Rudolf Stumberger fasst bei
Heise in einem sehr lesenswerten Artikel die Ergebnisse einer Studie von
Prof. Dr. Bernd Blöbaum zusammen, die dieser zusammen mit anderen, im Institut für Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster erstellt hat.
Wichtig ist, das bei dieser Studie zum ersten Mal ein breites
Forschungskonzept mit vielen Journalisten (15 Nachrichtenredaktionen) und über einen längeren Zeitraum (16 Jahre) zum Einsatz kam. Deshalb kann und darf es im Zusammenhang mit der Studie "
Wandel bei aktuellen Massenmedien: Journalismus in veränderten Medienkontexten"nicht auf ein einfaches Journalistenbashing zulaufen. Auch wenn manches Bloggerherz dies schon aus Rachegründen gerne möchte. Die Ergebnisse der Studie sind erschreckend und gehen alle etwas an.
Danach arbeitet mehr als die Hälfte der rund 300 befragten Journalisten heute länger als noch vor einigen Jahren und drei von vier Journalisten sind der Meinung, in der gleichen Zeit mehr leisten zu müssen als früher. Die Verdichtung der Arbeit hat zugenommen, nicht zuletzt durch die Übernahme von Arbeiten, die früher von anderen getan wurde. Mehr Zeit für Konferenzen, mehr Organisations- und Verwaltungsaufgaben aber gehen auf Kosten der journalistischen Kompetenz: "Mehr als die Hälfte der Journalisten gibt an, heute weniger Zeit für die Recherche zu haben als noch vor zehn oder 20 Jahren." Dies deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien.
Die Forscher konstatieren, der Druck auf den Einzelnen nehme zu und das habe auch Auswirkungen auf das Privatleben. Ein geregeltes Wochenende sei noch vor zehn Jahren einigermaßen normal gewesen, wird Christian Krügel, Chef vom Dienst bei der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Heute aber sei das die Ausnahme: "Man hat weniger Freiräume. Einen halben Tag Auszeit zu nehmen, um in Ruhe zu recherchieren, ist schwierig".
Recherche ist aber das A und O des Journalismus. Je eher man eine Recherche aus Zeitgründenabbrechen muss, desto größer ist die Gefahr, einen entscheidenden Hinweis übersehen zu haben. Da die Themen aber immer komplexer und das Informationsangebot immer reichlicher wird, müsste eigentlich mehr Zeit zur Recherche zur Verfügung stehen um wenigsten eine gleichbleibende Qualität zu erreichen, verkürzt sich die Zeit für Recherche sinkt die Qualität.
Natürlich können auch Blogger nicht endlos recherchieren, aber aufgrund der vielen im Netz verfügbaren Daten und der besseren Beherrschung der Technik, wird der Abstand geringer. Vor allem in den Bereichen, indem es um die Zusammenfassung und Kommentierung von Nachrichten geht, beginnt die Bürgerpresse den Systemmedien davon zu laufen. Das ist vor allem ein Qualitätsproblem der Systempresse.
Immer mehr spürbar wird in den Redaktionen der wirtschaftliche Druck, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Ob Einschaltquote, Zeitungsauflage oder Klickzahlen – eine große Mehrheit von 83 Prozent der befragten Journalisten gibt an, dass sich diese ökonomischen Parameter "ganz eindeutig oder zumindest teilweise" auf ihre journalistische Arbeit auswirken. Diese Orientierung am wirtschaftlichen Erfolg hat Folgen: "Journalisten stellen ihre eigenen Vorlieben und ihr journalistisches Selbstverständnis in den Hintergrund." Eine Tendenz, die als beunruhigend angesehen wird. So sehen fast 80 Prozent der Befragten die Gefahr, dass sich Konkurrenzdruck und wirtschaftliche Zwänge vermehrt auf die Sorgfalt der eigenen journalistischen Arbeit auswirken werden. Weil verschärft in wirtschaftlichen Kategorien gedacht werde, gehe das Ethos einer unabhängigen Presse verloren, so das Statement eine befragten Journalisten.
Unter dem wirtschaftlichen Druck werden journalistische Inhalte immer mehr bloß zu einem Umfeld für Werbekunden. "Die Werbeindustrie braucht ein spannendes Umfeld, indem sie ihre Werbung für Zuschauer gezielt schalten kann", so das Zitat eines Privatfernseh-Redakteurs. Das aber heißt in letzter Konsequenz, so die Kommunikationswissenschaftler, dass Inhalte für Werbekunden geschaffen werden und der Leser, Zuschauer oder Hörer vor allem als Konsument interessant ist. Fast die Hälfte der befragten Journalisten gibt dann auch an, es werde immer wichtiger, Werbekunden ein passendes redaktionelles Umfeld zu liefern. Ein Umstand, der die Zukunft eines unabhängigen Journalismus nicht gerade in rosigem Licht erscheinen lässt.
Es wurde ja auf Duckhome schon oft thematisiert, das Journalismus heute nur noch das füllen der weißen Flächen rund um die Werbung bedeutet. Herr Burda und
der Bundesvorsitzende des Deutsche Journalisten-Verbandes, Michael Konken sollten sich diese Studie gut durchlesen.
Das Problem ist nämlich nicht die Gratiskultur des Internets, sondern die mangelnde Qualität der zu reinen Werbeflächen verkommenen Medien. Je besser die Bürgerpresse und die Blogger werden, desto schwieriger wird das Umfeld für Print. Videopodcasts werden aber auch den Bereich TV angreifen und Internetradios gibt es bereits wie Sand am Meer.
Dabei geht es übrigens gar nicht um eine Gratiskultur. Es geht darum seine eigenen Inhalte und Ansichten zu veröffentlichen. Das dies Gratis erfolgt liegt daran, dass niemand bereit ist für diese Inhalte zu bezahlen, weil es kein echtes Micropayment gibt. Das könnte sich aber im Laufe der Zeit ändern und einige Bürgerjournalisten könnten von ihren Projekten vielleicht sogar leben.
Im Moment haben wir aber eine ganz andere Gefahr. Die PR überwuchert den Journalismus. Die von den Lobbyisten der Versicherungswirtschaft gestalteten Riester- und Rüruprenten die mit viel "journalistischem Begleitlob in den Markt gedrückt wurden haben sich als Flop erwiesen. Die neoliberale Lehre vom reinen Marktradikalismus hat die Menschenheit direkt in die aktuelle Weltwirtschaftskrise geführt, die Journalisten haben es aber bis heute nicht bemerkt und versuchen stattdessen den Abschwung zum Aufschwung umzudeklarieren.
Bild feiert in der
Hannover Ausgabe die neu verliehene Ehrendoktorwürde an AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und schafft es alle zweifelhaften Elemente des AWD und die Tatsache das Maschmeyer den Wirtschaftsweisen Rürup, vermutlich aus Dankbarkeit für die erfolgreiche Zuarbeit eingestellt hat. Eine Einstellung die sehr nach einer nachgelagertern Bestechung aussieht. Bei Bild davon kein Wort.
Aber die anderen sind auch nicht besser. Sie bejubeln die Quartalsgewinne der Banken, obwohl sie wissen, dass diese Gewinne nur entstehen, weil buchhalterisch CDOs, also Hypothekarschrottpapiere, die eigentlich nicht handelbar sind, statt mit Null, mit einem rein virtuellen Wert in der Bilanz geführt werden, die nichts mit der Realität zu tun haben. Ja sie reden sich und anderen sogar einen Aufschwung ein, den es nicht gibt.
In Berlin entsteht jetzt sogar extra die Quadriga Hochschule die ab April 2010 Journalisten zu PR Leuten ausbilden soll. Gründungspräsident ist ein Journalist, der ehemalige SWR-Intendant Peter Voß, der ja schon dadurch aufgefallen ist, dass er nichteinmal seinen Geburtstag selbst bezahlt, sonder sich schamlos beim Gebührenzahler bediente. Für besondere journalistische Unabhängigkeit war er ja nie bekannt.
Lustig ist, wer sich sonst da noch in den Gremien tummelt. "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid, "Cicero"-Chefredakteur Wolfram Weimer und dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn. Ja Schmid und Weimar, die Prediger der INSM und der neoliberalen Unmenschlichkeit. Da ist unabhängiger Journalismus schon von Anfang an erledigt. Wenn die in dieser PR-Hochschule ausgebildeten "Journalisten" auf den Markt kommen, ist die Unabhängigkeit der Medien endgültig erledigt.
Wir müssen heute schon davon ausgehen, dass die Wahrheit durch unsere Medien nicht mehr zu erfahren ist. Das bedeutet, dass alle Leute die sich nicht ihre Informationen selbst zusammentragen, sondern auf die Systemmedien vertrauen, bewusst in die Irre geführt werden. Das betrifft jeden. Die Bürger sollten ihre Abos und auch die Fernsehgebühren kündigen. Erst wenn mit dieser Art von Journalismus kein Geld mehr zu verdienen ist wird sich etwas ändern.
Wir brauchen ein Zeitalter der Aufklärung.
Das einzigste „Investigative“ an und in die Arbeit der Meisten "Journalisten" ist das: Wie rette ich meinen Arsch vor der Kündigung und wie oft soll ich den Stiefel meines Chefredakteurs lecken, damit er mich lieb hat... Diese Schleimspur geht bis nach oben. bis in die Ritze des Vorstands hinein, wo dann wiederum noch größere Ärsche aus Wirtschaft und „Politik“ auf den devoten Zungenschlag warten...
Dass das Ansehen von Journalisten bei der Bevölkerung tief gesunken ist, sagt eigentlich schon alles!