Das gilt natürlich nicht für die Weiterbildung in den Betrieben. Dort wird jede Chance wahr genommen um Computerprogramme und den Umgang mit neuen Maschinen zu lernen. Das passiert aber vor allen deshalb, weil es den eigenen Arbeitsplatz langfristig sichert. Tatsächlich sind gerade mittlere und große Konzerne schon lange dazu übergegangen, ihre Arbeitnehmer mit Spezialqualifikationen zu versehen, die außerhalb des Unternehmens nicht anerkannt sind.
Das geht bis zu Betriebsmeistern und Technikern deren Wert aber nur im eigenen Unternehmen besteht. Natürlich haben die Arbeitnehmer das gemerkt und sind kaum noch bereit solche fragwürdige "Weiterbildung" in ihrer Freizeit zu machen. Tatsächlich ist aber selbst eine Weiterbildung im erlernten Beruf kaum möglich, weil die Industrie und Handelskammern wie auch die Handwerkskammern zusammen mit der Politik regelmäßig neue Berufe erfinden.
Dieses heitere Berufeerfinden führt dazu, dass nur wenige Jahre nach Abschluss der Lehre ein großer Teil der Ausgelernten plötzlich ohne Beruf dasteht. Dahinter steckt natürlich eine klare Absicht. Die so um ihren Beruf gebrachten, können wie Ungelernte behandelt werden und sind praktisch schutzlos und ohne Rechte.
Es gibt keine Weiterbildungsmöglichkeiten für die Menschen die so um ihren Beruf gebracht wurden. Jugendliche die solche Entwicklungen sehen, sind kaum noch motiviert viel Aufwand in die eigene Berufsausbildung zu stecken und von einem Weiterbildungsgedanken nicht einmal berührt worden.
Tatsächlich wird ja auch die Schulbildung der Kinder systematisch verschlechtert um Geld zu sparen. Anstatt kleinere Klassen zu schaffen sind Zahlen zwischen 28 und 35 Schülern selbst in den Grundschulen schon üblich. Natürlich versuchen die Schulen mit allen Tricks an mehr Lehrer zu kommen, aber die Ergebnisse sind mager. Dabei sind die Versäumnisse der Grundschule später nicht mehr aufzuholen.
Natürlich hat auch die schlechte Ausbildung in der Schule einen Hintergrund. Es ist bekannt,, das auf Dauer nur noch wenige Leute für die Produktion und die Dienstleistungen gebraucht werden Je mehr sich dabei mangels Bildung und Ausbildung nicht wehren können, desto leichter hat es eine kleine Herrscherschicht an der Macht zu bleiben und viel Geld zu verdienen.
Bei diesen Voraussetzungen ist klar, dass ein lebenslanges Lernen in Deutschland noch lange ein Traum bleiben wird. Der Staat hat in diesem Bereich sehr bewusst versagt. Allerdings ist das staatliche Versagen korrigierbar. Denn genau wie im Internet eine funktionierende alternative Presselandschaft in Form von Blogs und Foren entstanden ist, langsam eine Konkurrenz zum Fernsehen durch Videopodcasts und kleine Filme entsteht und es eine blühende Radioszene im Netz gibt, kann natürlich auch Bildung über das Netz verfügbar gemacht werden. Die Bildung kann so praktisch zurück in die Hände der Bürger gelegt werden.
Tatsächlich wäre es kein Problem, sämtliche Unterrichtsstunden von der Grundschule bis zum Studiumabschluss im Internet als Video zur Verfügung zu stellen, mitsamt dem Begleitmaterial in Form von PDF-Dateien. Videochat oder normaler Textchat könnten für Tutorien genutzt werden, im Netz wäre es sogar möglich rund um die Uhr Tutoren zur Verfügung zu stellen, damit jeder zu jeder Zeit lernen könnte.
In Finnland aber auch anderswo auf der Welt gibt es gute Ergebnisse mit derartigen Bildungssystemen, aber in Finnland hat die Regierung auch in Interesse an gut gebildeten Bürgern. Im reichen Deutschland wäre es ein Kinderspiel ein solches System innerhalb eines Jahres in Gang zu setzen.
Natürlich nicht als Ersatz für die herkömmliche Schule, sondern als Zusatzangebot. Aber die Räume in den Schulen und Universitäten könnten für Präsenztutorien und Präsenzprüfungen genutzt werden. Es fehlt nur an etwas gutem Willen.
Hat man es erst einmal geschafft dieses Bildungsangebot zu errichten, das jedem, jedes Bildungsziel möglich macht, kann man natürlich für die Berufe auch entsprechende Weiterbildung entwerfen und anbieten. Dazu braucht es einfach nur ein Gesetz, das verbietet neue Berufe, ohne die Überleitung aus anderen Berufen zu schaffen und selbstverständlich muss die Wirtschaft die Erstellung des Lehrangebots bezahlen und die Leute freistellen, die zu Präsenzlehrveranstaltungen gehen.
Erst wenn Weiterbildung sich für die Menschen sichtbar lohnt, werden sich viele finden, die Weiterbildung wollen. Im Gegensatz zur Abendschule bietet die Internetschule die freie Zeitwahl und eine Hemmschwelle Null. Jeder kann das Lehrmaterial ohne Anmeldung nutzen, man kann sich anonym mit einem Nicknamen anmelden um die volle Funktion zu haben und man kann ganz offiziell teilnehmen um Noten und Abschlüsse zu bekommen.
Natürlich wird es Leute geben die wieder aufgeben. Aber je mehr Leute von ihrem Erfolg erzählen, desto mehr werden es versuchen. So könnte eine Kultur für Weiterbildung oder besser eine Kultur für lebenslanges Lernen beginnen.
Nach meiner Ausbildung zum "Fachberater für Arbeitsvermittlung und Personaldienstleistungen hatte ich die Gelegenheit in mehreren Bildungsträgern tätig zu werden, die im Auftrag der Bundesarbeitsagentur verschiedene Formen der Weiterbildung anbieten. Was ich dort mit meinen eigenen Augen und Ohren habe "erleben" dürfen, kann ich nicht als Weiterbildung bezeichnen, sondern als Farce ! Hier werden nicht nur KurzarbeiterInnen sondern auch LeistungsempfängerInnen auf ein "Zwischenabstellgleis" geschoben. Hier wurde nicht qualifiziert, sondern eine Möglichkeit für die Arbeitsagentur geschaffen, die Arbeitslosenstatistik zu bereinigen. Am Ende dieser "Weiterbildungsmaßnhamen" stehen die TeilnehmerInnen meist da, wo sie auch vorher standen und durch die verlorene Zeit haben sich dann einige davon disqualifiziert.
Es ist eine Schande !
-CK-