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7. September 1950 - Sprengung des Berliner Schlosses
Es gibt Gebäude die eine gewisse Symbolkraft haben. Dazu gehört das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, das Hermansdenkmal im Teuteburger Wald und der Kölner Dom. Das Schloss in Versailles, der Tower in London, die Freiheitsstatue, der Kreml und sicher auch der Tempel des Dalai Lama und die Freiheitsstatue.
Es gibt unzählige dieser Symbole, viele haben auch eher regionale Bedeutung. Aber sie sind Symbole. Sie stehen für etwas. Sie sind nicht als Selbstbezug gedacht sondern sie repräsentieren etwas. Meist repräsentieren sie Macht. Macht über andere, die wiederum weiteren Machtanspruch für die Zukunft begründen soll.
Die Grundlage der Symbolbauten dürfte wohl in den Tempeln und Grabanlagen liegen. Die Pyramiden, der Tempel in Jerusalem, die Tempel Griechenlands und der Vatikan sind gute Beispiele. Bei den Tempeln und Pyramiden geht es darum, mit den Prunkbauten die Macht und den Reichtum des jeweiligen Gottes oder Gottkaisers zu unterstreichen.
Bei nichtexistenten Göttern geht es natürlich darum, die Macht seiner Stellvertreter auf Erden, also die Macht der Priesterkaste und ihrer jeweiligen Chefs zu manifestieren. Je mächtiger der Gott, desto mächtiger die entsprechende Priesterkaste. Je mächtiger der Gott und die Priesterkaste, desto höher das Einkommen.
Natürlich reichte es im Wechsel der Zeit nicht, rein spirituelle Macht zu haben, man brauchte zu Vermehrung des eigenen Reichtums nicht nur die Gläubigen und Sklaven, sondern vor allem auch eine bürokratische Machtstruktur, die über Gesetze, Regeln und Vorschriften, die Gläubigen, Sklaven und sogar die Ungläubigen reglementiert.
Da sowohl Gläubige und Sklaven, wie auch vor allem die Ungläubigen diesen Gesetzen nicht immer gehorchen wollten, brauchte es auch eine polizeiliche Streitmacht und später auch eine militärische Streitmacht um Ungläubige in anderen Ländern zu unterwerfen und Fronleistungen sowie Abgaben zu verlangen und diesen Anspruch auch durchsetzen zu können.
Mit einem symbolischen Gebäude war also immer nur ein Anfang geschaffen. Tatsächlich schaffen das Gebäude, die Bürokratie, die Regeln, die Polizei und das Militär einen Unterdrückungsbereich der schlussendlich zum Staat wird. Diese Entwicklung ist zwangsläufig. Natürlich sind nicht alle derartigen Staaten Theokratien, aber sie waren häufig der Ursprung von Staaten.
Selbst die griechischen Demokratien beruhten auf weitgehend verweltlichten Theokratien. Die Kaiser Chinas und Roms waren Gottkaiser, vereinigten also ein göttliches und ein menschliches Element wie das auch bei den Pharaonen war. Rom demokratisierte sich früh und die Kaiser gingen unterschiedliche Bündnisse mit einem oder mehreren Tempeln ein.
Gleichzeitig vielen Göttern zu dienen war aber schwierig, weshalb die Idee des Monotheismus von den Herrschern in Rom, aber auch im arabischen Raum, gleichermaßen gern angenommen wurde. Natürlich kam es dabei nie zu einer echten Trennung von Kirche und Staat. Bestenfalls konnte ein Gleichgewicht erreicht werden, welches aber immer wieder in Kämpfen bestätigt werden musste.
Die weltliche Macht, baute als Gegensatz zur Kirche den Adel aus. Der Landadel war das Gegengewicht zum Landpfarrer. Dieser ständige Wettbewerb fand sich auch in Gebäuden. Schlösser und Dome, Klöster, Militärfestungen standen in ständiger Konkurrenz. Ein Symbol versuchte das andere zu übertrumpfen. Natürlich kosteten diese Bauten viel Geld, Geld das aus Steuern und Abgaben, aus den Bauern und Bürgern gepresst werden musste.
Logischerweise waren die Bürger das Spiel schnell leid. Da die Handwerker und Händler in den Städten aber für den Adel und die Kirche gleichermaßen wichtig waren, erreichten sie eine weitgehende Unabhängigkeit. Und natürlich demonstrierte das Bürgertum diese Unabhängigkeit vor allem mit Bauten. Rathäuser, mächtige Stadtmauern und viele Tore dienten nicht nur der Verwaltung und Verteidigung, sie waren auch Symbole bürgerlicher Macht.
Man findet diese Unabhängigkeitserklärung bis heute auch in Kriegerdenkmalen, die beweisen sollen, welche Lasten das Gebiet für das Vaterland getragen hat. Das ist übrigens eine weitere Bedeutung dieser Symbolbauten, sie sind eine Verkörperung von Stolz. Nun muss man allerdings zwischen dem Stolz der Bürger und dem Stolz des Adels und der Kirchen unterscheiden.l
Der Stolz der Bürger beruhte nur auf der eigenen Leistung oder der gemeinschaftlich, als Stadt erbrachten Leistung. Der Stolz von Adel und Kirche beruhte auf den erfolgreichen Unterdrückungstechniken und der Übervorteilung der Bürger und Bauern. Wichtigstes Instrument der Unterdrückung war die Justiz. Mächtige Kerker und Gerichtsgebäude untermauerten den Machtanspruch.
Mit der industriellen Revolution wurde es immer schwierige die Allmacht des Adels und der Kirchen zu wahren. Der Prunk der Bauten musste durch eine aufwendige Lebensführung und allerlei martialische Paraden untermauert werden. Dazu kamen schärfere Gesetze und steigende Abgaben. Je mehr sich weltweit das Proletariat wehrte, desto schwieriger wurde es die Kontrolle über die Bestie Volk zu erhalten.
Wenn der Druck im inneren zu groß wird, lenkt man ihn am besten nach außen. Für die Kolonien kamen die Deutschen etwas zu spät, zum Führen von Kriegen, gar einem Weltkrieg, waren sie aber bereit. Ob der Wahn des Kaiser Willhelm oder gar der Wahn des Kapitals der Grund für diesen Krieg war, ist dabei weitgehend egal.
Der erste Weltkrieg war verloren und aus den gleichen Gründen wurde der zweite begonnen. Brünings Fehler in der Depression waren die Steigbügel die Hitler brauchte und die ihm von der deutschen Industrie und dem internationalen Großkapital gerne gehalten wurden.
Ist es da ein Wunder das Ulbricht das Kaiserreich und Hitlerdeutschland welches das Berliner Schloss als grandiose Kulisse missbraucht hatte, praktisch gleichermaßen mit dem Berliner Schloss schleifen wollte. Nein, es ist verständlich, menschlich wie politisch. Dazu kam noch, das der minimale Glanz der von dem zerschossenen Schloss ausging, gegen Ulbrichts erste Bauwerke und seine Symbole wie ein Juwel aussah. Neid, ja sicher aber auch Wut, denn Ulbrichts DDR musste aufräumen was das Kapital und die Nazis ihm hinterlassen hatten. Das macht wütend.
Selbstverständlich konnte das Schloss nichts dafür. Aber es war ein Symbol. wenn wir ehrlich sind, sollte das Symbol verschwinden, das Schloss verschwand nur als Nebeneffekt. Kulturelle Barberei. Vielleicht. Aber ist ein weitgehend zerstörtes Schloss eines verhassten Herrschers wirklich ein Kulturgut?
Vielleicht erledigt sich diese Diskussion mit dem Nachfolgegebäude. Der Palast der Republik oder Erichs Lampenladen wie er auch liebevoll genannt wurde, war ein Symbolbau des real existierenden Sozialismus. Er war tatsächlich im Wesentlichen ein Haus des Volkes. Feiern, Konzerte oder auch nur einfach eine kleine Mahlzeit oder auch nur eine Tasse Kaffee. Das Volk war ständig dort, während in der BRD das Volk im Parlament nicht gerne gesehen war. Die Herrschenden waren dort lieber unter sich.
Nach der Wende und dem Ende der DDR war klar, dass die Siegermacht, nämlich die BRD, vor allem aber das internationale Großkapital diesen Symbolbau loswerden wollten. Sie begründeten es natürlich auch nicht politisch, sondern sprachen von Asbest. Das Symbol wurde abgerissen und damit es auch wirklich nicht mehr wahr ist, bauen die ewig Gestrigen das Schloss wieder auf.
Es gibt zwar keinen Nutzen für das Schloss, der wirklich sinnvoll wäre, aber es gibt ein Symbol, Symbol, dass der Kapitalismus und der mit ihm verbundene Imperialismus den Sozialismus besiegt haben.
Natürlich ist das Barberei gegenüber der Geschichte. Aber so sind sie eben die Machthaber. Sie brauchen ihre Symbole. Demnächst werden sie die Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg schleifen, die ihnen solange so wichtig war. Freiheit ist für die Zukunft nicht mehr geplant.
Ulbricht hat übrigens richtig, wenn auch barbarisch gehandelt. Die DDR wäre noch über Jahrzehnte nicht in der Lage gewesen das Schloss zu sanieren. Einfach aus Materialmangel und Mangel an Arbeitskräften. Der Wohnungsbau ging vor. Ob Ulbricht daran auch gedacht hat, ist aber nicht überliefert.
Die BRD hätte nach der Wende das Geld gehabt den Palast. Sie investiert es lieber in kaiserliche Vergangenheit. Mal sehen wann das Pendel wieder umschlägt und das Symbol der ewig Gestrigen geschleift wird. Besser wäre natürlich es gar nicht zu bebauen und den Platz als Mahnmal zu bewahren. Aber auch das wäre ein Symbol.
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Duckhome am
10/18/09 um 11:24
In Berlin zeichnen sich die Ewiggestrigen gegenseitig aus
In Berlin gibt es für alles irgendwelche Befürworter und entschiedene Gegner. Der Alexanderplatz ist alles andere als eine architektonische Großtat sondern ein eher schmuddeliger Platz, dessen einziger Charme vielleicht di ...
In Berlin gibt es für alles irgendwelche Befürworter und entschiedene Gegner. Der Alexanderplatz ist alles andere als eine architektonische Großtat sondern ein eher schmuddeliger Platz, dessen einziger Charme vielleicht di ...























alternativ wäre vielleicht ein auffangzenter für hilfebedürftige und wohnungslose sinnvoller. dies wäre wirklich ein sinnvolles- und moralisch vertretbares symbol und mahnmal.
die Weisheit der Warner (vor Rekonstruktionen) weiß nichts von Ihrer Ahnungslosigkeit! Wussten Sie z.B. dass das Brandenburger Tor in Bezug zum Berliner Schloss stand? Es war das Propylon zur Burg und die Burg war das Berliner Schloss. Das, diese wichtige städtebauliche Verklammerung, konnte der Palast der Republik nicht. Denken Sie einmal darüber nach!
Das Brandenburger Tor steht in keiner direkten Relation zum Schloss, ja es war nicht einmal ein Tor in Richtung dieses Schlosses sondern ein Tor in Richtung Brandenburg an der Havel.
Worin unterscheiden sich denn eigentlich diese beiden Symbole? Keine Ahnung. Billiger wäre der Palast gewesen. Die Nutzung ebenjenes Kunstobjekt war ja am Schluß weltweit bekannt und gerühmt. Aber es ging ja nie um das Volk, es ging um die Vernichtung und Ausmertzung von Zeugnissen der DDRwarschlimmeralsNazi und Wilhelmzeit.
Ich fand es eigentlich ganz nett, wie sich der Dom im Glas des PdR gespiegelt hat, weine dem allerdings auch nicht hinterher...
Mich Hanseaten tangiert das auch nicht so.
Ich bekomme jetzt ja meine Elbphilharmonie hihi
sehr richtig, "das Brandenburger Tor steht in keiner direkten Relation zum Schloss" weil das Schloss ja noch nicht da ist. Wird es jedoch wieder und fügt sich dann harmonisch in das Stadtbild ein! Übrigens damit auch der Berliner Dom, dessen Kuppel das Pendant zur Schlosskuppel war. Auch das Alte Museum war auf das Berliner Schloss konzipiert. Hier geht es also nicht primär um eine Ideologie, das ist lange vorbei, sondern um Städtebau. Hannes Swoboda, Chef der Expertenkommission Historische Mitte hat es mal so auf den Punkt gebracht: "Wer sich eine Weile mit dem Thema beschäftigt, der kann gar nicht zu einer anderen Lösung kommen als das Berliner Schloss."
Der Zusammenhang mit dem Brandenburger Tor ist einfach Unsinn, aber das wissen sie ja selber. Es geht nur darum den faschistischen Ungeist wieder zu beleben, aber der ist, wie man ja an ihnen sieht noch lange nicht tot.
Sie sind dafür den Faschismus und den Imperialismus zu fördern. Also sind sie und die anderen Schlossfreunde faschistische Imperialisten.
Aber ihr dummes Schloß ist vermutlich erledigt, weil seine Freunde sogar zum dumm waren für eine ordentliche Ausschreibung zu sorgen.
Ein Volksbegehren wird dem Unfug ein Ende machen. Kein Geld für Willhems Ungeist.
Vielleicht wird aus der Fläche ja ein Kartoffelacker.