Es gibt wirklich noch angenehme Überraschungen. Gestern wurden auf der Blissestraße Parkverbotsschilder aufgestellt. Das bedeutet in Berlin praktisch auf allen Hauptverkehrsstraßen den Supergau. Meist folgen dann die Ampelaufsteller. Die Baubuden und Baucontainer. Dann wird es gemütlich. Jede Menge Maschinen und Material.
Dazu zwei Bauarbeiter, die den größten Teil des Tages das Arbeiterdenkmal geben, sich also in aufrechter Haltung auf den Schüppenstiel abstützen und kritisch bewundern, wie der Verkehr die minimale Fläche die ihm gelassen wurde, zum verkehren benutzt. Dann gehen die Monate ins Land. Hauptarbeitszeit ist immer dann, wenn alle schlafen wollen.
Die beste aller Lebensabschnittsgefährtinen meinte, wir sollten vielleicht doch verkaufen und einfach wegziehen. Aber das ist in Berlin witzlos. Die Baustellen verfolgen einen. Am schönsten ist es, wenn die gleiche Straße erst durch die Wasserversorgung, dann für die Abwasserentsorgung, danach für die Regenwasserkanalisation, dann für Vattenfall und zum Schluß noch mal für die Telekomiker aufgemacht wird. Meist wird genau so lange gewartet bis der Teer auf der Straßendecke wieder fest ist, bis die Autofahrer und Anwohner glauben sie hätten gewonnen.
Dann kommt das neue Baustellenschild und der Zirkus beginnt von vorn. Unnötig zu sagen, das die Herrschaften sich meist noch gegenseitig lahmlegen. Lustig so eine Tankstelle mal ohne Strom, mal ohne Telefon und Computerverbindung. Egal. Hauptsache es wird gebaut.
Gestern Abend, sagen wir gegen 17 Uhr, wurde der Maschinenpark aufgefahren. Busse und Autos hupten. Ich befürchtete das schlimmste. Aber das Gegenteil war der Fall. Die Bauarbeiter hatten einen Plan. Sie wollten die Teerdecke abfräsen und die Makadammschicht aufbringen. Das ging wie das Kaninchen machen. Unheimlich flink.
Eine schmale Fräse mit einem staubgeschützten langen Arm, der den Abfall in den LKW förderte. Daneben Arbeiter mit Besen, die den Dreck vom Straßenrand in die Mitte fegten. Dahinter eine hurtige, hungrige Kehrmaschine mit Auffangbehälter die alles einsammelte und ihren Behälter in den nächsten Weg der Fräse leerte, damit die ihn aufnehmen und verladen konnte.
Alle hurtig und in Eile, aber Autos konnten die Parkplätze und Garagen verlassen. Schnell und mit Ruhe wurde gearbeitet. Ein zweite kleinere Maschine fräste um die Kanaldeckel, den Rest machten zwei Leute mit Bohrhämmern, die über einen Benzinmotor verfügten. Das alle sehr leise, sehr professionell und unglaublich schnell. Mein Sohn war begeistert. Bis Mitternacht hat der DreikäseHoch fasziniert zugeschaut, was unter seinem Fenster passierte.
Der erste Makadamm kam und wurde verteilt und eingebaut. Eine kleine Walze sorgte für seine Verteilung. Eine zweite Lieferung von Makadamm kam und wurde ebenfalls eingebaut. Aber dann gab es kein Material mehr. Es fehlten ungefähr dreißig Meter. Die Arbeiter standen ratlos rum. Es gab keinen Teer mehr. Ein Fahrer telefonierte. Irgendwo schien sich ein Chef einzuschalten. Sie warteten lange. Aber es gab keinen Teer. Da mussten sie gehen.
Auch wenn dieses Ende traurig ist. Die Leistung war Klasse. Ein großes Lob. Völlig untypisch für Bauarbeiten in Berlin. Den Namen der Firma
Fräsdienst Enrico Feind werde ich mir merken. Mein Sohn hat mir übrigens heute morgen noch einmal haarklein erzählt was er gesehen hat.
ich bedanke mich für dieses sehr positive Schreiben, was in der heutigen Zeit sehr selten ist, dass man auch mal gelobt wird.
Ich muß Ihnen sagen, dass wir mit Spaß unserer Arbeit nachgehen und versuchen effektiv und sauber für unsere Kunden zu arbeiten und ich hoffe, dieser Eindruck wurde vermittelt. Von Bekannten und Kunden werden wir oft gerügt, dass wir Ihre Straße aufreißen und Sie mit langen Stau´s rechnen müssen, dass tut uns auch Leid, doch meistens sind wir nur kurz auf der Baustelle, fräsen was gefräst werden soll und danach kommt der Einbau, der näturlich dann mit allen weiteren Gewerken dauert. Ich freue mich, dass Ihr Sohn so begeistert bis Mitternacht zugesehen hat und hoffe Sie konnten alle ein bischen länger schlafen. Viele Grüße und bis bald mal wieder. K.Bickel
es ist ja doch etwas schade, dass jemeand der sich mit solcher Begeisterung in die Geheimnisse des Fräsens und Bitumen einbauens stürzt, immer noch der irrigen Annahmen ist, TEER würde eingebaut. Das ist (Hurra für die Umwelt) nicht mehr der Fall.
C. Herrmann
als erstes möchte ich Ihnen mitteilen, dass unsere Firma gar nicht einbaut und zweitens ich nie über Teer geschrieben habe, vielleicht sollten Sie die Kommentare genauer lesen. Im übrigen gehöre ich der weiblichen Fraktion an.
Karen Bickel