
Die deutsche Marine ist aktiv an der EU-Anti-Piraten-Mission "Atalanta" beteiligt. Dabei geht es, laut dem Flottillenadmiral Thorsten Kähler, um die Erhaltung des Gesamtwohlstandes. Das ist wirklich eine wichtige Sache. Schließlich liegt dieser Gesamtwohlstand uns allen doch schwer am Herzen. Aus diesem Grund möchte ich nicht abseits stehen. Ach ich will meinen Beitrag zum Gesamtwohlstand und dessen Erhalt liefern.
Heute früh habe ich an meinem Schreibtisch gesessen und so in die mediale Welt hinausgeschaut. Dabei bin ich auch auf einen linientreuen Artikel von Sebastian Döring von der Deutschen Presseagentur gestoßen. Unter dem Titel:
"Gesamtwohlstand erhalten" - “Atalanta” sichert die Somalische Küste [yahoo-nachrichten]
wird uns dort von den Bemühungen europäischer Marineoffiziere im Kampf um die Sicherung der Weltwirtschaft. Sie steuern dabei die sinkbaren Teile der Mission vom sicheren Northwood aus. Sie haben es sich also auf ihrer Brücke im sicheren London bequem gemacht. Nun liegt diese Kommandobrücke aber nur ca. 15m über dem Meeresspiegel. Da scheint man dann doch nicht so den richtigen Überblick zu haben. Glücklicherweise befinde ich mich zur Zeit etwa 365m höher. Hier ist zwar das Meer weit weg. Trotzdem bietet sich ein etwas anderes Bild der Lage. Aber das ist der Vorteil wenn man in einem Ausguck sitzt. Doch wie schon gesagt kann ich helfen.
Also dann Fregattenkapitän Gerhard Sender…
… stellen sie mal ihre Antennen auf Empfang. (HA..HA..HA.. – altes Seemannswortspiel) Ich habe Ihnen und Ihren neunzehn Kollegen, etwas Wichtiges zu melden. Denn Ihr seid auf dem falschen Kurs. Also teilweise jedenfalls. Denn was Euren derzeitigen Liegeplatz betrifft, so seid Ihr gar nicht so weit vom richtigen Ort entfernt. Denn das größte Piratennest dieser Erde befindet sich nicht an der somalischen Küste, sondern ziemlich genau 51° 31′ N, 0° 7′ W. Dort werdet Ihr die schlimmsten Piratenkapitäne der ganzen Welt finden. Sie haben sich darauf spezialisiert, aus der Armut der somalischen Küstenbewohner und der Hilflosigkeit schlecht bezahlter Seeleute einen nicht ordentlichen, aber ziemlich hohen Profit zu schlagen. Dazu brauchen sie weder Schnellboote noch Waffen. Diese verkaufen sie lediglich an ihre Handlanger und deren Warlords. Danach helfen sie diesen, selbstverständlich gegen Provision, die Lösegeldzahlungen auszuhandeln und die Gelder, auch fließen zu lassen. Wenn ein Reeder nicht zahlen kann oder will, dann kann man ja noch die Ladung und das Schiff verkaufen, vermakeln, verscherbeln. Da das auf einem afrikanischen Dorfmarkt eher unmöglich ist, sitzen sie auch hier wieder mit im Piratenboot. Am Ende krönen sie ihre Raubzüge mit hohen Versicherungsprämien.
Ich gebe zu, diese Freibeuter entsprechen nicht mehr unbedingt ihrem traditionellen Erscheinungsbild. Weder Kopftuch, noch Augenklappe, Holzbein und Hakenarm zeichnen sie aus. Es sind eher handgearbeitete Schuhe, langweilige aber teure Anzüge, Aktenkoffer und der immer gleiche dämliche Haarschnitt. Aber zu erkennen sind sie auf jeden Fall.
Auf geht’s Sender, sammeln Sie Ihre Männer. Dann hart Steuerbord, und klar zur Wende. Sie müssen nur noch ein paar Stationen mit der Tube fahren. Schon sind Sie mitten drin im Piratennest. Dort können Sie dann mit voller Kraft voraus und dem “frischen Blick” des Flottillenadmirals Kähler den Gesamtwohlstand erhalten. Doch nicht nur das. Sie können dieses Piratennest gehörig ausräuchern und die geraubten Schätze, den Bestohlenen dieser Welt zurückgeben. Sie glauben gar nicht, wie das die Weltwirtschaft stabilisieren würde.Was nun die Piratenbrut betrifft, so müssen Sie diese ja nicht gleich Kielhohlen oder an der Nock aufknüpfen. Das ist dann doch nicht mehr so zeitgemäß. Aber man könnte sie dort nützlich machen, wo ihr Handeln die Welt verwüstet hat. So ein bisschen körperliche Arbeit schadet nicht. Die “erdet” und ist auch besser als das Klima in Glaspalästen.
Sie sehen also, eine Lösung des Piratenproblemes ist möglich. Und nun das Beste! Da diese Piraten nicht nur in diese Gewässern rauben, sondern immer und überall, würden Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn auch die Ursachen für den derzeitigen Verfall des Gesamtwohlstandes hätten sie erfolgreich bekämpft. Sie wären der Held der Welt. Ihr Name würde, in den Geschichtsbüchern stehen. Ist das nichts?
Ich sage dann mal klar zu Gefecht und Ahoi.
Ihr Zivilist im Ausguck Jörg Fuhrmann
Noch ein Nachtrag: Holen Sie mal schnell unsere blauen Jungs zurück. Nicht, dass man für die später eine Front vor Laboe befehlen muss.
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P.S.: Diese Politik kann einem schon ganz schön den Tag versauern. Darum heute noch etwas zum versüßen dazu. Ich empfehle mal einen Roten Traminer Auslese, Ernte 2006 vom Weingut Bernhard Teltscher, Leutschach / Südsteiermark. Ein Süßwein mit einem wunderbaren Bouquet, charmant am Gaumen, mit feiner Säure und ohne vordergründigen Zucker.