Ich wiederspreche ja der verehrten Frau Calwer-Wildnis nur sehr ungern. Doch was ihren Beitrag zur Bundestagsabgeordneten Elke Reinke (LINKE) betrifft, so muss ich das heute einmal tun.
Sehr geehrte Calwer- Wildnis
Sie betiteln Ihren Blog-Beitrag über die Bundestagsabgeordnete Frau Reinke, von den LINKEn folgendermaßen:
Schwächen sind gleich tödlich, und Betroffenheit ist in der Politik nicht gefragt. Hartz IV-Empfängerin im Bundestag - das war ein flüchtiges Märchen
Dazu möchte ich aber etwas einwenden. Denn auch ich habe den Artikel in der ZEIT “Zurück zum Arbeitsamt” gelesen. Darum sehe ich die Sache etwas anders als Sie. In meinen Augen sind die Hauptprobleme von Frau Reinke nicht ihre Schwächen sondern ihre Stärken. Denn was Frau Reinkes mangelnde Redekunst betrifft, so ist das ja wohl kein Hinderungsgrund für einen Berufspolitiker. Schließlich reichten ein diesbezügliches Unvermögen immerhin aus, um das größte deutsche Bundesland, vierzehn Jahre lang zu regieren. Auch wenn es um den Kleidungsstil und das äußere Erscheinungsbild geht, sehe ich kein Problem. Was macht den Unterschied zwischen einer “Kunstlederjacke” und den Blazern von Frau Merkel. Es muss uns ja nicht gefallen wie sie rumlaufen. Es reicht schon wenn sie etwas tun was uns gefällt.
Genau da liegen denn auch die Stärken der Frau Reinke. Denn die Tatsache, dass sie ihre Tätigkeit ernst nimmt und sich um die Sorgen und Nöte, der von der Politik Betroffenen kümmert, wird sie für die anderen Politiker zum Problem. Denn deren Rückradlosigkeit und Verlogenheit wird um so deutlicher. Richtig sollte es also lauten:
“Stärken sind gleich tödlich,…”
Erlauben Sie mir bitte, an dieser Stelle, noch einige Anmerkungen zur Partei DIE LINKE. Es ist nicht so, dass diese Partei nun auch wo angekommen ist, wo sie vorher noch nicht war. Die Interessen, die diese Partei vertritt werden überall dort deutlich, wo sie und ihre Seilschaften das Sagen haben. Denn auch diese Partei hat schon längst eine unternehmerische Basis. Deren “Industrie” hat sich auf das Geschäft mit der Arbeitslosigkeit spezialisiert. So findet man linke Seilschaften oft dort, wo man aus dem Elend der Anderen Kapital schlagen kann. Sei es im Bereich der Umschulungen, Call-Center oder Zeitarbeitsfirmen. Auch die Verwaltung der Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Stillstandes wirft ausreichend, staatlich bezahlte, Posten ab. Diese sind mit guten “alten” Genossen besetzt. Welche sich auch noch hervorragend damit auskennen, wie man gegen allzu aufmüpfige Untergebene oder irgendwelche “Bürger” vorgeht. Warum sollten die denn wirklich eine Veränderung wollen?
Diese Partei ist auf lokaler und regionaler Ebene so sicher, dass sie die Stimmen der Armen eigentlich nicht braucht. Deren “Mitte” und ihre betonharte Basis reichen da völlig aus. Für den Bundestag wiederum sind diese, wegen der Wahlkampfkostenerstattung ein nettes Zubrot. Darum auch die schöne Fassade für die Weltverbesserungsträumer im Westen der Republik. Wer also von der LINKEn etwas Anderes oder gar Neues erwartet, dem kann ich die Hoffnung getrost nehmen.
Doch manchmal kommt es eben vor, dass die verlogene Politik der LINKEn eben eine Elke Reinke an die Oberfläche befördert. Sie wollten sie benutzen und danach unbemerkt wegwerfen. Doch da gilt es einzuhaken. Schön, dass Sie Frau Calwer-Wildnis mit Ihrem Beitrag etwas dazu getan haben. Denn wenn man dafür sorgt, dass Frau Reinke nicht unbemerkt weggeworfen wird, dann könnte das Märchen doch nicht so “flüchtig” sein.
Elke Reinke ist in ihrem Wahlkreis (69/ Harz) als Direktkandidatin für die LINKE aufgestellt. Es ist jetzt an den Betroffenen im Harz ihre eigene Stimme, nicht verstummen zu lassen. Ich würde mich freuen wenn es so wäre. Denn es wäre gut für die Menschen, die Elke Reinke vertritt, und es wäre gut für die Demokratie.
Ich hoffe Sie verstehen meinen kleinen Einwand.
Mit herzlichen Grüßen, Jörg Fuhrmann
Und falls »Schwarz und Gelb« (=Braun) die Bundestagswahlen gewinnt, darf man mit weiteren Kürzungen bei den Sozialleistungen rechnen. Eine Lobby existiert de facto nicht und das ist auch so gewollt. Besonders wenn die fortschrittlichen Kräfte demselben, künstlich erzeugten Konkurrenzdenken unterliegen wie ihre Gegner.
Doch sollte ich mich irren, dann betrachte meinen Kommentar als gegenstandslos. ;-)
Und jetzt erzähl mir bitte nicht, daß der Hartzi sich die 2 Euro monatlich nicht leisten könnte.
Nein, ich sehe da andere Probleme, strukturelle, wenn du so willst. Es gibt mittlereile eine BAG Hartz IV bei der Linken, die zur Zeit kämpft, um die Positionen zu Hartz IV in der Partei mitbestimmen zu können u.ä. - du kannst dir gar nicht vorstellen, was es da für Gegenwinde gibt. Ein Beispiel soll nun mal genannt werden: da hat die BAG aufgrund ihrer Mitgliederzahlen (die einzelnen AGs der Länder zu Hartz IV) auf Anhieb nach der Anerkennung laut Satzung Delegiertenplätze für Parteitage zugesprochen bekommen, und die BAG Rote Reporter (ja, richtig, die, die so dolle Pressearbeit machen für das linke Selbstverständnis) Einspruch erhoben, daß die BAG Hartz IV diese Delegiertenplätze bekommt.
Hier in Konstanz, wo ich lebe, habe ich mich von der Linken abgewendet, weil es ein verlogener Dreckshaufen ist (lauter Alt-Marxisten, Kader usw., die fett satt bürgerlich sind, aber so tun, als ob sie das Soziale interessieren täte, ekelig). Ich beobachte die Bundeslinke mit aufmerksamer, kritischer Distanz, weiß aber andererseits, daß es sonst leider keine Alternative gibt in der bsiherigen deutschen Parteienlandschaft - das ist alles. Was Elke Reinke betrifft: die BAG Hartz IV hat mit dazu aufgerufen, die Frau zu unterstützen, aber der entsprechende Landesparteitag hat sie im Wesentlichen abblitzen lassen, es sind die staatstragenden Betonköpfe im entsprechenden Bundesland, die meinen, sie müßten irgendwie realpolitisch agieren, so ähnlich wie die blöden Linken in Berlin. Da kann nix bei rumkommen, trotzdem wähle ich die Linke bei den Bundestagswahlen, magels Alternative, nicht weil ich wirklich an sie glaube.
Deshalb sage ich (unabhängig davon, welcher Couleur man angehört): »Bleibt drin, vermehrt euch und kämpft!«
Was die Kostenfrage betrifft, bin ich gegensätzlicher Auffassung. Ich schreibe Dir auch, warum:
Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und die Hartzis von der Kostenpflicht ganz befreien. Das wäre weder ein Privileg, noch ungerecht, sondern überaus demokratisch. Selbst für einen Hartz-IV-Empfänger sind 2,00 Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat zuviel, wenn er mit jedem Cent rechnen muss.
Für Mitglieder ohne oder mit geringfügigem Einkommen beträgt der monatliche Mindestbeitrag 1,50 Euro. Quelle: Beitragsordnung DIE LINKE
Wir versuchen seit Beginn der Parteigründung auch gezielt ALG II EmpfängerInnen zu werben, einige Mitglieder würden sogar den geringen Mitgliedsbeitrag übernehmen. Leider finden sich in einer Stadt mit etwa 1400 ALG-II Empfängern gerade mal weniger als 10 Leute dazu bereit,
politisch mitzuarbeiten. Mehr als 70% der Mitgliedschaft sind Studenten, Arbeiter, Angestellte, Freiberufler und Rentner.
Da kannste nix mehr machen. Sehr enttäuschend.
Gruss,
Frank
Am 12. abends findet eine Wahlveranstaltung mit unserer Unterstützung der Direktkandidatin Elke Reinke statt. Am 13. wird die Unterstützung durch Steckaktionen usw. fortgesetzt.
Wir lassen Elke nicht fallen: Elke Reinke, eine von uns, eine für uns!