlich zugig und kalt. Aber wer wird denn hier so zimperlich sein. Die wirklichen Stars halten das auch aus. Oder dachtet ihr, die genießen jeden Tag glamour? Die wirklichen Stars sind Macherinnen.
Es stimmt, die 68er Generation hat vieles an alten Bindungsstrukturen aufgelöst. Familie, Verwandtschaft und die kirchlich und staatlich sanktionierte Ehe verloren ihren Vorrang, zumindest vorübergehend. Heute wird das ja vorwiegend sorgenvoll kritisch bewertet, wir leben quasi in einer Renaissance. Aber ich möchte daran erinnern, dass auch neue Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Bindung gefunden wurden. Und die nehmen wir heute geringschätzend als selbstverständlich hin. Darüber könnte ich mich stundenlang aufregen. Ich habe jahrelang in Wohngemeinschaften gelebt und habe aus dieser Zeit kostbare Freundschaften entwickelt. Mein Kind erlebte jahrelang die Geborgenheit der Gemeinschaft von Kinder- und Schülerladen, mitsamt den sozialen Netzen, die Eltern und Erzieherinnen geknüpft haben und die oft weit über die Kindheit hinaus reichen. Und das soll nichts sein??? Sicher, ich hänge auch an meiner Verwandtschaft, die ich auf sicheren Abstand weiß, räusper. Aber mein selbst gestricktes soziales Netz möchte ich auf keinen Fall zurücktauschen wollen in traditionelle Bluts- und Ehebande.
Ich bleibe dabei. Auf den Dialog zwischen Mann und Frau kommt es an. Diesen Dialog können alle führen, Bruder und Schwester, ArbeitskollegInnen, VereinsmeierInnen, sogar PolitikerInnen, und natürlich auch Eheleute. Das Geheimnis einer gelungenen Ehe ist nicht selten der fortwährende Dialog zwischen zwei gleichrangigen Menschen. Und um Mißverständnisse zu vermeiden: mit Dialog meine ich ganz bestimmt nicht Dauergequatsche, Zwang zum Konsens, oder verdecktes gegenseitiges mentales Strangulieren, um die Illusion von Harmonie zu erhalten oder um Hierarchie zu vertuschen, – soll ich noch mehr schreckliche Dinge aufzählen? Nein, nein. Meistens ist das „du, Liebling, wir müssen mal reden“ ja ganz harmlos. Ich habe jahrelang geredet und der Mann hat dabei Zeitung gelesen. Und wir haben uns eigentlich ganz gut verstanden. (Wenigstens hat er mir nicht dazwischen gequatscht …) Aber ein Dialog war es eben nicht. Da bin ich heute entschieden einen Schritt weiter.
Ich will weder zurück in Zwangsgemeinschaften, noch will ich mich mit Beliebigkeit und Oberflächlichkeit abfinden. Ich glaube, wir brauchen was Geniales dazwischen. Das mag anstrengend sein, umständlich und aufwendig. Aber wenn es funktioniert, dann ist es „flow“. Es fließt und läßt eine neue Qualität entstehen. Auf allen Gebieten. Dieses Stück vom Erbe der 68er trete ich an. Daraus könnte was entstehen, was unser eigenes wäre, etwas, das uns keiner wegnehmen kann! Keine Kirche, keine Weltregierung, keine anderweitige destruktive Herrschaftsclique. Vielmehr würden uns diese abgrundtief neidisch begutachten. Manchmal glaube ich, diese Ahnung vom besseren Leben und das Wissen, dass sie es nie haben können und der daraus resultierende Neid läßt sie so eisern festhalten, an ihren Konzepten von Herrschaft. Aber wie die Belohnungen im Reich der Herrschaft auch aussehen mögen, sie sind ein billiger Ersatz für das Glück, frei fließende Energien zu erleben. Und was sie nie haben werden, müssen sie bis aufs Blut bei uns verhindern?
Zu guter letzt: ich glaube, das was uns an Barack und Michelle Obama so gefällt, ist diese nicht-hierarchische Art der Beziehung, und damit Voraussetzung für den von mir beschriebenen Dialog zwischen Mann und Frau. Ich bin gespannt, was wir von diesem Paar noch erwarten dürfen.
Literaturvorschlag:
Alexander und Margarete Mitscherlich haben sich viele Jahre lang mit geschlechtsspezifischen Rollen und ihren Funktionen auseinander gesetzt und gesellschaftliche Entwicklungen wissenschaftlich begleitet.
Alexander Mitscherlich, „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ (Neuausgabe 1973)
Margarete Mitscherlich, „Die friedfertige Frau“ (1985)
Übrigens, - am Erscheinungsjahr der beiden Publikationen sehen wir, dass wir das Rad nicht andauernd wieder neu erfinden müssen!
Freundschaftliche Beziehungen zu Männern pflege ich in privaten, ebenso wie in geschäftlichen und politischen Bereichen. Ich glaube, das bekommt allen Beteiligten sehr gut. Übrigens auch den Kindern. Nichts ist für Kinder gedeihlicher als eine Umgebung, wo Frauen und Männer (Väter und Mütter) in Freundschaft und Frieden miteinander verkehren. (Und wer nachts bei Mutti oder Papi im Bett liegt, geht die kleinen Rotznasen nichts an, wie ich manchmal sage.) Manchmal habe ich Krisen. Manchmal habe ich von den Männern genug und bin froh, wenn ich mich bei meinen Freundinnen erholen kann. Und machmal gehen mir die Frauen auf die Nerven, dann verkrümel ich mich eine Weile zu den Männern und schaue, was sie gerade so treiben.
Natürlich braucht es für diese Form des Miteinanderlebens selbstbewußte Frauen und Männer. Die Männer müssen es aushalten können, dass die Frau mal „die Hosen an hat“ und ihr den Vortritt lassen. Ebenso sollten sie auch in der Lage sein, sie in ihrer Lebenslage ernstzunehmen, bzw. den ganzen reproduktiven Lebensbereich als wichtig zu begreifen. (Ab ins Praktikum!). Nebenbei, um nichts anderes geht es ja, wenn wir allmählich anerkennen lernen, dass künstlerische, wissenschaftliche, politische, eherenamtliche und etliche andere nicht bezahlte Tätigkeiten in ihrer Gesamtheit vielmehr gesellschaftliche Relevanz besitzen als die alleinige Lohnarbeit. (Wenn bloß die Gewerkschaften endlich mal ihren Horizont erweitern würden …) Und die Frauen? Die Frauen sollten aufhören, mit den üblichen weiblichen Tricks und Mätzchen zu hantieren, mit denen sie hauptsächlich die Männern zu instrumentalisieren versuchen, sondern sich endlich mal selber ernst nehmen. Es gibt genug, die das können. Also rauf auf die Bühne! - Ja, da ist es manchmal ziemlich zugig und kalt. Aber wer wird denn hier so zimperlich sein. Die wirklichen Stars halten das auch aus. Oder dachtet ihr, die genießen jeden Tag glamour? Die wirklichen Stars sind Macherinnen.
Es stimmt, die 68er Generation hat vieles an alten Bindungsstrukturen aufgelöst. Familie, Verwandtschaft und die kirchlich und staatlich sanktionierte Ehe verloren ihren Vorrang, zumindest vorübergehend. Heute wird das ja vorwiegend sorgenvoll kritisch bewertet, wir leben quasi in einer Renaissance. Aber ich möchte daran erinnern, dass auch neue Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Bindung gefunden wurden. Und die nehmen wir heute geringschätzend als selbstverständlich hin. Darüber könnte ich mich stundenlang aufregen. Ich habe jahrelang in Wohngemeinschaften gelebt und habe aus dieser Zeit kostbare Freundschaften entwickelt. Mein Kind erlebte jahrelang die Geborgenheit der Gemeinschaft von Kinder- und Schülerladen, mitsamt den sozialen Netzen, die Eltern und Erzieherinnen geknüpft haben und die oft weit über die Kindheit hinaus reichen. Und das soll nichts sein??? Sicher, ich hänge auch an meiner Verwandtschaft, die ich auf sicheren Abstand weiß, räusper. Aber mein selbst gestricktes soziales Netz möchte ich auf keinen Fall zurücktauschen wollen in traditionelle Bluts- und Ehebande.
Ich bleibe dabei. Auf den Dialog zwischen Mann und Frau kommt es an. Diesen Dialog können alle führen, Bruder und Schwester, ArbeitskollegInnen, VereinsmeierInnen, sogar PolitikerInnen, und natürlich auch Eheleute. Das Geheimnis einer gelungenen Ehe ist nicht selten der fortwährende Dialog zwischen zwei gleichrangigen Menschen. Und um Mißverständnisse zu vermeiden: mit Dialog meine ich ganz bestimmt nicht Dauergequatsche, Zwang zum Konsens, oder verdecktes gegenseitiges mentales Strangulieren, um die Illusion von Harmonie zu erhalten oder um Hierarchie zu vertuschen, – soll ich noch mehr schreckliche Dinge aufzählen? Nein, nein. Meistens ist das „du, Liebling, wir müssen mal reden“ ja ganz harmlos. Ich habe jahrelang geredet und der Mann hat dabei Zeitung gelesen. Und wir haben uns eigentlich ganz gut verstanden. (Wenigstens hat er mir nicht dazwischen gequatscht …) Aber ein Dialog war es eben nicht. Da bin ich heute entschieden einen Schritt weiter.
Ich will weder zurück in Zwangsgemeinschaften, noch will ich mich mit Beliebigkeit und Oberflächlichkeit abfinden. Ich glaube, wir brauchen was Geniales dazwischen. Das mag anstrengend sein, umständlich und aufwendig. Aber wenn es funktioniert, dann ist es „flow“. Es fließt und läßt eine neue Qualität entstehen. Auf allen Gebieten. Dieses Stück vom Erbe der 68er trete ich an. Daraus könnte was entstehen, was unser eigenes wäre, etwas, das uns keiner wegnehmen kann! Keine Kirche, keine Weltregierung, keine anderweitige destruktive Herrschaftsclique. Vielmehr würden uns diese abgrundtief neidisch begutachten. Manchmal glaube ich, diese Ahnung vom besseren Leben und das Wissen, dass sie es nie haben können und der daraus resultierende Neid läßt sie so eisern festhalten, an ihren Konzepten von Herrschaft. Aber wie die Belohnungen im Reich der Herrschaft auch aussehen mögen, sie sind ein billiger Ersatz für das Glück, frei fließende Energien zu erleben. Und was sie nie haben werden, müssen sie bis aufs Blut bei uns verhindern?
Zu guter letzt: ich glaube, das was uns an Barack und Michelle Obama so gefällt, ist diese nicht-hierarchische Art der Beziehung, und damit Voraussetzung für den von mir beschriebenen Dialog zwischen Mann und Frau. Ich bin gespannt, was wir von diesem Paar noch erwarten dürfen.
Literaturvorschlag:
Alexander und Margarete Mitscherlich haben sich viele Jahre lang mit geschlechtsspezifischen Rollen und ihren Funktionen auseinander gesetzt und gesellschaftliche Entwicklungen wissenschaftlich begleitet.
Alexander Mitscherlich, „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ (Neuausgabe 1973)
Margarete Mitscherlich, „Die friedfertige Frau“ (1985)
Übrigens, - am Erscheinungsjahr der beiden Publikationen sehen wir, dass wir das Rad nicht andauernd wieder neu erfinden müssen!




















Anti-hierarchisch kann ich bestätigen. Wahrscheinlich, weil Angebot und Nachfrage stimmen.
Danke.
schönen Sonntach!