Wirtschaftsentwicklung besser als gedacht?
In nahezu rhythmischen Abständen brüllt irgendjemand, dass die Rezession vorbei sei. In Deutschland ist dies vor allem den bevorstehenden Bundestagswahlen zuzuschreiben . Aber das Phänomen existiert weltweit. Es kann also nicht dem deutschen Wahlkampf geschuldet sein.
Tatsächlich gibt es weltweit einen festen Glauben an die sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn man einen bestimmten Wunsch nur oft genug äußert. hoffen diese Gläubigen, dann wird er sich auch erfüllen. Tatsächlich braucht man bestimmte Dinge nur oft genug zu wiederholen, damit sie Teil des allgemeinen "Wissens" und damit "Wahrheit" werden.
Ein schönes Beispiel für eine solche Geschichte ist der Bericht, dass Hummeln aus wissenschaftlicher Sicht nicht fliegen können. Daraus entstand der Witz das Hummeln die trotzdem fliegen, das Buch eben nicht gelesen haben. Natürlich hat kein Wissenschaftler jemals ernsthaft behauptet, dass Hummeln nicht fliegen können. Es hat lediglich jemand beschrieben, dass es für Hummeln aufgrund ihres Körperbaus im Verhältnis zu vergleichbaren Insekten am schwierigsten ist zu fliegen.
Man kennt viele solcher "Wahrheiten" die aber eben nur von interessiereter Seite lancierte Lügen sind. Am häufigsten werden solche Lügen lanciert um Produkten, Religionen oder politischen Ansichten eine positive Hintergrundgeschichte zu geben, die sie in Wirklichkeit aber nicht haben.
Weltanschauungen die davon leben, möglichst ständig neue Anhänger gewinnen wollen, schaffen sich auf diesem Wege sogar Märtyrer und Heilige. Die katholische Kirche war und ist Spezialistin in dieser Art von Demagogie. Praktisch für jede denkbare Lebenslage und jede gute Tat gibt es einen oder mehrere Heilige, deren Vorbild man nur folgen muss, um entweder gut durchs Leben zu kommen, oder doch wenigstens sicher in den Himmel zu kommen.
Die momentan verkommenste Form wendet die INSM von Martin Kannegießer an. die einfach bestehende Begriffe aus dem gesellschaftlichen Leben in ihr komplettes Gegenteil verkehrte. Seit sich diese Verbrecher an der deutschen Sprache vergangen haben, steht der Begriff Soziale Marktwirtschaft eben nicht mehr für einen fairen Interessenausgleich zwischen dem Kapital und der Arbeit, bei der, der Staat sich als fairer aber entschiedener Schiedsrichter präsentiert, sondern für ein System in dem jeder der Hilfe braucht, als Schmarotzer diffamiert wird, während die Abzocker, Raffer und Betrüger, die Bankster und gekauften Politiker als die Helden gelten..
Mit der gleichen Methode schaffte es eine moralisch und ethisch eher zweifelhafte Waschmittelbude, für sich den Slogan "Weißer als Weiß" zu reservieren. Das ist zwar nicht nur sprachlich sondern auch real völliger Unsinn, bleibt aber als "Wahrheit" erhalten.
Aus den dunkelsten Tagen der deutschen Geschichte ist uns der Satz "Arbeit macht frei" geblieben und die FDP spricht davon, dass "Leistung sich wieder lohnen" muss. Natürlich machte Arbeit bei den Nazis nicht frei. Die Freiheit gab es nur im Tod. Egal ob durch die Gaskammer, verhungern oder totschuften.
Die Leistung von der die FDP will, dass sie sich wieder lohnen soll, ist die Leistung der Bestverdienenden, des Großkapitals und deren Knechten. Die Leistung der Menschen die all die wirkliche Arbeit leisten, sich als Feuerwehrmann, Krankenschwester oder Fließbandarbeiterin, Bürokraft und Busfahrer ins Zeug legen, diese Arbeit wird von der FDP vollständig negiert, ja die FDP tut alles, damit diese Leistung möglichst schlecht bezahlt wird.
Uwe Barschels "Ich gebe ihnen mein Ehrenwort" war auch so gedacht. Das Ehrenwort eines Gentleman ist auch so eine "Wahrheit". In Gedanken soll man sich eine wirklich ehrenhaften Mann vorstellen, der so hoch über den Dingen und Bedürfnissen steht, dass sein Wort nicht in Frage zu stellen ist. Natürlich kennt jedermann einen solchen Ehrenmann nur in seiner eigenen Vorstellung, glaubt aber fest daran das es diesen Mann gibt.
Nun war Barschel kein Ehrenmann, was bei einem Politiker auch nicht anders zu erwarten war. Das er gelogen hatte, wäre vermutlich genau so schnell wieder vergessen gewesen, wie die sonstigen Lügen der Politiker. Weil er aber damit die "Wahrheit" des Ehrenwortes betrügerisch benutzt hat, fiel er komplett in Ungnade. Er verstieß gegen den ungeschrieben Kodex, der mit dem Ehrenwort verbunden ist, was seine Schuld noch vergrößerte.
Die Gauner, die den Menschen in aller Welt wissenschaftlich erklärten, dass der Markt alles reguliere, die Volkswirtschaftler, die bis auf die dritte Nachkommastelle ausrechnen konnten, was eine bestimmte Gesetzesentscheidung gegen die Menschen, für angebliche tolle wirtschaftliche Vorteile hatte, konnten noch nicht bestraft werden. Aber bei vielen Leuten bricht heute schon ein Lächeln durch, wenn so ein Volkswirtschaftler versucht weiter zu lügen.
Noch versuchen die Volkswirtschaftler und andere Neoliberale zu retten, was längst nicht mehr zu retten ist und es wird kräftig weitergelogen. Natürlich gibt es keinen Aufschwung, aber es muss einen geben, damit nicht jeder diese sogenannte Wissenschaft berechtigt in Frage stellen kann und damit niemand auf die Idee kommt, diese Leute für ihre falschen Prognosen und den angerichteten Schaden haftbar zu machen.
Sie, die die größte Krise der Weltwirtschaft nicht kommen sahen und von ewigem Aufschwung träumten, sie müssen wie gehabt weiterlügen und hoffen, dass sich die Dinge bessern. Natürlich ist ihnen klar, dass es nicht aufwärts sondern nur leicht gebremst abwärts geht. Sie spielen einfach auf Zeit.
Denn langsam aber sicher werden die Vorjahresvergleiche besser weil im Juli und August 2008 der Abschwung schon begann und im nächsten Januar könnte es noch besser aussehen. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Im Moment helfen die Milliarden an Konjunkturpakten die weltweit ausgeschüttet wurden.
Die Automobilbranche profitierte von der Abwrackprämie und bekam viele vorgezogene Aufträge, die allerdings in den nächsten Jahren fehlen werden. Auch die etwas angezogene Exportwirtschaft arbeitet vor allem die Konjunkturprogramme ab und füllt die Lager wieder auf.
Es mögen auch noch ein zwei kleinere Nachbeben der Konjunkturprogramme kommen, bevor das Geld in den längst wiedereröffneten Kasinos der Börsen verspielt ist. Fundamental ist die Krise noch lange nicht auf dem Tiefpunkt. Wenn Massenarbeitslosigkeit dazukommt wie mit Sicherheit anzunehmen ist, dann wird es wohl für Jahre keine Hoffnung geben.
Aber um Hoffnung zu erwecken, wird der Aufschwung herbeigeredet. Ständig sieht irgendwer ein Licht am Ende des Tunnels und brüllt diese Weisheit heraus und möchte, dass die Menschen sie als "Wahrheit" annehmen. Dahinter steckt die Hoffnung, dass wenn nur genügend Leute an den Aufschwung glauben, er doch wirklich kommen könnte. Das erinnert stark an das kindliche Warten auf den Weihnachtsmann, der dann doch nur der versoffene
Dauerstudent, oder Onkel Otto mit Bart ist.
Hoffnung soll die Menschen dazu verleiten, mehr Geld auszugeben als sie haben, um zuerst damit das Großkapital und am Ende vielleicht auch sie selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Wer darauf einsteigt wird am Ende alles verlieren.
Selbstverständlich macht die Börse wunderbare Gewinne möglich. Aber nicht für Otto Normalverbraucher. An der Börse sind die Milliarden unterwegs die die Nationalstaaten den Banken gegeben haben. Sie lassen dort Aktien von Unternehmen in den Himmel steigen, die nicht einmal in der Lage sind eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr abzugeben.
Bei Anleihen, wie auch bei Staatsanleihen sieht es nicht anders aus. Dort wird das Geld des Steuerzahler verzockt und mit Schulden bezahlt, die der Steuerzahler von Politiker wie Merkel und Steinbrück einfach aufgedrückt bekommt.
Das Ergebnis ist klar. Die Schulden können nur mit einer gewaltigen Inflation bezahlt werden. Dabei ist es fast egal ob jährliche Inflationsraten von mehr als 10 bis 25 Prozent das Geld wertlos machen, oder ob es ehrlicherweise zu einer Währungsreform kommt, bei der die neue Währungseinheit eben nur noch ein Zehntel der alten Wert ist.
Mit dem angeblichen Aufschwung soll nur eine falsche Hoffnung erzeugt werden. Hummeln fliegen und der Abschwung geht immer weiter. Mindestens bis 2012, wahrscheinlich sogar bis 2015 auch wenn er am Ende fasst nur noch Stagnation ist. Erst wenn die Menschen die Dinge selbst in die Hand nehmen und dem gierigen Kapital, enge, sogar sehr enge Fesseln anlegen und zu große Ballungen von Kapital einfach zerschlagen, gibt es wieder einen Grund zur Hoffnung.
Tags für diesen Artikel: aufschwung, betrug, hoffnung, insm, vertrauen, volkswirtschaftslehre, wahrsager, weltwirtschaftskrise
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