< Quälen, ... äh, Wählen in Kreuzberg | Späte RAF Ermittlungen und die Möglichkeit gefälschter DNA >
Von einem der auszog um Millionär zu werden
Kennen sie die Männer und Frauen mit umgehängtem Mikro, die ständig an den Eingängen der Kaufhäuser lauern und von der tollsten Bratpfanne aller Zeiten, über Staubsaugerbürsten bis zum Gurkenhobel alles so enthusiastisch wie möglich verkaufen. Diese Prediger eines Konsums des Nonsens. Sie alle wollen reich werden und bleiben doch ständig nur Getriebene.
Markus Frick war ein angeblicher Börsenguru. Die Erfolgsgeschichte schlechthin. Bei N24 pries er sich selbst und seine Erfahrung an, er war enthusiastisch. Dabei war mit 22 Jahren schon Bäckermeister und wie er selbst auf seiner Website schildert, aus eher einfachen Verhältnissen. Aber er hat etwas aus sich gemacht, zumindest wenn man seiner Selbstdarstellung glaubt.
Schon als kleiner Junge lernte er den Wert des Geldes kennen, als er für einen Groschen die Kartons vor den Supermärkten einsammelte und in der elterlichen Backstube für kleines Geld die Backbleche putzte. Er merkte schnell, dass man nur dann zu Geld kommt, wenn man dafür etwas tut und sich nicht zu schade für eine Arbeit ist. Als er 14 Jahre alt war, hatte er stolze 5.000 Mark angespart und kaufte sich damit seine erste Aktie. Die guten Erfahrungen damit ließen ihn hoffen und er kaufte weitere Werte dazu. Mit 18 Jahren kehrte er dann der Börse wieder den Rücken, er hatte seine Gewinne und seine ursprünglichen 5.000 Mark verloren.
Ziel: mit 30 die erste Million
Ganz nach den elterlichen Vorstellungen machte Markus Frick dann eine Bäckerlehre und direkt im Anschluss die Meisterprüfung. Das Ergebnis: Mit 22 Jahren war er jüngster Bäckermeister Deutschlands. Schon damals träumte er von einem Leben in finanzieller Unabhängigkeit. Doch die Erfüllung seiner Wünsche schien noch sehr weit entfernt, schließlich stand er an 6 Tagen pro Woche ab 3 Uhr morgens in der Backstube und war als Produktionsleiter für den reibungslosen Ablauf des Unternehmens zuständig. Nebenbei nahm er jeden Nebenjob an, der sich ihm bot. Als Markus Frick dann mit 25 Jahren wieder sein Erspartes an der Börse anlegte, hatte er ein großes Ziel vor Augen: Spätstens mit 30 Jahren wollte er eine Million Mark auf seinem Konto haben. Als ihn sein Bankberater schon ein knappes Jahr später anrief, um ihm mitzuteilen, dass er genau das geschafft hatte, war sein Traum viel schneller wahr geworden, als er es erhofft hatte. Seine Vision: Das Wissen weitergeben und andere am Glück teilhaben lassen.
Markus Frick entwickelte sich als Autodidakt zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Börsenprofis Deutschlands. Grundlage dieses Erfolgs waren Kreativität, Disziplin, harte Arbeit und ein besonderes Gespür für die Herausforderungen der Finanzmärkte
Franz Josef Degenhardt hat solche Lebensgeschichten in seiner Ballade "Wenn der Senator erzählt" so grundlegend und ausführlich kommentiert, wie man es einfach nicht mehr besser machen kann. Sie sind schädliche Märchen.
Markus Frick ist nun nach Meinung der Berliner Staatsanwaltschaft erwischt worden. Sie wirft ihm vor, zwischen 2005 und 2007 Aktien empfohlen zu haben, mit denen er selbst gehandelt hat. Zudem wirft sie Frick vor, Aktienmäntel außerbörslich gekauft, umbenannt und anschliessend in den Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse gebracht zu haben. Diese an sich wertlosen Aktien hat er dann durch einen Schwung an Nachrichten und Empfehlungen in die Höhe gehoben. Dabei geholfen haben soll ihm ein Netzwerk von 14 Mittätern unter denen sich auch ein ehemaliger Manager eine Tochterfirma der Deutschen Bank befinden soll, geholfen haben.
Bei ihren Ermittlungen stießen die Fahnder nach Angaben des Magazins auf ein weit verzweigtes Netzwerk von Gesellschaften, die an dubiosen Geschäften mit den von Frick beworbenen Aktien beteiligt gewesen seien, darunter zwei Firmen auf der Tropeninsel Mauritius.
Betroffen sind ca. 20.000 Geschädigte und es geht vermutlich um einen Betrag von 250 Millionen, denen nach Angabe der Staatsanwaltschaft aber noch 80 Millionen an Guthaben auf diversen Depoten entgegenstehen.
Natürlich ist das kriminell. Gar keine Frage. Aber wenn der Typ mit dem Gurkenhobel seine Kunden belügt und sein Produkt schön redet, wo ist der Unterschied zu Börsenberatern. Frick hat ein ziemlich wertloses Produkt verkauft. Dass aber machen viele. Volkswirte und ihre Institute leben vom Verkauf von Wertlosigkeit. Das gleiche gilt für Politiker.
Wenn man sich ansieht, wie die großen Wirtschaftsforschungsunternehmen die Weltwirtschaftskrise vorhergesagt haben, nämlich gar nicht und wer sich die aktuellen Aktienkurse an den Börsen betrachtet, die nichts mit dem realen Wert der Unternehmen zu tun haben, der könnte auch hier von Betrug sprechen. Tatsächlich werden Aktienkurse ständig manipuliert.
Unzählige Börsenbriefe, Bewertung durch Bankanalystem und Ratingagenturen, aber auch die teilweise höchst lobbyistische Darstellung in den Medien sind Teil einer Propagandaschlacht, die in großen Teilen aus Lügen besteht. Es geht um Quartalszahlen, ja nur um Monatszahlen, die nichts mehr über ein Unternehmen aussagen. Bei Banken darf sogar offen betrogen werden, indem wertlose Papiere mit einem hohen Wert in den Büchern bleiben.
Thomas Frick wird vorgehalten den eigenen Vorteil gesucht zu haben und dass er nicht darauf hingewiesen habe, dass er in diesen Aktien involviert ist. Das ist nicht schön. Aber sagt Josef Ackermann seinen Kunden, wo er und seine Bank involviert sind. Er sagt es nicht. Er bestimmt in den Aufsichtsräten, kann Kredite gewähren oder versagen, kann seine Kunden so führen, dass sie für ihn günstige Papiere kaufen, kurzum er kann ein ganzes Land manipulieren und kein Staatsanwalt schreitet ein.
Das macht die Taten von Frick nicht besser. Aber er schwimmt in Wirklichkeit nur auf einer Welle, auf der eine ganze Branche schwimmt. Solange diese Branche sich nicht selbst in Frage stellt, oder die Justiz nicht flächendeckend eingreift, bleibt bei solchen Verfahren wie gegen Frick ein schlechter Nachgeschmack. Würde die Staatsanwaltschaft mit dem gleichen Elan die Vorgänge um IKB und HRE untersuchen, müssten einige Leute schon lange im Gefängnis gelandet sein.
Bei Universalbanken und selbsternannten Experten kann eigentlich nur eine Beweislastumkehr dazu führen, dass ihre Opfer, die zugleich auch Opfer ihrer eigenen Giert geworden sind, weitgehend geschützt werden. Selbstverständlich bedeutet dies, dass Leute wie Frick Versicherungen finden müssten, die ihr Risiko abdecken. Damit könnte mancher Scharlatanerie und mancher Betrug schon frühzeitig unmöglich gemacht werden.
Es braucht aber auch ein gesellschaftliches Umdenken. Denn solange der größte Abzocker die heimliche Bewunderung der Massen hat, wird sich nichts ändern. Es gibt Dinge mit denen man einfach kein Geld verdienen darf und es gibt Grenzen. Diese Grenzen muss aber die Gesellschaft für sich definieren. Ein Prozess der nicht in Gang kommen kann, weil die Medien ja das genaue Gegenteil predigen. Aber die Weltwirtschaftskrise dauert ja noch lange. Da bleibt Zeit für Änderungen.
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