Das meiste was an „Lösungen“ rings um das Thema Familie und Kinder vorgetragen wird, ist kompliziertes, ideologisch aufgeladenes und überflüssiges Zeug. Ich hingegen finde das alles ziemlich einfach. Zum einen muß man sich klarmachen, dass Familie heute kein einförmiges Gebilde mehr ist. Dieser Aspekt stand im Mittelpunkt meines Beitrages am letzten Samstag. Mehrere Kommentare haben das sehr gut umschrieben. Und zum anderen gibt es zwei Eckpfeiler, die die Rahmenbedingungen für Familien festlegen: Zeit und Geld.
Familie, das ist Ort und Gemeinschaft wo Kinder aufwachsen. Eltern, Großeltern, Kinder, Geschwister, und weitere Personen, die zu diesen Gemeinschaften gehören: die Rechtsformen sollten nebensächlich sein. Allen Beteiligten, die zur Familie gehören steht ein ausreichender steuerfreier Anteil des Einkommens zu, das heißt Freibeträge pro Nase, egal ob erwachsene oder kindliche Nase! Einkommen durch Erwerbsarbeit wohlgemerkt. Eigenes Einkommen. (Im Ausnahmefall kann dies natürlich Rente sein, Elterngeld oder andere Transferleistungen.) Niemand sollte abhängig vom Einkommen des Partners sein. Das mal allgemein.
Familie braucht ZEIT. Kindererziehen braucht Zeit, Alte und Kranke pflegen braucht Zeit, Pubertierende brauchen Zeit und Nerven, - Haushalten, Kochen, Familienfeiern, all das braucht Zeit. Woher soll sie kommen? Von einer allgemeinen radikalen Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!!! Woher sonst. Würden alle 25 bis 30 Stunden arbeiten, dann hätten alle Zeit, familiäre (und diverse andere) Aufgaben auszuführen. Ohne Bezahlung. Was sonst. Die Überlastung einzelner würde verschwinden, keiner könnte sich rausreden. Kinder bräuchten nicht mehr so lange in den Kindergarten gehen, dürften dies aber auf Wunsch. Diese Arbeitszeitverkürzung müssen uns die GEWERKSCHAFTEN erstreiten bzw. erstreiken. Wer sonst. Nebenbei würde das uns ein Stück näher zur Vollbeschäftigung führen. Selbstverständlich.
Die POLITIK muß dem ganzen hohe Priorität einräumen, begreifen, dass das alles GELD kostet und entsprechenden Konzepten den Weg frei machen. Und der STAAT muß dafür sorgen, dass die entsprechenden Ressourcen bereit gestellt werden, damit eine optimale und flächendeckende Versorgung mit vorschulischer Kinderbetreuung gewährleistet wird und damit die Schulen inkl. Mittagessen auf ein höchstes Niveau gehoben werden. Die Skandinavier haben das geschafft, warum nicht wir?!! Die Politik könnte auch endlich mal die Aufgabe wahrnehmen und Industrie, Wirtschaft und generell alle Arbeitgeber an soziale Pflichten erinnern! Zum Beispiel, indem sie berufstätigen Eltern rechtlich genügend Flexibilität gewährleistet um zu Hause ein krankes Kind zu pflegen. Bisher haben wir dazu viel Idee, aber wenig Umsetzung.
Erziehungsmodelle wurden das ganze letzte Jahrhundert hindurch rauf- und runterdiskutiert. Da sind wir schon weit fortgeschritten. Natürlich müßte die Wahnvorstellung aus der neoliberalen Phase, man könnte Kinder zur Elite zurichten (fördern), kuriert werden. Aber das wird sich so oder so erledigen, vermute ich. Kinder sind nämlich auch nur Menschen. Können sich ja die Psychologen und Pädagogen darum kümmern. Den Rest machen die Leute dann selbst.
Über Feinheiten, wie Eintrittsalter in den Kindergarten, Verweildauer etc muß man das richtige Maß finden. Schulische Fragen, Elternpflichten, Kinderrechte und vieles andere sollten die jeweiligen Gemeinschaften und Gremien regeln. Spielräume für Ausnahmen, Weiterentwicklung und Anpassungen dieses anspruchsvollen Lebensbereichs werden sicherlich auch eine Rolle spielen. Dazu brauchen wir NICHT den Staat und seine Behörden. Politik und Religionsgemeinschaften, sowie Intellektuelle und andere Berufene dürfen ihre Vorschläge einbringen, wenn sie meinen. Vielleicht hört ja mal jemand auf sie, wer weiß.
Utopie? Finde ich nicht, aber meinetwegen. Ohne Utopie kein Aufbruch. Die Realität könnte sehr spannend werden. Aufbruch gab es ja schon öfter. Hätten in erster Linie Politik und Gewerkschaft ihre Aufgaben wahrgenommen, nämlich die Interessen der Bevölkerung zu vertreten, wären wir nicht immer wieder zurückgefallen sondern schon ein Stück weiter! Und seit das Geld in Strömen floß um Banken zu retten, wissen wir: Finanzierbarkeit ist kein Problem!
Uns Familienmenschen haben sie in diesem reichen Land in primitiven Verhältnissen sitzen lassen, und wir behelfen uns, so gut es eben geht. Die schicken Geldanlagen hatten jedenfalls die anderen. Und die Luxuswohnungen und den Designerfummel und den Edelfraß. Und die teuren Ferienreisen. Und, falls man doch Erben in die Welt setzt, Privatschule und Internat, um Tuchfühlung mit dem gemeinen Volk zu vermeiden. - Aber wie gesagt, wir haben ja unsere Interessenvertretungen. Gewerkschaften, Sozialdemokratie, die Linke, die Grünen gehörten auch mal dazu …
Doch wer von uns vetraut schon ernsthaft auf die Intervention von Gewerkschaften ? Gewerkschaften deren Mitglieder ein Parteibuch in der Tasche haben, was sie daran knebelt bloß nichts gegen die eigene Partei zu unternehmen - vor allem dann nicht wenn diese in der Regierungs(mit-)verantwortung steht. Im Prinzip muß man/frau sich für eine Seite entscheiden: entweder Parteimitglied und Bückling oder aufrechte GewerkschaftlerIn die für grundsätzliche Mindeststandards kämpft.
Die Symbiose beider Klientele ist derart verwaschen, dass nichts dabei herauskommt.
Außerdem überrascht mich immer wieder die perfide Dummheit der Menschen. Einerseits zahlen sie den Gewerkschaftsbeitrag (1% vom Bruttolohn) um Arbeitnehmerrechte zu stärken und andererseits zahlen sie obendrein noch den Parteibeitrag um diese Rechte weiter beschneiden zu lassen. Eines der besten Beispiele für die Doppelzüngigkeit ist Klaus Ernst, Gewerkschaftsfunktionär aus Fürth (Mitbegründer der WASG-West), der im Gegensatz zu denen, die er angeblich vetritt heute im Bundestag sitzt und fette Diäten kassiert, während die die er eigentlich vetreten sollte sich mit repressivem Hartz IV-Bezug abfinden müssen. Schlimmer geht's nimmer - oder doch ? Schon bei der nächsten Bundestagswahl im September wird der Deutsche Michel mal wieder unter glänzenden Beweis stellen, wie dumm er wirklich ist. Dieses "Programm" läuft nun schon über 40 Jahre - und es läuft und läuft und läuft...
-CK-
Ändert aber nichts daran, dass die Gewerkschaftsidee eine grandiose ist, um die sich sehr viele Menschen verdient gemacht haben. Deren Erbe muß bewahrt bleiben. Die Idee einer funktionierenden Gewerkschaft werden wir doch nicht Typen wie Klaus Ernst hinterher- und damit wegschmeißen. Und das gleiche trifft auf die entsprechenden Parteien zu, die "formal" das Erbe von großen KämpferInnen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin angetreten haben.
(Apropos Rosa Luxemburg - was ist eigentlich nun mit diesem Leichnam, den sie in der Charite gefunden haben ...)
Nein, ich habe nicht vor, sie in Ruhe zu lassen. Lieber sollten wir sagen: "Be-un-ruhigt Euch, meine Herren und Damen (Komplizinnen), wir sind ja da! Und zwar in vielerlei Hinsicht. Versprochen!
:-) L.
Kein Vertrauen zu gesellschaftlichen "Aufsteigern"!
Selbst denken, sich selbst mit seinesgleichen organisieren, selbst eigenmächtig handeln, für seine Interessen eintreten.., kämpfen, d a s , und n u r d a s brauchen alle, die in dieser Gesellschaft ausgebeutet, unterdrückt und verdummt werden bzw. die man mit allen Mitteln der Propaganda versucht zu verdummen und so für immer klein zu halten.
Das jedenfalls ist meine "Lehre" aus den letzten 100 Jahren deutscher Geschichte.
Wohin dieses ganze widerliche bürokratische deutsche "Vertretungs"-Unwesen mit seinen (angeblich!)"mächtigen" Gewerkschaften und "Arbeiterparteien" geführt hat, muss man doch zumindest in diesem Blog hier kaum jemand erklären, oder doch?
Gruß Hansi