Ja der Josef ist ein wahrer Hans Dampf in allen Gassen und er beweist alle immer wieder, dass er alles kann und darf. Jetzt hat er mitten in der Weltwirtschaftskrise schon zum zweiten Mal eine Milliarde Euro Gewinn gemacht, während rund um ihn herum die Wirtschaft zusammenbricht. Er ist ein richtiger Teufelskerl. Er kann einfach alles.
Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hat er sogar noch einen richtigen Befreiungsschlag bei den
Level 3 Assets gelandet und seine Bestand von 80 Milliarden auf 64 Milliarden gesenkt. 16 Milliarden also 20 Prozent weniger. Das ist eine reife Leistung. Wie war das eigentlich noch mal mit den Level 3 Assets?
Im Grunde sind Level 3 Assets Papiere, für die kein Markt und folglich keine beobachtbaren Preise existieren. Das gilt etwa für große Teile des Billionen Dollar schweren Segmentes verbriefter Kreditforderungen. Für eine Schätzung des Preises - ehrlicherweise kann in diesem Zusammenhang von „Bewertung“ keine Rede sein – greift man daher auf Annahmen des Managements des jeweiligen Halters der Papiere zurück. Das können Sie sich, wenn Sie mit Bilanzen nicht so viel am Hut haben, ungefähr so vorstellen. Sie werden im Rahmen einer Verkehrskontrolle angehalten und sollen sich einem Alkoholtest unterziehen. Leider gibt es kein Messgerät. Erstaunlicherweise wird jetzt keine offizielle Stelle, wie etwa der Beamte zu Rate gezogen, vielmehr dürfen sie selbst ran und schätzen nun ihre Fahrtauglichkeit ein. „Ikannofaaahrn“, wäre in diesem Falle wohl eine typische Einschätzung. Mit dieser Level 3 Fahrtauglichkeit könnten sie Sie sich dann wieder auf den Weg machen.
Mhm. Das klingt irgendwie nicht so gut. Das könnte ja bedeuten das der gute Onkel Josef Ackermann nicht etwa diese wertlosen Papiere verkauft hat, sondern dass er sie nur
anders bewertet. Das würde sogar Sinn machen, denn bisher hatte Ackermann 229 Prozent seines Eigenkapitals in diesem wertlosen Ramsch stecken und war dadurch 2,29 mal vollständig pleite.
Nun sind es auf wundersame Weise nur noch 183 Prozent und damit ist er nur noch 1,8 mal vollständig Pleite. Aber er ist mit seinem Bewertungsnotstand ja nicht alleine.
Schaut man sich die Derivatepositionen an, wird schnell klar, dass die Bewertung der Positionen einen massiven Einfluss auf die Gewinne der Banken haben und je höher die Gewinne sind, desto flotter fliessen die Boni - ein klassischer Interessenskonflikt. Doch nicht nur bei den Derivaten spielen Bewertungsmethoden eine grosse Rolle. Das gleiche gilt für alle Wertschriftenbestände und da habe es seitens der Banken unglaubliche Druckversuche auf die Politik gegeben, schreibt die Financial Times.
Tja, und der Druck hat dazu geführt, dass uns alle Experten weismachen wollten, dass die Verluste in den Bankbilanzen überschätzt wurden und deshalb die Bewertungen angepasst werden mussten. Jetzt kommt aber die Financial Crisis Adivisory Group zu einem ganz anderen Fazit. Sie ist der Meinung, dass die Verluste nicht über- sondern unterschätzt wurden. Aber hallo...
Kurzum, wer glaubte, dank den Bankgewinnen Schlüsse auf die generelle Konjunktur zu ziehen, sieht sich getäuscht. Die Gewinne haben viel mit Bewertungen zu tun und zeigen nicht den wahren Zustand der Banken.
Wenn man das ganze in einer etwas gröberen Sprache ausdrückt, dann sind Josefs Bewertungs- und Buchungstricks wohl der Grund für seine Gewinne. Beim Privat- und Firmenkundengeschäft sind die Gewinne um 83 Prozent eingebrochen. Statt 328 Millionen Euro im Vorjahresquartal gab es nur noch magere 55 Millionen, dafür machte die Vermögensverwaltung einen Verlust in Höhe von 85 Millionen nach einem plus von 242 Millionen.
Das Geschäft wurde im extrem risikoreichen Investmentbanking gemacht, da wo bisher die riesigen Verluste erwirtschaftet wurden, die der Auslöser für die Weltwirtschaftskrise waren. Aber Onkel Josef Ackermann ist vorsichtig. Er hat erst einmal Rückstellungen in Höhe von 1 Milliarde getätigt, weil er weiß, dass das böse Ende noch kommen wird.
Weder AIG, noch IKB, Hypo-Real Estate oder gar Commerzbank werden ihm Verluste in Milliardenhöhe ersetzen. Das hat nur einmal funktioniert. Gut er kann noch mal hundert Milliarden aus der Bad Bank holen und dem Steuerzahler aufbürden, aber dann gibt es keine Boni mehr. Nein. Josef Ackermann wird versuchen sich durchzuwurschteln.
Die Darlehen an Firmen außerhalb des Finanzsektors sind um 35 Mrd. Euro oder 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen. Was aber niemand nachgerechnet hat, wieviel mehr an Zinserträgen aus dem geschrumpften Geschäft erwirtschaftet wurde. Während die Banken sich über 12 Monate Geld für ein Prozent bei der EZB leihen, sind die Firmen näher bei 10 als bei 6 Prozent.
Josefs Durchmogeln könnte gelingen, wenn es tatsächlich einen Aufschwung und keine neuen Probleme in den Finanzmärkten gäbe. Dem ist allerdings nicht so. Das Magazin Fortune berichtet von 500 Milliarden Dollar Risikokrediten an die amerikanische Bauindustrie, die aufgrund des Zusammenbruchs des Marktes für Geschäftsimmobilien schon bald in weiten Teilen hoffnungslos werden dürften.
Der BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Pfister spricht von 40.000 Insolvenzen im nächsten Jahr und sagte dem Münchner Merkur:
Jede Hoffnung auf eine rasche und kräftige Erholung der Wirtschaft ist aus meiner Sicht völlig illusorisch.
Ohne einen schnellen und kräftigen Aufschwung wird Josef Ackermann die Deutsche Bank und sich selbst aber nicht retten können. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird er sich entscheiden müssen ob er die Brocken hinwirft, oder bei den Politikern nach Hilfe schreit. Vermutlich wird er die Postbank schreien lassen und dann von der profitieren.
Man kann ihm scheinbar nicht beikommen, aber irgendwann wird auch er Butter bei die Fische tun müssen und das wird zwar finanziell ein trauriger Tag, aber vielleicht wird dieser Tag zum Wendepunkt von den Bankstern zum vernünftigen Finanzmarkt als Dienstleister der Realwirtschaft.
Danke für deine tägliche Dosis Realität, mit bissigem Humor!
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Gruss Günni