Es war am 1.Februar 2007 als Delbrück Bethmann Maffei AG, die zur ABN AMRO Gruppe gehört, für ihren Fond "Global View" ein
Nachtragspapier herausgab. 100 Millionen Fondanteile sollten mehr herausgegeben werden, um auch ein Riesenrad in Berlin auf dem alten Wirtschaftshof des Zoos errichten zu können.
Riesenräder sind toll wie das in London zeigt und alte wie das im Wiener Prater sind noch toller, weil längst bezahlt. Berliner Politiker überschlugen sich vor Freude. Die Mahner wurden übertönt und Duckhome ist derartigen Kummer in Berlin so gewöhnt, dass keine Veranlassung bestand das Thema überhaupt aufzugreifen. Werfen wir das Geld eben durch ein Riesenradfenster. Kein Problem. Weg ist es sowieso für Wowereits SchickiMicki Gesellschaft aus C-Prominenz und zweifelhaften Sportlern.
Es macht einfach keinen Sinn gegen diese weltstädtische Gehabe von Kleinbürgern zu argumentieren. Zeitweise waren sogar drei Riesenräder für die Stadt im Gespräch. Am Friedrichshain, dem Gleisdreick und am Zoo. Nun spricht nichts dagegen, dass Leute von Riesenrädern träumen, sie sollten aber auch deren Kosten kennen. 120 Millionen waren für das größte Riesenrad der Welt in Berlin geplant, Mindestens 135 Millionen hat das kleinere Schwester-Riesenrad in Singapore gekostet. Diese entstammt einem eigenen Fond, der auch gerade komplett schief liegt.
Lustig ist, das der Fond für Singapore nur gerade mal ein Drittel der Kosten aufbringen konnte und zwei Drittel über die HypoVereinsbank (HVB) finanziert wurden. Da wird der Steuerzahler wohl bluten müssen. Selbstverständlich sollten bis zu 20 Prozent Rendite locken. Mittlerweile fressen mangelnde Besucher, technische Schwierigkeiten und Zinsen die Erträge. Dazu sind die Kredite für die Riesenräder in Berlin, Paris und Peking nicht sicher, die zu dem Konzept des Fonds Global View gehören.
90 Prozent des Fonds Global View wurden übrigens von der Deutschen Bank den jeweiligen Anlegern aufs Auge gedrückt. Insgesamt kamen 208 Mio. Euro zusammen. Rechnet man mit den Preisen aus Singapore dann werden 405 Millionen Euro benötigt, was rund 50 Prozent Fremdkapital durch Kredite bedeutet. Es ist einfach unvorstellbar wie man ein derart unterfinanziertes Geschäft seinen Kunden anbieten kann. Die Deutsche Bank hätte auf einem Eigenkapitalanteil von mindestens 80 Prozent bestehen müssen, wie er Vorschrift für jeden Häuslebauer ist.
Es ist nicht wichtig, das Berlin nun kein Riesenrad bekommt und der Fond am Jahresende wohl zahlungsunfähig sein wird. Das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass das Grundstück zurück an die Stadt fällt. Es würde nämlich auch Sinn machen, um ein solches Grundstück an prominenter Stelle im westlichen Zentrum Berlins zu bekommen, ein paar Investoren über die Klinge springen zu lassen.
Nein, die Investoren sind nicht zu bedauern. Sie bezahlen für ihre Renditegier mit ihrem Vermögen. Aber sie können sich trösten. Das Geld ist nicht weg. Einen schönen Teil davon hat die Deutsche Bank als Provision, einen weiteren großen Teil hat ABN Amro und in Peking gibt es ein Fundament. Wer sonst hat schon ein Fundament in Peking?
Wetten dass die in Berlin nach Landesbürgschaften fragen werden?