Wieso sagt man eigentlich „das sei keinen Pfifferling wert“? Später sehe ich mal bei Wikipedia nach. Ich habe heute Pfifferlinge aus Weißrussland gekauft, mmh, lecker, sagte mein Bruder, von Beruf Koch, Tschernobyl-Pfifferlinge! Ja, sagte ich, mir geht es auch nicht aus dem Sinn. Ach egal, einigen wir uns, einmal verstrahlt, immer verstrahlt, überall verstrahlt. So ist das eben.
Während ich die Pfifferlinge säubere, in annähernd gleich große Teile bringe und nach dem Absprühen mit Wasser, abtropfen lasse, denke ich über den Wert des Geldes nach. (Da ist er wieder, der „Wert“). Hat das Geld einen Wert? Und schon spüre ich sie kommen, die Scham über mein mickriges Bildungsniveau in Bezug auf Marx und das Kapital. Ich habe es ja immer wieder versucht. Aber selbst wenn ich mal was verstanden habe, kann ich es mir nicht lange merken. Zumindest nicht in exakten Begriffen. Aber was soll´s. Man tut was man kann.
Seit Monaten werden nun Erklärungen zur Krise produziert. Die Krise beeinflußt haben sie nicht. Die Krise hält allem stand!
Währenddessen schäle ich die gekochten Kartoffeln und schneide sie in Scheiben. So landen sie gleich in der ordentlich heißen Pfanne, mit Kümmel und Salz gewürzt, und werden zu leckeren Bratkartoffeln. Pellkartoffeln würden auch schmecken, und Semmelknödel erstmal!
Wir „low-levels“ haben in der Anfangsphase der Volksinitiative Peter so lange belatschert, bis er bereit war, uns beizubringen, wie Karl Marx die Krise erklärt. Ich habe sogar versprochen, alles auswendig zu lernen (Meine Chance!) Die Texte stehen nun auf den entsprechenden Seiten der
Volksinitiative. Schon in der Grundsatzerklärung ist ja vom „fiktiven Kapital“ die Rede: „Dabei kommen “finanzielle Massenvernichtungswaffen” zum Einsatz, die nicht nur aus der Realwirtschaft, sondern vor allem aus dem fiktiven Kapital des Spekulationscasinos munitioniert sind“.
Wir haben einen Kreditgeber und Kreditnehmer. Dieser verspricht, zu einem vereinbarten Zeitpunkt, den Kredit zurückzuzahlen, einschließlich Gebühr und Zinsen. So weit, so gut. (Nein, der Zins ist nicht das ausschlaggebende Problem!) „Was aber passiert“, fragt Peter, „wenn jemand auf die “raffgierige” Idee kommt, mit diesen Zahlungsversprechen selbst zu handeln? Also sie zu verkaufen, sie zu beleihen, sie zu horten etc., um davon noch mehr Zinsen zu bekommen? Dann sind wir in der modernen Kreditwirtschaft und nun wird es gefährlich.“ Da kommt der tendenzielle Fall der Profitrate ins Spiel: es kann also passieren, dass Porsche mit Spekulation an der Börse mehr verdient als mit Produzieren von Porsches. Er zitiert Marx:
“Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen, durch die verschiedene Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiedenen Händen unter verschiednen Formen erscheint. Der größte Teil dieses „Geldkapitals“ ist rein fiktiv.”
K. Marx, “Das Kapital, 3. Band, MEW 25, S. 488
Und nochmal für unsereins zur Erläuterung: „Wenn sich der Handel mit diesen verdoppelten und verdreifachten Zahlungsversprechen spekulativ ausweitet, entsteht ein immer größeres fiktives Kapital. Da aber letztendlich gilt, dass die Summe aller (Geld-)Werte mit der Summe aller Waren gleich sein muss, (was bedeutet, dass man jeder Zeit jedes Geld in eine Ware (Dienstleistung) umtauschen können muss), ist dieses fiktive Kapital eine tickende Zeitbombe.“
Jetzt wird es Zeit, die rohen Pilze in nicht zu heißer Butter anzudünsten. Mit Salz und Pfeffer und ein wenig gekörnter Gemüsebrühe (ohne Wasserzugabe) würzen und kurz darauf mit süßer Sahne angießen (wenn man saure Sahne oder creme fraiche hat, kann man damit variieren). Zum Schluß gebe ich eine ganz fein geschnittene Frühlingszwiebel dazu (Petersilie tut es im Normalfall) und lasse das Ganze mit geschlossenen Deckel kurze Zeit ziehen. Herd kann man schon mal ausschalten. Bloß nicht mit allerlei Zutaten herum experimentieren. Wir wollen doch den Eigengeschmack der Pilze betonen! Nebenbei immer mal die Bratkartoffeln wenden.
Nochmal. Die Zeitbombe geht hoch, wenn ein Umstand eintritt, die viele Leute gleichzeitig entschließen läßt, ihre Papierschnipsel in irgend etwas Reales einzutauschen. Das kann z.B. am Beginn einer zyklischen Überproduktionskrise sein. (Die haben wir nämlich auch, aber eben nicht nur!) Jetzt zeigt sich, dass die Summe der Geldes wesentlich höher ist als die Summe aller Waren. Und zwar um ein vielfaches! - Wir merken uns: es wurde nicht mit Geld gehandelt, auch nicht mit Zinsen, sondern mit Zahlungsversprechen! Das hatte bis dahin eigentlich kaum jemand zur Kenntnis genommen. Das was an Zahlungen versprochen war, ist fiktives Kapital. Es existiert kein Äquivalent in Gold, Grund oder sonstigem Anfaßbaren.
Meine Pfifferlinge haben einen Wert: ich kann sie nämlich aufessen! (Das Sprichwort ist doch echt blöde). Unser Geld hingegen, - von der Grundidee her eigentlich ein geniales Tauschmittel – basiert auf Glauben und Vertrauen. Wenn nun Spekulanten in betrügerischer Absicht diese Basis untergraben, zeigt sich, dass Geld schnell zu dem wird, aus was es gemacht ist: Zahlen, gedruckt auf Papier! Und nun?
„Früher war alles schöner, sagen die alten Männer. Später wird es besser werden, sagen die jungen Herren“, singt Haindling, und im Bayerischen reimt es sich natürlich. Die jungen Herren sollen sich schon mal warm anziehen. Unsere Krise deutet auf einen Fehler im System hin, und es könnte sein, dass es mit dem patriarchalischen Kapitel "Kapitalismus" mal ganz schnell zu Ende geht. Was mich wirklich wundert, ist, wie wenig die Betreiber des Systems bisher getan haben, um ihr Chaos aufzuräumen. Oder ist es eben nicht verwunderlich, weil man seinen Marx frühzeitig und solide gelernt hat? Wie unsere Kanzlerin? Sind sie ganz banal ganz ratlos? Unternehmen nicht mal den ernsthaften Versuch, Regulierung und Mäßigung im Finanzwesen einzuführen? Sehen wir einfach müde Schauspieler, die vom baldigen Ende der Vorstellung wissen?
Während ich die Küche aufräume,
kreiere ich noch einen kleines Dessert, Pfannkuchen (Teig für Kaiserschmarrn) mit Blaubeeren. Einen Hauch Puderzucker nicht vergessen. Das Patriarchat, sinniere ich vor mich hin, ist schon eine sonderbare Vorstellung "gewesen" ...